Kim Jong Il auf dem Heimweg: Welche Themen in Russland wichtig waren und welche nicht

Update II (04.09.2011): Hier die Dokumentation des nordkoreanischen Staatsfernsehens zu Kims Russlandreise. Leider nur OT ohne Untertitel. Zwar hat NK Economy Watch das auch im Rahmen seiner recht ausführlichen Dokumentation der Reise hochgeladen, aber dieses hier ist nicht gehäckselt.

P.S. (27.08.2011): Habe mir gestern Element of Crime angeschaut. War sehr schön. Einmal habe ich kurz an Kim Jong Ils aktuelle Reiselust gedacht. Warum auch immer…

Update (26.08.2011): Gerade frisch aus meiner „Internetpresse“ kam diese sehr interessante Analyse von Aidan Foster-Carter. Teilweise argumentiert er so ähnlich wie ich zu dem Thema, teilweise aber auch wesentlich „mutiger“. Definitiv lesenswert (Achja, der Titel ist Programm: „Kim Jong-il: Tactical genius„. Aber keine sorge: Foster-Carter ist nicht übergelaufen. Er hat nur ein Gespür für Eyecatcher…). Und weil ich gerade bei „lesenswert“ bin: Ich möchte euch nur kurz erinnern, dass ihr bei North Korea Leadership Watch später bestimmt einen sehr ausführlichen und interessanten Artikel zu dem Thema finden könnt…

Ursprünglicher Beitrag (26.08.2011): Kim Jong Il h Gerade frisch aus meiner „Internetpresse“ kam diese sehr interessante Analyse von Aidan Foster-Carter. Teilweise argumentiert er so ähnlich wie ich zu dem Thema, teilweise aber auch wesentlich „mutiger“. Definitiv lesenswert (Achja, der Titel ist Programm: „Kim Jong-il: Tactical genius“. Aber keine Sorge: Foster-Carter ist nicht übergelaufen. Er hat nur ein Gespür für Eyecatcher…). Und weil ich gerade bei „lesenswert“ bin: Ich möchte euch nur kurz erinnern, dass ihr bei North Korea Leadership Watch später bestimmt einen sehr ausführlichen und interessanten Artikel zu dem Thema finden könnt… at seinen Besuch in Russland nach einem Zusammentreffen mit Dimitri Medwedew beendet und sich (vermutlich über chinesisches Territorium) auf den Heimweg gemacht. Hier ein kleines Video von Al Jazeera, das den Streckenverlauf des Hinwegs zeigt. Auf dem Heimweg ist er vermutlich dann gleich hinter der Mongolei rechts abgebogen und hat den russischen Zipfel ausgelassen (hehe, geographisch unkorrekter kann man das wohl kaum formulieren)

Die Themen

Den Berichten zufolge, gab es auf dem Treffen der beiden Staatsmänner einiges zu besprechen. Dabei scheinen drei Themen im Mittelpunkt gestanden zu haben:

  1. Der Bau einer Gaspipeline, die über nordkoreanisches Territorium nach Südkorea führen soll, sowie der Verbindung von Energie- und Eisenbahnnetzen. Darübe habe ich hier ja schon einiges geschrieben und hier gibt es noch eine recht interessante Analyse eines Energieexperten zu dem Thema. Laut KCNA sollen Arbeitsgruppen eingerichtet werden, um die Grundlagen für eine Umsetzung der Pläne zu schaffen:

The talks discussed a series of agenda items on boosting the economic and cooperative relations in various fields including the issue of energy including gas and the issue of linking railways and reached a common understanding of them.

It was decided at the talks to organize and operate working groups to put the above-said issues into practice and the two countries agreed to continue cooperating with each other in this direction.

