Rüdiger Frank zum Problem des Abzweigens von Lebensmitteln durch Nordkorea: „Food aid diversion: Why it does NOT matter“

Eben habe ich diesen kurzen Beitrag von Rüdiger Frank zur Frage der missbräuchlichen Verwendung von Lebensmittelhilfen durch das nordkoreanische Regime bei CanKor gelesen. Sein Fazit: Es ist völlig irrelevant, ob Hilfen für Nordkorea direkt an die Schwächsten und Ärmsten ausgeliefert, oder vom Militär oder anderen abgezweigt wird (wobei ersteres natürlich angenehmer ist). Ihren Zweck erfüllen die Hilfen so oder so.

Da ich jedes Wort des Textes für sinnvoll und richtig halte und mir nichts einfällt, dass noch besser zu formulieren oder zuzuspitzen gibts ein sehr langes Zitat:

One of the things I have, for years, been having difficulties to understand is the discussion of (staple) food diversion. It is of course an important political issue if we consider that donors like to give their resources for a specified purpose and discontinue donating if it cannot be proven that everything went as promised. Fair enough.

But from an economic perspective of feeding North Koreans, food diversion does not matter much.

Let me explain.

  1. Most importantly, food aid is not the only source of food in North Korea. It is only supposed to cover a gap between demand and supply. If “non-deserving groups” get no food aid, they will take their share from the other sources such as domestic production or regular imports, thus reducing the food amount available for deserving groups. In the end, it is a zero sum game. What matters is the total amount of food available in North Korea. If it is high enough, the poor will eat. If it is not, they will be the first to suffer. It’s as simple as that.

  2. The military: why do we seem to agree that the military must be treated as a non-deserving group? A young man is “deserving” as a baby, a toddler, a schoolboy etc. until the age of 17 or so; then he is forced by the state to wear a uniform and to guard hill No. 316 for a decade, while others of his age who were lucky enough to be born elsewhere enjoy the best time of their lives. I have strong doubts that the young man in question does this voluntarily. After he takes off the uniform, magically he becomes “deserving” again. Strange, isn’t it.

  3. Finally, some more economics. We know that the PDS is malfunctioning, i.e. people have to buy at least part of their survival ration on the markets – at market prices. The poor and vulnerable are what they are because they have little money, so they suffer the most from high food prices. As the markets are markets, prices there depend on supply and demand. The best way to help the poor is thus to lower the market prices by increasing the amount of available food in North Korea. Food aid is one way of doing so, although it is of course not a sustainable solution. I’d rather go for trade. Anyhow, even if food aid is diverted, it will eventually show up on the markets and drive prices down, or it will appear in the pockets of an official who will now not have to drive prices up by purchasing food on the markets. Either way, the market prices decrease and the poor benefit.

Well, all this of course only applies if the goal is to help the poorest among the North Korean people. Yet this, I am afraid, would be a quite naive assumption.

3 Antworten

  1. Danke für den Link. Mal wieder sehr interessant. Vieles was Rüdiger Frankt sagt klingt in meinen Ohren absolut nachvollziehbar.
    Letztlich muss es darum gehen der Bevölkerung vor der schlimmsten Not zu bewahren. Ob und wieviel und an wen die Lebensmittel geliefert werden, dürfte kaum einen Einfluss auf die Überlebensfähigkeit des Regimes haben. Die sitzen vermutlich so oder so fest im Sattel.

    Anders als Stefan MzH glaube ich ja, dass es der Elite in Nordkorea ganz gut in den Kram passt, wenn es der eigenen Bevölkerung schlecht geht. Das schafft Abhängigkeiten. Hat meiner meinung nach nicht so viel mit dem „bösen“ Ausland zu tun, das NK bewusst am Abgrund halten möchte.

  2. Rüdiger Frank hat nicht völlig recht. Die Eliten werden verschwenderischer mit den Hilfen umgehen als der ärmste Teil der Bevölkerung. Dann werden die Soldaten gut ernährt, während die arme Stadtbevölkerung hungert. Wenn die Lebensmittelhilfen direkt an die Bedürftigen verteilt würden, hungerte die Bevölkerung nicht, während die Soldaten zwar schlechter aber ausreichend versorgt wären.

    Er hat aber in sofern recht, dass die Alternative nicht direkte Verteilung oder Verteilung über die Eliten ist. Sondern die Alternative ist Lebensmittelhilfen, die von den Eliten verteilt werden, oder keine Hilfen. Und dann ist es klar das Hilfen die bessere Wahl sind. (Eigentlich sollte man die DPRK so lange mit Nahrungsmitteln überschütten, bis das Volk rebelliert.😉 )

  3. Ruediger Frank hat recht, wenn er die „Marktmechanismen“ beschreibt und erklaert vollkommen richtig, dass es nichts ausmacht, ob etwas von der Food Aid verloren geht oder nicht.

    Ob man jedoch dem Land und seiner Bevoelkerung mit Nahrungsmittelhilfen WIRKLICH etwas Gutes tut, behandelt er nicht.

    Permanente Nahrungsmittelhilfen ueber einen laengeren Zeitraum haben ueberall auf der Welt einen negativen Effekt: Die Erzeuger haben weniger Druck effektiv Nahrung zu produzieren. Wirtschaftliche Mittel, beispielsweise fuer Treibstoff fuer Traktoren und Transportmittel werden anderweitig genutzt. Nach weiteren Spenden zu jammern ist einfacher als aus Capacity-Building Projekten zu lernen und Anstrengungen zu unternehmen, die Landwirtschaft effektiver zu organisieren.

    Wuerde man Food Aid nicht ploetzlich einstellen, sondern mit Ansage (!) ueber einen Zeitraum von vielleicht zwei, drei Jahren auslaufen lassen, gaebe es sicher anfangs erhebliche Engpaesse. Aber der Staat waere dann endlich mal gezwungen, aus der Not heraus die Effektivitaet der Landwirtschaft zu steigern und vorhandene resourcen besser zu nutzen. Langfristig kann das nur gut sein.

    Aber mal ganz ehrlich: Will man denn wirklich, dass es den Leuten besser geht? Oder ist es nicht eher Strategie, das Land dauerhaft in einer Abhaengigkeit zu halten?

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