Ein Strauß voll Buntes II: Nordkorea-Lesefutter für kalte Herbst- und Wintertage

In meinen Lesezeichen sammeln sich mal wieder mehr und mehr Links zu interessanten Artikeln und Seiten an und ich werde wohl vorerst nicht die Zeit haben, das alles wirklich intensiv durchzulesen und euch dann auch noch vorzustellen. Daher habe ich euch einfach mal wieder eine kleine Leseliste gemacht, in der ihr interessante Publikationen zu verschiedenen Themen finden könnt und mit der ihr euch über die kälter und kürzer werdenden Herbsttage „retten“ könnt, wenn ich euch zu wenig oder über zu uninteressante Themen schreibe.

Wie auf nordkoreanische Provokationen reagieren

Für das Center for Strategic and International Studies (CSIS) hat sich bis Oktober der südkoreanische General Lee Sung-chool sehr intensiv mit möglichen Reaktionen des US-Südkoreanischen Bündnisses auf künftige militärische Provokationen Nordkoreas befasst. Dabei hat er sich sehr ausgiebig mit den strategischen Rahmenbedingungen in der Region, möglichen Formen militärischer Provokationen und der richtigen Antwort auf diese bzw. der richtigen Vorbereitungen für sie, befasst. Als Ergebnis kam er zu einer langen Reihe von Handlungsempfehlungen, die in ihrer Gesamtheit wohl vorerst nicht umgesetzt werden können. Allerdings kann man manche Entwicklungen in Südkorea (dem Kauf bestimmter Waffensysteme etc.) durchaus vor diesem Hintergrund sehen. Hier gehts zu: „The ROK-U.S. Joint Political and Military Response to North Korean Armed Provocations„.

Nordkoreas Raketenprogramm: Wie darum verhandeln?

Ebenfalls mit einem militärischen Thema befasste sich eine Gruppe vom US-Korea Institute der Paul H. Nitze School of Advanced International Studies (SAIS) an der Johns Hopkins University um Joel S. Wit, einem Experten für Waffenkontrolle und Abrüstung. Die Gruppe nahm sich mit dem nordkoreanischen Raketenprogramm eines Themas an, dass erstaunlicherweise kaum im Fokus der Aufmerksamkeit von US-Politikern steht, obwohl Nordkorea ohne dieses Programm wohl nie ein direktes Risiko für die USA darstellen würde. Die Autoren beleuchten den aktuellen Status des Raketenprogramms um dann einen strategischen Verhandlungsansatz für die USA zu entwerfen, der nach Meinung der Autoren auch für Nordkorea das Potential für einen akzeptablen Kompromiss berge. Interessanter Text zu einem unverständlicherweise vernachlässigten Thema: „Missile Negotioations with North Korea: A future strategy

Nordkoreanische B- und C-Waffen: Nichts genaues weiß man nicht

Kürzlich machte auch ein Artikel der japanischen Publikation „The Diplomat“, die sich mit internationalen Beziehungen mit Fokus auf Asien befasst, auf ein vernachlässigtes Thema aufmerksam. Mögliche nordkoreanische Programme für biologische und chemische Waffen. Über dieses Thema wird nicht ohne Grund so wenig geschrieben, denn darüber gibt es noch weniger Informationen als beispielsweise über Nordkoreas Nuklerprogramm und daher lässt sich eigentlich sogar die Existenz solcher Programme zweifelsfrei belegen, zumindest lassen sich aber kaum Aussagen über Ausmaß und Zielrichtung treffen. Daher ist es keine schlechte Sache, wenn sich J. Berkshire Miller Gedanken um den Umgang mit dieser Bedrohung macht. „North Korea’s Other Weapons Threat

