Nordkorea, deine Hacker! — Geld verdienen mit Internetkriminalität…

Dass Nordkoreas Devisenbeschaffer kreative Leute sind, das ist nicht erst bekannt, seit vor ein paar Jahren eine Atomanlage mit höchstwahrscheinlich nordkoreanischer Herkunft in Syrien zerbombt wurde oder nordkoreanische Monumentalbildner alter Schule überall in Afrika für ein Revival sozialistischer Skulpturenbaukunst sorgen. Das neueste Beispiel für solche kreative Geldbeschaffung liefert jetzt ein Fall von Computerkriminalität, in dem es scheinbar zu einer fruchtbaren Kooperation zwischen Personen aus den verfeindeten Bruderstaaten Nord- und Südkorea kam.

Schwer durchschaubares Geschäftsmodell mit hohen Erlösen

Die südkoreanischen Behörden haben einen Ring Computerkrimineller zerschlagen, die nordkoreanische Hacker engagiert haben, um in der Online-Spielewelt mit gestohlenen/gefälschten Spielerdaten Geld zu verdienen. Wie genau das Geschäftsmodell aussah, konnte ich aus den bisherigen Berichten nicht wirklich ersehen. Am logischsten erscheint mir die Erklärung von Reuters. Nach der sollen die etwa 30 Hacker, die von den südkoreanischen Auftraggebern in Nordost China untergebracht wurden, offenbar persönliche Informationen von südkoreanischen Internetnutzern gestohlen und diese dann genutzt haben, um virtuelle Spieler zu generieren, deren Identitäten dann an südkoreanische Onlinezocker verkauft wurden, damit die ihre Gewinne steigern konnten (wie man seine Gewinne mi virtuellen Spieler steigert und wieso das dann viel Geld wert ist, kann ich mir im Detail immernoch nicht vorstellen, aber beim Online-Poker ist es zum Beispiel nicht schlecht, die Karten von zwei Spielern zu kennen. Aber so richtig schlüssig finde ich das auch noch nicht.) Jedenfalls scheinen die virtuellen Spieler was wert gewesen zu sein, denn die nordkoreanischen Hacker sollen mit dem Spaß etwa 5 Millionen US-Dollar verdient haben (scheinbar ist das Geld allerdings nach Nordkorea geflossen, so dass die 30 Computerfreaks nicht wirklich viel Freude an ihrem Reichtum gehabt haben dürften).

Nordkorea und der Krieg im Netz

In den letzten Jahren wurde immer wieder Besorgnis über mögliche Gefahren laut, die von nordkoreanischen Computerhackern ausgehen könnte. Diese Besorgnis bezog sich aber eher auf die Gefahr eines „Cyberwars“ und wenn die Vermutungen der Computersicherheitsfirma McAfee zutreffen, dann üben nordkoreanische Hacker auch tatsächlich für einen Krieg im Web (und legen dabei südkoreanische und amerikanische Websites lahm). Jedoch scheint Pjöngjang eher eine mehrgleisige Strategie zu verfolgen. Wenn kein Bedarf an Cyberwar vorhanden ist, dann können die eigenen Cracks eben ein bisschen zum Staatshaushalt beitragen. Gleichzeitig können sie dabei ihre praktischen Kompetenzen verfeinern, vielleicht hier und da ein bisschen Schadsoftware zur späteren Verwendung installieren und jede Menge Daten einsammeln, die im Zweifel dann wieder für Angriffe genutzt werden können.

Internetkriminalität als neue Methode kreativer Geldbeschaffung

Dass sich das Regime nun im Bereich der Internetkriminalität umtut, ist eigentlich keine große Überraschung. Da lässt sich viel Geld verdienen, während das ganze weit weniger drastisch verfolgt wird (werden kann), wie Waffenhandel oder der Export von Nukleartechnologie. Oder könnt ihr euch vorstellen, dass der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen nordkoreanische Computerhacker sanktioniert (eigentlich kann ich mir das vorstellen. Allerdings wird das noch ein paar Jährchen dauern.)

Südkoreanische Kriminelle und nordkoreanische Elitestudis: Wie geht das zusammen?

Interessant an der Story finde ich noch einige weitere Aspekte, die mit Computern eigentlich wenig zu tun haben. Allerdings frage ich mich, wie es südkoreanischen Personen aus einem zweifelhaften Milieu gelingen kann, Studenten nordkoreanischer Eliteunis zu rekrutieren? Ich kann mir eigentlich fast nur vorstellen, dass da zumindest über eine Ecke (China) Netzwerke zwischen Kriminellen bestehen, die auch nach Nordkorea reichen (ist ja kein seltenes Phänomen, dass die Schattenwelt politischen Entwicklungen um Jahre vorgreift und sozusagen ein Vorreiter der seriösen Wirtschaft ist (Ist es nicht? Wäre mal interessant das zu erforschen, aber gerade im Bereich der Netzwerkbildung kommt mir das so vor)).

Vorteile nordkoreanischer Hacker

Erstaunlich auch, dass für die Arbeit überhaupt Nordkoreaner angeheuert wurden. Entweder sie waren so gut, oder so günstig, dass sie die Konkurrenz aus Südkorea und China ausgestochen haben. So gut würde bedeuten, dass die nordkoreanische IT-Offensive tatsächlich brauchbare Spezialisten hervorbringt, die zumindest mit Konkurrenten aus benachbarten Ländern mithalten können. So günstig würde bedeuten, dass ein Anteil von 55 % für die ausführenden Elemente in der Hackerszene ein guter Preis ist. Ich kenne mich da nicht aus, aber ich finde das eigentlich ziemlich viel.

Naja, vielleicht lassen die südkoreanischen Behörden ja bald noch mehr zu dem Fall verlauten, dann könnte alles vielleicht ein bisschen verständlicher werden…

Eine Antwort

  1. Mittlerweile hat es das Thema auch in die Online-Ausgabe des Spiegel geschafft …
    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,778965,00.html

    Jedenfalls belegt die Geschichte wieder eins: Die Ausbildung in Nordkorea ist nicht schlecht. Focussierung auf Lernen, damit sind auch die anderen konfuzianisch geprägten Länder stark geworden. Wenn die Sanktionen gegen Nordkorea aufgehoben werden, und sich in Nordkorea etwas mehr wirtschaftsorientiertes Denken verbreiten würde, dann bräuchte Nordkorea nicht arm zu sein.

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