Interessante Analysen zu Kim Jong Uns Nachfolge und der schwierigen Situation auf der Koreanischen Halbinsel von deutschen Experten

Heute möchte ich euch kurz auf zwei, wie ich finde sehr gelungene aktuelle Analysen deutscher Experten aufmerksam machen, die sich mit der aktuellen und künftigen Situation in Nordkorea befassen.

Einen eher innenpolitischen Fokus hat dabei Eric Ballbach in seinem fünfseitigen Artikel „Der König ist tot – es lebe der König? Nordkorea nach Kim Jong-il“ in der Zeitschrift Welt Trends. Dabei vergleicht er den Nachfolgeprozess Kim Jong Ils mit dem Kim Jong Uns, arbeitet sehr schön die Unterschiede heraus, verweist aber auch auf die seitdem gleichgebliebenen strukturellen Bedingungen, die auf eine erfolgreiche Machtkonsolidierung und Kontinuität in der Politik hindeuten. Er erwartet ein außenpolitisch ruhiges Jahr 2012, da sich Nordkorea auf interne Prozesse konzentrieren müsse und daher andere Policy-Entscheidungen in den Hintergrund gedrängt würden. Provokationen wären höchstens zum Zweck der Machtkonsolidierung möglich (der Artikel ist zwar erst vor ein paar Wochen erschienen, aber seitdem ist schon viel passiert). Für die Sechs-Parteien-Gespräche seien die Hoffnungen 2012 eher schlecht, es sei denn, Nordkorea würde ein weiteres Mal versuchen auf diesem Weg an Hilfen zu gelangen.

Besonders gefallen hat mir, auch wenn dieser Punkt nicht zentral ist, dass Ballbach auch auf die Tatsache hinweist, dass es in der nordkoreanischen Bevölkerung keinerlei Erfahrungen mit einer demokratischen politischen Kultur gebe, da es bisher noch kein demokratisches System dort gegeben habe, was dem Regime zugutekäme. Dieser Punkt wird meiner Meinung nach viel zu selten erwähnt, obwohl er eigentlich recht naheliegend ist.

In der kleinen Analyse „Szenarien für die koreanische Halbinsel. Es geht um mehr als Pjöngjangs Atomprogramm“ befassen sich Philipp Kauppert und Christoph Pohlmann für die Reihe „Internationale Politikanalyse“ der Friedrich-Ebert-Stiftung vor allem mit der internationalen Gemengelage rund um die Koreanische Halbinsel. Dabei arbeiten sie nach einer kurzen Beschreibung des aktuellen Status die zentralen strategischen Interessen der bedeutendsten Akteure, als die sie Nord- und Südkorea, die USA, China und mit Abstrichen Russland und Japan identifizieren, heraus. In der Folge beschreiben sie drei mögliche Szenarien für die nähere Zukunft (ca. 5 Jahre) der Koreanischen Halbinsel und denken abschließend über eine mögliche Rolle der EU und Deutschlands im schwierigen Annäherungsprozess zwischen den Koreas nach.

Gut finde ich hier, dass die Autoren von der Grundannahme ausgehen, dass die oberste Priorität des Regimes in Regimeerhalt und -stabilität zu suchen ist und dass andere Fragen dem grundsätzlich untergeordnet sind. Weiterhin gefiel es mir sehr gut, dass die Autoren über die Rolle Deutschlands und der EU nachdenken, Beteiligungsmöglichkeiten aufzeigen, ein stärkeres Engagement der EU als unabhängigem Akteur als Ausweg aus der Sackgasse fordern und sich für eine verstärkte Arbeit der deutschen politischen Stiftungen aussprechen. Diese Forderungen halte ich für sehr sinnvoll und sehe es darüber hinaus gerne, dass gerade die Friedrich Ebert Stiftung, die bisher ein recht schwaches Nordkoreaprofil besitzt, dies fordert. Es klingt ganz so, als seien die Track-II Gespräche an der Syracuse University, die von der FES (soweit ich das überblicke von Pohlmann) organisiert wurden, der Auftakt für weitere Initiativen der FES gewesen. Gut so.

Allerdings haben mir an dem Paper auch zwei Dinge nicht so gut gefallen. Einerseits hätte ich mir einen etwas kritischeren Umgang mit der Sonnenscheinpolitik gewünscht, denn die (bzw. eine Politik nach ihrem Vorbild) wird hier letztendlich als entscheidend für eine Lösung des Konflikts auf der Koreanischen Halbinsel gesehen. Auch wenn mir die Politik Lee Myung-baks genausowenig zusagt, wie den beiden Autoren, sollte man trotzdem nicht allzu unkritisch mit den Schwierigkeiten umgehen, die sich im Rahmen der Sonnenscheinpolitik ergaben. Aber die FES, in der es vermutlich zur Stiftungsräson gehört, sich der Ostpolitik Willy Brands nahe zu fühlen, kommt man vermutlich nicht drumrum solche Ansätze zu loben. Weiterhin hätte man sich drei Szenarien, die die Autoren beschreiben auch fast sparen können. Zu plakativ und zu wenig kreativ (das hat man doch schon x-mal gelesen). Im Endeffekt dienen die Szenarien fast nur dazu, die Sonnenscheinidee ein bisschen zu promoten. Aber vielleicht bin ich da auch etwas zu kritisch, weil ich mit Szenarien immer so meine Schwierigkeiten habe.

Im Endeffekt kann ich beide Analysen aber nur zur Lektüre empfehlen. Kompakt aber trotzdem gehaltvoll. So lobe ich mir das und hoffe, dass es in der nächsten Zeit mehr von diesen Autoren zu lesen gibt.

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