„Die unheimliche Normalität des Sozialismus“ oder Die unheimliche Dämlichkeit der WELT? Die Übergänge sind fließend…

Kürzlich hat der Fotograf David Guttenfelder, der ja bereits Anfang des Jahres tolle Bilder aus Nordkorea mitgebracht hat, erneut eine sehr schöne Fotostrecke vorgelegt. Wie gesagt, die Fotos sind echt schön und erlauben einen etwas unverstellteren Blick auf das Land. Allerdings ist es ja leidergottes den Mitarbeitern gewisser Printmedien gestattet, die Bilder mit eigenen Unterschriften zu versehen. Und wenn man das gekonnt macht, dann kann man jemandem doch glatt die Freude am schönsten Bild nehmen.

Das hat ein Mitarbeiter der WELT geradezu meisterlich hinbekommen und damit hat sich die WELT auch eine Würdigung meinerseits verdient. Sie hat schon lange ihr Bestes getan, mal hier ein bisschen Raum eingeräumt zu bekommen, denn so platt, meinungsBILDend und uninformiert berichtet auch ansonsten kein Medium in Deutschland, dass den Anspruch einer gewissen Seriosität erhebt, über Nordkorea. Da merkt man eben, wes Geistes Kind die WELT ist und durch welche Schule ihre Mitarbeiter gehen. Naja, worum es eigentlich geht. Ich habe noch selten nie ein so großes Maß an Dämlichkeit in 33 Bildunterschriften gesehen. Eine kleine Auswahl:

Ein Bild, wie es eigentlich überall auf der Welt enstehen [sic!] könnte: Männer fiebern gebannt bei einem Fußballspiel mit.

Doch die Aufnahme ist nicht irgendwo entstanden, sondern im kommunistischen Nordkorea. Dort wird auch das Vergnügen streng bewacht. Regierungssoldaten sichern das Yanggakdo Stadion in der Hauptstadt Pjöngjang ab.

Ach was! Die Nordkoreaner vergnügen sich also… Und ich dachte die wären den ganzen Tag mit dem Bau von Atombomben, dem Menschenverachten oder wahlweise mit hungern und unterdrückt werden beschäftigt. Ich dachte vergnügen würde man sich nur „irgendwo“ anders. Und Stadien werden in diesem verrückten Polizeistaat auch noch abgesichert. Gut das wir sowas nicht brauchen…

Pauli gegen HSV (Foto von airsoenxen)

Pauli gegen HSV. Wer braucht da schon Absicherung? (Foto von airsoenxen)

Randalemeister 2011... (Foto von loop_oh)

Überall ist die Anpassung an einen westlichen Lebensstil offensichtlich. Sogar ein Burger-Restaurant gibt es in Pjöngjang. Auf eine aufwändige Beleuchtung, wie es bei globalen Fast-Food-Ketten üblich ist, scheint man hier jedoch zu verzichten.

Ach. Na wenn der westliche Lebensstil überall offensichtlich nachgeahmt wird, dann hat unser Vorbild wohl bald schon (wieder) über die Roten gesiegt, oder wie?

Selbstgebrautes, einheimisches Bier genießt dieser Mann an der Theke einer Bar. Seht her, scheinen diese Bilder zu sagen, es gibt nichts, auf das man in Nordkorea verzichten müsste.

Ich dachte, die Bilder wurden von einem westlichen Fotografen gemacht, nicht von KCNA. Warum soll das Bild dann sagen: „Seht her, wir haben sogar Bier!“

Und diese Soldatinnen verlassen sowieso nur im Stechschritt ihre Kaserne.

Stechschritt? Weiß der Typ denn garnichts? Eigentlich ist es ja fast ein Wunder bei der nordkoreanischen Vorliebe für diese Form des Paradeschritts, aber diese Mädels paradieren garantiert nicht im Stechschritt…

Auch die Bewegungen Jong-ils auf dem politischen Parkett werden umgehend für Propagandazwecke genutzt. Diese Briefmarke zeigt Nordkoreas starken Mann mit einer Delegation der EU.

„Und hier sitz Jong Il neben Bill. Hinten stehen Joe, Jim und Sam“ (hab ich mal geraten…).

Naja, auch die restlichen Bildunterschriften zeichnen sich wahlweise durch die starke Überzeichnung von Klischees oder eine unglaubliche Unkenntnis der Materie aus. Eigentlich kann man dem WELTklasse Produzenten der Unterschriften ja keinen Vorwurf machen. Mich wundert es vielmehr, dass sich die WELT nicht schämt den Quark zu publizieren. Aber wenn man schon das Geld für die Bildrechte investiert, dann könnte man doch auch jemand Qualifizierten an die Bildunterschriften setzen. Das hier wäre zum Beispiel ein Fortschritt:

3 Antworten

  1. Glückwunsch zu dem Kommentar! Die Bilder zeigen eine Atmosphäre, wie man sie kennt, wenn man im Land sich länger aufhält. Die Kommentare der „Welt“ zeigen die Medienmeinung, wie man sie kennt, wenn man wieder in Deutschland ist.

    Ist nicht genug schlimm in Nordkorea? Ist es wirklich nötig, einen Zahnarzt, einen Burgerladen oder ein Fußballspiel auch noch superschlimm zu machen? Dort leben normale Menschen. Sie haben Kinder, eine Familie und einen Beruf. Und sie trinken auch mal ein Bier, gucken Fußball und müssen zum Zahnarzt. Warum ist das so unglaublich für die „Welt“? Und wenn der Schreiberling sind ein wenig auskennen würde, dass wüsste er, dass bei Weitem nicht jeder mit Khakifarbenen Anzug „Parteikader“ ist… Wenn’s jeder zweite wäre, würde es kein Kader mehr sein…

    • Wie gesagt, ich weiß auch nicht genau was mit der WELT los ist. Vielleicht gibt es da noch einen Überschuss an „anti-linken“ Vorbehalten, der sich seit dem Ende des Kalten Krieges aufgestaut hat und den man nur an Nordkorea abreagieren kann. Wenn man sich die gleiche Bildstrecke in anderen deutschen Medien anschaut (bspw. dem ja auch nicht gerade linken FOCUS), dann sind die Kommentare wesentlich neutraler gehalten. Zwar nicht ganz neutral, aber nicht so unerträglich banane, wie der Quatsch von der WELT.

      P.S. Entschuldigt bitte meine Kraftausdrücke in meinem Beitrag und Kommentar. Aber ich finde wenn etwas dämlicher Quatsch ist, dann sollte man das auch so formulieren dürfen…

  2. Nach „Artikeln“ wie diesem wundert mich bei diesem Käseblatt garnichts mehr: http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_politik/article13688898/Gaddafi-starb-an-Laehmung-des-Atemzentrums.html

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