Links ≠ Links: Interessante trotzkistische Perspektive auf Nordkorea

Ich beschäftige mich ja manchmal mit den Positionen links ausgerichteter Parteien bzw. Gruppierungen aus Deutschland gegenüber Nordkorea. Oft komme ich dabei nicht drumherum, irgendwie spöttisch zu klingen. Die Ursache dafür liegt nicht unbedingt darin, dass ich die Linken und ihre Ideen per se ablehne, sondern ist eher vor dem Hintergrund zu sehen, dass von ihnen oft Positionen vertreten werden, die meiner Meinung nach nichts anderes als Spott verdienen. Außerdem fällt es mir oft schwer, das wirklich linke Spektrum mit all seinen Parteien, Gruppen und Splittergruppen zu durchschauen. Das ist ja oft schlimmer, als bei den christlichen Kirchen (wo die Unterschiede manchmal ebenfalls fundamental sind, manchmal aber eben auch nur nach einem ausgiebigen kirchengeschichtlichen bzw. theologischen Studium zu verstehen sind.

Und damit bin ich auch schon bei einer meiner Kernkritiken an den Vertretern linker Ideen in Deutschland: Sie sind scheinbar nicht dazu in der Lage, aus der Geschichte zu lernen. Über diejenigen, die ihr (und unser) Heil im Stalinismus suchen, möchte ich dabei garnicht sprechen, die kann ich garnicht erst ernstnehmen. Aber auch andere, die eigentlich interessante Ideen haben sind in einer gewissen Weise unfähig zu lernen. Die ewigen Glaubenskriege innerhalb dieses Spektrums haben dazu geführt, dass sich die Linken aneinander aufreiben und ihre Ideen garnicht erst in der Gesellschaft vertreten können (das kann man zumindest zurückverfolgen bis zum Ende des Kaiserreichs). Naja, und wer einerseits glaubt, den Plan zur Weltverbesserung in der Tasche zu haben und es andererseits nicht schafft, mehr mit diesem Plan anzufangen, als sich in dogmatisch-theoretische Kleinkriege mit Gleichgesinnten zu begeben, den kann ich eben nicht ernst nehmen.

Aber darum geht es eigentlich nur am Rande. Ich bin nämlich kürzlich zufällig über das kleine Büchlein „Stalinismus in Nordkorea Aufschwung und Niedergang des „Sozialismus“ in einem halben Land“ gestolpert. Der Autor scheint seine Wurzeln in der Traditionslinie des Trotzkismus zu haben (wie gesagt, ich kenne mich in dieser Glaubenswelt nicht wirklich aus und habe auch kein Bedürfnis das zu vertiefen. Ich hoffe mal, das ich damit nicht irgendwelchen „echten“ Trotzkisten Unrecht tue) und analysiert Geschichte und aktuellen Status Nordkorea aus dieser Perspektive. Und damit wäre ich bei dem, was ich einleitend geschrieben habe, denn das Büchlein zeigt schön die Gespaltenheit im linken Spektrum. Während manche Vertreter sich vor allem dadurch hervortun, dass sie kritik- (und damit wohl auch gedankenlos) dem Kim-Regime huldigen, hat sich er Autor dieses Buchs das Gegenteil zum Ziel gesetzt. Er verteufelt das Regime so guter kann, allerdings nicht ohne auch Breitseiten gegen die Imperialisten abzufeuern. Allein um die Buchstellen zwischen einigen linken Traditionslinien ein bisschen besser verstehen zu können, ist es schon eine interessante Lektüre. Darüber hinaus ist es aber auch nicht schlecht geschrieben. Es versucht nicht auf Teufel komm raus historische Tatsachen zu verdrehen (z.B. wer hat den Koreakrieg angefangen) und hat sich auch mit Sekundärliteratur außerhalb des Links-außen Spektrums befasst.

Das Ergebnis zu dem der Autor kommt, stellt schön den Eiertanz dar, den er Tanzen muss, um einerseits seinen linken Standort im allgemeinen nicht zu verraten, aber andererseits auch seinen spezifisch linken Standort zu wahren:

Unserer Ansicht nach muss der Stalinismus durch die nordkoreanischen ArbeiterInnen und Bauern/Bäuerinnen selbst beseitigt werden, von jenen nämlich, die am meisten unter dieser Regierung leiden. „Es kann die Befreiung der Arbeiter nur das Werk der Arbeiter sein“, wie es Berthold Brecht so schön formulierte. Deshalb treten wir einerseits für die Verteidigung Nordkoreas gegen imperialistische Angriffe, andererseits aber für eine politische Revolution gegen das stalinistische Regime ein.

Aber am besten ihr lest mal selbst rein. Im Endeffekt ist die Lektüre auch für die interessant, die keine Lust haben, sich mit linkem splitterdogmatismus zu befassen. Die müssen eben ihren Linksfilter einschalten und finden einen gar nicht so schlechten historischen Überblick.

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