Auflösung des Super-Kim-Uhren-Contests: Die Gewinner und ihre Szenarien

So ihr lieben, nachdem mein kleiner Wettbewerb ja vorgestern zuende ging und ihr euren Teil geleistet habt, bin ich jetzt an der Reihe, meinen Part bei der Geschichte in die Tat umzusetzen. Die die teilgenommen haben, dürften erstmal gespannt sein, wer sich auf die Uhr und wer auf die anderen Gewinne freuen kann. Da ich euch nicht länger auf die Folter spannen will, hier das Ergebnis meiner Verlosung, die von einer neutralen Person vorgenommen wurde…

Uhr: repi

Räucherwerk: bagameri

Kims unsterbliche Werke: Marcus

Da die Zahl der Einsendungen überschaubar war, ich aber die Einsendungen, die ich durchweg toll fand, würdigen will, habe ich eben mal einen Blick in mein Bücherregal geworfen und gesehen, dass für jeden Teilnehmer, der nicht gewonnen hat, noch ein unsterbliches Werk Kims übrig ist. Wenn ihr wollt, könnt ihr mir also wie die anderen eure Daten durchgeben (näheres dazu gleich) und bekommt Post mit wegweisendem Inhalt.

Ich hoffe ihr seid alle mit euren Gewinnen etc. zufrieden. Damit ich euch die zuschicken kann, möchte ich euch bitten, mir eure Adressdaten und im Zusammenhang damit, den Namen unter dem ihr euer Szenario eingereicht habt, in den Briefschlitz hier zu schieben:

Nachdem die Formalitäten jetzt erledigt sind, kommt der Teil, der auch für diejenigen unter euch interessant sein dürfte, die nicht teilgenommen haben. Sie können nämlich jetzt die Einschätzungen und Szenarien ihrer werten Mitleser und jetzt auch meiner werten Mitautoren lesen. Ich werde die Szenarien ohne Namen veröffentlichen und sie einfach durchnummerieren, falls jemand in einem Kommentar Bezug zu einer bestimmten Einsendung nehmen will. Die Reihenfolge ist chronologisch nach dem Eingang.

Zum Inhalt sage ich garnichts, außer, dass ich es wirklich super fand, verschiedene Ideen und Sichtweisen auf dasselbe Phänomen lesen zu können und das ich allen die mitgemacht haben nochmal explizit dafür „Danke!“ sagen will. Ich finde der Rest steht für sich selbst, aber die Lektüre lohnt auf jeden Fall!

 

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Ganz vorneweg. Ich sehe die ganze Sache optimistisch (Gut das hängt jetzt vom Auge des Betrachters ab ob man hier optimistisch oder pessimistisch sagt) bzw. bin mir ziemlich sicher das Kims Reich auch in vier Jahren noch existieren wird.

Bei solchen Überlegungen lässt sich leider keinerlei Präzedenzfall hinzuziehen, denn Nordkorea selbst ist der Präzedenzfall. Jedoch denke ich das dem jungen Kim in den ersten Jahren keine Gefahr durch spontanen Volkszorn droht, ganz im Gegenteil, die Begeisterung für Kim Jong Un stetig wachsen wird und der „Pjöngjang Effekt“ nach und nach das ganze Land angesteckt haben wird.

Ich gehe davon aus das die Bemühungen des Regimes die Lage der Bevölkerung zu verbessern bis dahin erste wenn auch im Vergleich zu kapitalistischen Industrieländern (bzw. China^^) bescheidene Früchte tragen werden. Der Betrieb in den Sonderwirtschaftszonen Rason und Wihwa wird bis dahin angelaufen sein. Die SWZ in Kaesong jedoch wird keine große Rolle spielen.

