Warum auf der Koreanischen Halbinsel nichts passieren wird und sich Nordkorea trotzdem als Sieger feiern wird

Heute wirklich nur ganz kurz, weil ich nicht viel Zeit habe. Eine entscheidende Frage, die ich mir in den letzten Tagen gestellt habe war, wie die Führung in Pjöngjang nach der zugegeben extremen verbalen Aufrüstung der letzten Tage und Wochen aus der Geschichte rauskommen will, ohne irgendetwas zu tun, denn nach wie vor gehe ich davon aus, dass man keinen Krieg will und bei der derzeit extrem gespannten Lage also militärische  Maßnahmen weitgehen vermeiden wird. Das war für mich eine relativ kritische Frage, denn wenn die Führung in Pjöngjang die Erwartungshaltung in den eigenen Reihen immer weiter steigert, dass etwas passieren wird, dann kann man irgendwann nicht mehr sagen: „Ist uns doch zu heiß, lassen wir mal“ ohne damit Legitimität und Glaubwürdigkeit bei den eigenen Leuten zu verlieren.

Als ich heute die Nachrichten im Deutschlandfunk gehört habe,  ist mir dann aber klar geworden, wo der Ausweg steckt. Da ging es um die neueste Drohung aus Pjöngjang, nach der militärische Optionen „ohne jede Rücksicht“, aber einschließlich nuklearer Option bewilligt worden seien. Das klingt erstmal fatal, aber die entsprechende Nachricht bei KCNA enthält den Hinweis auf counteractions, also auf ein reaktives Vorgehen.
Und da liegen meines Erachtens die Crux und der Ausweg. In der eigenen propagandistisch befeuerten Wahrnehmung ist Nordkorea ja nicht der Aggressor, sondern der bedrohte Staat, der seine nukleare Option nur benötigt, um sie zur Abschreckung einzusetzen. Wenn man diesen Gedanken dann weiterführt, dann würde es ja wenig sinnvoll sein, wenn das nordkoreanische Militär als erstes losschlagen würde. Da uns aber bekannt ist, dass die USA auch nicht unbedingt auf eine militärische Konfrontation aus sind, werden sie wohl eher nicht angreifen und Nordkorea wird wohl eher nicht reagieren (müssen).

Trotzdem können sich die nordkoreanischen Führer in der Folge dann feiern lassen. Sie werden die Geschehnisse so deuten, dass sie einen großen militärischen Konflikt mit den USA nur abwenden konnten, weil sie für ihr Land unter großen Mühen die Kapazitäten für nukleare Abschreckung erworben haben. Naja und das Schöne an einer erfolgreich eingesetzten Abschreckungskapazität ist eben, dass ihr Funktionieren dadurch belegt werden kann, dass nichts passiert (man kann der Erfolg also nicht wirklich nachweisen). Der Ausweg ist also ein recht einfacher und für die aktuell herrschenden Spannungen auch relativ erfreulicher.
Wir werden dann irgendwann in den kommenden Tagen oder Wochen lesen, dass die mächtige koreanische Volksarmee den Feind mit ihren Abschreckungskapazitäten von seinem festen Willen abbringen konnte, die gesamte Koreanische Halbinsel mit militärischen Mitteln zu erobern. Zwar musste die Armee dabei allergrößte Zurückhaltung üben, jedoch waren ihr als verantwortlicher Akteur Frieden und Stabilität mehr wert, als eine gnadenlose Bestrafung der Aggressoren und ihrer Marionetten…

13 Antworten

  1. Nordkoreaner wissen schon, dass Südkorea und die USA schleißlich die schlechte Karte ziehen müssen, obwohl sie schon wissen, dass die Karte schlecht ist. Südkoreaner besitzen viel zu viel zu verlieren. Die politische Eliten in Südkorea tun so, als ob sie Nordkorea schnell besiegen könnten und das Regime in Nordkorea einfach wechseln könnten, aber sie wissen ganz genau, dass es nicht möglich ist.
    Die Gegenpropaganda von Südkorea ist ehr für Selbstrechtsfertigung und politische Verstärkung des vor kürzen knapp im Wahl gewonnenen Park-Regime.
    Kim Jong-Eun ist ziemlich jung und hat wenige Unterstützer in der Partei und im Militär. Deswegen muss er auch wie sein Vater 1993/1994 zeigen, dass er gegen die größte Macht in der Welt kämpfen kann, die USA die „Kapitulationspapier“(So nennen Nordkoreaner Genfer Rahmensabkommen) auf dem Tisch zeigen werden.
    Für alle drei Parteien eigentlich keine schlechte Verhandlung. Die USA können mehr teurere Waffen in Südkorea verkaufen, das Park-Regime lenkt stark die Bevölkerung von dem Korruptionsskandale und Ministerskandale ab, das Kim-Regime bekommt wirtschaftliche Gewinn bzw. gewinnt innenpolitische Konsolidierung des Regimes.
    Ein Krieg wäre sehr unwahrscheinlich, solange die USA zuerst Nordkorea angreift. Aber so dumm ist der Präsident Obama nicht. Die einzige Sorge ist, dass die Präsidentin Park eigentlich so dumm ist, dass sie zurzeitige Lage in Korea nicht richtig wahrnimmt.

