„Multi-Purpose-Trip“ durch Europa: Nordkoreanische Delegation sprach über Nahrungsmittelhilfen und mehr

Ich habe ja kürzlich über einen Trip des nordkoreanischen Vize-Außenminister Kung Sok-ung, der für Westeuropa zuständig ist, auf unseren Kontinent berichtet. Die Reise, um die nicht besonders viel (man könnte auch sagen besonders wenig) Aufhebens gemacht wurde, ging laut KCNA vorgestern zuende und hat damit immerhin gut drei Wochen gedauert. Daher habe ich mich schon ein bisschen interessiert, wo Kung und seine Gruppe noch so abgestiegen sind, außer in Belgrad und Brüssel. Dazu habe ich zwei Berichte gefunden, die beide auf ihre Art recht interessant sind.

Nicht nett aber selten: (Kurz-)Besuch in der Türkei

Die türkische Hürriyet berichtet, dass Kung (wenn ich mich nicht irre, dürfe der „Kung Seok-Woong“ eine andere Romanisierung der sonst genutzten Form „Kung Sok-ung“ sein, warum auch immer) am 7. und 8. September in Ankara waren und dort in erster Linie um Nahrungsmittelhilfen gebeten hätten. Außerdem hätte die Delegation ihre türkischen Gesprächspartner über Nordkoreas Nuklearpolitik informiert. Der Besuch Kungs in der Türkei ist insofern bemerkenswert, da dies einer von zwei höherrangigen Kontakten zwischen Nordkorea und der Türkei innerhalb der letzten zehn Jahre gewesen sein soll. Beste Freunde scheinen beide Staaten aber auch nach Kungs Besuch nicht geworden zu sein, denn die türkische Seite scheint nicht willig gewesen zu sein, Hilfen zu gewähren. Die Anfrage sei (zumindest für „general purpose“ Nahrungsmittel) abgelehnt worden (vielleicht gibt es ja etwas Babymilch), da man nicht sicher sei, dass die Hilfen nicht vom Militär zweckentfremdet würden. Ehrlich gesagt kann ich das der Türkei nicht verdenken. Wenn kaum Kontakte bestehen und dann kommt plötzlich eine Delegation angereist und bittet um milde Gaben, dann darf man sich das durchaus zweimal überlegen. Da verwundert es auch nicht, dass Kung und seine Gruppe einen Tag früher als geplant abreisten.

Besseres Verhältnis fest im Blick: Aufenthalt in Frankreich

Der zweite Termin, über den ich was finden konnte, dürfte für die Nordkoreaner etwas angenehmer gewesen sein. Man besuchte gegen Ende der Reise (vom 16. bis zum 20. September) Frankreich. Die Franzosen haben sich nach langem Warten dazu durchgerungen, einen Zwischenschritt zur Aufnahme diplomatischer Kontakte zu machen und ein Verbindungsbüro in Pjöngjang zu eröffnen. Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe (mein Französisch ist nur so mittelmäßig) dann soll die offizielle Eröffnung am 3. Oktober stattfinden. Das wäre ja nicht mehr lange hin bis dann und allein darüber dürfte man einiges zu sprechen gehabt haben. Aber vermutlich hat Kung auch in Frankreich um Hilfen gebeten, worüber ich aber nichts finden konnte.

Andere Stationen der Reise waren Polen und die Schweiz. Aber da ich kein polnisch kann und Schweizer ja das Sinnbild von Diskretion sind, habe ich über diese beiden Aufenthalte nichts gefunden.

„Multi-Purpose-Trip“ mit Fokus auf Hilfen

Es scheint, als habe Kung bei seiner langen (und vermutlich ganzschön anstrengenden) Reise mehrere Aufträge gehabt. Vermutlich wird er auf jeder Station gefragt, ob das jeweilige Land mit Nahrungsmitteln helfen könnte. Meist war dies wohl nicht der einzige Zweck seines Besuchs in Belgrad war er auf dem Treffen der Blockfreien, in Frankreich sprach man wohl über das Verbindungsbüro und die Schweiz hat ja ohnehin schon Hilfen gegeben. Aber das Bitten um Hilfen scheint relativ weit oben auf seiner Prioritätenliste gestanden zu haben. Die Reise in die Türkei scheint beispielsweise nur diesen Zweck gehabt zu haben. Ob seine Anfragen in anderen Staaten mehr Erfolg gehabt haben als in Ankara, kann man ja vielleicht bald an der Spenderliste des Welternährungsprogramms der UN ablesen.

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