Der große Nachbar China wird nach wie vor eine Schlüsselrolle in Nordkoreas Wirtschaft und Außenpolitik spielen. Ich denke die Beziehungen zum Süden werden sich verbessern, jedoch nicht oberste Priorität auf der außenpolitischen Agenda Pjöngjangs haben. Im Verhältnis zu den USA wird sich auch in vier Jahren nicht viel verändert haben. Nordkorea wird an seinen Atomwaffen festhalten und weitere Raketenstarts durchführen.

Der Personenkult um die Kims wird weiterbetrieben. Die Abschottung nach außen hin wird weniger dicht sein, das Internet wird zwar genutzt, jedoch keinesfalls voll und ganz zugänglich sein. Hier lässt man sich von China inspirieren, zensiert aber noch viel umfangreicher. Die Zahl ausländischer Touristen steigt rapide an und die Reisebeschränkungen werden gelockert. Koreaner jedoch wird man nachwievor eher selten im Ausland antreffen. Ausgenommen Geschäftsreisende und Eliten.

Was die Eliten angeht so haben diese in vier Jahren noch mehr Vorteile durch das Regime zu verlieren als heute und werden daher fest zu Kim Jong Un halten. Was dessen Führung angeht so wird sich der stattliche junge Mann noch mehr von der Autorität zu eigen machen die ihm die Propaganda bereits jetzt zuschreibt. Allerdings wird er auch dann nicht ganz alleine regieren wie sein Vater oder Großvater das taten. Die Führung wird kollektiver sein. Jedoch bei weitem nicht so wie in China.

Und natürlich das wichtigste: KCTV wird 24 Stunden am Tag senden!^^

==========2==========

 

Nachdem die Europäische -Union infolge der Finanzkrise endgültig auseinander gebrochen ist und die USA aufgrund finanzieller Probleme in einem desolaten Zustand sich befinden, ist es der Weitsicht des genialen Marschall Kim Jong Un zu verdanken, dass sich immer mehr Länder um Nordkorea scharen.

Die noch unter Kim Jong Il, von unseren feinden belächelte Juche Ideologie, entwickelte sich im Laufe der letzten zwei Jahre als Heilsbringer. Anfangs für Nordkorea, nun für den Rest der Menschheit! Länder die sich vor wenigen Jahren noch kapitalistisch – marktwirtschaftlich verstanden, sehen nun klar und deutlich, dass von Nordkorea lernen, Siegen lernen bedeutet.

Wir, das gesamt-koreanische Volk, welches in einem glorreichen Akt der Mildtätigkeit Südkorea den politischen und wirtschaftlichen Anschluss an unser Nordkorea erlaubte, zeigen der Welt, wozu Juche fähig ist! Die Selbstversorgung, welche überall die Jahre ganz bewusst auf einem niedrigen Niveau gehalten wurde, lässt uns heute nicht das Gefühl des Mangels erleben.

Wir waren schon immer ein Volk der Fahrradfahrer, einen Weg den andere Länder heute aus Mangel an Öl nun auch gehen. Wir aber fuhren Fahrrad aus Liebe zur Umwelt!

Geld, welches in den anderen Ländern nun nicht mehr vorhanden ist, spielte bei uns nie eine Rolle.

Viele Delegationen aus anderen Ländern kommen zu uns, um zu lernen!

Wir wollen großmütig sein und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Der amerikanische Präsident wird sich demnächst selbst ein Bild vor Ort machen und unser Land besuchen. Die Effektivität unserer Gefangenenlager soll als Beispiel für die amerikanische Strafjustiz dienen, deren Gefängnisse infolge der wirtschaftlichen Krise, vor dem Zusammenbruch stehen. Sie sind schlicht nicht mehr in der Lage, alle straffällig gewordenen Menschen aufzunehmen.

Zahlreiche Betriebe aus China, die auf Grund der dortigen Löhne dort nicht mehr produzieren, lassen bei uns fertigen. Unsere Lager stellen günstige Arbeitskräfte zur Verfügung. Ein System, welches lange kritisiert wurde, sich aber nun als das bessere heraus stellt.

Die Welt schaut zu uns auf!!

