Geld sparen und gleichzeitig Kasse machen: Nordkorea macht’s vor…

Kürzlich bin ich zufällig auf diese relativ aktuelle Unternehmenspräsentation der Pyongsu Pharma Joint Venture Co., Ltd. gestoßen. Der Arzneimittelhersteller ist ein Joint Venture zwischen der Pyongyang Pharmaceutical Company die dem Gesundheitsministerium Nordkoreas untersteht und dem Northern Development Pharmaceutical Consortium Ltd., einer Tochter der schweizerischen Parazelsus Gruppe. Die Zusammenarbeit läuft schon seit einigen Jahren und scheint auch erfolgreich zu sein, wenn man steigende Ertragszahlen und Expansion des Unternehmens betrachtet (einige von euch dürften schon davon gehört haben, für die die mehr Infos suchen, gibt es einige Beiträge bei North Korea Economy Watch) und liest, dass Pyongsu Pharma als Produzent hochwertiger Arzneimittel unter anderem vom TÜV Süd im Auftrag der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC) zertifiziert wurde und damit in Nordkorea alleine steht. Generell ist es natürlich eine gute Sache, wenn dem ziemlich desolaten Arzneimittelsektor Nordkoreas mit Hilfe eines solchen Joint Ventures etwas auf die Beine geholfen wird und wenn in einem so essentiellen Bereich eigene Produktionskapazitäten aufgebaut werden. Daher kann man dieses Unternehmen im Grunde nur loben. Allerdings hat mich bei der Lektüre des Berichts und beim Klicken durch die Firmenhomepage eine Sache doch irgendwie irritiert und zu einer eher grundsätzlichen Frage geführt.

Und zwar werden als Kunden des Unternehmens einerseits das nordkoreanische Gesundheitsministerium genannt, andererseits aber auch internationale Hilfsorganisationen wie IFRC und Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (WHO). Nun gut, wird man sagen, es ist ja auch heute common sense, dass Hilfsorganisationen den Aufbau von Produktionsstrukturen und Infrastruktur in den Ländern fördern sollten, in denen sie Hilfe leisten, um so langfristig auch den Weg aus der Abhängigkeit zu weisen. Gleichzeitig kann man auf der Homepage von Pyongsu Pharma (nicht in dem  Bericht) aber auch lesen, dass das Unternehmen 2010 erstmals Dividenden an die Teilhaber ausgezahlt habe.

Und das passt für mich irgendwie nicht so gut zusammen. Der nordkoreanische Staat verdient mit einem Unternehmen Geld, das Medikamente an Hilfsorganisationen liefert, die die nordkoreanische Bevölkerung versorgen, die vom Staat nicht versorgt werden kann. Das hat für Pjöngjang nicht nur den positiven Aspekt, dass ein Teil der medizinischen Grundversorgung von außenstehenden übernommen wird, darüber hinaus erzielt der Staat damit auch noch Einnahmen. Ob das für Nordkorea der Weg aus der Abhängigkeit ist? Ich meine es wäre aus Sicht des Regimes doch totaler Schwachsinn, selbst für die Medikamente zu zahlen (die ja in einem teilweise staatseigenen Betrieb produziert werden) denn dann hätte man erstens die Einkaufkosten und hätte deshalb zweitens auch keine Freude an der Dividende.

Es ist natürlich möglich, dass die Gewinne, die ja vermutlich direkt oder indirekt ans Gesundheitsministerium gehen, von dort aus wieder ins Gesundheitssystem fließen, aber wer weiß das schon. Aus meiner Sicht müsste eine solche Vereinbarung allerdings Voraussetzung für die Abnahme von Medikamenten von Pyongsu Pharma sein, denn sonst subventionieren die Hilfsorganisationen ja irgendwie das Regime und mindern gleichzeitig die Chance, dass sich dieses wirklich bemüht, die Bevölkerung eigenständig zu versorgen. Naja, ich bin mir da selbst nicht ganz im Klaren, aber irgendwie kommt mir dieses Konstrukt schwierig vor, aber wenn die Einnahmen aus der Unternehmung der Volksgesundheit zugutekommt, dann ist es ne gute Sache, ansonsten ziemlich widersinnig.

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