Nordkoreanische Agenten in Südkorea

Ebenfalls bei „The Diplomat“ ist ein interessanter Artikel erschienen, der sich mit der Infiltration Südkoreas mit nordkoreanischen Agenten befasst. Dieses Thema war im vergangenen Jahr wiederholt in den Blick der Öffentlichkeit gerückt, nachdem Mordpläne nordkoreanischer Agenten an Dissidenten und Aktivisten aufgeflogen waren (Es ist ja gerade vor ein paar Tagen wieder ein Versuch eines Agenten aufgedeckt worden, als Flüchtling getarnt in den Süden einzureisen). Eingerahmt wird die Reportage durch die Erzählung über Kim Shin-jo, der 1968 zu der Agententruppe gehörte, die den südkoreanischen Präsidentenpalast angriffen, um den damaligen Präsidenten Park Chung-hee zu töten. Kim war der einzige von 31 Agenten, der lebendig gefasst wurde, wurde 1997 amnestiert und arbeitete dann als evangelischer Pfarrer. (Zur Geschichte des Angriffs auf den Präsidentenpalast und Kim gibts bei ROK-Drop einen interessanten Hintergrundartikel.) „North Korea’s Clumsy Assassins

Baufortschritte des LWR in Yongbyon

Auf 38 North gab es vor ein paar Tagen einen Artikel, der die Fortschritte Nordkoreas beim Bau des Leichtwasserreaktors in Yongbyon anhand von aktuellen Satellitenfotos analysierte. Die Autoren stellten fest, dass große Fortschritte gemacht wurden und dass die äußere Hülle in sechs bis zwölf Monaten (noch 2012) fertig werden könnte. Allerdings würde es noch zwei bis drei Jahre dauern, bis der Reaktor Strom erzeugen würde.“North Korea Makes Significant Progress in Building New Experimental Light Water Reactor (ELWR)

Die Neocons leben: Frieden schaffen mit Waffen (und Regimewechsel)

Ein größeres Fass machte Michael Mazza vom American Enterprise Institute (AEI) auf. Seine Analyse soll der US-Regierung nicht weniger zeigen, als den Weg zum Frieden auf der Koreanischen Halbinsel. Wer weiß, was das AEI für Standpunkte vertritt (kleiner Tipp: Ich glaube George W. Bush hat oft Außenpolitik betrieben, die das AEI so vorgeschlagen haben könnte. Sein ehemalige UN-Botschafter Bolton schreibt regelmäßig für das AEI), der kann sich denken, wie es gelingen soll dort Frieden zu schaffen — nämlich nicht ohne Waffen. Mazza schägt eine Two-Track Strategy vor, bei der kurzfristig für Frieden gesorgt wird, indem auf jede Provokation Pjöngjangs eine entsprechend härtere Vergeltung erfolgt. Langfristig glaubt man beim AEI immernoch an den Regime-Change (der Erfolg dieser Politik spricht ja schließlich für sich (da wundert es auch nicht, das Mazza Maßnahmen mit Vorbild aus den Zeiten des Vietnamkriegs als erfolgversprechend sieht…). Ich denke anders als Mazza, aber es ist j trotzdem anregend und interessant, das Spektrum der Ideen zu überblicken. Und dazu gehören eben auch Vorschläge aus dem sehr konservativen Lager: „Peace through Pressure: Toward a New Allied Strategy for Contending with North Korea

Nicholas Eberstadts konstruktiver Beitrag zur humanitären Debatte: „Intrusive Aid“

Und weil ich gerade schon in der eher konservativen Ecke stehe, passt es auch gut euch auf das hinzuweisen, was Nicholas Eberstadt über humanitäre Hilfen für Nordkorea geschrieben hat. Kurz gesagt erklärt Eberstadt die bisherige humanitäre Hilfe für gescheitert und plädiert für eine vollständige Neuausrichtung der Hilfen nach einem Ansatz, den er mit „intrusive Aid“ bezeichnet. Kurz gesagt möchte er die Rolle des nordkoreanischen Staats bei den Hilfen darauf beschränken, objektive und nachprüfbare Daten über die Umstände im Land zu liefern. Der Rest, also vor allem die Entscheidung, wem geholfen wird und die Hilfen werden dann von den Hilfeleistenden übernommen. Wenn das Regime gegen diesen Ansatz verstoßen würde, würde dies zu einem sofortigen Ende der Hilfen führen. Eberstadts Ansatz hat gegenüber den Ideen vieler seiner Kollegen den Vorzug, dass er nicht pauschal gegen Hilfen plädiert, sondern konstruktive Verbesserungsvorschläge macht und damit einen vernünftigen Beitrag zur Diskussion leistet. Ob das umsetzbar ist, das weiß, wie er selbst sagt niemand. Allerdings wird man es nie erfahren, wenn man es nicht versucht. „We Need Intrusive North Korea Aid

