Ein Strauß voll Buntes (VIII): Bunter Strauß gegen graue Wintertristesse

Eigentlich hatte ich mir ja heute morgen überlegt, was über Kim Jong Uns „Krisentreffen“ mit hochrangigen Funktionären aus den Bereichen Sicherheit und Äußeres (das ich in den Kontext „Droherei“ hätte einordnen können) und/oder über die 4. Parteizellensekretärskonferenz, die mittlerweile ohne spektakuläre Ergebnisse in Pjöngjang zuende gegangen ist (vielleicht wollte Kim Jong Un sich und seine Errungenschaften (Pjöngjang sieht irgendwie modern aus…) der „Basis“ präsentieren?) zu schreiben. Ich habe mich aber dann aus zwei Gründen dagegen entschieden: Einerseits habe ich in der letzten Zeit schon genug in irgendeinder Suppe, die vielleicht Nebel ist, vielleicht sonstwas, gestochert, ohne wirklich was schreiben zu können, andererseits hat meine Liste vorgemerkter Links mittlerweile eine erstaunliche Länge angenommen.

Daher habe ich mich umentschieden. Heute gibt es nochmal einen Strauß voll Buntes. Und weil das Wetter irgendwie trist ist, versuche ich den Strauß umso bunter zu halten…

Die anderen Sträuße, die ich bisher gebunden habe, findet ihr mit einem Klick auf die Blumen. (Foto: Gertrud K. unter CC-Lizenz: Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert) (CC BY-NC-SA 2.0))

Naja, ziemlich vielfältig sieht der Strauß jedenfalls aus und genauso breit gefächert werden auch die Inhalte sein, auf die ich heute Hinweisen werde. Es dürfte ungefähr für jeden was dabei sein…

Reisen und Fliegen

Eigentlich finde ich diesen Reisebericht so super, dass er einen eigenen Artikel verdient hätte. Aber da sich das jetzt gerade so anbietet, wird er stattdessen hier mitverwurstet. Der Bericht ist zwar schon ein paar Monate alt, aber ich bin kürzlich erst drüber gestolpert. Der Autor hat an einer Reise für Flugzeugenthusiasten bzw. Plane-watcher teilgenommen und ist daher ziemlich viel durchs Land geflogen. Naja und was ein richtiger Flugzeugfan sein will, der hat natürlich ne gute Kamera bei, mit der er jede Menge Fotos von und aus den Flugzeugen schießt, mit denen er so unterwegs war, aber natürlich nicht ausschließlich. Nichtsdestotrotz ist das was da zusammengekommen ist eine ziemlich schöne Sammlung von Fotos, die man aus dieser Perspektive selten sieht. Ein bisschen Text (englischen) gibt es auch, aber nicht soviel, dass es anstrengend werden würde. Schaut am besten selbst und habt viel Spaß dabei.

Nordkorea durch chinesische Augen

Einen weiteren kleinen Reisebericht, jedoch bei weitem nicht so spektakulär wie der vorige, gibt es hier zu lesen. Das besondere daran. Er ist von einem Chinesen geschrieben, der als Tourist nach Nordkorea einreiste und sich das Land etwas anschaute und dann später ins Englische übersetzt. Vieles von dem was er schreibt deckt sich mit den Wahrnehmungen westlicher Touristen, aber er ist eben Chinese und sieht deshalb einige Dinge eher mit chinesischen Augen. Am nettesten fand ich das Fazit, in dem als herausragend positiv die wesentlich bessere Luftqualität in Pjöngjang gegenüber chinesischen Städten, hervorgehoben wurde. Irgendwo hab ich das schonmal gehört… (Vielleicht sollte sich die nordkoreanische Regierung mal überlegen, ob sie statt einer verschmutzungsträchtigen Modernisierung diese Entwicklungsstufe nicht überspringen und gleich zu einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Wirtschaftsweise übergehen will. Die Voraussetzungen sind so schlecht nicht…). Wenn euch eine chinesische Sichtweise interessiert, dann lohnt sich ein Blick auf den Bericht durchaus.

Nordkoreas Raketen: Was wir darüber wissen und was wir darüber gerne wissen würden.

