Berichte: Russland plant Schuldenerlass — Will Nordkorea wieder kreditwürdig werden?

Die Tatsache, dass ich mich in letzter Zeit so viel mit Russland beschäftige, hat wohl nicht allein etwas damit zu tun, dass Kim Jong Il kürzlich dort zu Besuch war. Vielmehr folge ich damit dem „trend of the times“ (irgendwie finde ich diese Redewendung toll, mit der KCNA immer mal wieder gerne schlaue Ratschläge an verfeindete Staaten einleitet, indem sie fordert, sich dem Trend zu diesem oder jenem Verhalten nicht zu widersetzen), denn momentan produzieren die Beziehungen zwischen Russland und Nordkorea einfach extrem viele Neuigkeiten, die alle in die gleiche Richtung weisen: Man ist sich einig und will intensiver kooperieren.

Totaler Schuldenerlass Russlands

Die neueste Meldung in dieser Reihe ist von ihrer Auswirkung nicht zu unterschätzen und ist (wenn sie zutrifft) wohl einer der eindeutigsten Belege, dass nicht nur Pjöngjang sich engere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland wünscht, sondern dass es auch Moskau ernst ist, mit der Kooperation. Unter Berufung auf die russische Zeitung Izvestia berichten verschiedene Medien, dass Russland bereit sei, Nordkorea ausstehende Schulden im Umfang von 11 Milliarden US-Dollar zu erlassen. Ich habe ja schonmal nach Kims Russland Besuch darauf hingewiesen, dass die bisher ungelöste Schuldenfrage, ein Hindernis für eine stärkere wirtschaftliche Verknüpfung  darstellen würde und das diese Frage daher gelöst werden müsste, bevor es zu einer weitgehenden Kooperation kommen könnte. Die Schulden stehen schon seit Ende der Sowjetunion zwischen beiden Staaten und bisher hat Nordkorea die Schulden einfach nicht anerkannt, indem es Russland nicht als Rechtsnachfolger der Sowjetunion akzeptierte. Scheinbar war Nordkorea nun bereit, die Schulden (bzw. Russlands Rechtsnachfolge) anzuerkennen, nur um sie in der Folge gleich erlassen zu bekommen. Dem Bericht zufolge sollen 90 Prozent der offenstehenden Gelder ersatzlos gestrichen werden, während zehn Prozent für anstehende Infrastrukturprojekte in Nordkorea verwandt werden sollen. Wie das konkret aussehen soll, kann ich mir nicht hundertprozent genau vorstellen, aber möglicherweise arbeiten dann nordkoreanische Arbeiter im Auftrag russischer Firmen ohne Lohn/auf Kosten Pjöngjangs (den Arbeitern dürfte dabei kein großer Unterschied auffallen). Aber diese Zahl zeigt auch, dass Russland plant massiv in nordkoreanische Infrastruktur zu investieren. Auch dies eine gute Nachricht für Pjöngjang.

Nordkorea will sein Konto ausgleichen…

Der Schuldenerlass ist aber auch aus einem weiteren Gesichtspunkt interessant. Wenn Nordkorea den russischen Schuldenberg loswerden kann, dann dürfte sich damit auch ein großteil der Miesen auf Nordkoreas Staatskonten verflüchtigen, denn geschichtlich bedingt dürfte Russland der Hauptschuldner gewesen sein. Ich habe auf die Schnelle keine wirklich guten Zahlen gefunden, aber das World Factbook der CIA gibt aktuell den Schuldenstand Nordkoreas mit 12,5 Milliarden US-Dollar an. Sollten die russischen Schulden dazuzählen, dann wäre Pjöngjang mit einem Schlag fast 90 Prozent der Schulden los, wenn nicht (vielleicht folgte die CIA ja der rgumentation Nordkoreas gegenüber Russland) immernoch fast die Hälfte. Das erinnert mich an Meldungen von vor einem Jahr. Damals versuchte Pjöngjang mit verschiedenen osteuropäischen Staaten Deals auszuhandeln, um offene Schulden begleichen zu können (in unseren Medien wurde das etwas belächelt, weil Nordkorea Naturalien wie Ginseng als Ausgleich liefern wollte). Besonders abwegig finde ich nicht, dass da ein Zusammenhang besteht und das Pjöngjang vielleicht wirklich sein Konto ausgleichen will.

…um wieder kreditwürdig zu werden

Aber warum sollte es das tun? Es hat doch ohnehin keine regelmäßigen Tilgungs- oder Zinszahlungen geleistet. Der einzige Unterschied, den ich da sehe ist, dass man mit ausgeglichenem Konto irgendwann wieder Schulden im Ausland aufnehmen kann (vielleicht hat es auch was mit der Welthandelsorganisation zu tun. Könnte ja sein, dass Nordkorea da rein will). Warum sollte man Schulden machen wollen? Wenn man sich eine nachhaltige Strategie überlegt hat und nicht für ein paar Jahre ein einfaches Leben haben will, um dann wieder da zu stehen, wo man jetzt los geht, dann dürfte das mit wirtschaftlichen Planungen zu tun haben, die das Regime hegt.

Die sind da was am planen dran — und zwar schon länger

Tja, ihr könnt mich spekulativ schimpfen oder auslachen, aber ich glaube, dass Pjöngjang einen Plan für die eigene wirtschaftliche Entwicklung hat und dass es daran schon seit längerem brütet. Ich glaube, dass keine der großen wirtschaftspolitischen Maßnahmen der letzten zwei Jahre ohne diesen Plan betrachtet werden sollte und ich glaube, dass Russland und China in diesen Plan schon seit längerem eingeweiht sind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kim Jong Il so ein großer Genius ist, dass er all die Vereinbarungen, über die jetzt nach und nach berichtet wird, auf seiner Tour hat festklopfen können. Da ist ein längerer Vorlauf nötig. Dass Russland und China schon seit längerem über Nordkoreas „Grand Strategy“ informiert waren könnte auch die Tatsache erklären, dass sie in den letzten Jahren so nachsichtig mit Pjöngjang waren und mit ihren schützenden Händen weitreichende Sanktionen nach nordkoreanischen Provokationen immer wieder verhinderten, wofür sie auch mächtigen Druck aushalten mussten. Ich glaube, dass die wirtschaftlichen Maßnahmen über die jetzt viel berichtet wird, von langer Hand geplant waren und dass man nicht wieder dahinter zurückgehen will.

Ansonsten: Hohn und Spott zu mir

Beweise gibt es nicht (zumindest nicht hier). Die wird die Zukunft bringen. Wenn sie das nicht tut, dann stehen euch die Kommentarspalten unter diesem Artikel offen, um mich mit Hohn und Spott zu überschütten.

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