Besser spät als nie: EU-Kommission will Nothilfe für Nordkorea leisten

Die Abteilung für humanitäre Angelegenheiten der EU-Kommission (ECHO) hat ihre Lagebewertung über die Nahrungsmittelsituation in Nordkorea abgeschlossen und sich entschieden, Nothilfen im Umfang von 10 Millionen Euro zu gewähren (das sind immerhin etwa sechs Prozent der Mittel, die das Welternährungsprogramm der UN von der Staatengemeinschaft erbeten hat). Damit sollen rund 650.000 Menschen in den nördlichen und östlichen Provinzen des Landes versorgt werden. Die Hilfen sollen Kindern unter fünf Jahren in Krankenhäusern und Kinderheimen, Krankenhausinsassen, Schwangeren, stillenden Müttern und alten Menschen zugutekommen. Die Auslieferung und Verteilung der Nahrungsmittel soll über das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) abgewickelt werden. Man habe mit der nordkoreanischen Regierung ein striktes Überwachungssystem ausgehandelt, das die missbräuchliche Verwendung der Hilfen verhindern soll. So würden monatlich 400 Kontrollbesuche auf allen Ebenen der Verteilungskette stattfinden und der EU und dem WFP sei seitens der nordkoreanischen Regierung unbegrenzter Zugang versprochen worden. „Sollte sich trotzdem herausstellen, dass Hilfen abgezweigt würden, werde man nicht zögern, die Aktion umgehend zu beenden“, so EU Kommissarin Kristalina Georgieva laut einer Pressemitteilung von ECHO. Über die Konkreten Beobachtungen der Beobachtertruppe, die die Lage vor Ort analysiert hat, wurde wenig berichtet. Allerdings sei deutlich geworden, dass:

Increasingly desperate and extreme measures are being taken by the hard-hit North Koreans, including the widespread consumption of grass. A large proportion of the population is lacking sufficient food intake.

Daher sei sie zu dem Schluss gekommen, dass es, obwohl

outrageous that year after year the North Korean government has been starving its own people while funding programmes that are not to the benefit of the people and certainly not for the benefit of mankind

keine Entschuldigung dafür sei,

closing our eyes and closing our hearts when people are in desperate need. If we are to act, we must act now.

Es war sicherlich eine schwere Geburt und ich kann mir gut vorstellen, dass nicht nur mit Pjöngjang schwere Verhandlungen geführt werden mussten, sondern auch mit Seoul. Letztendlich entspricht die Europäische Union damit aber ihren eigenen moralischen Prinzipien und lässt sich bei der humanitären Hilfe nicht von politischen Motiven, sondern einzig von den Bedürfnissen der Menschen leiten, die unverschuldet in dieser schlimmen Lage sind.

Das was von den Beobachtungen der Erkundungsmission verlautete, klingt ganz ähnlich dem, was zuvor schon vom WFP und von NGOs berichtet wurde. So langsam gehen denen, die noch immer darauf beharren, es sei doch gar nicht so schlimm (da geht der Blick vor allem nach Seoul) dann doch mal die Argumente aus (und mir stellt sich die Frage, ob sie es nicht besser wussten). Als nächstes ist dann wohl Washington am Zug. Sollte es wahr sein, das die USA ihre Bewertung in Abstimmung mit der EU durchgeführt haben, dann dürfte in Kürze auch in Washington die Entscheidung für Hilfen verkündet werden. Mit den Hilfen aus den USA und Europa wird einerseits ein nicht geringer Teil des Bedarfs schon gedeckt sein, andererseits wird dies aber einigen zögerlichen Staaten (da kann man beispielsweise nach Berlin schauen (schließlich sprudeln unsere Steuereinnahmen so unglaublich, dass wir schon wieder am Verteilen sind (ich bin übrigens sehr stolz auf unsere Regierung, wie die das hinkriegen die Steuern zu senken und mehr zu sparen als geplant? Phänomenal!), da werden wohl ein paar Millionen für humanitäres über sein…)) als Signal dienen, nun selbst die Geldbörse ein bisschen zu öffnen. Dass das alles etwas länger gedauert hat, als es unbedingt nötig gewesen wäre, ist sicher ärgerlich. Aber besser spät als nie…

2 Antworten

  1. “ … monatlich 400 Kontrollbesuche …“
    da wird es dann von EU-Delegationen in Nordkorea geradezu wimmeln … oder wie hat man sich das logistisch vorgestellt ?

    • Es scheint so zu sein, dass man die Kontrollen in (vermutlich großen) Teilen an das WFP überträgt, aber auch eigene Leute vor Ort hat. Ich denke, dass ein Großteil der Kontrollen ohnehin schon in der Routine des WFP enthalten ist und diese Zahl nur genannt wurde, um möglichen Gegenargumenten von vorneherein den Wind aus den Segeln zu nehmen.
      In der Pressemittelung wird auch an drei Stellen darauf verwiesen, wie scharf die Kontrollen sein werden, man scheint sich sorgen zu machen, dass das Ganze als nutzlose Geldverschwendung der EU kritisiert wird und will das präventiv verhindern. Aber vielleicht werden dazu auch bald noch ein paar Journalisten bei ECHO nachfragen, dann könnte es nähere Infos geben…

Meinungen, Anregungen, Kritik? Alles gern gesehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s