Manse, Kim Il Sung
Manse,  Kim Jong Il
Manse, Kim Jong Un

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Mit Kim Jong Il’s Tod und den damit verbundenen Machtverschiebungen innerhalb des Regimes, eröffnete sich erstmals die Möglichkeit zu grundlegenden Veränderungen. Großen Teilen der nordkoreanischen Machtelite war schon vor Ableben des „ewigen Generalsekretärs“ die Notwendigkeit von wirtschaftlichen Reformen bewusst, um dauerhaft ihre Privilegien halten zu können.

Nachdem Kim Jong Un das Erbe seines Vaters antrat und auf Kosten einiger Militärs und Parteikader seine Macht festigen konnte, nahmen vor allem (für nordkoreanische Verhältnisse) pragmatische Funktionäre hohe Positionen im Staatsapparat ein – allen voran sein Onkel Jang Song-thaek. Als durch Kim Jong Il’s Tod ein vorläufiges Machtvakuum entstand, war es Jang Song-thaek, der diese Situation nutzte und seinen Einfluss auf den unerfahren Kim Jong Un geltend machte. Seine steile Karriere fand ihren vorläufigen Höhepunkt in der Ernennung zum Vorsitzenden des Präsidiums der Obersten Volksversammlung im Jahr 2015. Vorgänger Kim Yong-nam war zuvor an den Folgen von Überarbeitung gestorben und wurde leblos neben seinem Schreibtisch aufgefunden.

Im Jahr 2016 ist Jang Song-thaek die inoffizielle Nummer 1 in Nordkorea. Sein Neffe Kim Jong Un, der bei der Festigung seiner Macht vor allem auf seinen erfahrenen Onkel setzte, wurde mit den Jahren immer abhängiger von ihm. Nach wie vor ist Kim Jong Un die Vorzeigefigur des Regimes, empfängt Delegationen und reist durch das Land – doch die Politik wird von seinem Onkel bestimmt.

Nordkoreas Abhängigkeit von China, hat sich weiter verstärkt. Diese Bindung an die Volksrepublik ist ebenfalls auf Jang Song-thaek zurückzuführen und äußert sich vor allem in den wirtschaftlichen Beziehungen. Im Jahr 2016 ist das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern erstmals zweistellig – 10 Milliarden US-Dollar. Die Sonderwirtschaftszonen wurden massiv erweitert und besonders chinesische Investoren in das Land gelockt. Bis 2020 sind offiziell fünf weitere Sonderwirtschaftszonen geplant. Es zeigt sich deutlich, dass Nordkorea sich in immer schnelleren Schritten von der Planwirtschaft abwendet. Zugleich wächst die Abhängigkeit von China, dass seit 2012 jährlich von Jang Song-thaek und einer immer größer werdenden Delegation besucht wird.

China bindet seine Investitionen an Bedingungen, die vor allem Nordkoreas Außenpolitik betreffen. Die Drohungen gegenüber Südkorea haben abgenommen und das Atomprogramm läuft nur noch auf Sparflamme. Erstmals seit Jahren zeigt sich Nordkorea ernsthaft bereit über das Programm zu verhandeln. Im Gegenzug wird vor allem wirtschaftliche Unterstützung gefordert.

Der neue außenpolitische Kurs missfällt vielen führenden Figuren innerhalb des Militärs. Doch bisher lassen sich die Generäle mit üppigen Anteilen am neuen wirtschaftlichen Aufschwung besänftigen, von dem nur sehr wenig bei der Mehrheit der Bevölkerung ankommt. Die Bevölkerung selbst spürt jedoch, dass sich etwas in Nordkorea verändert und verbindet diese Veränderungen vor allem mit Kim Jong Un, der sich für die Politik seines Onkels natürlich gebührend durch die Staatspropaganda feiern lässt.

