Trauer um Kim Jong Il: Welche Deutschen warum kondolierten

Der Tod Kim Jong Ils ist in Deutschland nicht nur bei Medien und Öffentlichkeit auf breite Aufmerksamkeit gestoßen, sondern führte auch bei manchen Leuten zu Betroffenheit. Jedenfalls zählt KCNA (bisher leider nur das Neue. Am besten sucht ihr dort nach „Germans Wish for Implementation of Kim Jong Il′s Behests“) drei Personen auf (es können durchaus mehr gewesen sein, allerdings waren die anderen dann wohl ohne offizielles „Amt“), die sich in der nordkoreanischen Botschaft in Berlin ins Kondolenzbuch eintrugen:

German personages of different circles Friday paid condolatory visits to the DPRK embassy in Berlin on the demise of leader Kim Jong Il. They included the chairman of the C.C., Communist Party of Germany, the secretary general of the Germany Cardiology Centre and the vice-chairman of the Federal Republic of Germany-DPRK Association.

Was die „Federal Republic of Germany-DPRK Association“ angeht bin ich ein bisschen ratlos. Ich weiß nicht genau was das ist und wer dahintersteht. Aber das kann man sich so grob vorstellen.

Das Deutsche Herz Zentrum Berlin? Warum das?

Etwas interessanter fand ich ohnehin, dass jemand vom Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB) kondoliert hat. Zwischen dem DHZB und dem Rot-Kreuz-Krankenhaus in Pjöngjang besteht bereits seit 1997 eine Kooperation (damals wurden nordkoreanische Ärzte ausgebildet soweit ich das verstanden habe), die Professor Roland Hetzer in den Jahren 2007 und 2008 mit OP-Teams nach Pjöngjang und führte im Rot-Kreuz-Krankenhaus mehrere Operationen durch. Vor diesem Hintergrund erhielt er 2008 die Ehrendoktorwürde (dort steht nicht von welcher Universität) von Nordkoreas stellvertretendem Wissenschaftsminister. Dieser Sachverhalt führte dazu, dass Hetzer kurzzeitig in die Kritik einiger Medien geriet (so wie das sich für mich nach oberflächlicher Recherche darstellte, könnte man vielleicht auch sagen „aufs Korn genommen wurde“).

Das scheint Hetzer (ich gehe einfach mal davon aus, dass er sich hinter dem „secretary general of the Germany Cardiology Centre“ verbirgt, immerhin ist er der Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. Ansonsten würde m.E. höchstens noch der Verwaltungsdirektor (aufgrund der Bezeichnung von KCNA) in Frage kommen, was ich mangels persönlicher Beziehung zu Nordkorea aber seltsam fände) jedoch nicht davon abgehalten zu haben, sich ins Kondolenzbuch einzutragen. Wer weiß, vielleicht hat er ja auch mal medizinische Ratschläge für prominentere Patienten abgegeben und fühlt sich daher persönlich gebunden? Der Termin seines letzten Besuchs würde ja ganz gut passen.

Auf die KPD ist Verlass

Zur Verbundenheit der KPD mit Pjöngjang habe ich ja schonmal kurz was geschrieben — da hat sich die Buchspende aus Pjöngjang ja gelohnt die der KPD und nicht wie ich damals fälschlich behauptete der DKP zuging — denn immerhin gab es von der KPD viele Trauerbekundungen. Neben der Unterschrift des Vorsitzenden des Zentralkomitees der etwa 150  Mitglieder zählenden Partei (laut dem thüringischen Verfassungsschutz S. 120, der dort auch auf den expliziten Nordkorea-Bezug der KPD hinweist) im Kondolenzbuch in Berlin, gab es noch dieses Kondolenzschreiben des Zentralkomitees:

Mit Trauer haben wir Kenntnis vom Ableben des Genossen Kim Jong Il, dem Generalsekretär der Partei der Arbeit Koreas, Vorsitzenden des Verteidigungskomitees der DVRK und Obersten Befehlshaber der Koreanischen Volksarmee, erhalten. Mit Genossen Kim Jong Il, dem großen Sohn seines Volkes, verlieren die Partei der Arbeit Koreas, das koreanische Volk und die gesamte friedliebende Menschheit einen, der wissenschaftlichen Weltanschauung treu ergebenen, Kommunisten, der sein ganzes Leben, seine Kraft, sein politisches Denken und Handeln in den Dienst der kommunistischen Sache stellte, ohne sich selbst zu schonen. Sein unermüdliches Streben und Wirken galt der Fortsetzung und Vollendung der koreanischen Revolution. Dabei erwies er sich als würdiger Nachfolger von Kim Il Sung, als Denker und Lenker, der mit der Fortsetzung der Juche-Ideologie sowie der Ausprägung der Songun-Politik alles dafür tat, sein Vaterland weiter allseitig zu stärken, den Frieden auf der koreanischen Halbinsel sowie weltweit zu bewahren und allen Anschlägen und Provokationen seitens der USA und ihrer Helfershelfer zu widerstehen bzw. sie zurückzuweisen. Unter seiner Führung wurden große wirtschaftliche bzw. soziale Leistungen erreicht, insbesondere aber auch bei der Verteidigungsfähigkeit der Demokratischen Volksrepublik Korea.

