Chicken Game oder Krieg der Worte – Die angespannte Situation auf der Koreanischen Halbinsel und Nordkoreas Motive

Wenn man in den letzten Wochen in Richtung Korea geschaut hat, dann konnte und kann es einem durchaus Angst und Bange werden. Da verging kein Tag an dem nicht aus Nordkorea die wildesten Drohungen ausgestoßen, ein paar offensichtlich handgebastelte Trickfilmchen ins Netz gestellt oder auch mal Telefonverbindungen gekappt werden. Gleichzeitig demonstrierte die Gegenseite — nach dem Abdanken Lee Myung-baks wieder eindeutig unter Führung der USA, während Lees Nachfolgerin Park bisher einen angenehm ruhigen und pragmatischen Ansatz wählte (sowohl und besonders im Vergleich mit Lee, aber auch mit den USA) — verbal und auch mal durch Manöver und Flugübungen, was sie alles mit den Nordkoreanern anstellen könnte, wenn sie denn wollte.

Chicken Game oder…

Irgendwie kam mir dabei die Assoziation zu einer Filmszene, die mir nachhaltig in Erinnerung geblieben ist, ich weiß nicht ob aufgrund des Settings oder wegen dem unglaublich coolen Helden:

So kann man das schon sehen, wenn man mag. Allerdings setzen die Helden in unserem realen Stück ja nicht unbedingt auf dem Fahrersitz von irgendwelchen gefährlichen Boliden, sondern stehen sich eher in sicherem Abstand gegenüber und rufen sich Schmähungen zu. Denn jetzt mal ganz objektiv betrachtet. Was ist denn schon passiert, seit wir uns angefangen haben solche massive Sorgen zu machen?
Auf der Maßnahmenseite sehe ich da das Kappen von zwei Telefonleitungen als dramatischsten Schritt Nordkoreas und außerdem noch ein Militärmanöver, das wohl ohnehin stattgefunden hätte und vielleicht noch ein Hackerangriff auf einige Ziele in Südkorea, der aber bisher nicht sicher nordkoreanischen Quellen zugeordnet werden kann.
Auf der anderen Seite schlägt ein Militärmanöver das ohnehin stattgefunden hätte zu Buche, sowie die Demonstration der wohl nie angezweifelten militärischen Überlegenheit der USA mit Hilfe von zwei B2-Bombern. Und, wie gesagt, jede Menge gegenseitiger Drohungen und Versicherungen, dass man sich aber auch wirklich garnichts an militärischen Provokationen gefallen lassen wird.

…Krieg der Worte?

Also ganz ehrlich, ob dieser Tatsachen in Panik zu verfallen ist nicht wirklich angebracht. Nordkorea hat dem Süden, Japan und den USA schon häufig hart gedroht und gemeinsam ist diesen Drohungen, dass wenn die verbale Latte besonders hoch gelegt wurde, nichts passiert ist. Wirkliche Maßnahmen Pjöngjangs kamen eher aus heiterem Himmel. Was da momentan auf der Koreanischen Halbinsel stattfindet erinnert mich daher eher weniger an das gute alte Chicken Game und eher an einen Wettbewerb einiger Maulhelden, was wiederum eine Assoziation in mir weckte:

