Ein seltsames Selbstbild: KCNAs Berichterstattung zum Wirtschaftswunderland Nordkorea und eintreffenden Nahrungsmittelhilfen

Heute habe ich mal wieder mit  besonderem Vergnügen die Nachrichten von KCNA gelesen. Einer gewissen Absurdität entbehrt zumindest ein Teil der Inhalte der nordkoreanischen Nachrichtenagentur ja nie, aber heute fand ich es so schön schlagend, dass ich euch kurz darauf aufmerksam machen möchte.

Was mag wohl ein Mensch denken, der die folgenden beiden Überschriften und die zugehörigen Inhalte liest?

Der erste Artikel bezieht sich auf die Schätzungen zu Nordkoreas Wirtschaftsentwicklung von der südkoreanischen Zentralbank „Bank of Korea“. Ich habe mich ja auch bereits zum Wert dieser Zahlen geäußert, die besagen, Nordkoreas Wirtschaft sei im vergangenen Jahr um 0,5 % geschrumpft. Aber naturgemäß fühlt man sich in Nordkorea von den Zahlen und dem daraus gefolgerten Schluss, Nordkoreas Wirtschaft taumele weiter auf den Abgrund zu, tief getroffen. Auch die ungefähr gleichzeitig öffentlich gewordenen Berichte, Chinas Handelsministerium habe vor Investitionen in Nordkorea gewarnt, nimmt man scheinbar sehr übel und sieht darin eine Schmierkampagne, die die (für die Widersacher schwer erträgliche Realität) verdrehen und potentielle Kooperationspartner abschrecken wolle. Die Realität sieht laut KCNA natürlich ganz anders aus:

All these are sophism aimed to distort the true picture of the DPRK’s self-supporting economy. […]

Today the DPRK’s economy is at the highest tide of its development ever in history.

Significant progress has been made in putting the national economy on a Juche-oriented, modern and scientific basis.

Epochal changes equivalent to the industrial revolution in the 21st century are taking place in the DPRK. […]

The Ryonha General Machinery Plant pushed back the frontiers in 11-axes processing. It is leading the world in CNC technology and machine-building industry.

The Juche-based steel-making system was perfected and Juche fibre and Juche fertilizer are being churned out in the country.

The DPRK also succeeded in nuclear fusion and made a signal progress in bio-engineering development.

The day is near at hand when a light water reactor entirely based on domestic resources and technology will come into operation in the DPRK.

Hm, das klingt doch alles super für den Leser. Ein bisschen ins Grübeln kommen dürfte er dann vielleicht doch bei der Lektüre des nächsten Artikels:

The delivery of 50 000 tons of food donated to the DPRK by the Russian government was completed […] Russia’s donation of food to the DPRK is an encouragement to the Korean people in speeding up the building of a thriving country. It will also be helpful to further developing the traditional relations of friendship and cooperation between the two countries.

Also zusammengefasst steht in den beiden Artikeln: Nordkorea hat eine selbsttragende Wirtschaft und ist in vielen Bereich höchstentwickelt. Gleichzeitig lässt man sich von Russland 50.000 Tonnen Getreide spenden (und das trotz der Tatsache, dass Juche Dünger überall im  Land verteilt wird). Also ganz ehrlich gesagt käme mir das spanisch vor, wenn ich diese beiden Artikel direkt hintereinanderweg lesen würde. Das hat ja schon fast was Subversives. Oder ist man in der KCNA-Redaktion so sehr durch die eigene Propaganda-Folklore abgestumpft, dass man gar nicht mehr merkt, dass da was seltsam ist.

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