  1. Die Frage der Schulden, die Nordkorea bei Russland hat und die seit Ende des Kalten Krieges zwischen beiden Seiten stehen. Die ca. 8 Mrd. US-Dollar (das kommt natürlich darauf an, wie man den damaligen Rubel Kurs bewertet; bezeichnenderweise werden die Schulden in russischen Medien mit ca. 11 Mrd. US-Dollar angegeben) Schulden, deren Rückzahlung Russland noch immer verlangt, verhindern ein stärkeres wirtschaftliches Engagement Russlands in Nordkorea. Scheinbar hat Nordkorea bisher mit der einfachen (aber eher nicht legitimen) Begründung die Rückzahlung verweigert, dass Russland nicht der Rechtsnachfolger der Sowjetunion sei. Das dürfte den verantwortlichen im Kreml nicht gefallen und muss sich ändern, wenn sich beide Staaten weiter annähern sollen. Dass man wieder über die Schulden spricht und das Problem ernsthaft angehen möchte, könnte bedeuten, dass man tatsächlich den Boden für eine weitergehende ökonomische Kooperation bereiten will.
  2. Nordkoreas Nuklearprogramm und die Sechs-Parteien-Gespräche um die Denuklerisierung der Koreanischen Halbinsel. Zu den Gesprächen ließen beide Seiten verlauten:

At the talks they shared the view that the six-party talks should be resumed without any precondition at an early date to implement the September 19 joint statement on the principle of simultaneous action and thus accelerate the denuclearization of the whole Korean Peninsula.

Wer sich ein bisschen mit Nordkoreas Äußerungen in den letzten Monaten hinsichtlich der Sechs-Parteien-Gespräche auseinandergesetzt hat, dem müsste aufgefallen sein, dass das die Standardfloskel ist, die Pjöngjang immer benutzt. Das „ohne Bedingungen“ ist kein Angebot, sondern eine Forderung die als Angebot verpackt ist. Man will, dass die anderen an den Tisch zurückkehren, ohne von Nordkorea etwas zu verlangen (so wie eine Entschuldigung, oder ernsthaftes Interesse an einem Vorankommen der Gespräche). Aber naja, aus den Kreisen des Kreml verlautete darüber hinaus, Kim Jong Il habe angeboten, über ein Moratorium bei Raketen- und Nukleartests nachzudenken.

Na dann ist ja alles klar, wenn Kim Jong Il sich bereit erklärt hat, über all das nachzudenken! Oder? Ich hab auch schonml darüber nachgedacht, 8 Liter Rohmilch in zwei Minuten zu drinken oder in 10 Minuten 62 Hotdogs zu essen…

Beide Pläne habe ich aber — warum auch immer — verworfen. Seltsamerweise wollte aber auch niemand mir etwas dafür geben, dass ich darüber nachdachte.

Aber Spaß beiseite. Selbst wenn Kim Jong Il ein Moratorium auf all das erklären würde. Was würde es ändern. (Vielleicht hat er ja schon vor zwei Jahren heimlich ein Moratorium erlassen, denn seitdem hat Nordkorea keine Raketen getestet und auch keine Atombomben.) Und wenn Kim ein Moratorium erklärt, dann hat er vermutlich erstens momentan keinen Bedarf an Tests und zweitens ist so eine einseitige Zusage ja auch schnell wieder aufgehoben.

Wirtschaftliches im Kern…

Insgesamt ist das, was bei den Gesprächen zwischen Kim und Medwedew rausgekommen ist, durchaus interessant, allerdings nicht in Bezug auf die Sechs-Parteien-Gespräche. Wichtig ist vielmehr der dicke wirtschaftliche Köder, den Russland ausgepackt hat. Sowohl die Frage der Schulden als auch der Infrastrukturprojekte sind für Nordkorea hochinteressant (Allein die Erlöse an Transitgebühren für eine Pipeline werden auf zwischen 100 und 500 Millionen US-Dollar jährlich geschätzt). Aber wie bereits gesagt, dürfte all das nicht ohne Gegenleistung zu haben sein. Was das genau sein wird und ob es etwas mit den Sechs-Parteien-Gesprächen zu tun hat, das muss sich noch zeigen.

…Sechs-Parteien-Gespräche nicht

Zu unmittelbaren Fortschritten hinsichtlich der Gespräche hat das Treffen jedenfalls nicht geführt. Das zeigen auch die zurückhaltenden Reaktionen aus Südkorea und den USA. Im Falle der USA sagte man, dass ein Moratorium zwar ein Schritt sei, aber viel zu wenig für die Aufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche und das vor allem auch etwas (was auch immer) mit dem Urananreicherungs-Programm geschehen müsse. Vielleicht stellen sich die USA vor, dass Nordkorea erstmal komplett denuklearisiert, bevor die Gespräche um die Denuklearisierung weitergehen können. Ob das ein erfolgversprechender Ansatz ist? Aber was man genau verlangt, das wird man bei den Gesprächen in New York letzten Monat sicherlich klargestellt haben.