In vier Jahren steht Nordkorea vor großen wirtschaftlichen Veränderungen, die ein Ende der alten Planwirtschaft ankündigen. Politische Veränderungen oder Umstürze sind jedoch noch unvorstellbar. Jang Sung-taek führt das Land als Vertreter einer herrschenden Klasse, die sich weiterhin hemmungslos auf Kosten der Mehrheit bereichert, jedoch (durch Chinas Einfluss) nach Außen hin zahmer geworden ist. Diese Machtelite hat es dank Jang Sung-taek’s Bindung an China – und den damit verbundenen wirtschaftlichen Aufschwung – geschafft, sich für viele weitere Jahre ihre Macht über Nordkorea zu sichern.

==========4==========

 

Von China lernen, heißt die Macht erhalten.

Nordkorea in 4 Jahren, wird sich voll auf dem von China vorgelebten Weg befinden.
So weiter wie bisher ist nicht möglich, zumal ohne Chinas wirtschaftliche als auch militärische Unterstützung Nordkorea nicht existieren kann.
Ein Zerfall der staatlichen Ordnung bedeutet aber auch ein  Verlust der Macht des Kim Clans und seiner Entourage, was gleichzeitig mit großer Sicherheit auch das Ende ihrer Existenz bedeuten würde.

Die bisher gespielte Karte des Militärs zu Erst, als Garant der Existenz des nordkoreanischen Staates funktioniert nur dann, wenn die Wirtschaft in der Lage ist, die dafür notwendigen Leistungen zu erbringen. Nur hat eben dieses Militär zu Erst Politik im letzen Jahrzehnt genau das Gegenteil bewirkt.

Dies hat nun Kim Jong Un bzw. die ihn Beratenden erkannt und die Notbremse gezogen. Gegenwärtig findet daher wahrscheinlich ein Machtkampf mit den Vertretern des Militärs statt, die die bisherige Linie gestaltet haben und daraus auch großen persönlichen Nutzen hatten und dem Kim Clan und ihm nahe stehenden.

Ich gehe davon aus, und einiges deutet schon jetzt darauf hin, dass Nordkorea einen ähnlichen Weg wie China gehen wird.
Lockerung von restriktiven Gesetzen mit gleichzeitigen Maßnahmen zur Vertrauensbildung bezüglich Kapital und Eigentum,  um ausländische Investoren samt ihrer Firmen ins Land zu bekommen.
Diese Maßnahme dient dazu, die Infrastruktur wieder aufzubauen und um Arbeitsplätze für die eigene Bevölkerung zu schaffen.

Ziel von Kim Jong Un ist es eindeutig, erst das Lebensniveau der Bevölkerung zu verbessern um dann schrittweise die notwendige Öffnung des Land nach Außen zu betreiben.
Dies wird in mehreren Schritten ablaufen, wobei immer der Erhalt der Macht oberste Priorität haben wird.
In den nächsten 4 Jahren wird daher die Songun Politik schrittweise zu Gunsten der „Wirtschaft zu Erst“ in der Versenkung verschwinden.
Kim Jong Un wird sich noch weiter an China binden, das Säbelrasseln wird sich legen. Die Außenpolitik Nordkoreas wird sich so gestalten, dass man versucht den Nimbus der Betonkommunisten loszuwerden, in dem man auch die Einstellung des Atomprogramms, nun letztmalige, als Verhandlungsmasse benutzt, um damit eine  Friedensvertrag mit dem Süden und den USA zu erreichen.

Als „halbwegs normales“ Mitglied dieser Weltgemeinschaft sowie ohne Blockademaßnahmen lässt es sich eben besser Wirtschaften und Handeln.

==========5==========

 

Der König ist tot, es lebe der König.

Ich sehe kein Absehbares Ende der Ära des Regimes…..Ich glaube sogar, dass Kim Jong Un bis zum Tod herrschen wird bzw. eine weitere Thronfolge in ca. 40 Jahren vorbereitet wird. Warum? Ich glaube an einen sehr langsamen Fortschritt…..die Koreaner sind nicht dumm, natürlich wird man aber auch stark von der florierenden Wirtschaft in China und Russland profitieren die ihre Kooperationen erweitern.

