Update (12.02.2013): Was Nordkorea mit Deutschland gemeinsam hat und warum ich ein paar Tage weg bin

Update (12.02.2013):                            Fyi:

Pyongyang, February 12 (KCNA) — The Korean Central News Agency released the following report on Tuesday:

The scientific field for national defence of the DPRK succeeded in the third underground nuclear test at the site for underground nuclear test in the northern part of the DPRK on Tuesday.

The test was carried out as part of practical measures of counteraction to defend the country’s security and sovereignty in the face of the ferocious hostile act of the U.S. which wantonly violated the DPRK’s legitimate right to launch satellite for peaceful purposes.

The test was conducted in a safe and perfect way on a high level with the use of a smaller and light A-bomb unlike the previous ones, yet with great explosive power. It was confirmed that the test did not give any adverse effect to the surrounding ecological environment.

The specific features of the function and explosive power of the A-bomb and all other measurements fully tallied with the values of the design, physically demonstrating the good performance of the DPRK’s nuclear deterrence that has become diversified.

The nuclear test will greatly encourage the army and people of the DPRK in their efforts to build a thriving nation with the same spirit and mettle as displayed in conquering space, and offer an important occasion in ensuring peace and stability in the Korean Peninsula and the region.

Wie gesagt: Ich bin gerade für ein paar Tage unterwegs. Frühestens gibt es was von mir am Donnerstag oder Freitag. Aber ihr seid herzlich eingeladen darüber zu diskutiren, zu kommentieren oder hinzuweisen. Ich werde zusehen, dass ich ab und zu moderieren kann.

Ursprünglicher Beitrag (10.02.2013): Ich wollte mich nur kurz für ein paar Tage abmelden (was ich eigentlich nicht tun würde, wenn ich es nicht für möglich hielte, dass man Anfang der Woche in Nordkorea einen Nukleartest durchführen würde und ihr vielleicht danach verwundert gewesen sein würdet, wenn ich dann nichts dazu zu sagen gehabt haben würde (ich glaube ich habe hier ein falsches Tempus gewählt, aber die Mischung aus Konjunktiv und Futur III hat mich einfach zu sehr gereizt…)) und daran ein paar kleine Gedanken über Basisfunktionen von politischen Systemen anschließen und dass diese Funktionen sich in ihrer Umsetzung manchmal ähnlicher sind, als man das denken mag (es sind keine bahnbrechenden Erkenntnisse, aber ich fand es irgendwie interessant darüber nachzudenken).

Ein Berlintrip

Der Grund meiner angekündigten Abwesenheit ist ein Besuch in der Bundeshauptstadt. Und zwar in der eben genannten Hauptstadtfunktion. Ich fahre nach Berlin und besuche meinen Abgeordneten. Das finde ich ganz interessant, weil man einige Einblicke in den Politikbetrieb erhält und einige Zugänge, die sonst ein bisschen schwieriger zu realisieren sind. Schön daran ist auch, dass ich eigentlich nichts zu organisieren brauch. Es ist quasi alles inklusive und das ist eine Erfahrung, die ich sonst auf egal welchen Reisen nicht kenne. Weiterhin — und das ist für mich ein sehr zentraler Punkt —  ist die Reise sehr, sehr kostengünstig. Organisiert und getragen wird das Ganze vom Bundespresseamt, das dazu schreibt:

Das Bundespresseamt betreut auch die Besucherinnen und die Besucher der Bundestagsabgeordneten. Jede und jeder Abgeordnete kann jährlich drei Besuchergruppen aus seinem Wahlkreis nach Berlin einladen. Das sind 105.000 Bürgerinnen und Bürger im Jahr. Feste Programmpunkte dieser Besuche sind neben Gesprächen mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages Termine im Bundeskanzleramt, im Bundespresseamt und in den Ministerien. Darüber hinaus führen diese Informationsreisen in Museen und Gedenkstätten zur neueren deutschen Geschichte.

