Warum KCNA über Kims Russland-Trip in Echtzeit berichtet und was der große Führer in seiner Freizeit macht…

Gestern hat es mich schon ein bisschen gewundert, dass über Kims Reise nach Russland nicht nur von den internationalen Medien berichtet wurde, sondern dass auch Nordkoreas Nachrichtenagentur KCNA nahezu in Echtzeit diejenigen Informationen zu dem Besuch veröffentlicht, die preisgegeben werden sollten. Wenn Kim Jong Il China besucht ist es Usus (und zwar schon immer), dass erst im Nachhinein ein oder mehrere Berichte zum Verlauf der Reise in den Medien beider Länder erscheinen. Daher dachte ich im ersten Moment, dass in der Zeitnahen Abdeckung des Themas durch KCNA ein Zeichen neuer Offenheit zu sehen sei. Da auch das, für gewöhnlich sehr gut recherchiert und geschriebene Blog (sind ja auch Profis) „Korea Realtime“ in diese Richtung spekulierte, fühlte ich mich weiter in dieser Überlegung bestärkt.

Russlandberichterstattung schon immer in Echtzeit

Allerdings ist diese These bei genauerer Prüfung nicht zu halten und der Grund für KCNA’s „Offenheit“ dürfte eher ein pragmatischer sein. Schließlich war Kim Jong Il 2001 und 2002 bereits in Russland und auch damals berichtete KCNA — und zwar in Echtzeit und im Voraus. Die Überlegung, dass sich Kim auf russischem Boden einfach sicherer fühlt und daher auf gesteigerte Verschleierung verzichtet, ist natürlich relativ großer Quatsch, denn einerseits kann er sich wohl (mit Recht) nirgends hundert Prozent sicher fühlen und andererseits gibt es in Russland wohl eindeutig mehr verunsichernde Subjekte, als die paar (vielleicht selbstgemachten) „Terroristen“ in China.

Pragmatische Gründe

Naja, bleibt für mich eigentlich nur noch ein schlagkräftiger Grund: Russland ist einfach nicht bereit die Informationen über Kims Reise zurückzuhalten. Ob das an einem höheren Grad an Pressefreiheit liegt, sei mal dahingestellt (immerhin beschrieb die staatliche RIA Novosti Wladimir Putin im Rahmen der Berichterstattung zu dem Besuch als: „increasingly autocratic prime minister„, ob das ein Versehen war oder andere Gründe hat?) aber ich kann mir diesen Unterschied zwischen der China- und der Russland-Berichterstattung von KCNA nur so erklären. Denn was würde es bringen, wenn KCNA aus Kims Reise ein Staatsgeheimnis machte, während der Besuch aus Moskau offiziell bestätigt wird. Dann veröffentlicht man doch lieber selbst etwas und bringt vielleicht noch ein paar „Wunschinfos“ in der internationalen Berichterstattung unter. Diese „frühzeitige Information“ ist wohl ein kleiner Preis, den Kim zahlen muss, wenn es nach Russland geht. Aber das scheint er auch gerne zu tun. Naja, die Kaffesatzleserei im Zusammenhang mit der Reise bewegt sich trotzdem mal wieder auf höchstem Niveau…

Eine lange gehegte und völlig unwichtige Frage

Achja, bei meiner Recherche über Kims frühere Russlandbesuche wurde mir auch endlich eine Frage beantwortet, die mich schon seit Jahren beschäftigt: „Was macht Kim Jong Il, wenn er gerade nicht Schweinefarmen, Militärlager und Minen mit seinen Weisheiten beglückt?“  Ein sehr investigativer Journalist von Itar-Tass fragte Kim nämlich 2001 (laut KCNA), was er in seiner Freizeit mache und was seine Hobbies seien. Seine Antwort:

Frankly speaking, I have a lot of work to do. following the lifetime will of the great leader comrade Kim Il Sung, we must build a powerful socialist state on our land and achieve national reunification as soon as possible. Our reality does not allow me to waste time before having built a powerful state and achieved national reunification.
As for my hobbies, I am fond of going among the people and soldiers and spending time among them. I find my life worth living and feel my best pleasure when I learn how they live and work and take care of them, talking with them and sharing their feelings. I also like reading and music.
Reading and music are a part of my life and a pabulum of my work.

Das Hobby zum Beruf gemacht

Wenn er also gerade nicht dem Willen seines Vaters entspricht und einen mächtigen sozialistischen Staat aufbaut und die Wiedervereinigung Koreas beschleunigt, liest er gerne und hört Musik. Und naja, meine Einschätzungen zu Schweinefarmen, Militäranlagen und Minen war wohl eine Fehleinschätzung. Er sieht die vor-Ort-Anleitungen gar nicht als Arbeit, sonder als Hobby. Schon toll wenn man private Interessen und Beruf unter einen Hut bringen kann…

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