Das gute alte Verkaufsargument: Warum Nordkoreas Satellitenstart keine Verkaufsveranstaltung für Raketen „Made in NK“ war

Ganz kurz will ich mich heute mal mit einem Aspekt des Satellitenstarts Nordkoreas beschäftigen, den ich bei meinem Beitrag gestern vergessen habe (hatte es wirklich irgendwie aus den Augen verloren), was ich im Nachhinein garnicht so schlimm finde. Es geht um das Verkaufsargument, dass der erfolgreiche Start bieten soll und das in Kommentaren einiger deutscher Zeitungen heute aufgegriffen wurde.

Ein einfaches Argument…

Dieses Argument ist relativ einfach und geht so: „Nordkorea exportiert bekanntlich gerne Waffen und sucht dafür immer nach Kunden. Am besten kann man potentielle Kunden überzeugen, indem man  beweist, dass man ein  gutes Produkt zu bieten hat. Ein hervorragender Beweis für die Qualität einer Interkontinentalrakete ist ein erfolgreicher Start.“

…das schlüssig klingt.

Klingt alles recht einleuchtend, weshalb ich das auch eigentlich in  meinen Beitrag gestern einbauen wollte. Nordkorea ist seit Jahrzehnten als notorischer Waffen- und Raketenexporteur berüchtigt und hat nachweislich Kundschaft in Asien, im Mittleren Osten und in Afrika (zumindest gehabt). Außerdem hat Nordkorea mit dem Iran und vermutlich auch mit Pakistan in einer Art Tauschbeziehung gestanden, in der zumindest teilweise hinsichtlich relevanter Technologien (im Bereich Nuklear- und Raketentechnologie) kooperiert wurde. Also liegt es doch nur nahe, dass man mit dem Nachweis der Fähigkeit relevante Technologien entwickeln und realisieren zu können, einen neuen Kundenkreis erschließen kann.

Aber: Was ist mit dem Markt?

Allerdings sollte man bei dem Argument ein bisschen weiterdenken: Denn wer sich mit den Grundlagen  von Märkten auseinandersetzt, dem dürfte bekannt sein, dass egal zu welchem Markt nicht nur Anbieter, sondern auch Nachfrager gehören. Und da sehe ich im Fall von Interkontinentalraketen eine gewisse Schwierigkeit. Während Nordkorea auf dem Markt für Kurz- und Mittelstreckenraketen vermutlich schon durch Mund-zu-Mund-Propaganda einen guten Leumund als Lieferant und kreativer Weiterentwickler russischer SCUD-Raketen haben dürfte und in diesem relativ nachfragestarkem Markt nicht unbedingt weitere Werbung nötig hat, dürften die Rahmenbedingungen auf dem Markt für Interkontinentalraketen eben doch ein bisschen anders gesteckt sein.

Wo kein Kunde da kein Handel

Denkt man Mal scharf nach und überlegt, wer an solchen Raketen Interesse haben könnte, dann ist man relativ schnell fertig. Die meisten Kandidaten haben selbst die Fähigkeiten oder kommen als Partner für Nordkorea nicht wirklich in Frage. Pakistan hat was es braucht und der Iran ist mit der Entwicklung seines Programms schon weiter als Nordkorea und außerdem kann man den Iran ja nicht wirklich als Neukunden zählen. Hm, wer bleibt dann? In einem der oben verlinkten Kommentare wird neben Teheran noch Kairo genannt. Aber ob die USA denen weiter finanziell unter die Arme greifen würden, damit sie sich davon Interkontinentalraketen aus Nordkorea kaufen würden. Das kann ich irgendwie nicht glauben. Myanmar ist gerade ausgefallen als möglicher Kunde, Weißrussland ist zu arm und in Syrien hat man gerade andere Probleme. Venezuela hat noch nie wirkliche Ambitionen in diese Richtung gezeigt und bräuchte ja auch garkeine so weitreichende Technik. Da sitzt der Feind ja nebenan. Naja und in Afrika haben momentan die meisten Staaten andere Probleme. Südafrika hat seine relativ sinnlosen Absichten in diese Richtung schon lange begraben und Nigeria (das vielleicht tatsächlich noch ein bisschen Potential hätte) wird seine Mittel vielleicht lieber in konventionelle Systeme stecken, um den inneren Frieden zu sichern und in der Umgebung für „Stabilität“ zu sorgen. Naja, was diese Liste von teils ambitionierten, teils einfach „schurkigen“ Staaten zeigen soll: Die Liste derer, die überhaupt als Kunden in Frage käme ist schon kurz und die Liste derer, die auch nur im Geringsten ein Interesse haben, Interkontinentalraketen zu kaufen ist eigentlich inexistent.

Klischee aufgewärmt

Was das dann im Endeffekt zeigt: Der Verweis auf den Raketenstart als mögliche Verkaufsveranstaltung für Raketentechnik „Made in North Korea“ ist zwar in sich schlüssig, macht aber im Kontext der aktuellen globalen Realität absolut keinen Sinn. Das ist im Endeffekt einfach nur eine Spielerei mit gängigen Klischees. Das heißt nicht, dass Nordkorea nicht einer der Staaten wäre, die notorisch mit Waffen handeln und dabei noch weniger moralische Maßstäbe an den Tag legen, als die Bundesrepublik (was zwar mittlerweile ganzschön schwierig ist, aber irgendwo gibt es bei uns glaube ich dann doch noch Grenzen).

P.S.

Aber wer weiß, vielleicht haben die Kommentatoren ja doch irgendwie recht. Bekanntlich ist Nordkorea ja keine Marktwirtschaft. Vielleicht haben sich die Verantwortlichen dort einfach noch nicht mit den Grundfunktionen des Marktes auseinandergesetzt und denken, wenn wir ein gutes Produkt haben, dann kommen die Kunden schon von ganz allein… Aber ehrlich gesagt würde mich das wundern, denn in anderen Fällen hat sich die nordkoreanische Führung als exzellente Kennerin von Marktmechanismen bewiesen und immer wieder mal „gute Geschäfte gemacht“. Den USA zum Beispiel ein leeres Erdloch für 600.000 Tonnen Lebensmittel zu „verkaufen“, das haben noch nicht viele hingekriegt.

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