UPDATE: Die komplexe Gemengelage um Nordkorea: Es bewegt sich was. Nur wohin?

Update: (28.07.2011): Immerhin nehmen sich die USA genügend Zeit für die Gespräche: Laut dem State Department sind der heutige und der morgige Tag für das Zusammentreffen der nordkoreanischen Delegation unter Kim Kye-gwan mit der US-Gruppe unter Bosworth (zu den anderen Teilnehmern wollte sich der Sprecher des Außenamts nicht äußern) vorgesehen. Vielleicht will man ja doch Ergebnisse?

Zeitgleich halten sich hartnäckig Gerüchte, dass auch Japans Regierung Gespräche mit Nordkorea anstrebe (über die entführten japanischen Bürger) und dazu bereits vorgefühlt habe. Allerdings wurde dies bisher von der Regierungsseite dementiert.

Ursprünglicher Beitrag (26.07.2011): Es ist etwas in Bewegung gekommen in den diplomatischen Bemühungen um eine Besserung der Situation auf der Koreanischen Halbinsel. Soviel ist klar. Wie weit diese Bewegung allerdings reichen wird, dass steht noch in den Sternen. Wie so oft sind die Signale aus Pjöngjang vielschichtig und die Reise von Nordkoreas erstem Vize-Außenministr Kim Kye-gwan nach New York ist nur ein Zeichen, das momentan zu empfangen ist.

Ein gutes Zeichen: Gespräche zwischen USA und Nordkorea

Kim ist heute zu der Reise aufgebrochen, die ihn vermutlich nicht nach Washington führen wird (das wäre aus Sicht der USA wohl ein zu positives Signal). Dort soll er Ende der Woche mit einer Delegation der US-Regierung zusammentreffen, um über eine mögliche Fortsetzung der Sechs-Parteien-Gespräche über die Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel zu sprechen und die Atmosphäre zwischen beiden Staaten zu verbessern. Die US-Delegation zu der wohl der Sondergesandte Stephen Bosworth gehören wird, soll abklopfen, ob Nordkorea bereit ist seinen internationalen Verantwortungen nachzukommen und konkrete und nicht-rückgängig zu machende Schritte zur Denuklearisierung vorzunehmen (das altbekannte Mantra der US-Regierung). Ob da konkret was bei rumkommt, steht also noch in den Sternen.

Atmosphäre für einen Erfolg schaffen

Zeitgleich hat sich US-Außenministerin Clinton mit Dai Bingguo, einem hochrangigen (höher als Minister) Diplomaten, der auch einen guten Draht nach Nordkorea hat, nicht zuletzt über die Rolle Chinas in den Bemühungen um eine Verbesserung der Situation unterhalten. Dabei dürfte nicht zuletzt die Aufforderung an China eine Rolle gespielt haben, aktiv Einfluss auf Pjöngjang zu nehmen. Man versucht also aktiv eine Atmosphäre zu schaffen, in denen Verhandlungen Erfolg haben werden. Allerdings dürfte dabei die eigene Position von weitaus größerer Bedeutung sein, als die Haltung Chinas, das Pjöngjang auch nicht zu etwas überreden kann, was es nicht möchte.

Viel Symbolik: China stärkt Nordkorea den Rücken

Allerdings kommen aus China auch andere Signale. Xinhua berichtet, dass das Übungsschiff Zheng He (interessanterweise ist das Schiff nach dem Kommandanten der letzten großen chinesischen Flotte benannt, der im 14. Jhd. die große Expeditionen in den Pazifik und den Indischen Ozean befehligt. Diese Reise stellt gleichzeitig die letzte weitreichende Machtprojektion des Reichs der Mitte über Südost- und Ostasien hinweg dar. Der Name des Übungsschiffs ist wohl kein Zufall) und die Fregatte Luoyang von Dalian aus aufgebrochen seien, um Häfen in Nordkorea und Russland zu besuchen. Ich weiß es nicht genau, aber wenn ich mich nicht täusche waren solche Besuche chinesischer Kriegsschiffe in nordkoreanischen Häfen sehr selten (ich habe auf die Schnelle keinen anderen Hinweis darauf gefunden). Das Anlaufen von Kriegsschiffen befreundeter Häfen ist eine hochsymbolische Geste, die — wenn auch ohne direkten Effekt — nicht zu unterschätzen ist. Damit zeigt sich einerseits ein weiteres Mal, dass die Beziehungen zwischen Nordkorea und China momentan sehr gut sind und das China gewillt ist, Pjöngjang den Rücken zu stärken. Andererseits markiert man damit aber auch sein Revier. Vielleicht könnte man den Besuch auch als Reaktion an einen Besuch des amerikanischen Atom-U-Boots USS Texas im südkoreanischen Busan sehen, der gerade mal zwei Wochen zurückliegt (aber das ist nur eine Idee die mir eben kam).

Ein Zeichen: Pjöngjang lässt die Muskeln spielen

Interessant wäre es noch zu wissen, welchen Hafen die chinesische Mini-Flotte anlaufen will, denn im nordkoreanischen Namp’o scheint man sich gerade auf ein recht groß angelegtes Manöver vorzubereiten, bei dem wohl Luftwaffe, Marine und Heer zusammen üben sollen (was relativ selten vorkommt). Vielleicht wollen die chinesischen Gäste ja da zuschauen, läge ja fast auf dem Weg. Aber vermutlich werden die Schiffe wohl um die Koreanische Halbinsel rumfahren und auf der Ostseite einen Hafen anlaufen.

Komplexe Gemengelage

An der Übung der nordkoreanischen Truppen ist aber noch etwas Weiteres interessant. Nämlich das Timing. Das Manöver wird nicht irgendwann vorbereitet, sondern just zu dem Zeitpunkt, zu dem man seit langem endlich mit den USA sprechen kann. Es sind zwar ganz sicher auch andere Gründe für das Manöver vorhanden, aber eine solche Machtdemonstration hat auch eine symbolische Wirkung um die man in Pjöngjang ganz genau weiß. Es könnte zum Beispiel die Botschaft an Washington senden: „Gespräche oder Spannungen, wir können mit beidem dienen.“ Dass sich Washington davon beeindrucken lassen wird ist wohl kaum zu erwarten, aber das Licht, das damit auf das Treffen in New York fällt ist nicht unbedingt das Beste: Die US-Regierung hält grundsätzlich an ihren bisherigen Forderungen fest und Pjöngjang erweckt zumindest nicht den Anschein von Kompromissbereitschaft. Das kann natürlich auch ein strategisches Manöver sein um die Verhandlungspartner im Vorfeld etwas weichzukochen und nicht zu viele Zugeständnisse machen zu müssen, aber darauf wetten würde ich nicht. Vor allem da Kims Regime auch noch die  Unterstützung Chinas — handfest demonstriert durch den „Flottenbesuch“ — im Rücke spürt.

Meinungen, Anregungen, Kritik? Alles gern gesehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s