Ich halte das Ganze für eine gute Sache, nicht nur, weil  ich günstig nach Berlin kommen und nebenbei ein paar Freunde besuchen kann, sondern auch, weil das ein bisschen auch eine Aufgabe einer Demokratie ist, wie ich sie verstehe. Die gewählten Repräsentanten und die Regierung müssen den Bürgern zeigen, was sie machen (also Transparenz und Verantwortlichkeit zeigen) und sie müssen den Menschen Zugang gewähren, soweit das möglich ist. Die Besuchsreisen die das Bundespresseamt veranstaltet kann man unter diesem Gesichtsprunkt sicherlich gutheißen.

Eine kleine Assoziation

Allerdings kam mir im Vorfeld des Trips noch eine andere Assoziation. Ich erinnerte mich an eine Reihe von Artikeln, die Ende 2011 bei KCNA erschienen  und die ich damals ganz witzig fand. Die überschriften lauteten immer irgendwie so wie: Jagang Provincial Innovators Arrive in Pyongyang und es ging eigentlich immer darum, dass Innovatoren aus verschiedenen Provinzen oder Fabriken nach Pjöngjang kamen und dort dann verschiedene Orte besucht haben.

Irgendwie dachte ich dann jedenfalls: Ist ja garnicht so unähnlich. Die Regierung holt Leute aus der Provinz in die Hauptstadt und verwöhnt sie da ein bisschen. Nungut: Ich würde mich jetzt nicht unbedingt als Innovator bezeichnen (obwohl ich den Titel Innovator schon ziemlich cool finde), so viele Orden wie der durchschnittliche Teilnehmer aus der nordkoreanische Reisegruppe habe ich auch nicht zu bieten und auch einen so herzlichen Empfang wie er den Nordkoreanern in Pjöngjang zuteilwurde, kann ich mir nicht erhoffen. Aber wenn man ein bisschen abstrahiert, dann finden sich im Endeffekt schon ein paar Überschneidungen.

Die Gemeinsamkeiten

In beiden Fällen gehören der Reisegruppe irgendwie privilegierte Menschen an. In Nordkorea ist es selbstredend und in Deutschland hat man es sich recht schnell erschlossen. Es wird wohl selten der Fall sein, dass da jemand mitfährt, der nicht irgendwie Zugang zu seinem Abgeordneten oder einer „wichtigen“ Gruppe hat. Also wohl hauptsächlich Leute, die irgendwie aktiv am politischen Prozess partizipieren. Träger des Systems auf einer untergeordneten Ebene. In Nordkorea das Gleiche. Diese Leute werden dann in beiden Ländern die Hauptstadt gebracht und vom System gut behandelt. Man bekommt etwas geschenkt, nur weil man Teil eines Systems ist. Das ist sowas wie eine kleine Machtdemonstration. Wenn ich als kleines Licht, dessen Leistungen bisher begrenzt waren (nungut, die Leistungen der nordkoreanischen Innovatoren dürften ein bisschen größer gewesen sein, als die der durchschnittlichen deutsche Gruppe), schon jetzt einfach so ein Geschenk gemacht bekomme, was muss denn dann noch auf mich warten, wenn ich mal bedeutender werde? Gleichzeitig demonstriert die Einladung Anerkennung: Du bist wichtig für das System und das würdigen wir.

Deshalb kann man sagen, dass beide Systeme, so grundverschieden sie auch sein mögen, hier irgendwie das selbe tun. Sie binde die potentiellen Eliten an sich und fördern damit ihre Reproduktionsfähigkeit. Sie stärken die Zufriedenheit der Eliten und garantieren so, dass das System auch weiterhin über ausreichend Träger verfügt. Sie binden die Provinz an sich und stützen damit den regionalen Zusammenhalt des Landes. Irgendwie legen sie auch Rechenschaft über ihre Arbeit ab, indem sie den Besuchern demonstrieren, was sie in der Hauptstadt geleistet und aufgebaut haben und wie ihre politische Arbeit funktioniert. Durch den Besuch von Orten politisch/ideologischer Bedeutung werden die Besucher auch an die Ideenwelt des Systems gebunden und es wird damit eine mentale Verbindung geschaffen.

