Ist ein Gipfel zwischen Kim Jong Il und Lee Myung-bak möglich? Neue Berichte. — Was ist eure Meinung?

Am Wochenende berichteten südkoreanische Medien unter Berufung auf ungenannte Quellen, dass hinter den Kulissen weiter über ein mögliches Gipfeltreffen zwischen Kim Jong Il und Lee Myung-bak nachgedacht wird. Die jüngsten Meldungen berufen sich dabei auf eine Bemerkung, die ein ebenfalls nicht namentlich genannter nordkoreanischer Offizieller gegenüber Vertretern der „Elders“ gemacht haben soll, als er im August New York besuchte. Der nordkoreanische Politiker habe für den kommenden Januar ein vorbereitendes Treffen zwischen Vertretern Süd- und Nordkoreas vorgeschlagen, bei dem dann konkret über einen möglichen Gipfel diskutiert werden soll.

Dem Bericht zufolge überlegen die Elders, als neutraler Vermittler an den Vorbereitungsgesprächen teilzunehmen. Allerdings soll Jimmy Carter scheinbar bei künftigen Vermittlungsbemühungen außen vor bleiben. Angeblich würde ihm von Seiten des südkoreanischen Präsidenten seine Haltung nachgetragen, die er zu Beginn dieses Jahres an den Tag gelegt hatte. In der kommenden Woche soll eine Delegation der Elders — vermutlich unter Leitung von Gro Brundtland, ehemalige norwegische Ministerpräsidentin und Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation der UN — nach Seoul reisen um diese Botschaft zu übermitteln und anschließend nach Pjöngjang fahren, wohl um eine mögliche Antwort Seouls weiterzuleiten.

Diese Berichte, auch wenn bisher noch nicht bestätigt, enthalten eine große Zahl interessanter Informationen. Ich glaube in diesem Fall nicht, dass es nur haltlose Gerüchte sind, weil die Infos nicht aus irgendeiner südkoreanischen Geheimdienstquelle gesickert sind, sondern von einem US-amerikanischen Wissenschaftler kamen und weil ein ziemlich konkreter Fahrplan für die nächsten Schritte genannt wurde, nämlich ein Besuch der Elders in Seoul und dann in Pjöngjang noch in dieser Woche. Wir werden also sehr bald sehen, was da dran ist. Aber jetzt mal zu dem Interessanten, das in den Meldungen drinsteckt:

  • Man scheint in Pjöngjang weiter an einem Gipfeltreffen mit Lee Myung-bak interessiert zu sein. Wenn das kein Manöver ist, um von Seoul mit Propagandaflugblättern und ähnlichem in Ruhe gelassen zu werden, ist das ein gutes Zeichen, das mich ein bisschen überrascht.  Ich hätte gedacht, man würde Lee seine unnachgiebige Haltung der letzten Jahre nicht verzeihen und ihm daher den (symbolischen) Erfolg eines Gipfeltreffens nicht gewähren. Aber vielleicht fischt man ja auch nur ein bisschen nach Geschenken von Seoul.
  • Die Reise der Elders im April nach Pjöngjang scheint doch kein absoluter Misserfolg gewesen zu sein. Auch wenn sie mit leeren Händen und ohne Treffen mit Kim Jong Il aus Pjöngjang abreisen mussten und auch in Seoul nicht mit ungeteilter Freude empfangen wurden, scheinen sie sich in die Rolle eines Vermittlers gebracht zu haben, der von Pjöngjang akzeptiert und gezielt angesprochen wird. Man hat damals also wichtige Grundsteine für eine weitere Vermittlertätigkeit gelegt.
  • Allerdings kann Jimmy Carter wohl nicht selbst die Früchte der Initiative ernten, bei der er wohl eine Haupttriebfeder darstellte. Scheinbar hat er mit seiner teils harschen Kritik an Seoul und Washington (wenn ich mich richtig erinnere warf er den beiden Regierungen im Zusammenhang mit der nicht-Gewährung von Nahrungshilfen auf indirektem Wege Menschenrechtsverletzung vor) den  Bogen überspant und wird von Seoul nicht als neutral betrachtet. Folglich muss er wohl bei künftigen Reisen der Elders nach Korea zuhause bleiben (aber er ist ja auch nicht mehr der Jüngste und hat sich das verdient).
  • Die einzige nordkoreanische Delegation, die im August in New York war und von der ich gehört habe war die vom ersten stellvertretenden Außenminister Südkoreas Kim Kye-gwan. Der sprach Ende Juli mit dem damaligen Sondergesandten Bosworth und blieb dann bis zum 2. August. Wenn die Bemerkung von ihm oder einem Mitglied seiner Delegation gekommen wäre, dann wäre das ein gutes Zeichen, denn einerseits wäre sie dann im Zusammenhang mit den Verhandlungen mit Bosworth getroffen worden, was auf eine Zufriedenheit Pjöngjangs mit dem Verlauf des Gesprächsprozesses hindeutet, andererseits würde dann ein gewisses Maß an politischer Autorität dahinterstehen, denn Kim Kye-gwan besitzt definitiv das Vertrauen Pjöngjangs und spricht für die Machthaber dort.
  • In Pjöngjang scheint man es nicht eilig zu haben. Dass man erst im kommenden Januar vorbereitend über einen Gipfel sprechen möchte kann ein gutes, aber auch ein schlechtes Zeichen sein. Ich sehe es als positiv an, dass man den Januar als Termin anpeilt, weil man dann zumindest bis dahin Verhandlungen anzustreben scheint. Das würde heißen, die Tür für Gespräche wird erstmal eher nicht aufgrund von Frustration und Unzufriedenheit auf Seiten Pjöngjangs mit einem Knall zufallen. Damit wird dem vorsichtigen Beschnuppern mit den USA und Südkorea weiterer Raum eingeräumt und das ist gut. Negativ wäre die Zeitspanne zu bewerten, wenn man nur plant, nur weitere Zeit zu gewinnen. Man will keine weiteren Scherereien mit Südkorea und den USA haben und versucht beide solange zu ködern und friedlich zu halten, bis zumindest die Wahlen in Südkorea vorbei sind.

