Nordkoreanische Parlamentarier wollen Deutschland besuchen — Nordkorea sucht den Kontakt

Eben habe ich auf KBS gelesen, dass Anfang November eine Delegation von sechs nordkoreanischen Parlamentariern Deutschland besuchen soll. Dem Bericht zufolge soll die Reise auf Einladung des CSU-Parlamentariers und Vorsitzenden der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe Stefan Müller stattfinden, der im April mit der deutschen Fußball Delegation in Pjöngjang war (Ups, das hatte ich wohl falsch erinnert…Danke für den Hinweis) im Mai in Pjöngjang war und dort wohl auch die Einladung ausgesprochen hat. Die sechsköpfige nordkoreanische Delegation soll vom 6. bis zum 8. November angeführt von Rhee Jong-hyuk nach Deutschland kommen und neben einem Besuch im Bundestag sollen auch eine Besichtigung bei Thyssen-Krupp und in einer Getreidefabrik (was auch immer das Genau ist, vielleicht eine Mühle?) auf dem Programm stehen.

Rhee Jong-hyuk

Rhee, der Vizepräsident des nordkoreanischen Ausschusses für Frieden in Asien und Pazifik der Arbeiterpartei ist, hatte erst vor ein paar Tagen in den USA von sich reden gemacht, als er im Rahmen eines akademischen Forums unter anderem anmerkte:

Contact and exchange between North and South Korea, which had been brisk since the issuance of the North-South Joint Declaration, have been fully suspended and a grim condition is being created under which a war will break out.

[Die Kontakte und der Austausch zwischen Nord- und Südkorea, die seit der Nord-Süd Joint Declaration [von 2001] lebhaft waren, sind vollständig zum Erliegen gekommen und es wurden düstere Umstände erzeugt, durch die ein Krieg ausbrechen wird.]

wie man die Aussage genau interpretiert, das liegt natürlich beim Leser, aber von vielen Medien wurde es als Kriegsdrohung gewertet. Ganz so hoch würde ich das aber nicht hängen. Aber scheinbar ist er einer derjenigen, die gerne vom Regime zu nicht ganz unwichtigen, wenn auch hauptsächlich symbolischen Außenterminen (denn so oft Reisen nordkoreanische Offizielle nicht zu Track-II-Gesprächen in die USA) geschickt werden.

Prinzipientreue nicht hinderlich

Die Nordkoreaner scheinen auch Stefan Müller die Prinzipientreue einiger seiner Delegationsmitglieder nicht nachzutragen, aus der er sich bei ihrem Pjöngjangbesuch immerhin geweigert hatten, die Gebeine von Kim Il Sung zu bestaunen. S.o. hatte da was durcheinander gebracht…

Symbolisch wichtig

Erwarten sollte man von dem Besuch allerdings nicht viel, denn die Delegation wird wohl eher aus symbolischen und repräsentativen Gründen nach Deutschland kommen. Aber immerhin zeigt Nordkorea den Willen zur Interaktion (vielleicht auch geboren aus dem Willen, Nahrungsmittelspenden für die (mehr oder weniger) notleidende Bevölkerung zu sammeln), nicht nur durch diesen Besuch.

Interesse an Interaktion

Erst vor ein paar Wochen war eine nordkoreanische Handelsdelegation in Deutschland zu Gast, die unter anderem an einem Symposium der Konrad-Adenauer-Stiftung teilnahm, das sicherlich gerade mit dem Wirtschaftsfokus in der aktuell relativ bewegten Zeit dort, spannend und erhellend war (ich hoffe ja, dass es einen Bericht dazu geben wird. Hier ist jedenfalls schonmal der Bericht des Referenten der Stiftung für Nordostasien, der u.a. zur Vorbereitung des Symposiums Mitte des Jahres ein paar Tage nach Pjöngjang gereist war. Ist durchaus  lesenswert). Daneben ist natürlich noch auf die Kulturarbeit zu verweisen, die von einer nordkoreanischen Filmdelegation im Rahmen einer durchaus beachtlichen Filmwoche in drei Städten (ich glaube die Filmschaffenden waren nur in zweien) geleistet wurde.

Persönliche Kontakte sind wichtig beim Bohren dicker Bretter

Man will jedenfalls bestehende Kontakte nach Deutschland nicht abreißen lassen bzw. neue knüpfen. Deutsche Parlamentarier, Stiftungen und zivilgesellschaftliche Gruppen sollten diese Position weiter ausbauen, denn oft sind persönliches Kennen und Verstehen ein unersetzliches Kapital, wenn es daran geht auch dickere Bretter zu bohren. Denn so kommt Deutschland in die gute Situation auf Kontakte zurückgreifen zu können, wenn es einmal gilt, in dieser oder jener Frage vermittelnd einzugreifen.

Eine Antwort

  1. Hope this is of some use, I’m quite interested in the content and am looking forward to spending more time with the Adenauer-Stiftung report. Great to hear also that contacts seem to be increasing.

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