Gleiche Zielsetzungen

Wie ich am Anfang bereits sagte, das sind jetzt keine bahnbrechenden Erkenntnisse oder so, aber ich fand die Idee doch irgendwie interessant, wie ähnlich manche Dinge in beiden Staaten funktionieren. Ich meine: Naklar. Es ist kein Geheimnis, dass auch in ihren Grundlagen sehr unterschiedliche politische Systeme mit gleichen Herausforderungen und Aufgaben umgehen müssen, um ihr Fortbestehen zu sichern und das ist oberstes Ziel jeden politischen Systems (auch wenn man bei Demokratien nicht so gerne darüber nachdenkt. Aber es ist ja kein Geheimnis, dass unsere Verfassung es verbietet, ein undemokratisches System einführen zu wollen (und das finde ich auch gut so), aus diesem Gesichtspunkt also nicht besonders demokratisch ist (oder glaubt ihr, dass ihr jemals in einer demokratischen Abstimmung für die Abschaffung der Demokratie stimmen könnt?)). Aber in den wenigsten Fällen sehen sich die Lösungswege so ähnlich, wie in dem von mir beschriebenen.

Wenn‘s knallt, dann knallt‘s. Aber vielleicht knallt’s ja garnicht…

Naja, lange Rede kurzer Sinn: Sollte Nordkorea in den nächsten Tagen einen Test durchführen, dann müsst ihr euch erstmal anderweitig informieren. Aber vielleicht kommt ja auch garkein Test. Tad Farrell von NK News hat dazu eine interessante Analyse geschrieben, in der er die aktuelle Situation und die medialen Veröffentlichungen Pjöngjangs mit denen vor den Tests 2006 und 2009 vergleicht (wobei er leider ein paar wichtige Statements außen vor lässt) und zu dem Schluss kommt, dass die ganze aktuelle Hysterie auch eine strategische Finte Pjöngjangs sein könnte. Mich überzeugt er allerdings damit nicht wirklich. Ich warte erstmal weiter auf den Test. Bis dahin, oder vielleicht nicht, wünsche ich euch ein paar nette Tage…

8 Antworten

  1. Kim ist kein Selbstmörder. Nordkorea: Die Volksrepublik will nicht die USA bedrohen, sondern sich Zeit kaufen. Ihr Atomprogramm soll eine Gewähr dafür sein, bei diesem Deal ein Gegenangebot machen zu können —
    http://www.freitag.de/autoren/lutz-herden/kim-ist-kein-selbstmoerder

  2. Schweizerisches Korea-Komitee: Zeter und Mordio „purer Unsinn und zynische Heuchelei“

    DVRK führte 3. erfolgreichen Atomtest durch!
    Die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK) hat am heutigen 12. Februar Juche 102 (2013) ihren dritten erfolgreichen unterirdischen Atomtest durchgeführt! Die heute getestete Atombombe hatte eine größere Sprengkraft und ein geringeres Gewicht. Der Atomtest ist die Antwort der DVRK auf die extreme Feindseligkeit und Aggressivität der USA, die der DVRK frech und arrogant „verbieten“ wollen, Satelliten zu friedlichen Zwecken zu starten. Der Atomtest ist ein Teil der Gegenmaßnahmen der DVRK zum Schutz der Sicherheit und Souveränität und ein weiterer entscheidender Schritt zur Stärkung der nuklearen Abschreckungsmacht.
    Das bereits einsetzende Zeter-und-Mordio-Geschrei der Imperialisten und Reaktionäre über die „Gefährlichkeit des Atomtests“ ist purer Unsinn und zynische Heuchelei und kann der DVRK nichts anhaben. Die DVRK lässt sich auch diesmal von den Drohgebärden der USA-Imperialisten und deren Komplizen nicht im geringsten beeindrucken oder einschüchtern. Auch der diesmalige Atomtest der DVRK dient einzig und allein der Verteidigung und bedroht niemanden. Er schützt den Frieden und die Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel und in der Asien-Pazifik-Region.