Erstmal muss sich natürlich zeigen, ob an den Berichten was dran ist. Aber nachdem das noch diese Woche passieren wird, denke ich, dass es grundsätzlich eine gute Sache ist, wenn die Koreas miteinander über ein konkretes Ziel sprechen. Noch besser finde ich es, dass dann vielleicht eine unabhängige Partei mit am Tisch sitzen wird, denn nach gescheiterten Verhandlungen gab es ja öfter mal sehr unterschiedliche Legenden über den Verlauf der Gespräche und den Grund für den Abbruch. Wenn eine vermittelnde Instanz dabei wäre, dann könnte sich keine Seite mit einer billigen Lüge aus der Affäre ziehen (was definitiv schon vorkam). Aber wie weit der Prozess tragen kann hängt vor allem von Pjöngjangs Agenda ab. Eigentlich sollte man ja denken, dass es mit Lee kein Gipfeltreffen geben wird. Aber Pjöngjang hat sich in der Vergangenheit schon oft sehr flexibel hinsichtlich früherer eigener Aussagen gezeigt. Von daher sollte man niemals nie sagen. Wir werden sehen.

Was denkt ihr: Ist ein Gipfeltreffen zwischen Kim Jong Il und Lee Myung-bak denkbar, oder wird es frühesten unter Südkroeas nächstem Präsidenten wieder eine Chance auf einen Austausch auf höchster Ebene geben? Ich habe hier eine kleine Umfragemaske gebaut, aber natürlich steht auch die Kommentarfunktion für umfangreichere Anmerkungen zur Verfügung.

 

3 Antworten

  1. Ich würde ein Treffen begrüßen, wobei ich der Meinung bin, dass dies höchstens unter besonderen Umständen passieren wird. Einer der ausschlaggebenden Punkte wäre der Egoismus des jeweiligen Landesvaters, der sich aus dem Treffen etwas Positives für sein Land erhofft. Vielleicht irre ich mich auch, die Zeit wird es zeigen …

    • Schaden würde ein Treffen sicherlich nicht. Ob die beiden Mächtigen dabei allerdings in erster Linie das Wohl ihres Landes(-teils) im Auge haben, oder ob da nicht noch weit egoistischere (ihr Wohl/ ihre Hinterlassenschaft an die Nachwelt) Motive eine Rolle spielen, das bleibt offen. Mit dem Begriff „Landesvater“ tue ich mir übrigens bei beiden etwas schwer. Der Eine ist wohl eher der „Landesmanager“ und der Andere höchstens der „Möchtegern-Landesvater“. Aber wie du sagst: So oder so heißt es erstmal Abwarten und Tee trinken…

  2. Lee gilt laut dem Selbstverständnis der nordkoreanischen Propaganda als „Landesverräter“.Wenn Kim sich nun mit ihm trifft, macht ihn das dann nicht auch zu einem solchen?

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