Helfen im Rahmen des Möglichen: Kleinere deutsche Nordkorea-Hilfsprojekte

Vor längerer Zeit habe ich ja in der Linksektion den Bereich Deutschsprachige NGOs und ihre Arbeit in Nordkorea hinzugefügt. Schon damals war ich nicht ganz zufrieden damit, weil ich die Arbeit einiger kleinerer Projekte, hinter denen eben keine so schlagkräftige Organisation steht, wie hinter den meisten dort verlinkten NGOs, fast vollständig unter den Tisch fallen ließ. Daher hatte ich eigentlich schon vor Monaten beschlossen, mal einen Artikel zu schreiben, in dem ich die mir bekannten Hilfsprojekte kurz würdige. Wie das aber oft so ist, war dann ständig dies und das und ich kam nicht wirklich dazu. Und jetzt ist zum Glück weder dies noch das, sondern einfach nur heiß und daher mache ich mich jetzt mal daran, mein Vorhaben in die Tat umzusetzen.

GAIN

Die Organisation Global Aid Network, die aus einer christlich motivierten Osteuropa Hilfsaktion hervorgegangen ist, war bereits in den Jahren 2003 und 2004 dort aktiv. Dann musste die Helfer (wie viele andere auch) jedoch abziehen. Im vergangenen Jahr, als die Nahrungsmittelsituation wieder angespannter war, wurde die Organisation von den nordkoreanischen Behörden wieder um Hilfe gebeten. In der Folge wurde drei Container vor allem mit Babynahrung nach Nordkorea gebracht.

humedica

Auch humedica ist bereits seit längerer Zeit in Nordkorea aktiv. Nach eigenen Angaben wurden seit 1998 Hilfsgüter im Gesamtwert von über einer Million Euro bereitsgestellt. Zuletzt wurde im Frühjahr diesen Jahres ein Container mit 20 Tonnen Nahrungsmitteln an ein Krankenhaus in Haeju geliefert. Ähnlich wie GAIN hat auch humedica einen religiösen (evangelikalen) Hintergrund, der aber nicht stark nach außen getrgen wird.

World Vision Deutschland

World Vision Deutschland hat zwar keine eigene Hilfskampagne gefahren, aber Ende des vergangenen Jahres im Auftrag er staatlichen US-Hilfsorganisation US AID (scheinbar der zentrale Auftraggeber von World Vision) drei Container mit Hilfsgütern nach Nordkorea verschifft. Auch World Vision ist vor einem evangelikal religiösen Hintergrund zu sehen. Interessant finde ich, dass auf der Homepage von World Vision keine Pressemitteilung zu der Aktion zu finden ist.

Love Koryo

Diese Gruppe, die zur ebenfalls als evangelikal einzuordnenden Josua Gemeinde Zagelsdorf gehört, unterstützt zwei Waisenhäuser und eine landwirtschaftliche Einrichtung. Dazu packt sie relativ regelmäßig Container mit Hilfsgütern und überwacht in der Folge auch die korrekte Auslieferung selbst (S. 18f). Für die Waisenhäuser wird vor allem Kindernahrung  bereitgestellt für die landwirtschaftliche Einrichtung auch schweres Gerät.

Stiftung „Hilfe zur Selbsthilfe – Unlimiting People (up)“

Diese Organisation ist eher im Hintergrund tätig, scheint aber Hilfen für Nordkorea durch verschiedene Organisationen großzügig zu unterstützen. Ich habe Hinweise auf die Stiftung bei Cap Anamur, dem Konfuzius Institut München und sogar bei der Kinotournee nordkoreanischer Filme und Filmschaffender in Deutschland im Jahr 2011 gefunden. Auf der Homepage der Stiftung findet sich aber nichts zu Nordkorea, was ich irgendwie seltsam finde. Naja, wird schon einen Grund haben.

together – Hamhung

Vielleicht bei den Hilfsprojekten nicht ganz richtig verortet, aber trotzdem eine interessant Sache und humanitär im weiteren (völkerverständigungsmäßigen) Sinn, ist die Organisation together – Hamhung. Diese veranstaltet seit vier Jahren jährlich ein treffen Tauber Menschen in Pjöngjang und arbeitet dazu mit der nordkoreanischen Taubenorganisation und z.T. auch mit dem Weltverband der Tauben zusammen. Generell finde ich es gut, dass solche zwischenmenschlichen Begegnungen ermöglicht werden. Ein bisschen irritiert hat mich, dass die Organisation together – Hamhung den gleichen Sitz zu haben scheint, wie ein auf Nordkorea spezialisiertes Reisebüro. Ein bisschen undurchsichtig leider.

Wenn ihr noch weitere Organisationen kennt, die auf kleinerem Level Hilfe für Nordkorea leisten, dann sagt mir einfach bescheid, ich pflege sie dann ein.

Mir ist aufgefallen, dass viele der Hilfsprojekte einen religiösen Hintergrund haben. Das kann Zufall sein, muss es aber nicht. Gründe die mir einfallen:

  • Religiöse Menschen helfen eher, daher findet man eben mehr religiöse Helfer
  • Religiöse Menschen sind mit einem Sendungsbewusstsein ausgestattet und Nordkorea ist aufgrund der antireligiösen Politik des Staates ein „beliebtes“ Ziel.
  • Andere Organisationen umgehen Nordkore, weil ein Engagement dort häufig schlecht für das Image ist.
  • Zufall.

Naja, keine Ahnung, interessant aber trotzdem.

6 Antworten

  1. Zu together – Hamhung:

    vor nicht allzulanger Zeit wurde in Nordkorea die erste NGO mit dem Namen „KFPD“ (Korean Federation for the Protection of the Disabled) eingerichtet, welche mit kleineren auländischen NGOs zusammenarbeitet.

    KFPD hat eine eigene – bei naenara eingerichtete – Homepage:
    http://naenara.com.kp/ko/kfpd/index.php

    In der „news“-Section dieser KFPD-Homepage wird Robert Grund von Chollima Tours als „liaison officer“ von KFPD in Europa bezeichnet.

    • Habe deinen Kommentar hierher verschoben, denke er war dir versehentlich verutscht.
      Danke für den Background!
      Bei den Touren, die together – Hamhung anbietet wird auch zum Teil damit geworben, dass eine Zusammenarbeit mit der KFPD besteht.

  2. Die Frage aller Fragen ist jetzt natürlich…..für welche Organisation würdest du dich entscheiden, wenn feststeht das man spenden möchte?

    • Hm, ich glaube das kommt ganz darauf an, was man selbst will. Große Organisationen wie die Deutsche Welthungerhilfe können auch große Projekte anstoßen und haben viel Erfahrung. Bei kleineren Gruppen kommt man dafür leichter an die einzelnen Akteure ran und kann sich eventuell mit ihnen austauschen. Außerdem gibt es ja verschiedene Fokusse: Nothilfe; Hilfe zur Selbsthilfe, Kinder; Wasser etc. Im Endeffekt hängt es immer davon ab, was dir persönlich wichtig ist und vor allem ob du der Organisation vertraust.

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