Was sonst noch war: Nordkoreanisches Medieninteresse und Kims Gesundheit

Auch wenn die Echtzeit-Berichterstattung der nordkoreanischen Medien bei Russlandbesuchen Kims nichts Neues ist, so war das mediale Interesse aus Nordkorea bei diesem Besuch doch sehr ausgeprägt. Man berichtete ausgiebig in Funk und Fernsehen und natürlich auch im Netz. Allein gestern hatte KCNA sieben Artikel zur Reise Kims, die sich um das Treffen mit Medwedew, die Gespräche der Beiden, das abendliche Bankett und die Reden die beide dort hielten und schließlich die Verabschiedung Kims durch Medwedew drehten (zu einem der Anlässe scheint Kim Medwedew auch nach Pjöngjang eingeladen zu haben, ich bin gespannt ob und wann er das annimmt). Außerdem berichten russische Medien, dass Kims Presseleute so ziemlich alles gefilmt hätten, was passiert ist. Anscheinend soll eine Dokumentation über die Reise erstellt werden. Eine Erklärung (aber wohl nicht die einzige!) für diese ausführliche Berichterstattung lieferte KCNA heute in dem Artikel „Koreans Miss Kim Jong Il“:

Nowadays, all of the DPRK people are waiting for news of leader Kim Jong Il on a visit to the Siberian and Far East regions of the Russian Federation.

Many people stop at newsstands on the way to work in the morning to learn about his Russia visit.

What the leader did during his visit is a main topic of conversation among people.

Since it was known that Kim Jong Il left for Russia, the Korean people have missed him, concerning themselves about his health.

They have also made great achievements in their work to delight him when he returns home.

Naja, um seine Gesundheit war es ja schonmal schlechter bestellt. Immerhin hat er nicht mehr diese frappierende Ähnlichkeit zu Gollum aus dem Herrn der Ringe, die ihn vor gut anderthalb Jahren noch auszeichnete. Allerdings sieht man in diesem Video ganz gut, dass mit seinem linken Bein irgendwas nicht in Ordnung ist. Ganz gesund wird er wohl nicht mehr werden.

3 Antworten

  1. Die südkoreanischen Medien meinen, dass KJI’s Reise nach Russland Waffeneinkäufen (Militärflugzeugen) galt, zB:
    http://english.chosun.com/site/data/html_dir/2011/08/29/2011082900358.html
    doch ich tippe auf etwas ganz anderes: KJI holte sich die Zusicherung der russ. Staatsführung (und früher auch bei Reisen nach China solche der chin. Staatsführung), dass höchste politische Repräsentanten dieser Länder zu den Feierlichkeiten zu Kim Il Sungs 100 Geburtstag nach Pyongyang anreisen werden …

    • Stimmt, daran hatte ich nicht gedacht, aber das dürfte er ja auf jeden Fall getan haben (schließlich wurde ja auch extra erwähnt, dass er Medwedew eingeladen hat). Danke für die Ergänzung.

  2. Erstaunlich bis erschreckend ist die Verschuldung Nordkoreas, die ja noch aus „guten Jahren“ stammt. Bezogen auf die Wirtschaftkraft Nordkoreas sind das ja gewaltige Beträge.
    Ob die Schulden verzinst werden müssen? Die Einnahmen aus der Gaspipeline würden ja nicht einmal reichen, um die Zinsen zu bezahlen.
    Die Sowjetunion war in den Jahren wohl nicht so internationalistisch und uneigennützig, wie sich sich gerne dargestellt haben.
    Schon Luise Rinser berichtete von Abneigung der Nordkoreaner gegen die Sowjetunion.
    Wofür mag das Geld damals verwendet worden sein? Als normaler Tourist sieht man in Nordkorea eigentlich keine offensichtlichen Spuren (z.B. Infrastrukturprojekte), die das Engagement der Sowjetunion hinterlassen hat.
    Wenn Nordkorea damals Maschinerie für seine Fabriken gekauft hat, dann wären damit heute keine weltmarktfähigen Produkte mehr herzustellen.

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