Risiko der ungewollten Eskalation

Aber kann man sich dann jetzt wirklich entspannt zurücklehnen und warten, bis Pjöngjang Ruhe gibt, die USA ihren Ärger begraben und sich alle, wie es Tradition ist, zusammensetzen und eine neue Runde erfolgloser Verhandlungen beginnen? Leider nicht. Ich muss sagen, ich bin mir nicht so ganz sicher, ob die Seiten jetzt im Fahrersitz ihrer Karren sitzen, oder ob sie sich tatsächlich nur Wortgefechte liefern.
Ich meine, es ist klar, dass man in Pjöngjang keinen echten Krieg anfangen will, weil man weiß, dass man das nicht überleben (was nicht nur bildlich gemeint ist) würde. Außerdem müsste man Nordkoreas Führung jegliche Rationalität absprechen, wenn sie einen Krieg gegen den Süden vorbereiten würde, indem sie alles dafür täte, dass man sich dort für eine Eskalation bereit machte. Und es ist auch klar, dass die USA und Südkorea erst recht keinen Krieg wollen, aber wissen, dass sie auf eine Herausforderung dieses Mal handfest reagieren müssen und dass das im Zweifel bedeutet, dass man in den Krieg ziehen muss und zwar sehr schnell, wenn es hart auf hart kommt (dann würde nämlich jede Minute zählen um die nordkoreanische Artillerie auszuschalten die Seoul bedroht und das ist ein ganzer Batzen Arbeit).
Aber wie die Vergangenheit gezeigt hat, werden Kriege nicht nur geführt, wenn eine Seite das will, sondern auch dann, wenn eine schwierige Situation und ein paar dumme Zufälle zusammenkommen. Das Problem ist hier, dass die Führung in Pjöngjang momentan hart daran arbeitet, die Situation so schwierig wie nur möglich zu gestalten, was die Zahl der dummen Zufälle, die nötig sind einen Krieg auszulösen substantiell reduzieren dürfte. Das abgeschaltete Telefon ist hierfür ein perfektes Beispiel: Bis heute konnten die Südkoreaner im Zweifel, wenn ihnen was komisch vorkam anrufen und fragen, ob der Norden gerade dabei sei einen Angriff zu starten. Das geht jetzt nicht mehr, also könnte man im Süden aus irgendwelchen militärischen Bewegungen des Nordens einen falschen Schluss ziehen und ruckzuck steckte man in einer dummen Eskalationsspirale. Könnte also sein, dass eine der Parteien schon am Lenker des auf die Klippe zurasenden Autos sitzt, ohne es gemerkt zu haben. Und sowas führt dann ähnlich schnell zu einem Ergebnis wie bei James Deans Antagonisten.

Keiner will Krieg. Deshalb sind alle vorsichtig.

Dagegen, dass wir schon in so einer Situation stecken, spricht allerdings die Überlegung, dass eben keine Seite einen Krieg will. Also wird man alles was man tut maximal vorsichtig bei gleichzeitig möglichst perfekter Öffentlichkeitswirksamkeit machen. Daher mache ich mir nach wie vor keine extrem großen Sorgen, kann das Risiko einer Eskalation aufgrund von dummen Zufällen jedoch nicht ausschließen. Möglicherweise auch, weil die politische und militärische Führung Nordkoreas aufgrund der Nachfolge Kim Jong Uns wohl noch nicht im Normalmodus läuft. Es dürfte eine gewisse Grundunruhe herrschen, nicht zuletzt hervorgerufen durch Kims Personalrochaden, die dafür sorgen könnte, dass manche Befehlsketten nicht so gut funktionieren oder das manche Einheiten ein Eigenleben zu führen beginnen. Jedoch sind um den jungen Kim herum erfahrene Personen am Werk und die dürften Maßnahmen ergriffen haben, die einer unkontrollierbaren Situation vorbeugen.

Die Frage nach dem „warum“

Aber mit alldem habe ich noch nicht wirklich die Frage beantwortet, die sich zwingend aus meinen vorherigen Erläuterungen ergibt. Denn wenn das Regime als rationaler Akteur handelt, dann muss es mit dem permanenten Gefährlichermachen der Situation ja ein Ziel verfolgen. Und dieses Motiv zu verstehen wäre natürlich sehr hilfreich, wollte man nächste Schritte Pjöngjangs vorausahnen. Ganz grob gesagt sehe ich zwei Erklärungslinien, die sich dann weiter auffasern und die sich nicht unbedingt gegenseitig ausschließen. Die eine Linie ist innen- die andere außenpolitisch motiviert.

