Von Worten und Taten: Nordkoreas Drohungen und ihre Wirkung in der deutschen Öffentlichkeit

Vor ein paar Tagen habe ich mich im Zusammenhang mit der Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen und der nordkoreanischen Reaktion darauf auf den relativ spärlichen Zusammenhang hingewiesen, der im Fall der nordkoreanischen Führung zwischen Worten und möglichen daraus folgenden Taten besteht. Allerdings habe ich dabei nicht wirklich etwas dazu gesagt, welchen Zweck die Worte denn letztendlich haben. Aber im Zusammenhang mit der vorherigen Sicherheitsratsresolution habe ich mich mit den damaligen Drohungen etwas eingehender beschäftigt und sie unter anderem als Strategie benannt, um eine möglichst umfassende Wirkung in den westlichen Medien zu erzielen und damit die öffentliche und politische Meinung in diesen Staaten in einer gewissen Weise beeinflusst werden soll. Im aktuellen Fall geht es wohl darum, dass uns und unseren Regierenden klargemacht werden soll, dass die Situation auf Messers Schneide steht, unberechenbar und gefährlich ist.

Worten und Tate und ihre Substanz

Gleichzeitig bleibt festzuhalten, dass das was aus Nordkorea in den letzten Tagen geäußert wurde, eben „nur“ Worte waren, und dass auch Aussagen wie „der Nichtangriffspakt mit Südkorea ist hinfällig“ nur Worte sind. Pjöngjang äußerte in der Vergangenheit auch öfter mal, dass man sich nie wieder mit den Sechs-Parteien an einen Tisch setzen würde. Diese Worte galten dann immer so lange, bis das eben nicht mehr opportun war. Ich vermute mal, dass macht für Pjöngjang den gewissen Reiz an Worten als Mittel zur Aufmerksamkeitsgenerierung dar. Man kann sie wieder zurücknehmen bzw. umdeuten. Anders ist das bei Taten. Ein versenktes Schiff bleibt erstmal versenkt (bis die Reste geborgen sind), einen Artilleriebeschuss kann man nicht mehr rückgängig machen, genausowenig wie eine nukleare Explosion (man bekommt aber auch das Plutonium nicht zurück, das man dafür aufwenden muss (und das dem Regime Nordkorea nur in begrenzter Menge zur Verfügung steht)) oder einen Raketenstart (und auch hier bekommt man das Geld nicht zurück, das man dafür einsetzen musste). Vor allem kann man aber auch die intendierten und nicht intendierten Folgen von Taten nicht mehr rückgängig machen. Weder Resolutionen, noch einen massiven Vergeltungsschlag aus dem Süden (den es bisher noch nie gab) oder einen Verlust der Unterstützung Chinas. Solche Reaktionen erfolgen selten auf Worte, häufig aber auf Taten.

Worte und Taten und ihre Öffentlichkeitswirksamkeit. Eine (kleine) Fallstudie

Und das schönste an Worten gegenüber Taten ist, dass sie zumindest in der Öffentlichkeit der westlichen Welt mindestens so viel Effekt entfalten, wie die Taten, die man begehen kann, ohne Risiko zu laufen, in direkter Folge mit ernsthaften militärischen Maßnahmen zu rechnen zu haben. Natürlich ist es nicht gerade einfach, den Effekt zu messen, den Worte bzw. Taten in der westlichen Öffentlichkeit entfalten, aber ein paar Hinweise gibt es dann doch.

Expertenauftritte als Gradmesser

Ein — wenn auch nicht belastbarer — kleiner Gradmesser der Reaktion „der Öffentlichkeit“ sind die Auftritte von Experten in den Medien. Die Experten werden dabei natürlich angefragt, also misst man eigentlich eher, wie wichtig unsere Medien die Worte bzw. Taten aus Nordkorea nehmen. Aber da die Öffentlichkeit natürlich auch irgendwie vom Ausmaß und Inhalt der Medienberichterstattung beeinflusst wird, kann man davon ausgehen, dass man ein bisschen was daraus ableiten lässt. Alles in allem lässt sich sagen, dass nach den jüngsten Drohungen aus Pjöngjang mehr Medienberichterstattung mit Expertenkommentaren stattgefunden hat , als zum Atomtest im Februar (ich habe im Fall der Drohungen nur eine Auswahl verlinkt, im Fall des Atomtests alles, was ich gefunden habe.).

Blogaufrufe

Eine etwas belastbarere — wenn auch noch immer nicht wirklich extrem tragfähige —  Aussage zur Einschätzung der Öffentlichkeit, lässt sich aus meinen Blogstatistiken ableiten. Ich kann sehen, wie viele Leute pro Tag auf dem Blog landen. Und da ist das Ergebnis durchaus erstaunlich. Nach den aktuellen Drohungen sind ungefähr um 120 % mehr Aufrufe zu vermelden gewesen, als nach dem Atomtest Nordkoreas. Es gibt natürlich noch ein paar mögliche andere Aspekte die da mit reingespielt haben könnten, aber das deckt sich eigentlich ganz gut mit meiner Wahrnehmung der Medienreaktionen der jüngsten Drohungen. Ich hab mir überlegt, wo ich noch an weitere statistische Daten rankommen kann, aber wirklich viel ist mir leider nicht mehr eingefallen. Wenn ich mich ein bisschen besser mit Twitter auskennen würde, gäbe es vielleicht noch was in den Twitter Trends, aber kann ich eben nicht. Aber warte, da gibt es noch was.

Wikipedia

Wikipedia hat öffentliche Abrufstatistiken. Mal sehen: Oh, das ist überraschend:

Statistik

Und weil ich es gerade so interessant finde, auch noch die englischsprachige Seite „North Korea“:

Statistik Eng

In beiden Statistiken ist die Tendenz die gleiche. Die meiste Aufmerksam bekamen ganz klar die Drohungen aus Nordkorea. an zweiter Stelle kommt dann der Nukleartest. In Deutschland ist dabei der Unterschied wesentlich klarer. Die Drohungen haben gegenüber dem Nukleartest mehr als die doppelte Aufmerksamkeit bekommen. Im Fall Deutschland noch ganz interessant: Der seltsame Medienhype um eine Nicht-Geschichte, den die FAZ Anfang des Jahres lostrat bekam fast soviel Aufmerksamkeit wie der Nukleartest und mehr als der Raketenstart vom Dezember. Dass schon im Januar eine neue Resolution des UN-Sicherheitsrates erlassen wurde (und erstaunlicherweise auch die folgenden Drohungen), scheint in Deutschland kaum jemand registriert zu haben, in den USA schon. Spannend, oder.

Diagnose unserer Zeit

Naja, was ich ja eigentlich nur sagen wollte. In unserer Welt scheint das, was man sagt, mindestens genauso wichtig genommen zu werden, wie das was man tut. Ich weiß nicht, ob ich das jetzt gut oder schlecht finde, aber irgendwie scheint mir das eine Diagnose unserer Zeit zu sein.

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