    Zweierlei Maß der Atomweltmächte
    Die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK) hat am heutigen 12. Februar erfolgreich ihren dritten unterirdischen Atomtest durchgeführt. Er dient einzig und allein der Verteidigung und bedroht niemanden.
    Die DVRK ist derjenige Atomwaffenstaat, der die wenigsten Tests durchgeführt hat – nur 3. Das von den USA-Imperialisten orchestrierte scheinheilige Zeter-und-Mordio-Geschrei über den Atomtest der DVRK ist ohrenbetäubend. Ausgerechnet die USA, welche die meisten Atomtests (1054) durchgeführt, als einzige Atommacht zwei Atombomben abgeworfen haben (Hiroshima und Nagasaki, 1945) und anderen Ländern mit einem atomaren Erstschlag drohen, reißen den Mund am weitesten auf. Was für ein Zynismus und eine Heuchelei! Die USA-Imperialisten und ihre Komplizen und gewisse andere Atomgroßmächte sind der Dieb, der „Haltet den Dieb!“ schreit.
    Eine aktuelle Statistik (Stand 12. Februar 2013) soll zeigen, wieviele Atomtests die verschiedenen Atomwaffenstaaten bisher unternommen haben: USA: 1054; Sowjetunion/Russland: 715; Frankreich: 210; Großbritannien: 45; China: 45; Indien: 6; Pakistan: 6; DVRK: 3.
    Die einzigen Atomwaffentests, die – ungerechterweise – verurteilt werden, sind jene der DVRK. Es ist auch ein offenes Geheimnis, dass die USA dem mit ihnen verbündeten Israel bei der Entwicklung von Atomwaffen helfen und israelische Pläne eines atomaren Erstschlags gegen den Iran billigen und unterstützen. Und Israel verletzt dauernd UNO-Resolutionen zur Palästina-Frage – gedeckt von den USA. Diese ungerechte Weltordnung des „Rechts der Starken“ muss aufhören und durch eine gerechte neue Weltordnung souveräner und gleichberechtigter Staaten ersetzt werden. Die DVRK lässt sich weder von den USA noch von anderen Atomweltmächten irgendetwas verbieten! Die nukleare Abschreckungsmacht der DVRK ist legitim und verteidigt den Frieden.

  3. 1.) es wird keinen test geben🙂
    2.) gute reise!
    3.) die abgeordneteneinladung als „anerkennung“ – naja. bisschen dick aufgetragen. ich seh das mehr als feigenblatt und marketingwerkzeug.

    • 1.) Wir werden sehen…
      2.) Danke (wobei „reise“ ein bisschenhoch gegriffen ist)
      3.) Nicht die „Einladung“ an sich. Aber kleine Lichter wie ich sind es nicht gewöhnt, dass jemand dafür aufkommt, dass ich ihn besuche. Tut das der Staat, dann gibt das solchen Leuten das Gefühl, dass sie dem Staat bzw. seine Institutionen wichtig sind. Dass sie „anerkannt“ werden.
      Marketingwerkzeug? Ja klar! Das habe ich ja nicht bestritten. Aber wenn Marketing gut ist, dann erreicht es sein Ziel und dann bewirkt das eben das oben genannte Gefühl.
      Inwiefern das jetzt bei mir wirkt, nachdem ich ausgiebig darüber nachgedacht habe, ist natürlich die Frage. Aber, ich finde man sollte kein Angebot des Staates abtun, ohne es vorher in Anspruch genommen zu haben.
      Wer sagt: „Die da oben machen nicht was ich will“ und ihnen genau das nie per Mail oder wie auch immer mitgeteilt hat, der sollte mal darüber nachdenken, dass er vielleicht unmögliches fordert. Gedankenlesen ist auch bei Politikern eine seltene Fähigkeit…

    • ad 1.)
      … so leicht kann sich bei Korea irren …

      • Da Punkt 1 nun eingetreten ist, glaube ich, dass es wirklich so ist, dass die NK Führung selbst vor China viel Angst hat und diesem nicht mehr traut und nur auf die eigene (atomare) Kraft baut.
        Denn Angst vor den USA brauchen die Halsabschneider in NK wohl eher nicht zu haben, so lange China ihre Schutzmacht ist.
        Also kann es doch nur das Misstrauen gegenüber China sein, was sie zu dem atomaren Abenteuer verleitet.
        Das Schlimme ist nur, dass wieder die Mehrheit der Bevölkerung die Suppe auslöffeln wird, die ihr die Mächtigen des Landes einbrocken.

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