Außenpolitische Erklärung

Von westlichen Beobachtern wird ja häufiger mal ein gewisses Standardskript postuliert, nach dem Nordkorea mit seinen Adressaten, also in erster Linie den USA, umgeht. Danach ist Pjöngjang aus irgendeinem Grund unzufrieden mit dem aktuellen Stand der Beziehungen, möchte ins Gespräch kommen und führt daher erstmal eine Situation herbei, in der die USA sich gezwungen sehen, um eine Eskalation zu verhindern, Nordkorea entgegenzukommen. Nach dieser Erklärung sind die Drohungen also ein klares Signal, dass Nordkorea eigentlich eine Verbesserung der Beziehungen zu den USA wünscht.
Weiterhin wird öfter mal angenommen, dass man in Pjöngjang mit solchen Eskalationen der Beziehungen Einfluss auf die Politik der Adressatenstaaten, besonders Südkorea und die USA, nehmen will. Dazu werden besonders Phasen gewählt, in denen die Politik der anderen Staaten noch nicht festgeschrieben ist, also wenn zum Beispiel neue Regierungen ins Amt kommen. Das ist zum Teil in den USA und komplett in Südkorea momentan der Fall. Danach würde sich das Vorgehen Pjöngjangs so erklären, dass man die neue südkoreanische und evtl. auch US-Regierung von der Gefährlichkeit der Situation überzeugen und eine möglichst sanfte Linie erzwingen will. Dabei ist anzumerken, dass auch China gerade eine neue Führung bekommen hat. Und auch China wird manchmal als Teil der Erklärung des Vorgehens Nordkoreas herangezogen. Dann wird beispielsweise gemutmaßt, Nordkorea wolle seine Unabhängigkeit von Peking unter Beweis stellen und einen gewissen Abstand beider Staaten erzwingen. Außerdem lässt sich natürlich damit auch die vorgenannte These verknüpfen, nämlich dass Chinas Politik gegenüber Nordkorea beeinflusst werden soll.

Meiner Meinung nach sind diese Thesen alle auf ihre Art plausibel, haben aber auch ihre Schwächen. Einerseits möchte ich auf der Schwächenseite eine gewisse Wahrnehmungs- oder analytische Schieflage unserer westlichen Expertencommunity vorbringen. Als Experte spricht man natürlich lieber über Dinge die man kennt oder weiß. Da man aber so gut wie nichts über innere Vorgänge in Pjöngjang weiß, erklärt man Vorkommnisse lieber außenpolitisch, weil man da wenigstens eine Seite kennt und auch die Interaktionen in gewisser Weise aufeinander beziehen und in Verbindung setzen kann. Aber nur weil sich das besser machen lässt, muss es noch lange nicht richtig sein. Eine andere entscheidende Schwäche sehe ich darin, dass außenpolitische Erklärungen mitunter einfach nicht schlüssig sind und man ständig zu neuen irgendwie schief klingenden Hilfskonstrukten greifen muss, damit am Ende die Analyse noch irgendwie halbwegs stimmt. Vor allem wird aber Nordkorea ständig „vorgeworfen“ mit immer der gleichen Methode — nämlich Eskalation — immer das Gleiche — nämlich Annäherung — erreichen zu wollen. Stattdessen sollte man einfach mal das Postulat hinterfragen, dass Annäherung das Ziel Pjöngjangs ist, oder dass das Handeln Nordkoreas wirklich hauptsächlich außenpolitisch motiviert ist.

Meine These dazu ist nämlich eine ganz Andere: Außenpolitische Folgen des aktuellen Vorgehens mögen erwünscht sein oder nicht, das ist vollkommen egal, weil etwas anderes Priorität hat. Es geht nämlich bei alldem was momentan passiert um Innenpolitik.

