Der „missratene“ Sohn — Kim Jong Nams Selbstvermarktung

In den letzten Tagen und Wochen konnte man ja vieles über Kim Jong Nam, den älteren Bruder Kim Jong Uns hören. Einmal war er angeblich heimlich nach Nordkorea gereist, um sich von seinem Vater zu verabschieden, dann eröffnete er einen Facebook-Account und in den letzten Tagen schlägt das Buch eines japanischen Journalisten Wellen, in dem Kim Jong Nam das Regime in Pjöngjang vor seinem Ende sieht, die Erbfolge in dritter Generation als inakzeptabel brandmarkt und seinen Bruder als reine Repräsentationsfigur bezeichnet und ihm die Fähigkeit zum Regieren abspricht. Eigentlich befasse ich mich nicht gerne mit Kim Jong Nam (und seiner Familie), weil das meistens eher ins Boulevard gehört, aber dieses Mal könnte es doch wichtig oder zumindest interessant sein und daher möchte ich Kim Jong Nam einige Zeilen widmen.

Was man über Kim Jong Nam weiß/zu wissen glaubt

Kim Jong Nam ist derjenige der drei Söhne Kim Jong Ils, von dem man wohl am Meisten weiß (Kim Jong-chol, der Mittlere ist bisher ein Phantom geblieben. Eigentlich fast alles was man über ihn weiß, stammt aus der Feder des irgendwie ziemlich zwielichtigen und m.E. nicht besonders vertrauenswürdigen, berühmt berüchtigten Ex-Sushi-Kochs Kim Jong Ils). Angeblich soll er bis Anfang des vergangenen Jahrzehnts der Favorit auf die Nachfolge Kim Jong Ils gewesen sein. Diese (vermuteten) Ambitionen endeten jedoch abrupt (so wird vermutet), als er bei dem Versuch ertappt wurde, samt Anhang mit falschen Papieren (der Dominikanischen Republik) nach Japan einzureisen, um dort das Disneyland zu besuchen.  Angeblich in Folge dieses Vorfalls viel er bei seine Vaters in Ungnade und ging ins „Exil“ nach Macau.

Keine Garantie für Authetizität, aber es deckt sich mit dem, das ich gelesen habe

Es ist erwiesen, dass er dort seit Jahren in Hotels logierte und öfter mal ziemlich verlottert vor (meist japanischen) Kameras vorbeihuschte oder auch Halt machte und einige Kommentare abgab (in der Vergangenheit meist nichtssagend).

Außerdem scheint er den Freuden des Lebens nicht vollständig abgeneigt zu sein und öfter Mal in verschiedenen Kasinos zu Gast gewesen zu sein (aber mal ehrlich: Was macht man sonst in Macau?). Es wird kolportiert, dass er unter dem Schutz aber auch unter der Beobachtung seiner chinesischen Gastgeber stünde. Aber auch seine Kontakte nach Nordkorea scheinen nie ganz abgerissen zu sein. Ich glaube irgendwer (ich weiß wirklich nicht mehr wer) erzählte mal, er habe gemeinsam einen Flug mit ihm von Peking nach Pjöngjang gehabt (und der (älteste) junge Kim sei Economy geflogen). Aber genaues über seine Beziehungen nach Pjöngjang ist nicht bekannt aber vermutlich ist es recht kompliziert.

Kaum ist Papa unter der Erde/im Mausoleum, spricht er offen

Naja, wahrscheinlich wird es jetzt noch komplizierter. Scheinbar ließ er nach dem Tod seines Vaters alle „Staatsräson“ oder was auch immer ihn zuvor zu seiner relativen Verschwiegenheit und Zurückhaltung bewegt haben mag, fahren und genehmigte das Buch, mit seiner offenen Kritik an Pjöngjang. Entweder es war Liebe zum oder Respekt vor dem Vater, oder aber einfach Angst. Denn dass das Regime auch mal gerne Leute ins Ausland schickt, um dort Gegner aus dem Weg zu räumen, ist ja hinlänglich bekannt. Wir werden das wohl nie erfahren, denn das was er von nun an von sich gibt, muss sich ja nicht zwangsweise an dem orientieren, was wahr ist, sondern könnte auch eine optimale „Vermarktung“ zum Ziel haben.

Nur warum? — Selbstvermarktung

Einmal könnte er dabei seine Qualitäten als alternative Option zu seinem Bruder zu Markte tragen. Das wäre interessant, aber ehrlich gesagt frage ich mich, warum er das tun sollte, denn wenn er die Situation in seinem Heimatland tatsächlich so kritisch bewertetet, kann ich mir nicht vorstellen, dass er einen solch schwierigen bis gefährlichen Job anstrebt (es scheint ihm ja ganz gut zu gehen in Macau).

Daher glaube ich eher, dass er sich selbst als Insider, der sein Wissen zu Geld machen kann und will anpreist. Ich kann mir gut vorstellen, dass für exklusive Informationen über seine Jugend, seine Familie und so weiter einiges geboten wird. Vielleicht ist er sich nach dem Tod seines Vaters einfach nicht mehr sicher, ob weiter Geld aus Pjöngjang fließt und ob sein Bruder ihn vielleicht doch nicht aus dem Weg haben will. Das unmittelbare Erscheinen des Buches des japanischen Journalisten nach Kims Tod deutet ebenfalls darauf, denn das was Kim Jong Nam weiß (oder zu wissen behauptet, denn wer kann das nachprüfen) ist in solch aufgeregten Zeiten wohl am meisten Wert. Vielleicht fischt er einfach mal eine Runde um zu sehen, was man zu zahlen bereit ist.

Was Pjöngjang davon halten muss

Fragt sich nurnoch, wie der kleine Bruder und diejenigen, die in gewissem Maße von ihm abhängen (und sei es nur weil sie glauben, einen Repräsentanten aus der Kim-Familie zu brauchen) seine Kritik bewerten. Denn klar ist auch: Wenn seine Kritik in Nordkorea wirkt, kann er zumindest eine störende, wenn nicht eine gefährlich Figur werden. Nämlich dann, wenn Leute die etwas zu sagen haben, tatsächlich eine Alternative in ihm sehen. Ich vermute mal, dass man zurzeit in Pjöngjang für so etwas stark sensibilisiert ist und das genau im Auge hat. Wenn sich tatsächlich Probleme aus seinem Verhalten ergeben sollten, dann wird man wohl versuchen ihn ruhig zu stellen. Vielleicht mit Geld, vielleicht über ein Gespräch mit seinen Gastgebern, oder man schickt ihn jemanden auf den Hals. Ich bin gespannt, ob Kim Jong Nam bald die Rechte an seinem Leben zu Geld macht und ob sich an seinem Status und in seinem Leben etwas ändern wird (zum Glück scheinen japanische Journalisten ja jede seiner Bewegung auf Genaueste zu observieren…).

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