Kosten einer Koreanischen Wiedervereinigung: Yu Woo-ik schlägt 50 Mrd. Dollar Fonds vor

Gestern hat Südkoreas neuer Vereinigungsminister Yu Woo-ik mit einem Vorschlag von sich reden gemacht, wie sich sein Land auf eine mögliche Wiedervereinigung und vor allem auf die immensen finanziellen Lasten, die eine solche mit sich brächte, vorbereiten will. Yu kündigte gegenüber Bloomberg an, die südkoreanische Regierung würde noch in diesem Jahr mit dem Aufbau eines Vereinigungsfonds beginnen, dessen Gesamtvolumen in Zukunft etwa 50 Milliarden US-Dollar erreichen solle. Das Geld solle sich aus Spenden von Südkoreanern und Ausländern, sowie aus Geldern der Regierung speisen. Allerdings sollten keine ausländischen Regierungen um Einlagen gebeten werden und es solle auch keine Wiedervereinigungssteuer geben, eine Idee, die Südkoreas Präsident Lee Myung-bak im vergangenen Jahr ins Gespräch gebracht hatte, die aber allgemein auf wenig (positive) Resonanz gestoßen ist. Die Zuschüsse der südkoreanischen Regierung sollten beispielsweise aus Haushaltsüberschüssen stammen, wobei festzuhalten ist, dass Südkorea für 2013 einen ausgeglichenen Haushalt erzielen will, was dann wohl heißt, dass die Überschüsse noch weiter in der Zukunft liegen. Die 50 Milliarden US-Dollar würden laut Woo den Minimalbetrag der Kosten einer möglichen Wiedervereinigung decken, sollte diese binnen der nächsten 20 Jahre stattfinden.

Grundsätzlich guter Ansatz

Generell finde ich es gut und wichtig, dass die südkoreanische Regierung nicht nur von dem schönen Ziel der Wiedervereinigung spricht, sondern dass man sich auch mit den eher unangenehmen Folgen eines solchen Ereignisses auseinandersetzt und auch vorbereitende Maßnahmen ergreifen will. Irgendwie ist es mit ein bisschen gesundem Menschenverstand ja auch einsichtig, dass es nichts bringt, auf der einen Seite zu versuchen, das Regime in Pjöngjang zum Kollabieren zu bringen (ich bin der Meinung, dass einige wichtige Leute in Südkoreas Regierung das als gar nicht so schlecht ansehen („Lieber ein Ende mit Schrecken usw.“)) und sich auf der anderen Seite nicht wirklich darauf vorzubereiten. Allerdings hat der neue Vorschlag Yus ein paar Pferdefüße, die mich an der Sinnhaftigkeit des Vorhabens zweifeln lassen.

Niedrige „Minimalkosten“

Zum einen wäre da die Kostenkalkulation. Wenn man so durchliest, wie hoch die Kosten einer möglichen Wiedervereinigung taxiert werden, dann gehen die Meisten Schätzungen weit über Yus 50 Milliarden hinaus. So brachte eine Umfrage unter südkoreanischen Experten zutage, dass diese mit Kosten um etwa 3 Billionen US-Dollar rechneten. Wäre das eine realistische Einschätzung, dann würden Yus 50 Milliarden schon in der Anfangsphase einer Vereinigung ziemlich schnell als ziemlich kleiner Tropfen auf einem ziemlich heißen Stein scheinen. Das deutsche IWH hat versucht, die deutschen Erfahrungen auf Korea zu übertragen und schätzte eine Summe von 265 Milliarden US-Dollar für die Anfangsphase einer Vereinigung. Auch hier würden Yus 50 Milliarden ziemlich schnell verdampfen. Jedoch könnte man anmerken, dass es immerhin ein Anfang wäre, 50 Milliarden US-Dollar zu sammeln und das sich damit schon einiges bewegen ließe und vielleicht auch internationale Geldgeber besser überzeugt werden könnten, mit Mitteln beizuspringen.

50 Milliarden an Spendengelder? Na dann viel Spaß…

Jedoch ist dies so wie ich das sehe noch der kleinere Haken an der Idee. Ich weiß nicht genau, wie man 50 Milliarden US-Dollar an Spendengeldern einwirbt, aber ich stelle es mir ziemlich kompliziert vor. Wenn natürlich irgendwer wie Bill Gates daherkäme und sein halbes Vermögen in den Pott werfen würde: Ok. Aber sonst? Aber ja, da sind ja noch die Regierungsgelder, die sich aus erhofften Haushaltsüberschüssen ab ca. 2014 ergeben sollen. Hm, das mit den Haushaltsüberschüssen ist aber auch immer irgendwie so eine Sache. In Deutschland fängt man ja schon an Gelder zu verteilen, wenn die Defizite sinken. In Südkorea dürfte das nicht anders sein und sollte es tatsächlich Überschüsse geben, dann gibt man vielleicht lieber da Geld aus, wo das Wahlvolk kurzfristig erfreut wird und nicht auf ein Ziel hinarbeiten muss, das vielleicht irgendwo in der Zukunft liegt. Meiner Meinung nach, wäre die Idee Lees, quasi einen vorgezogenen Soli einzuführen ein sehr vernünftiger Weg, den Topf zu füllen. Alles andere hört sich nach Wunschgerede an (Hm, oder man überprüft nochmal den aktuellen Haushalt und schaut, ob man sich nicht doch irgendwo um 50 Milliarden verrechnet hat. Das soll ja häufiger vorkommen als man denkt…).

Immerhin etwas, aber nicht viel mehr…

Naja, jedenfalls kommt mir Yus Vorschlag hauptsächlich (wenn auch nicht ausschließlich) wie ein durchsichtiges Wahlkampfmanöver vor. Man will Tatkraft und Visionen beweisen, aber bitte so, dass es niemanden etwas kostet. Wenn es klappt (ein Milliardär mit Helfersyndrom springt aus der Kiste): Gut! Wenn nicht (Das Spendeneintreiben läuft ungefähr so gut wie das des WFP für Nahrungsmittelhilfen für Nordkorea): Blöd! Aber immerhin würde man mit dem Fonds vielleicht schon so etwas wie eine Struktur schaffen, die dann von späteren Regierungen mit Leben und vor allem mit Geld gefüllt werden könnte. Im Fazit ist es immerhin mehr als nichts, aber eben nicht vielmehr…

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