Markus Schiller, ein Raketenexperte, der in den vergangenen Jahren schon häufiger mal was zu verschiedenen Aspekten von Nordkoreas Raketenprogramm gesagt hat, hat für die RAND Corporation, einen amerikanischen Think Tank ein sehr interessantes Buch geschrieben, in dem er sich sehr detailliert mit dem nordkoreanischen Raketenprogramm auseinandersetzt und dem Leser erklärt, was wir wirklich über die verschiedenen Raketen, ihre Eigenschaften und Entwicklung etc. wissen, was wir nur vermuten und was wir gerne wüssten. Ich bin kein Raketenexperte und verlasse mich daher einfach darauf, dass hier nicht irgendeine politische Agenda verfolgt wird. Aber da Herr Schiller einerseits Fachexperte ist und kein „allgemeiner“ Nordkoreaexperte und weil er andererseits deutscher ist, denke ich, dass das Risiko von politischer Einfärbung des Berichts relativ niedrig ist. Also hier gibt es das gesammelte Wissen zu Nordkoreas Raketenprogramm auf relativ aktuellem Stand.

Nordkoreas Raketen: Die Iran-Connection?

Eben sprach ich ja davon, dass Berichte und Informationen, die vor einer politischen Agenda verfasst werden, mitunter problematisch sind. Normalerweise ignoriere ich sowas, aber dashier fand ich so daneben, dass es hier seinen Platz verdient hat und den Strauß um eine seltsame Schattierung ergänzt. Ich weiß nicht was John S. Park geritten hat, als er auf Basis reiner Spekulationen und mit gutem Sinn für Verschwörungstheorien, diesen kleinen Text schrieb, in dem er behauptet, Nordkoreas erfolgreicher Raketenstart gehe direkt auf eine verstärkte Kooperation mit dem Iran auf diesem Feld zurück. Wie gesagt, er hat keinerlei stichhaltige Belege, aber vermutlich passt dieser Schluss gerade zu seinem politischen Zeitgeist und ein bisschen Achsengelaber findet man ja in manchem politischen Lager in den USA immernoch gut. Wohlandenn, lest es oder lasst es, mir gleich.

Retro DPRK

Damit kommen wir wieder zu etwas erfreulicherem. Seit einiger Zeit gibt es das Blog Retro DPRK. Das Ganze ist der gut geölten Werbemaschinerie von Koryo Tours entsprungen, aber deshalb noch lange nicht schlecht. Im Endeffekt macht der Autor der Seite nämlich nichts anderes, als Bilder hochzuladen. Aber nicht Fotos oder so, sondern eingescannte Publikationen wie Werbebroschüren oder Postkarten aus Nordkorea, die schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben, also aus den 70er, 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts. Große Erkenntnisgewinne gibt das Blog zwar nicht her, dafür macht es aber einfach Spaß, das hin und wieder mal anzuschauen und ein paar alte Bilder zu gucken.

New Focus International

Ich wundere, dass dieses Blog bisher noch nicht mehr Aufmerksamkeit bekommen hat, denn ich halte es für eine echte Bereicherung und es liefert neue Perspektiven auf Nordkorea, zu denen wir sonst selten Zugang haben. Das Blog wird nämlich von einer Gruppe geflohener Nordkoreaner betrieben. Solche Seiten gibt es zwar einige, allerdings sind die für gewöhnlich nicht in englische Sprach übersetzt und das macht das für mich interessant. Die Blogger veröffentlichen so alle zwei bis drei Tage einen Artikel zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Fragen mit Bezug zu Nordkorea. Ihre Herkunft, Erfahrungen und Kontakte helfen dabei, einen etwas anderen Blickwinkel aufzubauen, als das westliche Beobachterhäufig tun. Allerdings muss man natürlich auch immer mit einer gewissen Vorsicht an die Lektüre gehen, denn dass sie das Regime nicht mögen, haben sie ja bereits durch ihre Flucht bewiesen und daher weiß man nicht, ob in die Inhalte der Seite nicht auch eine besondere Abneigung gegen das Regime ihren Ausdruck findet. Nichtsdestotrotz ist das Blog unbedingt lesenswert.