Innenpolitische Erklärungen

Wie ich darauf komme? Erstmal möchte ich einen kleinen Blick in die Geschichte werfen. Denn Kim Jong Un ist ja nicht der erste Kim in Nordkorea, der auf seinen Vater folgt und seine Nachfolge sichern muss. Vor ihm hat das seit 1994 auch sein eigener Vater Kim Jong Il getan. Der hat aber anders als Kim Jong Un nicht so sehr die Öffentlichkeit gesucht, sondern blieb fast für drei Jahre von der Bildfläche verschwunden. Darüber hinaus blieb sein Land in dieser Zeit weitgehend abgeschottet. Außenpolitische Initiativen gab  es bis 1998 nicht und das obwohl so vermutlich Nahrungsmittelhilfen gewonnen hätten werden können, die die im Land wütende Hungersnot lindern geholfen hätten, die bei konservativsten Schätzungen 220.000 Menschen das Leben kostete. Ich sehe das so, dass Kim Jong Il seine eigene erfolgreiche Nachfolge eindeutig über die Außenbeziehungen seines Landes und damit auch über das Wohlergehen seiner Bevölkerung stellte. Warum sollte das bei seinem Sohn anders sein? Aber welche innenpolitischen Erwägungen könnten zu einem solch aggressiven Verhalten führen, wie es momentan zu beobachten ist? Mir fallen einige ein.
Eine von Experten ebenfalls recht gern genommene These ist die, dass durch eine konstruierte oder tatsächliche äußere Bedrohung die Bevölkerung noch stärker auf Linie gebracht werden soll. Denn wenn vor der Tür der mordlüsterne Ami steht, dann verlange ich in erster Linie von meinem Führer, dass er mich beschützt, nicht dass er andere Versprechen einhält.
Damit verbinden kann man auch die Überlegung, dass so der wirtschaftliche Misserfolg überspielt bzw. erklärt werden soll. Eigentlich war den Leuten versprochen worden, ab 2012 ginge es bergauf und tatsächlich haben einige der Leute wohl was davon gespürt. Aber ach wie ärgerlich, da kamen die USA und die UN dazwischen, haben sich aggressiv benommen und neue Sanktionen ausgerufen, damit die nordkoreanische Wirtschaft abgewürgt und das Regime gezwungen, zu hohen Kosten die eigene Verteidigungsfähigkeit zu erhöhen. Da muss die Sache mit der Wirtschaft und der Verbesserung des Lebensstandards wohl noch ein paar Jährchen warten. Dafür kann die Führung aber nichts. Aber nicht nur die Bevölkerung, auch die Eliten könnten Ziel des Vorgehens sein. Was macht man mit Kindern, die stressig sind? Man gibt ihnen eine Beschäftigung. Und was macht man mit Eliten, die überlegen könnten einen abzusägen? Man gibt ihnen eine Beschäftigung. Die tendenziell gefährlichste Gruppe ist das Militär. Aber wenn das die ganze Zeit damit beschäftigt ist, aufzupassen, dass kein Krieg ausbricht, dann hat man das schonmal gut beschäftigt. Außerdem dürften Zeiten erhöhten Kriegsrisikos mit erhöhter Wachsamkeit einhergehen, wodurch Putschpläne vielleicht besser erkannt werden können und auch außergewöhnliche Maßnahmen können besser legitimiert werden.
All diese Erklärungen haben eine Gemeinsamkeit. Sie gehen von einem relativ einheitlich handelnden Regime aus, dessen unumstrittene Führungsspitze alle wichtigen Maßnahmen befiehlt bzw. billigt. Aber es wäre ja auch vorstellbar, dass innerhalb des Regimes unterschiedliche Machtzentren mit unterschiedlichen Zielen am Werk sind. Dadurch würde sich das Teils widersinnig erscheinende Vorgehen Nordkoreas erklären. Jeder kann bis zu einem gewissen Grad tun, was ihm als sinnvoll erscheint und was dabei am Ende rauskommt, unterliegt nicht unbedingt einem großen Plan, sondern ist Ergebnis von Planlosigkeit.

