Wichtiger Schritt zur Verbesserung der Nahrungsmittelsicherheit: Nordkorea will Ackerland in Russlands Fernem Osten pachten

Eben habe ich bei RIA Novosti einen sehr spannenden Bericht über ein weiteres Ergebnis gelesen, das im Zusammenhang mit Kim Jong Ils Reise nach Russland stehen dürfte. Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur plant Nordkorea, 200.000 Hektar ungenutztes Land in Russlands Fernem Osten zu pachten, um dort Lebensmittel wie Sojabohnen, Kartoffeln und Getreide für den nordkoreanischen Bedarf zu produzieren. Damit könnte Nordkorea einen wichtigen Schritt dahin machen, etwas gegen die strukturell Nahrungsmittelknappheit (selbst bei idealen Wetterbedingungen (und eigentlich wird das Land jedes Jahr von Taifunen und Überschwemmungen getroffen) ist es fraglich, ob das nutzbare Ackerland ausreicht, um genügend Lebensmittel für die gesamte Bevölkerung zu produzieren) zu tun, mit der das Land zu kämpfen hat. Das Ackerland soll jährlich etwa 50 Rubel (1,20 €) pro Hektar kosten. Die insgesamt 240.000 Euro wären wohl auch aus Sicht Pjöngjangs zu verschmerzen (dürfte irgendwo im Bereich dessen liegen, dass das Regime jährlich für Schnaps ausgibt).

Sollte diese Idee tatsächlich Substanz annehmen, dann handelt es sich aus mehreren Gründen um einen klugen Schritt des Regimes. Aus rein (agrar-)ökonomischer Sicht, geht man zwei Probleme der nordkoreanischen Nahrungsmittelproduktion an. Da eine der Hauptknappheiten der nordkoreanischen Landwirtschaft im Bereich des nutzbaren Ackerlandes liegt (neben Dünger und modernen Maschinen), ist es eine gute Idee, hier etwas im Ausland dazuzupachten. Außerdem erreicht man so eine etwas größere räumliche Diversifizierung des Ackerlandes, so dass Wetterereignisse eine kleinere Auswirkung auf die Gesamtproduktion an Lebensmitteln haben dürften. Da es nicht an billigen Arbeitskräften mangeln sollte, sollte sich auch hier kein Problem ergeben.

Aber auch die Symbolik dieses Schrittes ist nicht zu unterschätzen. Damit macht das Regime deutlich, dass es sich nicht dauerhaft auf milde Gaben aus dem Ausland verlassen will, sondern eigene Maßnahmen gegen die strukturellen Probleme der nordkoreanischen Landwirtschaft ergreift. Damit dürfte es der zurückhaltenden Staatengemeinschaft noch etwas schwerer fallen, Hilfen abzulehnen (es sei denn, man argumentiert zynisch). Sollte das Geschäft noch dieses Jahr gemacht werden, hätte man auch im Hinblick auf das Jubiläumsjahr 2012 eine unabhängige Quelle für Nahrungsmittel (allerdings glaube ich eigentlich nicht, dass brachliegendes Land binnen eines Jahres urbar gemacht werden und gute Erträge bringen kann).

Interessant wäre es auch zu wissen, wie es um die Qualität des Landes steht. Denn ohne Grund wird es wohl nicht brachliegen. Auch wenn nicht allzuviele Russen in der Region leben wollen, die so weit ab vom Schuss ist, so dürften sich schon Landwirte finden, die das beste Land beackern. Nichtsdestotrotz vollzieht Nordkorea damit einen wichtigen Schritt, der helfen wird, die Nahrungsmittelsituation in Zukunft zu entspannen und damit ein Grundrisiko der Entwicklung Nordkoreas zu beheben.

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