Nordkoreas digitale „Revolution“

Mit einem völlig anderen Thema befasste sich Alexandre Y. Mansourov kürzlich in einem Hintergrundbericht für das Nautilus Institute. Er beschäftigt sich mit dem offensichtlichen Wandel in Nordkorea was IT angeht. Er beschreibt sehr umfassend die Entwicklungen der vergangenen Jahre und analysiert mögliche Gründe und Auswirkungen der veränderten Haltung Pjöngjangs gegenüber den neuen Technologien. Neben der Analyse finde ich auch die umfassende Bestandsaufnahme des aktuellen Status sehr wertvoll. In den Anhängen lässt sich einiges interessantes finden: „North Korea on the Cusp of Digital Transformation

Was Südkoreaner denken

Was ich mich oft frage, ist was eigentlich die südkoreanische Bevölkerung über Nordkorea und über die Politik südkoreanischer Regierungen gegenüber dem Bruderstaat denkt. Vermutlich wird dazu echt viel erhoben, allerdings wird es wohl oft nicht ins Englische übersetzt. Trotzdem gab es in letzter Zeit zwei Beiträge zu dieser Fragestellung. Einmal bloggten Jaesung Ryu und Stephan Haggard zweimal auf Basis südkoreanischer Daten dazu. Zum Anderen gab es ein kleines Paper vom ASAN Institute for Policy Studies, das sich mit ähnlichen Fragen befasste. Eine interessante Erkenntnis beider Studien ist, dass die Beziehungen zu Nordkorea nur von einem sehr geringen Teil der Bevölkerung als wichtigstes Thema der südkoreanischen Politik gesehen werden. Die Werte fielen nach der ASAN Istitute Studie von etwa 32 % im Januar auf knapp 9 % im Oktober: „South Korean Public Opinion on North Korea & the Nations of the Six-Party Talks

Umfassende Infos zu Nordkoreas Wirtschaft: Korea Economic Institute (KEI)

Als letztes ist mir kürzlich aufgefallen, dass ich euch noch nie Explizite auf das Korea Economic Institute (KEI) hingewiesen habe. Warum ich das vergessen habe weiß ich nicht, aber es könnte damit zusammenhängen, dass meine mentale Liste mit Artikeln, die noch zu schreiben sind immer länger wird und ich oft die aufschiebe, die keinen tagesaktuellen Hintergrund haben. Ich weise euch besser jetzt gleich auf das KEI hin, als das nochmal ein paar Jahre aufzuschieben. Das KEI ist eine der besten Quellen für alles, was in näherem oder fernerem Zusammenhang mit Nordkoreas Wirtschaft steht. Es erscheinen jedes Jahr einige neue Artikel zu Nordkorea und die Archive sind gut gefüllt. Wenn ihr euch für Nordkoreas Wirtschaft interessiert, dann schaut euch einfach mal im Archiv um und bookmarkt euch die Seite oder tragt euch im RSS-Feed ein, damit ihr auf dem Laufenden bleibt. Wenn ihr alle interessanten Papers von KEI durchlesen wollt, dann habt ihr jedenfalls einige Zeit zu tun und zwar nicht nur, weil das Archiv irgendwie nicht besonders gut sortiert ist und das Suchwerkzeug nur mittelgut funktioniert (lasst euch davon keinesfalls abhalten, stöbern lohnt!): Korea Economic Institute – Ressources

Viel Spaß beim Lesen

Das war mal wieder einiges, das darauf gewartet, gelesen zu werden und ich denke, es dürfte auch für die Meisten etwas dabei sein. Mal sehen wann sich wieder soviel Lesestoff angesammelt hat, dass ich einen Sammelhinweis verfassen werde. Aber mit alldem solltet ihr ein paar verregnete Herbsttage füllen können…

4 Antworten

  1. Gibt es auch „Lesestoff“ auf Deutsch?

    • Nichts aus dem letzten Monat. Aber wenn du mal unter der Kategorie „Recherche“ und dann unter „Berichte…“ schaust und vll. auch unter „Informationsressourcen…“ (aber das weiß ich nicht genau), solltest du was finden, da musst du dich dann durchklicken, aber es gibt ganz interessante Sachen von der KAS und von Koschyk…

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