==========6==========

 

Es sollte klar sein, dass eine Aussage darüber, in welche Richtung sich das Land, besser gesagt die dortige Führung einschlagt, höchst spekulativ ist und eher dem Bachgefühl heraus entspringt. Die Faktenlage (bezüglich wirklich prüfbarer verlässlicher Quellen) zur zu erwartenden Entwicklung ist bekanntlich nicht wirklich groß. Dennoch möchte ich hier meine Vermutungen zur mittelfristigen Entwicklung des Landes nennen und auch darlegen, weshalb ich meine, dass sie zumindest weniger unwahrscheinlich sind als andere. Zudem gehe ich von der Annahme aus, dass die Mächtigen in Nordkorea sich im Grunde genommen nur um eine Sache wirklich sorgen: Ihr Lebensstandard und damit verbunden ihre persönliche Sicherheit  und ihr Machterhalt.

1. Standing des Regimes, der inneren Macht-Elite um Kim Jong Un

Ich erwarte, dass Kim Jong Un seine Position in den nächsten vier Jahren weiter konsolidieren wird. Für uns ist ja jetzt schon nicht ersichtlich, ob tatsächlich die von einigen (vor allem Medien) vermuteten Rivalitäten im Regime existiert (vor allem wird da immer jung vs. alt, erfahren vs. unerfahren genannt). Sollten aber gewissen Vorbehalte von Seiten älterer Generäle, Parteikader, etc. gegenüber dem neuen Führer bestanden haben, so denke ich, dass diese nach nun fast einem Jahr seit Kim Jong Ils Tod nicht mehr an der Oberfläche brodeln werden, sofern sie überhaupt existierten. Dass sich einige Nordkoreaner ob des jungen Alters ihres neuen Führers Gedanken gemacht haben, halte ich für wahrscheinlich, gerade in einer Gesellschaft wie der (Nord-)Koreas, wo das Alter und die Anerkennung einer Person wesentlich miteinander verknüpft sind. Dass jemals in Kreisen, die dem jungen Kim tatsächlich gefährlich werden könnten, überhaupt offen darüber gesprochen wurde, ob man ihm die Treue erweist, halte für äußerst unwahrscheinlich. Man muss bedenken, dass in Nordkorea nunmehr seit rund 60 Jahren ein System der annähernd totalen Kontrolle, gepaart mit sehr ernsten, im schlimmsten Fall drei Generationen einer Familie übergreifenden Repressionen existiert. Wenn Kritik oder Missfallen an politischen Maßnahmen von der einfachen Bevölkerung oder von „einflussreicheren“ Individuen geäußert wird, und dies halte ich für ziemlich wahrscheinlich, dann wird dies nicht direkt verbal ausgedrückt werden, sondern sehr wahrscheinlich verklausuliert, in Worte mehrdeutig verpackt, in Form einer ironisch Anspielung oder durch eine extreme Lobpreisung des Regimes artikuliert werden.

Obwohl in Nordkorea also durchaus Unzufriedenheit ganz direkt mit den Spitzen des Regimes existierten mag (ich denke, viele Nordkoreaner sind sich der propagandistischen und nicht unbedingt wahrheitstreuen Natur von Propaganda inzwischen sehr wohl bewusst), existiert doch keine Politische Kultur des offenen Artikulierens von Unzufriedenheit in diesem Land, und jedes Kleinkind lernt dort bereits, dass so etwas potentiell tödlich sein würde.

