Berichte: US-Bürger sitzt seit über einem Monat in nordkoreanischer Haft

So, jetzt erstmal genug von Satelliten und Raketen. Solange da nichts Überraschendes bzw. Wichtiges passiert, überlasse ich es anderen, darüber zu berichten, die können das eh mindestens so gut wie ich und verdienen noch Geld damit. Natürlich würden sie auch Geld verdienen, wenn sie über andere Geschichten berichteten, die uns in den nächsten Monaten vielleicht noch ebensoviel beschäftigen werden, wie dieser Raketenstart. Aber wer will schon was von einem US-Bürger koreanischer Herkunft wissen, der Berichten zufolge seit über einem Monat in nordkoreanischer Haft sitzt. Kann der fliegen und potentiell nukleare Sprengköpfe transportieren? Zweimal nein! Daher werden die Medien weiter über die Rakete berichten.  Ich dagegen unterliege nicht den zwängend, nur explosive (im wahrsten Sinne des Wortes) Themen aufzugreifen und werde euch daher über besagten US-Bürger ins Bild setzen.

Bisherige Informationen

Vor ein paar Tagen gab es erste Berichte darüber, dass ein US-Bürger Kenneth Bae vor über einem Monat im Nordosten Nordkoreas festgenommen worden sei. Der 44 jährige Mann mit koreanischen Wurzeln, der in der Vergangenheit bereits häufiger in Nordkorea gewesen sei, sei am 3. November gemeinsam mit fünf Touristen als Reiseleiter über den Hafen Rajin (der zur Sonderwirtschaftszone Rason gehört) eingereist. Gerüchteweise wurde vermutet, dass seine Festnahme mit dem Fund einer Festplatte, auf der „sensible Informationen“ gespeichert waren, zusammenhing. In einigen Berichten wird Bae als Mitglied einer protestantischen religiösen Gruppe beschrieben, aber ob und inwiefern das wichtig ist, bleibt offen. Bisher wurde der gesamte Sachverhalt von US-Seite nicht bestätigt, aber auch nicht dementiert. Weiterhin gibt CNN an, Informationen über den Fall von einem Mitarbeiter des US-Außenministeriums erhalten zu haben.

Nicht der erste Fall…

Bae ist nicht der erste US-Bürger, der in  Nordkorea in Gefangenschaft gerät. In den vergangenen Jahren hatte es vor allem in den Fällen Lee/Ling, Park und Gomes großes internationale Aufmerksamkeit gegeben und eine Art diplomatisches Geschachere ausgelöst, an dessen Ende zweimal Ex-US-Präsidenten nach Pjöngjang flogen, um die Gefangenen zu befreien. Anzumerken ist darüber hinaus noch, dass diese drei Fälle sich dadurch auszeichneten, dass die Personen jeweils illegal nach Nordkorea eingereist waren. Die Motive dafür waren zwar unterschiedlich (einmal journalistisch, zweimal christlich), aber es waren keine Touristen die da in Haft gerieten.

…aber unter anderen Vorzeichen

Das scheint in diesem Fall anders zu sein. Bae ist relativ sicher ein Tourist, allerdings könnte (müssen aber nicht) sein religiöser Hintergrund auch etwas mit seiner Reise und Gefangennahme zu tun haben. Jedoch ist der Fakt, dass ein Tourist so lange in Nordkorea einsitzt, mit Sicherheit der graduellen Öffnung des Landes für Reisende und dem Wunsch, mehr davon ins Land zu bekommen nicht gerade zuträglich. Weiterhin fällt hier, wie auch im Fall Gomes die relativ große Diskretion auf, mit der der Fall behandelt wurde. Immerhin ist einen Monat lang nichts darüber an die Öffentlichkeit gedrungen. Das mag damit zusammenhängen, dass die USA in den vergangenen Jahren ihre Erfahrungen in solchen Situationen ausbauen konnten, vielleicht hat es aber auch damit zu tun, dass anders als in den Fällen Park und Ling/Lee keine religiösen/journalistischen PR-Maschinen hinter der Person stehen.

Abwarten und die Schweden mal machen lassen

Vorerst bringt es nicht wirklich was über die möglichen Folgen etc. des Falles zu spekulieren, solange nicht klar ist, was sein Hintergrund ist. Daher müssen wir uns wohl gedulden, bis das US-Außenministerium entscheidet, mehr Informationen als bisher nach außen zu geben. Über die schwedische Botschaft in Pjöngjang, die ja die konsularischen Angelegenheiten für die USA dort managed (da es ja keine amerikanische Vertretung gibt) dürfte wohl nichts nach außen dringen, denn die Schwenden sind eben ziemlich diskret. Jedenfalls hat Schwedens brandneuer Botschafter in Pjöngjang, Karl-Olof Andersson direkt mal eine stramme Aufgabe vor sich. Bis die erledigt ist, werde ich mich dem Thema aber sicher nochmal gewidmet haben.

Eine Antwort

  1. Falls die Berichte stimmen sollten, das der Entführte ein Reisebüro in China spezialisiert auf Nordkorea Reisen gehört…..sollte man „eigentlich“ davon ausgehen das der Entführte wusste worauf er sich einlässt bzw. welches Risiko er eingeht.

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