Am 16. Februar 1942 geboren, hatte er sich bereits in jungen Jahren durch sein politisches Wirken Achtung und Ansehen erworben. Am 19. April 1964 nahm er seine Tätigkeit im Zentralkomitee der Partei der Arbeit Koreas auf. Sein Wirken richtete er besonders mit der Songun-Politik auf die Ausprägung der Koreanischen Volksarmee zu einer wahren Armee des Volkes. Am 24. Dezember 1991 wurde er zu deren Oberbefehlshaber und am 9. April 1993 zum Vorsitzenden des Verteidigungskomitees der DVRK ernannt. Nach dem Tod von Kim Il Sung, dessen 100. Geburtstag wir im April 2012 würdig begehen werden, wurde Genosse Kim Jong Il am 8. Oktober 1997 zum Generalsekretär der Partei der Arbeit Koreas gewählt. Sein plötzlicher Tod riß ihn mitten aus seinem, dem Wohl des Volkes dienenden, Schaffen.

In dieser Zeit der Trauer ist es uns ein großes und aufrichtiges Anliegen, seiner Familie, den Mitgliedern der Partei und dem gesamten koreanischen Volk zu ihrem schweren Verlust die tief empfundene Anteilnahme auszusprechen. Wir wünschen dem koreanischen Volk, daß es beim sozialistisch/kommunistischem Aufbau des Landes, bei der fortwährenden allseitigen Stärkung dieses aufblühenden sozialistischen Staates sowie dessen Verteidigung gegen die Attacken der imperialistischen Mächte weitere Erfolge erreicht. Dabei versichern wir die aufrichtige und kämpferische Solidarität der Kommunistischen Partei Deutschlands.

Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Deutschlands

Redaktion „Die Rote Fahne“

Das hier ist die Übersetzung davon, die KCNA (neu) herausgab:

Kim Jong Il Lauded

The demise of Kim Jong Il, great son of Korea who remained faithful to the scientific outlook on the world and devoted his whole life to the accomplishment of the cause of socialism, is a great loss to the Workers‘ Party of Korea and the Korean people and the whole progressive humankind, said the statement.

Kim Jong Il, the only successor to President Kim Il Sung, is an outstanding thinker and theoretician and great leader, it noted, adding:

By carrying forward the cause of Juche, the cause of Songun, he developed the DPRK in all fields and protected the peace and security of the Korean Peninsula and the rest of the world.

Under his guidance, the DPRK achieved great economic and social successes.

In this hard period we express profound condolences to the WPK and all the Korean people overcoming the pain resulting from the greatest loss.

We are confident that the Korean people will achieve successes in building a thriving socialist nation and defending their country and extend sincere militant solidarity to them.

Naja, die jungs von der KPD müssen auf jeden Fall gut im „wissenschaftlichen Weltdeuten“ sein, denn Kim Jong Il als Vorbild der gesamten friedliebenden Menscheit darzustellen kam wohl sogar den Mitarbeitern von KCNA seltsam vor, denn die ersetzten das „friedliebend“ kurzerhand durch „progressive“, was ich eher mit „fortschrittlich“ übersetzen würde.

Allerdings könnte man in das Schreiben des DKPKPD-ZK mit ein bisschen Kreativität auch sowas wie Kritik reindeuten, wenn geschrieben wird, Kim Jong Il habe „große wirtschaftliche bzw. soziale Leistungen erreicht, insbesondere aber auch bei der Verteidigungsfähigkeit der Demokratischen Volksrepublik Korea“ (klingt das crazy oder klingt das crazy? Ich frage mich, ob die das wirklich so glauben, wie sie es schreiben, oder ob sie einfach nur nett sein wollen). Allerdings erweckt bei aller Crazieness die Wendung „insbesondere aber auch“ vor dem Teil mit der Verteidigungsfähigkeit den Eindruck, als wäre das mit dem Wirtschaftlichen und Sozialen nur der Höflichkeit halber aufgeommen worden. Jedenfalls scheint das den KCNA-Leuten so auch nicht gefallen zu haben, denn den Halbsatz ab „insbesondere aber auch“ ließ man einfach weg. Dann klingt das auch schon ganz anders (und noch crazier).

Naja, herzerwärmend fand ich diese Kondolenzbotschaft auf jeden Fall schonmal und sie klinft auch irgendwie ehrlich betroffen. Außerdem gab noch eine gesonderte Kondolenzbotschaft von Jörg Lorenz, der der DKP KPD Landesorganisation Niedersachsen und dem Arbeitskreis für Juche-Ideologie in Hannover vorsteht. Meine persönlichen Highlights hier:

Ein großes Kämpferherz hat aufgehört zu schlagen.

Hat er doch schön gesagt/geschrieben, oder? Und:

Unter seiner weisen Führung war und ist die Demokratische Volksrepublik Korea ein leuchtender Stern über Asien, der dem Imperialismus und seinen Vasallen machtvoll die Stirn bietet.

Ein leuchtender Stern; Naja… Aber ob Sterne eine Stirn haben, die sie dem Feind machtvoll bieten können, wüsste ich mal gern (irgendwie führt mich das zu einer Assoziation mit Star Wars und Todessternen, aber lassen wir das).

Unterschiedliche Motive der Kondolierenden

Wie ihr seht, trauerte und trauert man nicht nur in Nordkorea um Kim Jong Il, sondern auch in Deutschland. Mancher aus für mich eher nachvollziehbaren Gründen, andere aus weniger verständlichen Motiven, die wohl eher etwas mit Realitätsverlust, bzw. bewusster Realitätsverneinung zu tun haben.

3 Antworten

  1. Woher habt Ihr die Info, dass mein Genosse Jörg zur DKP konvertiert ist?

Meinungen, Anregungen, Kritik? Alles gern gesehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s