Laotischer Staatschef will Pjöngjang besuchen: Beziehungen vertiefen sich

Gestern berichtete KCNA, dass der Präsident von Laos, Choummaly Sayasone (in den nordkoreanische Meldungen wird er so geschrieben „Choummaly Saynasone“, aber das scheint ein Unterschied in der Romanisierung zu sein, da die nordkoreanischen Medien diese Schreibweise konsequent durchhalten) „bald“ Nordkorea auf Einladung Kim Jong Ils zu einem „goodwill visit“ besuchen werde. Laotischen Meldungen zufolge soll die Reise noch Ende dieses Monats stattfinden. Sayasone ist gleichzeitig der Generalsekretär der Laotischen Revolutionären Volkspartei (LPRP), der verfassungsmäßig festgeschriebenen Regierungspartei des Einparteienstaates, der offiziell der politischen Ideologie des Marxismus-Leninismus folgt.

Staatspräsidenten sind in Pjöngjang selten

Ich finde diesen Besuch schon deshalb erwähnenswert, weil sich Staatschefs ja nicht gerade die Klinke in die Hand geben in Pjöngjang (mal abgesehen von ehemaligen US-Präsidenten, die dorthin fahren um irrlichternde Bürger freizubekommen) und allein daher ist dieser Besuch schon erwähnenswert. Vor allen Dingen müsste dem Protokoll nach wohl Kim Jong Il den laotischen Präsidenten empfangen (oder? Von Generalsekretär zu Generalsekretär? Ich glaube da ist Kim Yong-nam nicht genug) und Kim Jong Il (genauso wie Sayasone) werden wohl nicht nur für ein „goodwill-Kaffeekränzchen“ einen solchen Aufwand treiben).

Regionale Diplomatie Nordkoreas nimmt zu

Aber darüber hinaus sind auch einige andere Punkte interessant. Einerseits kann man diesen Besuch als Teil einer stärker werdenden regionalen Diplomatie Nordkoreas verstehen. In den vergangenen Jahren hat Nordkorea sich verstärkt um die Beziehungen zu den Staaten Südostasiens gekümmert und der Besuch Saysones könnte ein Ergebnis dieser kleinen diplomatischen Offensive sein. Allerdings war die Verbindung beider Staaten nie ganz eingeschlafen. In den letzten Jahren (wenn auch in der jüngeren Vergangenheit verstärkt (so nehme ich das jedenfalls wahr, kann aber auch ein subjektives Gefühl sein)), gab es immer wieder Treffen auf Ministerebene. Aber Politiker der absoluten Führungsspitze des Landes blieben aus. Auch hochrangige militärische Kontakte waren bis zu diesem Jahr nicht zu verzeichnen, als eine Delegation des laotischen Generalstabs unter Führung dessen Chefs Sanyahak Phomvihane Nordkorea besuchte und Gespräche mit Nordkoreas Generalstabschef Ri Yong-ho abhielt.

Gruppenfoto mit Generalstabschefs anlässlich des Besuchs der laotischen Militärdelegation in Pjöngjang. Erste Reihe 4. v.l. Sanyahak Phomvihane (Laos), 5. v.l. Ri Yong-ho (Nordkorea)

 Was Nordkorea und Laos verbinden könnte

Die Länder und ihre Führungsspitzen, die beide das Ende des Kalten Krieges überstanden haben, scheinen also näher zusammenzurücken, was auch eigentlich nicht besonders überraschend ist, denn in der ideologischen Verwandtschaft (die sich zudem noch ideologisch recht stark entfremdet hat) ist es einsam geworden. Da ist es vielleicht gut, mal mit jemandem zusammenzutreffen, der auch noch in einem Politbüro sitzt (ich glaube weltweit lassen sich die ernstzunehmenden Politbüros heutzutage an einer Hand abzählen(maximal zwei)). Aber vorgebliche ideologische Nähe wird wohl nicht er einzige Grund für diese Annäherung sein. Vielleicht geht es auch (zumindest den Nordkoreanern) darum, etwas von den laotischen Genossen zu lernen. Immerhin verfolgen die schon seit 25 Jahren einen Kurs der vorsichtigen marktwirtschaftlichen Öffnung, ohne dass dieser die Regierungspartei aus der Macht katapultiert, oder das Land in Chaos gestürzt hätte. Sollte Nordkorea wirtschaftliche Veränderungen anstreben, dann ist ein solch vorsichtiger Prozess wohl auch für Pjöngjang das Mittel der Wahl. Zwar wird man sich auch vom großen Bruder in Peking einiges abschauen können, aber von der Bevölkerungsgröße, Landfläche und Wirtschaftskraft ist Laos Nordkorea vielleicht etwas näher und könnte auch interessantes Wissen parat haben. Was Nordkorea im Gegenzug geben könnte, weiß ich aber nicht so genau. Aber vielleicht hat es ja was mit dem Treffen hochrangiger Militärs zu tun. Immerhin gibt es in Laos mit den Hmong eine Minderheit, die man militärisch bekämpft, wobei neue Ausrüstung den laotischen Generälen immer willkommen sein dürfte. Und dass Nordkorea hier einiges zu bieten hat, dürfte wohl niemandem neu sein.

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