Diese innenpolitischen Erklärungen haben für mich einen gewissen Charme, der sich vor allem daraus schöpft, dass ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass der Jungspund Kim Jong Un nach noch nichtmal zwei Jahren Herrschaft die gesamte Führung, die im Schnitt vermutlich mehr als doppelt so alt ist wie er, hinter sich gebracht hat. Da es aber in der Natur des Menschen liegt, überleben zu wollen, wird sich der junge Kim denken, dass es am wichtigsten ist, erstmal zuhause für Stabilität zu sorgen. Dafür sind ihm alle Maßnahmen recht und wenn dabei die Beziehungen zu allen anderen Staaten der Welt zu Bruch gehen, dann ist das eben so, aber was hat er von Friede-Freude-Eierkuchen mit Südkorea, den USA, China und wem noch alles, wenn zuhause hinter jeder Ecke gestalten mit gewetzten Messern warten.

Füße Still halten

Aber was da wirklich hintersteckt, das werden wir wohl so schnell nicht erfahren, ich hoffe allerdings, dass der Spuk relativ zügig vorbeigeht und dass bis dahin nicht zuviele dumme Zufälle zusammenkommen. Sollte Pjöngjang sich in den nächsten Monaten vielleicht auch Jahren weiterhin positiven Initiativen gegenüber anderen Staaten verschließen, dann würde ich das als ganz eindeutiges Signal dafür nehmen, dass es momentan um Innenpolitik geht und die Konfrontation mit den anderen Staaten nur Mittel  zum (oder zu irgendeinem) Zweck ist. Meine Empfehlung an euch: Abwarten und die Füße stillhalten und geplante Reisen nach Südkorea/Nordkorea oder in die Region nicht absagen.

7 Antworten

  1. […] das Nordkorea-Info-Blog schon früher bereits nachvollziehbar angemerkt hat, könnte das Säbelrasseln durchaus auch innenpolitische Gründe haben. Mit einer akuten Kriegsbedrohung lenkt die nordkoreanische Führung auf der einen Seite von […]

  2. Wieso will keine Seite einen Krieg?
    Nordkorea ist ein Militärstaat und hat eine hochgerüstete Armee, die im von der Welt abgeschotteten Land über dem zivilen Sektor steht. So eine Riesenarmee entwickelt leicht mal eine Eigendynamik. Und wer sagt dir, dass die sich mit Armeen anderer Staaten rational messen kann? Wenn sie sich nur mit dem zivilen Sektor im eigenen Land misst (den sie tätlich als Messlatte vor der Nase hat), dann fühlt sie sich sehr, sehr stark.
    Ich bin da nicht die Expertin, aber ich mache mir Sorgen.
    Was hat das Militär in Nordkorea denn zu verlieren?

    • Danke für Deinen Kommentar Lisa,
      Sorgen machen ist ja auch nicht schlecht, denn die Gefahr, dass die Situation eine Eigendynamik entwickelt, weil auf einer Seite jemand einen fatalen Fehler macht, ist gegeben.
      Allerdings gehe ich nach wie vor davon aus, dass auch das nordkoreanische Militär kein Interesse an einer Eskalation hat. Warum?
      Die Sache ist die: Unter den gegebenen Umständen mit den entsprechenden Drohungen und Ankündigungen von beiden Seiten, ist ein „Krieg“ in Form von Scharmützeln, die einige Wochen andauern und dann wieder zuende sind, nicht vorstellbar. Bei einem Konflikt auf dem Festland der Halbinsel liegt Seoul in der Reichweite nordkoreanischer Artillerie und bei einem solchen Konflikt, ist es naheliegend, dass diese Artillerie feuert. Wenn das geschieht, muss die so schnell wie möglich ausgeschaltet werden, um das Leben von Millionen Südkoreanern zu schützen. Wenn die ausgeschaltet ist, gibt es keinen Grund, nicht insgesamt mit dem Regime in Pjöngjang Schluss zu machen. Die USA sind Nordkorea militärisch so haushoch überlegen, wie zuvor Afghanistan und dem Irak. Das heißt, dass zumindest die Führung in Pjöngjang und alle die damit zu tun haben binnen einiger Wochen weg sind vom Fenster (was danach kommt steht auf einem anderen Blatt). Da aber alle, die im Militär Entscheidungen treffen zum Regime gehören und dann auch weg vom Fenster wären, haben sie kein Interesse daran, einen Konflikt loszutreten, denn momentan geht es den Entscheidern nicht so schlecht.
      Auf Deine einfache Frage: „Was hat das Militär in Nordkorea denn zu verlieren?“ meine Einfache Antwort: „Die die im Militär das Sagen haben, haben alles zu verlieren und wollen deshalb keinen Krieg.“

