Kambodscha und Nordkorea wollen Handel stärken. Hintergründe

Kambodscha und Nordkorea haben ein Abkommen vereinbart, nach dem sie den bilateralen Handel stärken wollen. Ri Myong-san Nordkoreas stellvertretender Minister für Außenhandel, der zurzeit in Phnom Penh zu Gast ist und Ouch Borith, Staatssekretär im Außenministerium Kambodschas, unterschrieben das Schriftstück, das den Handel zwischen beiden Ländern fördern soll, indem es für die Umsetzung zuvor getroffener Vereinbarungen sorgt. Es sei das siebte Abkommen, dass beide Seiten seit 1993 zu verschiedenen Themen unterzeichnet hätten. Allerdings scheinbar ohne durchschlagenden Erfolg: Bisher sei der Handel zwischen beiden Staaten laut Ouch Borith nämlich gleich Null.

Allerdings hat die Regierung Kambodschas der nordkoreanischen Mansudae New Tech Corporation Ltd. (die bisher noch in keinem anderen Zusammenhang aufgetaucht, aber wohl eine Tochter der Mansudae Overseas Projects Group of Companies ist) erst vor einigen Monaten ein 17 Millionen Dollar Investitionsprojekt zugeschlagen. Worum es dabei genau geht, habe ich allerdings bisher nicht wirklich verstanden. Die Aussagen bewegen sich zwischen einem Hausbauprojekt, einem „Panoramahaus“ und einem e-Museum (darüber hatte ich ja schonmal kurz was geschrieben), aber klar, mit ein bisschen Phantasie kann man das alles unter einen Hut bringen. Jedenfalls kann man dies, genau wie den jüngst unterzeichneten Vertrag als deutlichen Ausdruck des Willens sehen, die bilateralen Handelsbeziehungen wirklich auszubauen. Die kambodschanische Seite sieht dabei Nordkorea

as a potential market for Cambodian rice, corn, cassava and bean; in exchange, Cambodia expects to import agricultural machinery from DPRK.

On the investment side, Cambodia wants to see DPRK investors in small hydroelectric dams, agriculture, industry and mineral resources, he added.

Dass Nordkorea scheinbar in einer Art Tauschhandel) ein potentieller Absatzmarkt für kambodschanische Lebensmittel sein könnte, das finde ich nicht unbedingt abwegig. Aber dass Nordkorea Kambodscha mit der Lieferung von Landmaschinen nach vorne bringen soll, das kommt mir irgendwie seltsam vor. Was soll denn da geliefert werden? Das hier etwa? Oder ein paar Ochsen? Irgendwie wäre das doch höchst seltsam, wenn Nordkorea mit am Boden liegender Landwirtschaft und geringer Mechanisierung Landmaschinen nach Kambodscha lieferte.

Allerdings erinnert mich das Ganze an andere Exportgüter Nordkoreas, die manchmal ja auch in Kisten verschickt werden, auf denen dann beispielsweise sowas wie „Bulldozer-Ersatzteile“ steht. Kann ja sein, dass Kambodscha sich in seiner Dauerfehde mit Thailand nicht mit dem Schiedsspruch aus Den Haag zufrieden geben will und für die Zukunft Bedarf an solchen Gütern sieht.

Naja, wir werden sehen ob Kambodscha bald mal in den Handelsstatistiken Nordkoreas auftaucht, oder ob man dann irgendwann ein achtes Abkommen unterschreiben wird, dass die Implementierung der vorangegangenen sieben Schriftstücke fördern soll. Außerdem bin ich gespannt, ob KCNA irgendwann noch über diesen Besuch berichten wird oder ob das aus irgendeinem Grund übersehen wurde (finde ich ein bisschen ungewöhnlich, dass Xinhua berichtet, KCNA aber nicht).

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