In Anbetracht dieser Vermutung erwarte ich keine offene Unzufriedenheit mit dem Kim-Regime in den nächsten vier Jahren (geschweige denn „arabische“ Verhältnisse). Ich glaube vielmehr, dass Kim Jong Un seine Machtbasis weiter ausbauen wird. Bereits bekannt gewordene und zukünftige Ersetzungen von Ministern oder hochrangigen Militärs werden sich sicherlich noch bis tief in das nächste Jahr hineinziehen (wir werden von den meisten nichts erfahren, und wenn wir was erfahren, dann sicherlich nichts von angeblichen „Mörser-Exekutionen“, sollten sie überhaupt tatsächlich stattgefunden haben.

Es bleibt also alles beim alten in Nordkorea, der Kim-Klan wir auch in vier Jahren noch die absolute Macht in Pjöngjang innehaben.

2. Wirtschaftliche Entwicklung

Obwohl in letzter Zeit viel von wirtschaftlichem Wandel in Nordkorea gesprochen wurde, so ist dennoch nicht klar, wie ernst es Kim Jong Un mit der Ankündigung, dass das „Volk den Gürtel nicht mehr enger schnallen müsse“ meint. Vielleicht ist die Frage auch nicht, wie ernst er es meint, sondern was er durchsetzen kann. Allseits bekannt ist das Problem, vor welchem die nordkoreanische Führung steht: Mehr wirtschaftliche Öffnung bedeutet gleichzeitig einen für das Regime potentiell gefährlichen Fluss an Informationen, die in das Land gelangen. Der chinesische Weg scheint daher für Nordkorea weiterhin nicht erreichbar, denn in den rund 60 Jahren Kim-Herrschaft hat man sich einen Personenkult und ein damit verbundenes System der Mythen und Lügen aufgebaut, welches bei zu Viel Fluss an Informationen – und dieser würde unabdingbar sein, sollte man ernsthaft ausländisches Kapital ins Land locken wollen – auf mittel- bis langfristige Sicht auch durch die schärfsten Repressionen aufrechtzuerhalten wäre. Sehr wahrscheinlich ist daher nicht eine wirtschaftliche Öffnung ähnliches des chinesischen Modells unter Deng Xiaoping in den 1980er Jahren, sondern eine Fokussierung auf a) Sonderwirtschaftszonen und b) die Binnenwirtschaft. Denn obwohl Nordkorea ein bergiges Land ist; die ausreichende Ernährung der eigenen Bevölkerung ist möglich, sollte man die Landwirtschaft modernisieren, das Energieproblem flächendeckend abmildern und ein für das Kim-Regime verträgliches Maß an privater wirtschaftlicher Initiative zulassen. Aber kann Nordkorea überhaupt eine vernünftige ökonomische Entwicklung zum Besseren garantieren, ohne sich zwangsläufig potentiell regimegefährdend öffnen zu müssen? Meiner Meinung nach ja, bis zu einem gewissen Grad. Dieser mag allerdings mittelfristig völlig ausreichen zur Zufriedenstellung der zweifelsohne existierenden Erwartungshaltung gegenüber der neuen Führung in der Bevölkerung. Sollten auf dem Binnenmarkt die Beschränkungen gelockert werden, sollten Bauern zumindest einen Teil ihrer Erzeugnisse in Zukunft auf dem Markt verkaufen dürfen, sollten gar halbprivatwirtschaftliche Betriebe gegründet werden, so lässt sich trotz erhaltener Abschottung gegenüber des westlichen Welt einiges erreichen. Der Handel mit China, Teilen Asiens und Russland wird sicherlich in den nächsten vier Jahren zunehmen, mehr ausländische Geschäftsleute werden ins Land reisen.  All dies bedeutet noch keinen umfassenden Fluss an Informationen, welche potentiell das Regime delegitimieren könnten.
Anzeichen vorsichtiger Versuche, einen gelenkten Wandel zu erreichen, gibt es nicht erst seit Kim Jong Ils Tod, sondern bereits seit einigen Jahren. Allerdings scheint es, als habe sich seit dem letzten Dezember diese Entwicklung noch beschleunigt.