    PS. Ich fliege nächste Woche nach Korea(natürlich Süd). Ich bin schon gespannt.

    • Hey, interessanter Ansatz.Sind sie Koreaner?

      • Ich bin Koreaner, habe über das Thema meine Masterarbeit geschrieben. Also Nordkorea verübt keine expansionistische Ambition, obwohl die Staatsdoktrin von dem Vorgänger Kim Jung-Il „Militär-Zuerst Idee(Seongun Idee)“ heißt.

        Laut Rodong Shinmun 4.4. 2013 wolle Nordkorea kein Krieg führen, habe jedoch keine Angst vor Krieg, wenn die USA die Souveränität von Nordkorea verletzten würde. Also laut die Zeitung schon stark verletzt, da die UNO neue Sanktionsmaßnahme entschlossen habe, die USA und Südkorea zwei große militärische Manöver, „Key Resolve“, „Foal Eagle“ geführt haben, obwohl Nordkorea offiziell gefordert hat, die Manöver zu stoppen. Die Manöver basieren nicht auf Verteidigungsstrategie, sondern auf Angriffsstrategie. Diesmal waren die Manöver besonders groß, da die USA B-2, B-52 und F-22 geholt haben. Nordkoreaner haben besonders große Angst vor Bomber, da in Koreakrieg durch mässigen Bombenangriff fast alle Städten völlig zerstört worden sind. Solche panische Reaktion war keine Seltenheit, jedes Jahr hatte Nordkorea die Manöver vorgeworfen, diesmal war es zeitlich nicht so gut, da die UNO vor kürzen die Sanktionsmaßnahmen gegen Nordkorea noch mal verschärft hat.

        Eigentlich hat die Präsidentin Park wenig Ahnung mit der Sicherheitspolitik, ihre Feindbilder gegen Nordkorea bleiben so ungefähr im 70er Jahren, als sein Vater, der Diktator Park, noch in Macht war. Sie war zwar mal in Nordkorea, sogar hat Kim Jung-Il besucht, was sie in Nordkorea wirklich gemacht hat und worüber sie mit Kim gesprochen hat, ist es immer noch unklar, genauso wie der Besuch von Lee Hu-Rak 1972 in Pjöngjang.

        Von der Krise hat sie aber nichts zu verlieren. Die zurzeitige Skandale werden abgelenkt, die nordkoreafeindliche Anhänger gehen zum Wahl, die Wechselkurse steigen weiter, damit die Ware aus Südkorea in Weltmarkt konkurrenzfähiger werden, ihr unbeliebtes Regime kann danke der Krise weiter regieren.

        • Quote: “ Eigentlich hat die Präsidentin Park wenig Ahnung mit der Sicherheitspolitik …“
          Na, Gott sei Dank hat der junge Führer Kim so viel mehr Ahnung von der Sicherheitspolitik als die südkoreanische Präsidentin?! Der wird daher die Halbinsel vor Schlimmeren bewahren, … oder doch nicht?

          • Zum Glück handeln, so meine ganz starke Vermutung, weder im Süden noch im Norden ganz ohne fachliche und politische Beratung. Sonst würde das alles vielleicht wirklich etwas unangenehmer aussehen.

        • Danke für den ausführlichen Kommentar und den interessanten Standpunkt. Ich sehe allerdings einige Dinge anders:
          Die nächsten Wahlen in Südkorea (auch fürs Parlament) sind doch noch ein bisschen hin und selbst hat Frau Park gerade erst angefangen (Wird sich deshlab erfahrungsgemäß auch nicht von den Skandalen ihrer Leute aus der Ruhe bringen lassen). Da stört der Stress mit Nordkorea doch eher bei möglichen Initiativen zum Anfang der Amtszeit. Und du hast doch selbst geschrieben, dass sie Kim Jong Il besucht hat. Sie dann noch auf eine Stufe mit ihrem Vater zu stellen finde ich ein bisschen unfair.
          Auch was das momentane Agieren als reine Reaktion auf die Manöver der USA und Südkoreas angeht sehe ich das etwas anders. Die Manöver werden jedes Jahr abgehalten und Pjöngjang reagiert je nach den politischen Zielen die es verfolgt schwächer, stark oder extrem. Es ist also eine geplante Empörung. Die ganzen Flugzeuge und anderen Waffensysteme wurden erst eingeflogen, als Nordkorea mit seinen wilden Drohgebärden loslegte.
          Was deinen ersten Punkt angeht, bin ich aber ganz auf deiner Seite.

