Normale Beziehungen: Nordkoreanische Experten bilden vietnamesische Polizei aus

So langsam bin ich der ganzen Krisenberichterstattung von der Koreanischen Halbinsel überdrüssig und ich habe den starken Verdacht, dass ich da bei Weitem nicht der einzige bin. Irgendwie scheint es auch der Führung in Pjöngjang zu reichen und so kann man ganz guter Hoffnung sein, dass der ganze Spuk nach Kim Il Sungs Geburtstag morgen erstmal weitgehend zuende ist, zumindest was akute Maßnahmen und Drohungen angeht. Daher habe ich mir heute gedacht, schreibe ich doch mal was über ganz anderes. Das ist aber momentan garnicht so einfach, denn entweder passiert in und um Nordkorea nichts mehr, was nicht irgendwie mit Krise und so zu tun hat oder es wird nicht darüber berichtet.

Egal, denn zum Glück hatte ich in meiner Vormerkliste noch diesen schönen kleinen Artikel liegen, der vielleicht nicht ganz so große weltpolitische Tragweite hat, wie die Krise, der aber trotzdem alles andere als uninteressant ist. In diesem kleinen Infoartikel der vietnamesischen „People Police Academy“, einer Ausbildungsstätte der vietnamesischen Polizei, geht es nämlich um die Kooperation der Behörde mit der nordkoreanischen Polizei. Diese findet im Rahmen eines Kooperationsabkommens zwischen dem nordkoreanischen Ministerium für Volkssicherheit und dem vietnamesischen Ministerium für öffentliche Sicherheit statt.
Gerne hätte ich ein paar Links zu Artikeln gesetzt, die auf den Regen Austausch dieser beiden Ministerien hinweisen, aber weil ein paar Schlaumeier die in Japan gehostete Seit von KCNA außer Gefecht gesetzt haben, ist das zurzeit wenig sinnig. Daher hier der Link zur entsprechenden Google-Suche. Wenn die Seite wieder fuktioniert, kann man das selbst nachlesen.

Der Inhalt dieses Teils der Kooperation betraf die Ausbildung vietnamesischer Polizisten, zum Teil aus Sonderheiten, durch nordkoreanische Experten. Die Ausbildung der etwa 100 Polizisten bezog sich auf „militärische Kenntnisse“ und „Martial arts“. Worum genau es sich bei den militärischen Kenntnissen handelt, wird aus dem Artikel leider nicht deutlich, jedoch geben einige sehr interessant Fotos Auskunft über den „Martial arts“-Teil der Geschichte.
Bei diesem Bild bin ich mir allerdings nicht ganz sicher, wer jetzt genau die Ausbildung empfangen hat (ich glaube nordkoreanische Polizisten sind sowohl im „Mit-dem-Hammer-aufn-Kopf-schlagen“ als auch im „Hammerschläge-mit-dem-Schädel-abfangen“ hervorragend). Gut finde ich bei der Geschichte jedenfalls, dass die Polizisten so auch eine Perspektive für die Zeit nach ihrer Polizeikarriere bekommen. Mittelmäßige Zirkusse auf der ganzen Welt dürften diese Nagelbrettgeschichten durchaus interessant finden.

Aber Spaß beiseite, denn aus der ganzen Geschichte lassen sich durchaus ein paar kleinere Erkenntnisse gewinnen: So zeigt sich, dass die nordkoreanische Polizei scheinbar einige Kenntnisse hat, die man in Vietnam interessant findet. Diese scheinen vor allem auf die Aufstandsbekämpfung und eher im „paramilitärischen“ Bereich zu finden zu sein.
Gerade in der Region Südostasien ist Nordkorea bei weitem nicht so isoliert, wie es das öfter mal scheint. Neben den guten Beziehungen auf Regierungsebene werden auch auf der Arbeitsebene konkrete Kontakte aufrecht erhalten, die dem Land helfen, Isolation vorzubeugen. In der Region scheinen nordkoreanische Ministerien eigene Beiträge zur Außenpolitik des Landes zu leisten und diese Beziehungen damit auf breitere Füße zu stellen.
Insgesamt lässt sich damit konstatieren, dass die bilateralen Beziehungen Vietnams und Nordkoreas weniger als ungewöhnliche Beziehungen eines „normalen-“ mit einem „Schurkenstaat“ gesehen werden, sondern als ganz gewöhnliche Beziehungen, in denen solche Kooperationen eben normal sind (und in denen Nordkorea möglicherweise Know How bietet, dass westliche Partner nicht vermitteln können, oder vielmehr wollen).

Wie gesagt: Insgesamt keine großartig neuen Erkenntnisse, aber nochmal ein anderer Bick auf Nordkorea. Und wo ich das jetzt gerade schreibe, fällt mir ein, dass ich unbedingt mal meine Nordkorea und Südostasien Serie weiterführen muss. Wenn nichts dazwischen kommt in der nächsten Woche, hoffe ich.
Achso, wenn ihr im Gegensatz zu mir noch nicht genug Krise hattet, dann empfehle ich euch dieses Op-Ed in der New York Times, der macht nämlich einen glänzenden Vorschlag, wie man da dochnoch einen Krieg draus machen könnte.  Ich könnte da jetzt sehr viel zu schreiben, aber wenn ich anfangen würde, alles extrem Dumme, das in den letzten Wochen so gedruckt wurde zu kommentieren, würde ich ja nie fertig…

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