Jedoch sollte man sich nicht von Bildern aus der Hauptstadt Pjöngjang täuschen lassen. In den letzten fünf Jahren hat sich Pjöngjang zwar erheblich modernisiert, inzwischen hat Koryolink alias Orascom ein flächendeckendes Handynetz aufgebaut, Luxusautos fahren durch Pjöngjang und diverse Supermärkte (gegen Divisen) für die Oberschicht existieren. Somit lebt es sich, gehört man zur äußeren Elite des Regimes, wahrscheinlich inzwischen zunehmend ähnlich „unbeschwerlich“ wie für einstige Privilegierte in der DDR oder anderen Osteuropäischen Staaten.

Allerdings sollte man sich von diesem Bild nicht täuschen lassen. Pjöngjang ist lediglich die extrem privilegierte Hauptstadt, das Aushängeschild Nordkoreas. Inwiefern die Modernisierung die ländlichen Gegenden erreicht, lässt sich mitunter gar nicht abschätzen, da längst nicht alle ländlichen Gegenden überhaupt zugängig für sind NGOs, Botschaftsangehörige, geschweige denn für Touristen.

Die vorsichtigen Anzeichen einer wirtschaftlichen Besserung sind somit weiterhin mit Vorsicht zu genießen.

3. Internationale Isolierung Nordkoreas

An der internationalen Isolierung Nordkoreas wird sich auch in vier Jahren wenig geändert haben, wenngleich ich es für wahrscheinlich halte, dass seitens des Kim-Regimes ernsthafte Versuche unternommen werden, international mehr beachtet zu werden. Mit China und Russland baut man bereits seit einiger Zeit die ökonomischen Beziehungen aus, erste Anzeichen, dass sich die Beziehungen zu Japan irgendwann „normalisieren“ könnten, gibt es in jüngster Zeit. So könnte es gut sein, dass es demnächst wieder Gespräche über die nach Nordkorea entführten japanischen Staatsbürge und deren Verbleib bzw. Freilassung gibt. Allerdings kann man sicherlich argumentieren, dass dies kein solides Anzeichen einer wirklichen Verbesserung der Beziehungen ist, zumal ähnliche Versuche bereits in der Vergangenheit unternommen wurden. Allerdings halte ich es für wahrscheinlich, dass das Kim-Regime zu einem gewissen Grad die Beziehungen zu Japan zu verbessern ersucht, zumindest so weit, dass ein gewisser wirtschaftlicher Handel möglich wird.