Verschiedenes (Werbeblock)

Die Meisten von euch werden schon von dem Buch des Schweizer Geschäftsmannes Felix Abt gehört haben. Ich auch. Herr Abt macht gut und erfolgreich Werbung für das Buch (was ich nicht verurteile, denn ich würde es genauso machen) und ich weiß nicht genau, ob ich das unterstützen soll, weil ich es nicht kenne. Aber unbestritten ist, dass er lange Zeit im Land war und dadurch Erfahrungen und Wissen hat sammeln können, die relativ wenige besitzen. Außerdem finde ich Anekdoten immer toll und ich denke mal, dass sich davon die eine oder andere wird finden lassen. Letztendlich überzeugt haben mich die Aussagen einiger Leute, deren Bewertungen ich schätze. Daher gebe ich ins Blaue hinein sowas wie eine halbe Empfehlung ab: Es gibt das Buch und es könnte durchaus sein, dass sich die Lektüre lohnt. Aber ob ihr es kaufen wollt liegt bei euch. Was es umsonst gibt und was auch durchaus schonmal lohnenswert ist, sind die Ergebnisse von Herrn Abts PR-Bemühungen. Auf seiner Facebook-Seite und seinem Twitter-Account gibt es öfter mal interessante Hinweise und Diskussionen.

Achja und wenn ich schonmal auf Twitteraccounts verweise, warum nicht auch mal auf meinen. Ich nutze ihn zwar nicht so rege wie meine Facebookseite, aber habe mir kürzlich mal die Mühe gemacht und einige Listen angelegt, die man ganz gut als Nachrichtenaggregatoren über Nordkorea benutzen kann. Kostet nichts und geht einfach, also schaut euch mal an, ob sie euch vielleicht nützlich sind. Wenn der Account von jemandem oder einer Institution in den Listen fehlt, freue ich mich natürlich auch über Hinweise. Naja, vielleicht bringt‘s dem einen oder anderen ja was.

 

So, das war‘s dann mal für heute. Wie immer schließe ich mit dem Hinweis, dass ich die Blogs in den nächsten Tagen (dieses Mal wirklich, hab es letztes Mal nämlich vergessen, wie ich gerade merke) der entsprechenden Linkliste hinzufügen werde und dass ihr da eine ungleich größere Auswahl von Links zu spannenden Blogs finden könnt.

6 Antworten

  1. „die 4. Parteizellensekretärskonferenz, die mittlerweile ohne spektakuläre Ergebnisse in Pjöngjang zuende gegangen ist“. Das sehe ich anders: KJU hat in seiner Ansprache überraschend offenherzige Äußerungen zu Machtmissbrauch und Bürokratismus in der PdAK getätigt und zur Bekämpfung der genannten negativen Erscheinungen aufgerufen. Aus der englischen Übersetzung des Redetexts:

    The Party cells to which officials belong, in particular, should take it as an important task to prepare them as the true servants of the people and enhance guidance over and control of their Party life.

    From the very beginning after he founded our Party the President saw the abuse of power and bureaucratic practices manifested among officials as the most dangerous poison a working- class ruling party should guard against and ensured that a consistent struggle was waged against them.

    The General put forward the slogan “We serve the people!” and devoted energy and soul to developing our Party into a motherly party serving the people faithfully, not a party that indulges in power abuse and bureaucracy.

    However, whenever the Party underlined the need to eliminate the abuse of power and bureaucratic practices, Party organizations simply called meetings for criticizing ideological defects and punished some officials.

    Then they did not make persevering efforts to transform officials on a revolutionary pattern.

    Abuse of power and bureaucracy are not merely a matter of personal character or work style of officials, but a matter of their ideology.

    When they abuse their power and work in a bureaucratic manner, officials will not merely lose their popularity among the masses and get a blot on their political integrity, but impair the Party’s authority and the prestige of socialism, which will end up leading the revolution and construction to ruin.

    Today when the enemy is resorting to more vicious schemes to undermine the single-hearted unity between our Party and people, those who abuse their power and work in a bureaucratic manner are the major targets of criticism, those whom our Party should punish resolutely.

    The Party Central Committee is firmly determined not simply to weed out but to root out the abuse of power and bureaucratic practices that are like the poisonous weeds sprouting on the garden of socialism centred on the masses of the people.

    The campaign against power abuse and bureaucracy is a Party-wide undertaking in which all Party organizations and their members should turn out.

    In order to eliminate the abuse of power and bureaucratic practices officials and cell secretaries should try hard to train themselves in a revolutionary way, and Party cells, to say nothing of the Party Central Committee, provincial, city and county Party committees and their primary organizations, should wage an intensive, principled struggle against power abuse and bureaucracy.

