“Ein Freund, ein guter Freund…” — Die Brieffreundschaft zwischen Pjöngjang und Damaskus

Wer hätte nicht gerne einen reichen und mächtigen Brieffreund, irgendwo wo es warm ist. Durch die viele Briefeschreiberei kann man einiges über das ferne Land lernen und wenn man irgendwann mal Zeit und Geld hat, wer weiß, dann kann man den reichen und mächtigen Brieffreund vielleicht sogar mal besuchen. Oder man macht ein Geschäft auf und kann hoffen, dass der reiche Kollege einem hin und wieder was abkauft, was die Brieffreundschaft dann eine neue, eher geschäftliche Ebene „heben“ würde. Wenn man so einen hat, dann sollte man ihn sich warm halten. Sei es aus geschäftlichen Gründen, weil man den Kerl mag, oder weil man auch mal in die Sonne will.

Kim Jong Un hat so einen. Der heißt Baschar und ist reich und mächtig. Allerdings hat sein Kollege momentan auch einige Schwierigkeiten zuhause, weshalb es ihm Kim Jong Un um so höher anrechnen dürfte, dass er trotzdem fleißig schreibt. Ich habe mir einfach mal den Briefwechsel dieses Jahres angeguckt, wobei ich nur die Briefe beachtet habe, von denen KCNA den Wortlaut (zumindest einen Teil davon) abgedruckt hat. Da kommt man schon auf beachtliche neun Briefen, wobei allerdings anzumerken ist, dass zwei davon nicht von Kim Jong Un, sondern von Kim Yong-nam, bzw. der Arbeiterpartei an Bashar al-Assad gingen.

Eine echte Brieffreundschaft…

Am 2. Januar gratulierte Assad Kim Jong Un dazu, dass er der “supreme leader” der DVRK geworden sei. Dabei bediente er sich eines recht legeren Tons, als er Kim Jong Un “success in your new job” wünschte.

Am 12. Januar gratulierte er ihm dann nochmal. Dieses Mal für die Erlangung der “supreme commandership of the Korean People’s Army”.

Auf das die Brieffreundschaft nicht ganz so einseitig bliebe, schickte man auch mal schöne Grüße in die Gegenrichtung. Irgendwann nach dem 7. März dürfte Assad gleich zwei Briefe aus Pjöngjang im Briefkasten gehabt haben. Einmal gratulierte ihm Kim Yong-nam als Präsident des Präsidiums der Obersten Volksversammlung und einmal Kim Jong Un zum 49. Jahrestag der Revolution des 8. März, bei der die noch heute herrschende Baath Partei an die Macht kam. Dabei versicherte ihm Kim Jong Un Unterstützung und Solidarität bei der Verteidigung der Souveränität, Sicherheit und Stabilität seines Landes und ließ den Frieden weg, den Kim Yong-nam seiner Liste hinzugefügt hat.

Dafür dankte ihm Baschar al-Assad am 28. März dann auch schön und neben den üblichen Wünschen für gute Gesundheit und Wohlstand des Volkes dankte er ihm auch für “encouraging the Baath Arab Socialist Party and the government in exerting efforts amid positive support by the masses.” Keine Ahnung was diese kryptische Formulierung genau meint, ziemlich verschwurbelt ist sie jedenfalls.

Am 6. April gab es dann wieder einen Brief in die andere Richtung. Das Zentralkomitee der Partei der Arbeit Koreas wünschte dabei der nationalen Führung der Baath Partei alles Gute zum 65. Gründungstag. Interessant war hier, dass die Unruhen in Syrien erstmals für nordkoreanische Verhältnisse sehr offen angesprochen wurden: “The message extended full support to the efforts of ABSP and the people to thwart plots of enemies and ensure the country’s sovereignty and stability”. Da wird tatsächlich über Maßnahmen zur Bekämpfung von Verschwörungen von Feinden gesprochen. Natürlich sicherte die PdAK volle Unterstützung bei diesen Maßnahmen zu.

Den letzten hochoffiziellen Freundschaftsbeweis gab es dann am 12. April, als Assad Kim Jong Un zum hundertsten des Opas gratulierte und ein weiteres Mal die positive Kooperation beider Staaten beschwor.

Hört sich ja nach einer recht angenehmen Freundschaft an, in der beide Seiten Anteil nehmen, an die wichtigen Jubiläen der Anderen denken und sich gegenseitig mit besten Wünschen überschütten. Also so ungefähr (man könnte im Text natürlich noch das eine oder andere “Schatz” durch “Volk” ersetzen):

…und einiges mehr

Naja, aber was man in den letzten Jahren so gehört hat, beruht die Freundschaft ja nicht nur auf dem hin und her schicken von Briefen. Manchmal kommen auch Pakete aus Pjöngjang. Und da sind dann mitunter dolle Sachen für Herrn Assad drin. Vor allen Dinge baute er sich ein beachtliches Raketenarsenal mit nordkoreanischer Hilfe auf und lernte mit der Zeit mit Pjöngjangs Hilfe auch, wie man die Dinger selber baut (der Artikel ist echt empfehlenswert, wenn man sich für Pjöngjangs Raketenhandel interessiert).

Noch doller dürfte Assad aber gefunden haben, dass er von nordkoreanischen Ingenieuren gezeigt bekam, wie man einen Atomreaktor baut. Den hat er — vermutlich, aber nicht erwiesenermaßen (eine relativ ausführliche und skeptische Diskussion des Sachverhalts findet ihr bei Arms Control Wonk) — mit nordkoreanischer Hilfe fast fertiggebaut, nur um ihn dann von besorgten Nachbarn wieder zuschanden gebombt zu kriegen (was er dann vermutlich weniger doll fand).

Insgesamt war der Paketversand zwischen den beiden Staaten in den letzten Jahren aber nicht mehr so einfach. Oft funkten irgendwelche Anderen dazwischen, wenn mal irgendwas Praktisches von Nordkorea nach Syrien geschippert werden sollte (und zum Glück nicht ankam). Naja, aber die Briefe scheinen ja noch anzukommen…

Hm, scheint doch nicht nur so eine harmlose Brieffreundschaft zu sein zwischen den Beiden. Vielleicht passt ja auch dashier besser, um die Beziehungen beider Länder zu beschreiben:

 

P.S. Natürlich weiß ich, dass die verantwortlichen in Pjöngjang generell sehr höflich sind und jedem der sich nicht wehren kann, mit Vorliebe zu allem Möglichen (wenn auch nicht direkt zum “Tag der Deutschen Einheit”, aber das wäre wohl zuviel verlangt) gratulieren und dass die Brieffreundschaft zwischen Damaskus und Pjöngjang daher nur begrenzte Aussagekraft hat. Nichtsdestotrotz haben nur wenige (wenn überhaupt) Staatschefs Kim Jong Un in den letzten Monaten so ausgiebig gratuliert und gegrüßt wie Assad. Er wird vermutlich auch versuchen sich die Freunde die er noch hat (und das sind wirklich nicht so viele) warmzuhalten.

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Eine Antwort

  1. Die tiefe und enge Freundschaft verbindet die Familien Kim und Assad schon seit Jahrzehnten. Ich hatte mal die Gelegenheit die Syrische Botschaft und Pyongyang zu besuchen. Dort fand sich im Foyer dieses Bild, welches den Papa von Baschar und den Opa von Jong Un Hand in Hand in Siegerpose zeigt:

    http://www.flickr.com/photos/34742422@N00/3705422787/

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