Gegenüber dem Verhältnis zu den USA wird sich auch in vier Jahren wenig ändern. Ich erwarte nicht die Aufnahme diplomatischer Beziehungen oder weniger illusorisch, einen ernsthaften Austausch und eine Debatte über die Menschenrechts- oder die Atomfrage im Gegenzug zu wirtschaftlichen Erleichterungen für die nordkoreanische Führung. Ich halte es aber für möglich, dass Nordkorea merklich weniger provokativ auf internationaler Ebene agieren wird. Im Gegensatz zu der von vielen anderen vertretenen Ansicht, dass es demnächst wieder zu Grenzprovokationen (ähnlich der Versenkung der Cheonan oder der Bombardierung der Yeonpyeong Inseln) kommt, sehe ich eher die Möglichkeit, dass Pjöngjang sich von seiner „soften“ Seite zeigen wird und versuchen wird, sein Image aufzupolieren, um Handel zu erreichen, wo es möglich ist. Die Aufgabe des Atomprogramms halte ich für kurzfristig oder mittelfristig eher für unwahrscheinlich, allerdings für langfristig durchaus möglich. Sollten sich die Beziehungen aus nordkoreanischer Sicht entspannen, sollten wirtschaftliche Reformen greifen ohne das die Legitimität des Kim-Regimes im eigenen Land infrage gestellt wird, so wird die Protektion durch China ausreichen. Wenn durchaus berechtigter Weise argumentiert wird, dass das Schicksal des Gaddafi-Regimes in Libyen für Nordkorea als mahnendes Beispiel gelte, weshalb das Atomprogramm nicht aufgegeben werden dürfe, wird zugleich nicht beachtet, dass Nordkorea unter dem Schutz Chinas ein unvergleichbares sichereres Dasein hat als Libyen in Nordafrika unmittelbar an den Grenzen der EU. Derzeit würde China unter keinen Umständen eine Verschiebung des Kräfteverhältnisses im Asien zu Gunsten der USA tolerieren wollen und alleine schon deshalb an einem stabilen Nordkorea (unter Kim Jong Un) festhalten. Sollten die USA und China allerdings sich in der Koreafrage irgendwann einigen, sollte man das Kräfteverhältnis im asiatischen Raum abseits von Korea untereinander abstecken, so wird es für das Kim-Regime eng. Dieser Fall setzt aber voraus, dass ein potentiell vereintes Korea ohne die in Südkorea stationierten US-Truppen auskommen müsste und zugleich China zusichern müsste, sich nicht in Korea einzumischen. China würde zudem von einem wirtschaftlich starken und vereinten Korea mehr ökonomisch profitieren als von der jetzigen Situation. Mag diese Entwicklung momentan in weiter Ferne sein, denkbar ist sie. Ob es in vier Jahren so weit sein könnte, kann ich nicht sagen. Solle aber der wahrscheinliche Fall eintreten, dass sich die geopolitische Situation in Asien nicht dahingehend verändert, so sehe ich wie gesagt lediglich den Versuch des Kim-Regimes, international an Anerkennung zu gewinnen (damit verbunden eine „freundlichere“, weniger militärisch provokative Linie gegenüber Südkorea).

4.  Beziehung zu Südkorea

Bald werden die Wahlen in Südkorea vorüber sein. Egal wie sie ausgehen, kann sich Nordkorea eigentlich nicht wirklich leisten, noch einmal einen solchen Angriff wie auf die Yeonpyeong Inseln im Jahr 2010 zu begehen. Man würde dann Gefahr laufen, die Situation nicht mehr zu kontrollieren, denn ich halte es dann für wahrscheinlich, dass Südkorea wesentlich energischer und härter auf eine Provokation antworten würde. Diese potentielle Unsicherheit dürfte nicht im Sinne Pjöngjangs sein, denn ein Krieg würde mit ziemlicher Sicherheit verloren gehen. Somit wäre dann auch das Kim-Regime am Ende. Daher sehe ich in vier Jahren ein Nordkorea, welches sich mehr als vorher um eine innerkoreanische Normalisierung der Beziehungen bemühen wird. Vielleicht wird es sogar zu einer Neuauflage der Familienzusammenführung kommen und gewisse gemeinsame ökonomische Projekte werden begonnen werden.

4 Antworten

  1. Hallo tobid,

    mein Hauptgewinn ist wohlbehalten angekommen.
    Habe mich jedoch für den jungen Un als Hintergrund entschieden.
    Man geht halt mit der Zeit und der sieht auch so schön martialisch aus.
    Danke!
    So sieht das ganze auch noch aus:

    • Super: Macht sich hervorragend an der Wand und fügt ihr einen ganz neuen Aspekt hinzu…
      Du kannst die liebe Führerschaft ja ganz nach Laune austauschen: Wenn du sentimental bist, den Urvater aller Kims, wenn du übbellaunig bist den Vater aller überlaunigen und wenn du hoffnugsfroh bist den Sohn der Hoffnung…

  2. Mein Gewinn ist heute bei mir angekommen.Herzlichen Dank dafür!

    Wie kommt man eigentlich an nordkoreanische Tabakwaren heran? (abegesehen vom Mitmachen bei Gewinnspielen versteht sich)

    • Freut mich, dass es angekommen ist.
      Tja, wie kommt man an nordkoreanische Tabakwaren? So ähnlich wie an mexikanische: Jemand bringt sie dir mit…

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