Eine schwierige diplomatische Dreiecksbeziehung: Werden die Karten zwischen den USA, Südkorea und Nordkorea neu gemischt?

Ende dieser Woche fanden in New York Track-II-Gespräche (informelle Veranstaltungen, bei denen hinter verschlossenen Türen Meinungen und Standpunkte ausgetauscht werden und die so zur Vertrauensbildung und Konfliktlösung beitragen sollen) statt, bei denen teils hochrangige Vertreter aller an den Sechs-Parteien-Gespräche um die Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel beteiligten Staaten zusammenkamen. Die beiden Koreas hatten mit Ri Yong-ho (Nord) und Lim Sung-nam (Süd) ihre Chefunterhändler bei den Sechs-Parteien-Gesprächen entsandt. Aufgrund der jüngsten Annäherung zwischen den USA und Nordkorea wurde vielfältig erwartet oder gehofft, dass sich auch die innerkoreanische Atmosphäre verbessern würde, obwohl Nordkorea jüngst durch sehr aggressive Rhetorik gegen den Süden auffiel.

 Nordkoreas Vertreter provozierten ihre Kollegen aus dem Süden…

Und diese aggressive Rhetorik passt gut mit dem zusammen, das dann bei der Veranstaltung geschah (die neben der Syracuse University auch von der deutschen Friedrich Ebert Stiftung organisiert worden war). Ri Yong-ho, der Vertreter Nordkorea wehrte nämlich berichten zufolge alle Annäherungsversuchen seines südkoreanischen Kollegen ab und ließ sich noch nicht einmal dazu bewegen, mit Lim an einem Tisch Platz zu machen, was von der Korea Times als gezielter Affront Ris gesehen wurde, da die Ablehnung vor den Augen einiger Teilnehmer der Veranstaltung geschah. Also gab sich Nordkoreas Vertreter auch hier Mühe, Südkorea auf Distanz zu halten und gleichzeitig noch ein bisschen zu provozieren. Scheinbar war aber auch die südkoreanische Seite nicht gerade lammfromm, denn es wird berichtet, dass Seoul im Vorfeld versuchte Ri Yong-hos Teilnahme zu verhindern, indem man gegenüber Washington dafür eintrat, ihm kein Visum zu erteilen.

…und gingen auf Kuschelkurs mit den USA

Nun war es aber nicht so, dass Pjöngjang komplett die beleidigte Leberwurst spielte. Vielmehr zeigte man sich durchaus Gesprächsbereit. Nur eben nicht gegenüber Südkorea. Mit Senator John Kerry, dem Vorsitzenden des Komitees für Außenbeziehungen des US-Senats (vielleicht erinnert ihr euch auch noch an ihn als Präsidentschaftskandidat der Demokraten im Jahr 2004) hatte Ri Yong-ho eine Unterhaltung, bei der er erklärte, Nordkorea wolle eine andere (bessere) Beziehung zu den USA und würde zu den gemachten Zusagen stehen.

Klare Hinweise: Nordkorea fährt zweigleisig…

Und damit sind wir wieder bei dem, über das ich schonmal kürzlich geschrieben habe. Bei Nordkorea sehr unterschiedlicher Politik gegenüber Südkorea und den USA. Während man sich gegenüber Washington kompromissbereit zeigt und auf „Schmusekurs“ geht, wird Südkorea links liegen gelassen und durch allerlei Nadelpieksereien gereizt. Das sieht mir doch sehr nach dem Versuch aus, die Allianz der beiden ein Stück weit auseinander zu dividieren. Zwar macht US-Außenministerin Clinton deutlich, dass es niemandem gelingen würde, einen Keil zwischen die Partner zu treiben:

I want to be very clear: Any effort by anyone to drive a wedge between the United States and the Republic of Korea will fail.

…Erfolgreich?

Jedoch macht man sich beispielsweise in einem Kommentar der Korea Times bereits Sorgen, dass genau dies passieren wird. Die Kritik richtet sich dabei (wie ich finde bemerkenswerterweise) nicht gegen die USA, sondern in recht deutlichen Worten an Südkoreas Präsidenten Lee Myung-bak, dessen Nordkorea-Politik als gescheitert beschrieben wird. Die USA betrieben eine Politik, die ihren Interessen entspräche und Präsident Lee sei nicht gut damit beraten sich darauf zu verlassen, dass die USA die Allianz mit Südkorea über die eigenen Interessen stellten. Als Beleg für die langsame Distanzierung der USA von Südkorea wird die Tatsache beschrieben, dass in den Vereinbarungen zwischen Pjöngjang und den USA keine Forderung nach verbesserten Beziehungen Nordkoreas zum Süden enthalten sei.

Risse im Bündnis und die Frage nach der Verantwortung

Alles in Allem wird es immer deutlicher, dass Pjöngjang momentan versucht, die Allianz zwischen Seoul und Washington zu manipulieren und beide Seiten auseinanderzudividieren. Und scheinbar bleibt das Ganze nicht ohne Wirkung. Aus den USA kommen nur Solidaritätsbekundungen, aber keine handfesten Maßnahmen wie es beispielsweise ein entsprechender Passus über eine Beziehungsverbesserung zwischen Süd- und Nordkorea in der Vereinbarung zwischen Pjöngjang und Washington dargestellt hätte. Gleichzeitig wird die Südkoreanische Öffentlichkeit langsam nervös, denn es steht zu befürchten, dass die USA künftig nicht mehr den hundertprozent verlässlichen Bündnispartner darstellen werden, der sie Seoul in den letzten drei Jahren waren. Tatsächlich liegt man wohl nicht falsch, wenn man Lee Myung-bak dafür ein großes Maß an Verantwortung zuschreibt. Denn durch seine absolut kompromisslose Position im Umgang mit Nordkorea, der sich die USA aus Bündnisdisziplin anschloss, kam es seit seinem Amtsantritt zu einem fast vollständigen diplomatischen Stillstand. Dass Washington nicht bereit sein würde, dem unbegrenzt zu folgen, ist nun keine große Überraschung.

Eine diplomatische Dreiecksbeziehung

Daher verdient diese zentrale diplomatische Dreiecksbeziehung in der nächste Zeit noch größere Aufmerksamkeit, als ihr ohnehin schon entgegen gebracht werden sollte:

  • Zeigen sich weitere Absetzbewegungen der USA von Südkorea, bspw. indem die USA den Bedürfnissen Seouls im Umgang mit Pjöngjang nur noch eine niedrige Priorität einräumen?
  • Wird die Regierung Lee ihre Haltung gegenüber Pjöngjang zum Ende ihrer Amtszeit noch kompromissbereiter gestalten und sich so wieder der Position der USA nähern?
  • Wird Pjöngjang weiterhin versuchen, die Allianz zu sprengen, oder versucht man Seoul nur ein bisschen weichzukochen, um vielleicht Konzessionen Seouls zu erreichen?

Wie gesagt. Die Zeiten sind interessant und in diesem Jahr könnten einige wichtige Weichen gestellt zu werden. Wir werden abwarten was passiert.

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