Zwischen den Stühlen: Südkoreanischer Mann nach missglückter Flucht in den Norden zu Gefängnisstrafe verurteilt

Einem südkoreanischen Mann hat der Versuch in den Norden zu „fliehen“ eine einjährige Haftstrafe eingebracht. Der Mann habe im Oktober vergangenen Jahres versucht, im nordkoreanischen Konsulat im chinesischen Shenyang Asyl zu beantrgen. Er habe angegeben, sich im Norden für die Wiedervereinigung Koreas einsetzen zu wollen. Allerdings hätten ihn die Mitarbeiter des Konsulats abgewiesen und gesagt, er solle dies im Süden tun. Nachdem er an der chinesisch-nordkoreanischen Grenze erfolglos nach Möglichkeiten gesucht hätte, sich nach Nordkorea einzuschleichen, sei er daraufhin in den Süden zurückgekehrt. Wie er den südkoreanischen Behörden auffiel ist nicht klar, jedoch wurde er im Urteilsspruch eines Seouler Bezirksgerichts als „notorischer Bewunderer Nordkoreas“ bezeichnet, der zahllose verherrlichende Beiträge über Nordkorea im Internet veröffentlicht habe. Vermutlich dürfe er dadurch ins Blickfeld der Behörden gerückt sein. Angelblich habe sich der ehemalige Hausmeister enttäuscht von der südkoreanischen Gesellschaft abgewandt, nachdem er wegen des Schlagens eines Arbeitskollegen seine Arbeitsstelle verloren habe. Der Fall erinnert leicht an einen südkoreanischen Schweinefarm-Mitarbeiter, der 2009 über die scharf Bewachte Grenze zwischen den Koreas in den Norden floh, um sich so der Verfolgung durch die Behörden wegen verschiedener Delikte (ohne Zusammenhang zu Nordkorea) zu entziehen.

Fluchtversuche aus dem Norden sind aus nachvollziehbaren Gründen eine Seltenheit und selbst aus der Gruppe in Südkorea, die dem Regime in Pjöngjang eher positiv gegenübersteht, versucht es scheinbar fast nie jemand (was deren Motive noch schwerer nachvollziehbar macht, denn auf der einen Seite arbeitet man für Pjöngjang, auf der anderen Seite scheint man sich aber bewusst, dass ein Leben dort nicht erstrebenswert ist. Das finde ich seltsam.). Überraschend fand ich es, dass man im Norden nicht versuchte den südkoreanische „Flüchtling“ für Propagandazwecke zu nutzen, sondern ihn wieder nach Hause schickte. Wie genau das zu erklären ist weiß ich nicht, aber es gibt da ein paar vernünftige Ansätze. Vielleicht wollte man im vergangenen Jahr die ohnehin schon hoch explosiven Beziehungen mit dem Süden nicht noch durch solche Lappalien belasten. Vielleicht hatte man in Pjöngjang auch Sorge, dass man es Kims Regime in Seoul gleichtun und als Flüchtlinge getarnte Attentäter schicken könnte. Nicht ganz abwegig finde ich auch die Idee, dass es den nordkoreanischen Entscheidungsträgern durchaus bewusst ist, dass im eigenen Land eigentlich nichts besser ist als in Südkorea und dass jemand, der einfach so in den Norden fliehen will, daher vermutlich mental nicht ganz auf der Höhe ist (Fachterminus: Dachschaden). Jedenfalls scheint man im Norden auch nicht alles zu nehmen was kommt. In Südkorea geht unterdessen das fröhliche Kommunistenjagen weiter, das meiner Meinung nach weder zeitgemäß, noch zielführend ist. Aber wenn man meint, die eigene Bevölkerung nur so vor den unglaublichen Verlockungen der nordkoreanischen Propaganda und Ideologie schützen zu können, dann muss das wohl so sein, obwohl dieses Verhalten meiner Meinung nach entweder auf eine stark verzerrte Wahrnehmung südkoreanischer Entscheidungsträger hindeutet, oder auf ein extrem schwach ausgeprägtes Selbstbewusstsein (Fachterminus: Minderwertigkeitskomplex).

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