Treffen zwischen Kim Jong Il und Dimitrij Medwedew möglich. Russlands neue Rolle im Koreakonflikt

Berichten zweier Nachrichtenagenturen (Kyodo und PrimaMedia) zufolge, könnte in der kommenden Woche ein Treffen zwischen Kim Jong Il und Russlands Präsident Dimitrij Medwedew stattfinden. Ende der nächsten Woche plant Medwedew Wladiwostok zu besuchen, um die Vorbereitungen für den APEC-Gipfel, der dort im kommenden Jahr stattfinden wird, zu begutachten. Im Rahmen dieser Reise könnte es in Wladiwostok oder der Umgebung zu einem Treffen mit Kim kommen. Die letzte Reise Kim Jong Ils fand 2002 statt, als er den damaligen Präsidenten Putin in Wladiwostok traf.

Erfolg für Kim

Sollte das Treffen tatsächlich stattfinden, kann man dies in zweierlei Hinsicht interpretieren. Einerseits ist ein solches Treffen aus nordkoreanischer Sicht ein klarer Erfolg, da trotz der Provokationen des vergangenen Jahres, nach wie vor ein relativ guter Kontakt zu den wichtigen regionalen Partnern besteht. Außerdem kann das Treffen hinsichtlich der jüngst wieder angestoßenen Entwicklung der Sonderwirtschaftszone Rason, die auch für Russland interessante Möglichkeiten bieten dürfte, von Bedeutung sein. Denn hier könnten weitere Investitionen eingeworben werden und würde sich Rason tatsächlich zu einem Transportknoten entwickeln, wäre das auch für den unterentwickelten russischen Fernen Osten eine Chance. Auch hinsichtlich weiterer wirtschaftlicher Unterstützung wird Kim wohl bei Medwedew anfragen, da man ja bis 2012 den Status eines wohlhabenden und mächtigen Landes erreichen will.

Russland engagiert sich zunehmend

Andererseits ist es aber auch interessant, dass Medwedew gerade in der aktuellen Situation zu einem solchen Treffen bereit ist. Russland stand wie China in der Kritik, weil es in der Folge der Provokationen des letzten Jahres echte Maßnahmen gegen Nordkorea blockierte. Nichtsdestotrotz sucht Russland seit nunmehr einem Jahr eine aktivere Rolle im Konflikt auf der Koreanischen Halbinsel, bringt sich immer wieder als Vermittler ins Gespräch, schickt Abgesandte nach Nordkorea und macht eigene Vorschläge um die Situation zu bessern. Ein Treffen zwischen Kim und Medwedew wäre das klarste Signal, dass Russland sich wieder aktiver um eine Besserung der Situation bemühen will, dass auch der Präsident ein persönliches Interesse daran hat und das Russland wohl nicht so schnell auf die Linie der USA, Südkoreas und Japans einschwenken wird.

Implikationen: Strategischer Wettbewerb zwischen Russland und China am Horizont?

Interessant wäre es noch zu wissen, inwiefern Russland dieses Vorgehen mit der chinesischen Regierung koordiniert. Es wäre durchaus vorstellbar, dass Peking Russland gebeten hat, sich mehr zu engagieren, da es selbst aufgrund einer veränderten strategischen Situation, diese Rolle nicht mehr ausführen können wird. Ebenso wäre es aber auch denkbar, dass hier ein neuer Konflikt um Einfluss entsteht, und Russland sein Gewicht am Pazifik ausbauen will (immerhin glauben ja viele, dass dort die politische und wirtschaftliche Zukunft liegt). Ich tendiere zur ersten Annahme, da es bisher keine offenen Brüche zwischen der chinesischen und der russischen Nordkorea-Politik gegeben hat und es öfter mal so aussah als würde man viel telefonieren zwischen Peking und Moskau. Das heißt aber noch lange nicht, dass sich daraus in Zukunft nicht doch noch eine strategische Konkurrenz entwickeln könnte. Einen weiß ich schonmal, der sich dann ins Fäustchen lachen würde…

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