    • Ich muss ehrlichh zugeben, dass ich von Frau Park gar keinen so schlechten Eindruck habe. Im Vergleich zu ihrem Vorgänger gewinnt sie bei mir jedenfalls um Meilen. Außerdem habe ich bei ihr mehr das Gefühl, dass sie pragmatisch ist und nicht so wie Lee rein ideologisch auf Autopilot.

  2. Das stimmt, es können auch so große innenpolitische Probleme sein, dass man versucht, mit der Außenpolitik davon abzulenken. Vielleicht irgendein Aufruhr gegen den Boss oder die Wirtschaft erlahmt (auch durch den relativ neuen Zaun zu China) so stark, dass es sogar die Führungsriege zu spüren bekommt.

  3. Kann mir ebenfalls gut vorstellen, dass die momentane aggressive Kriegsrethorik hauptsächlich innenpolitsch motiviert ist. Wer oder was damit auf Linie gebracht werden soll, lässt sich natürlich nicht sagen, hier fehlen eindeutig Informationen. Daher bleibt vieles, wenn nicht gar alles, reine Spekulation.

    Andererseits…wenn Kim Jong-un so fest im Sattel sitzt, wie es schon sein Vater und Urgroßvater taten, wieso dann dieses ganze Tamtam? Er müsste doch auf niemanden Rücksicht nehmen, weder auf das Militär und schon mal gar nicht auf die Zivilbevölkerung (60 Jahre Diktatur zeigen das ja eindrucksvoll).

    Wer weiß, vielleicht spiel Kim Jong-un nur ein Computerspiel (bzw. glaubt es zu tun) mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass diesmal echte Waffen, echte Menschen und echte Gegner im Spiel sind.

    tollstoii

    • Ein realitätsferner Kim Jong Un wäre wohl eine der unerfreulicheren Optionen. Allerdings kann ich nach wie vor nicht glauben, dass der junge Mann nach so kurzer Zeit absolute Macht hat und bei Entfernungen von der Realität nicht eingefangen würde…

  4. Hallo,

    ich bezweifle, dass man der nordkoreanischen Führung logisches Denken unterstellen kann. Es ist sogar denkbar, dass die Führung ernsthaft glaubt, einen siegreichen Krieg gegen Südkorea/USA führen zu können.

    Man muss auch so weit gehen, zu fragen, ob ein vierwöchiger Krieg mit 10.000 Toten wirklich schlimmer wäre das als 100.000 Verhungerte in den nächsten 20 (plus x) Jahren.

    Die USA sollten China anbieten, sich innerhalb von drei Jahren komplett aus Korea zurückzuziehen, wenn sich China an einem Krieg gegen Nordkorea in irgendeiner Form beteiligt.

    Grüße
    Andreas

    • Nunja, durch den Krieg im Iraq hat es jedenfalls ein vielfaches mehr an zivilen Opfern gegeben, als Diktator Saddam in seiner dreißigjährigen Herrschaft je umgebracht hat. Und ob bei einer Entspannung der Lage und Normalisierung der Wirtschaftsbeziehungen in Nordkorea in den nächsten 10 Jahren 100.000 verhungern werden, darf genauso bezweifelt werden, dass es im Kriegsfall bei nur 10.000 Toten bleibt.

    • Außerdem sollte das letzte Jahrzehnt uns genug Mahnung gewesen sein, was einfache Pläne von vierwöchigen Kriegen etc angeht. Außerdem sind die 10.000 Toten wohl unrealistisch mit Seoul in der Reichweite nordkoreanischer Artellerie.
      Auch grundsätzlich habe ich Probleme damit, Menschenleben gegeneinader aufzurechnen. Man erinnere sich an das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, dass ein Gesetz kippte, das den Abschuss von Verkhrsflugzeugen zur Verhinderung noch größerer Schäden infolge eines zu erwartenden Terroranschlages erlaubt hätte http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rs20060215_1bvr035705.html Grundsätzlch ist das sehr ähnlich und was für uns gilt, sollten wir auch dort gelten lassen.
      Das mit dem „rational“ ist immer eine schwierige Sache, denn wir kennen den jungen Kim nicht. Aber wir kennen den Rest der Führung insofern, dass sie seit fast 25 Jahren gegen ungefähr jede Wette nicht zugrundegegangen ist. Ich kann nicht glauben, dass das reines Glück war…

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