      • Danke für die Antwort. Die Frage ist doch aber: Sind Nordkoreas Militärs und Führungsetagen so rational, das alles zu wissen oder zu ahnen? Oder sind sie Opfer der eigenen Propaganda?
        Die Sache mit Afghansitan kann man auch anders interpretieren: Die USA sind seit mindestens-wenn-nicht-länger im Land und beißen sich dort die Zähne aus.
        Lisa

        • Das mit dem rational und nicht rational sein ist allerdings ein Problem. Aber die Führung hat in den letzten 20 Jahren höchst rational gehandelt und ich frage mich, ob das nur wegen des jungen Kim jetzt anders sein soll. Und was Afghanistan angeht. Ich habe ja etra bemerkt, dass es erstmal nur um die Entfernung des Regimes geht. Das geht schnell. Was danach kommt weiß nur Gott…

      • „Die USA sind Nordkorea militärisch so haushoch überlegen, wie zuvor Afghanistan und dem Irak. Das heißt, dass zumindest die Führung in Pjöngjang und alle die damit zu tun haben binnen einiger Wochen weg sind vom Fenster“

        Ich bin kein Mann des Militärs, doch kann man das wirklich so stehen lassen? Im Irak hatte man es mit einem Regime zutun welches bereits große Teile des Landes garnicht mehr kontrollieren konnte.Die Armee war zum größten Teil entwaffnet und in Auflösung begriffen.
        Die Loyalität zu der Führung war bereits sehr begrenzt, wie mehrere Anschläge zuletzt Ende 2002 mit einem Kampfjet auf Saddam Husseins Palast oder die Massendesertationen irakischer Soldaten, auch der Eliteeinheiten 2003 zeigten.Ich erinnere mich an die Aussage eines irakischen Arbeitskollegen: „Wir haben uns ins Taxi gesetzt und sind einfach nachhause gefahren“.
        In Afghanistan hatte man noch nicht einmal soviel militärisches Potenzial gegen sich wie im Irak.
        Wenn dieser Vergleich als den Tatsachen entsprechen würde, so würde das auch bedeuten das man Pjöngjang jegliche Verteidigungsfähigkeit und militärische Schlagkraft absprechen könnte.
        Doch Nordkorea ist nicht der Kongo oder Somalia, das sieht man auch schon ganz einfach an der militärischen „Hardware“ welche regelmäßig bei den Paraden über den Kim Il Sung Platz gekarrt wird.
        Zum anderen funktionieren die Kommandostrukturen des Regimes im ganzen Land, und es ist schwer diese zu stören oder gar zu unterwandern.
        Ich denke also der Norden wäre selbst wenn er im Kriegsfall auf sich allein gestellt wäre, ein „harter Brocken“ für die USA.

        • Ich muss zugeben, ich bin auch ein ziemlich jämmericher Militarist. Allerdings habe ich gerade eben im Radio Herfried Münkler (ein kluger Kopf, der ziemlich vieles weiß) sagen hören, dass sich die nordkoreanische Armee wohl im Zweifel trotz der unglaublichen Masse an Menschen, schlechter schlagen würde als die des Irak.
          Mir fällt da zum Beispiel ein, dass das Gerät so alt ist, dass der Begriff „veraltet“ vermutlich ein Kompliment wäre. Außerdem leidet das Land unter chronischem Treibstoffmangel.
          Naja und wenn man sich an die Bilder von hungerleidenden Mannschaften erinnert oder an die Berichte von nach China flüchtenden Soldaten, dann kann es um die Moral auch nicht so richtig gut stehen.
          Aber im Endeffekt weiß man das, wie so vieles, nicht wirklich…

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