Zeichen der Annäherung: Südkoreanische Religionsführer reisen in den Norden

Ab heute besucht eine hochrangige Gruppe südkoreanischer religiöser Führer gemeinsam Nordkorea, um sich dort mit Glaubensbrüdern und -schwestern zu treffen. Die 24 Vertreter der Korea Conference of Religion for Peace, einer Organisation der sieben größten Religionsgruppen des Landes, reisen auf Einladung des nordkoreanischen Religionsverbandes nach Pjöngjang und zum Berg Paektu. Die Würdenträger der katholischen und evangelischen Kirchen, sowie des Buddhismus und verschiedener „ethnic religions“ (ich weiß nicht genau was das sein soll. Naturreligionen und Schamanismus haben ja normalerweise nicht so richtige religiöse Führer) reisen heute aus China nach Nordkorea ein. Dort werden sie morgen auf einer Versammlung mit Religionsführern aus Nordkorea um über Versöhnung und friedliche Wiedervereinigung Koreas zu sprechen. Gerüchten, die Religionsführer könnten sich mit Kim Jong Il treffen, muss man glaube ich keine große Beachtung schenken, da ich mir nur wenig vorstellen kann, was einen solch hochrangigen Empfang der Religiösen für das Regime rechtfertigen würde.

Sachte Zeichen der Annäherung in den letzten Wochen

Der Besuch der religiösen Führer passt in eine ganze Reihe von ähnlichen Reisen im kulturell religiösen Bereich in den letzten Wochen. So besuchte in der vergangenen Woche der südkoreanische Dirigent Chung Myung-whun für vier Tage Pjöngjang und traf dort eine Vereinbarung (der allerdings beide Regierungen noch zustimmen müssten), nach der Musiker aus Nord- und Südkorea künftig gemeinsam Konzerte spielen sollen. Auch die Reise einer Gruppe südkoreanischer Buddhisten ist hier zu nennen, die Gruppe nahm in Nordkorea an religiösen Feierlichkeiten dortiger Buddhisten teil. Hier ein kleiner Bericht des nordkoreanischen Fernsehens dazu:

Oft erste Schritte zur politischen Annäherung

Solche Annäherungen in eher „weichen“ Bereichen stehen oft am Anfang von politischen Annäherungen zwischen den Koreas und sind daher durchaus der Beachtung wert. Sie zeigen zumindest an, dass beide Seiten an einem gewissen Kontakt interessiert sind. In den letzten Monaten und Jahren hatte auch Südkoreas Vereinigungsministerium solche Reisen häufig verhindert. Ob der aktuelle Sinneswandel einen generellen politischen Trend anzeigt, oder auch etwas mit dem Austausch des Vereinigungsminister zu tun hat, ist schwer zu sagen, allerdings hatte Yu Woo-ik, der neue Mann im Ministerium einen flexiblen Ansatz gefordert (ich glaube seinen Vorgänger Hyun In-thaek kann man ungefähr als so flexibel wie einen Stahlträger charakterisieren). Und auch der Zeitaspekt würde für einen Zusammenhang mit der neuen Führung im Vereinigungsministerium sprechen. Natürlich darf man solche Annäherungen im Kleinen nicht zu hoch hängen, denn nicht ohne Grund finden die ersten Schritte oft auf politisch weniger wichtigem Terrain wie Kultur und Religion statt. Nichtsdestotrotz kann man sie als gutes Zeichen für die heute in Peking gestarteten Gespräche zwischen den Sechs-Parteien Unterhändlern Nord- und Südkoreas sehen.

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