    There are ranks in work, but there can never be members of high or low rank in the Party life and the double standards of discipline are never allowed in the Party.

    Party cells should create a strict atmosphere of criticism and ideological campaign and intensify criticism from bottom up in particular to give comradely help to officials to eliminate the abuse of power and bureaucratic practices and prepare themselves as the true servants of the people.

    Party cells should clearly distinguish between demands of officials and bureaucracy.

    When abuse of power and bureaucratic practices are manifested among officials even in the slightest degree, they should not neglect them but wage a struggle against them promptly.

    All Party cells should not be indifferent to the abuse of power and bureaucratic practices of the officials who do not belong to them but actively struggle against them; as for serious cases, they should report on them to higher Party organizations, including the Party Central Committee, before it is too late.

    Another important task facing Party cells at present is to work with the masses properly so that broad segments of people establish a firm bond of kinship with our Party.

    The masses are the grass-roots foothold the Party relies on and the eternal companions with whom our Party should share the destiny until the final victory will have been won in the revolution.

    If the Party loses their support and trust it will lose its grass-roots basis, fail to fulfil its militant mission and in the end become unable to maintain its own existence.

    If we are to defend socialism and build a thriving country amid the fierce showdown with the enemy and reunify the country, we should fully grasp the public sentiments and win over as many people as possible through efficient work with them.

    • Weitere wichtige Auszüge:

      Party cells, guided by the General’s saying that they should know the real minds of people even though they do not know what there is in the fathomless water, should read the innermost thoughts of people and make an unbiased assessment of them.

      They should not only stick to collective education but channel great efforts into individual education in educating the masses.

      Party work, work with the masses, cannot be conducted with any formula or a single solution.

      It is imperative to study appropriate methods of educating people of different characters and apply them to practice so as to make even one more person support the Party.

      We should not indiscriminately discard people, even though they are unwilling to accept the Party’s ideas.

      If so, it will result in a gradual decrease in the number of the people to be rallied around the Party.

      Party cells should not cram the Party’s ideas into the heads of the masses, but educate them persuasively and perseveringly so that they would willingly accept the Party’s ideas.

      It is very important to place trust in the people in winning over the masses. Political trust is followed by loyalty, but distrust produces betrayal.

      • Weitere wichtige Auszüge (2):

        At present not a few Party cells are conducting their work in such a way as to transmit the Party’s policies and instructions to the people and exhort them to turn out for their implementation.

        Then the Party’s policies, however correct they may be, cannot be carried out properly and the people’s livelihoods can never be improved.

        Party cells should carry out the Party’s policies perseveringly till they pay off in the people’s livelihoods.

        Now our officials hold that in order to ensure the Party’s authority it is important to publish a lot of books and intensify information work.

        However, the Party’s leadership authority is not ensured by means of texts or words; it is possible only when the Party’s policies are carried out in a thoroughgoing way and people enjoy subsequent benefits.

        • Weitere wichtige Auszüge (3):

          Cell secretaries should not merely call upon Party members and other working people to turn out in implementing the Party’s policies but lead the masses to the struggle and exploits by setting practical examples.

          If they are devoted to the Party and the revolution in the van of the masses they may rest or sleep less than others, but they should regard it as comfort, not as toil.

          To fulfil their responsibilities and role, Party cell secretaries should improve their political and practical qualifications.

          If they are poorly qualified, they cannot work skillfully with people and arouse them forcefully to the implementation of the Party’s policies, however great their determination and enthusiasm may be.

  2. Thanks so much for your review of our website! Wanted to comment and clarify that we aim to provide objective accounts. If we are sometimes critical of the regime, it is because of the evidence, and not because of a bias – we believe bias does not help any cause.

    Also, our critical reports are carried out for the same reasons for which we criticise the actions of South Korea or any other government, that is when something wrong needs to be pointed out, as in any good journalism.

    All best wishes!

    • Thank you for your clarification!
      I didn’t want to attack you in any kind and I think you are doing a great job in providing unique insights (and I’m very thankful for that!).
      Nevertheless a special background and a special point of view sometimes leads to special interests and as it is a core message of my blog to be critical about any information on NK, I just wanted to remind the readers to view the world through a critical lense.

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