Irans Parlamentspräsident Ali Laridschani reist nach Nordkorea: Ein undurchsichtiger Besuch

Nach Berichten der „Stimme der Islamischen Republik Iran“, des staatlichen iranischen Auslandsradios, plant Ali Laridschani, der Sprecher des iranischen Parlament nächste Woche einen Besuch in Nordkorea. Laridschani ist in Europa vor allen Dingen bekannt, weil er von 2005 bis 2007 als Chefunterhändler Irans in Gesprächen um das Nuklearprogramm des Landes fungierte. 2007 trat er überraschend von diesem Posten zurück, was Beobachter internen Konflikten im Regime zuschreibt. Es wird vermutet, dass sich damit die Hardliner Ahmadinedschads durchgesetzt haben. Nach den Parlamentswahlen im Jahr 2008, bei denen Laridschani gegen die Partei Ahmadinedschads antrat, wurde er zum Parlamentspräsidenten gewählt. Im letzten Jahr kam es immer wieder zu offenen Unstimmigkeiten zwischen Laridschani, der als Mann des Revolutionsführers Khameni gilt, und Präsident Ahmadinedschad.

Naja und dieser Laridschani, der sich bestens mit dem iranischen Nuklearprogramm auskennt und in einem internen Machtkampf im Iran zu stecken scheint, macht sich nun auf den Weg nach Nordkorea um dort Verhandlungen zu führen, bevor er nach China weiterreist. Offizielles Ziel der Reise ist die „Ausweitung der Zusammenarbeit und den Ausbau der parlamentarischen Beziehungen“. Ob das alles ist, weiß ich nicht, aber ich finde sowohl die gewählten Länder — beides (aus unterschiedlichen Gründen) wichtige Freunde — als auch das Timing — in einer Phase interner Konflikte — sehr interessant. Es ist wohl kaum zu erwarten, dass er im Auftrag Ahmadinedschads nach Nordkorea und China fährt. Und wenn er auf eigene Kappe oder für Khameni dorthin reisen wird, kann es natürlich sein, dass er seinen Job als Parlamentssprecher sehr ernst nimmt. Es kann aber auch sein, dass der Mann, der über das eigene Nuklearprogramm bestens bescheidweiß, in den beiden Ländern, die für das Programm eine gewisse Rolle gespielt haben, in einer Zeit, in der das Programm in der Außenpolitik des Landes eine immer kritischere Rolle spielt, auch andere Themen eine Rolle spielen werden; Zum Beispiel das Programm. Aber im Endeffekt habe ich keine Ahnung was es mit dem Besuch auf sich hat (vielleicht ist es auch einfach nur ein Besuch). Vielleicht werden wir in zwei Wochen mehr wissen. Dabei könnte eine Beobachtung sowohl der nordkoreanischen als auch der iranischen Medien interessant und aufschlussreich sein.

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