Rot-Braun ist die taube Nuss: Die besten Nordkoreanazis und andere seltsame Erscheinungen

In der Vergangenheit habe ich mich ja immer mal wieder mit den Nordkorea-„Fanclubs“ in Deutschland beschäftigt und bin da eigentlich fast immer bei der KPD-Ost gelandet, die die Verehrung der nordkoreanischen Führung ja weiterhin mit viel Verve betreibt und erst gerade unter Regie von Torsten Schöwitz den Tag der Sonne mit allerlei Aktionen (von denen ich aber nur bei KCNA lesen konnte) begangen hat.
Bei der Seite Nordkorea-Info kam es in der Vergangenheit immer bei KCNA ja schonmal zu Verwirrungen, als die Seite als die Seite der Korean Friendship Association (KFA) bezeichnet wurde. Das hat sich mittlerweile geklärt: Früher war das wohl so, jedenfalls gab es damals eine Kategorie „KFA Germany“ auf der Seite, von der aus man jede Menge weiterführende Infos zur KFA finden konnte… (nachzugucken hier).

Eine interessante Fangruppe

Allerdings war mir eine Fangruppe bisher so vollkommen durch die Lappen gegangen. Vielleicht weil ich nicht genau genug geguckt habe, vielleicht aber auch, weil die Geschichte so schön abwegig ist, dass ich garnicht daran gedacht habe. Darauf aufmerksam wurde ich erst, als ich diesen schöne Artikel in der taz (in der Zeitung steht doch nicht immer nur das Selbe, das man eh schon kennt…) über die unterschiedlichen Anhänger Nordkoreas in Deutschland las. Als ich dann auch noch der Tatsache gewahr wurde, dass das Ganze scheinbar auch über die deutschen Sprachgrenzen hinweg bekannt ist, weil Brian Myers in seiner sehr schönen Analyse/Rundumschlag beiläufig erwähnte, dass „It is frank enough in the espousal of race thinking to have won the admiration of German neo-Nazis“ war mein Interesse so weit geweckt, dass ich mehr über diese Rot-Braune Freundschaft lernen wollte.

Die alte Geschichte mit der NPD und Nordkorea

Ein Großteil der Geschichte sind zwar alte Kamellen (sehr schön recherchiert und aufgeschrieben in diesem Blog), aber nicht alles, was die ganze Sache ein bisschen interessanter macht. Offenbar gab es Ende der 1990er Jahre einen heißen, jedoch kurzen Flirt zwischen dem offiziellen Nordkorea und einigen ostdeutschen Landesverbänden der NPD, namentlich denen aus Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Die NPD in Mecklenburg-Vorpommern hat diese Verehrung sogar förmlich zerrissen, als 1999 ein beachtlicher Teil der Mitglieder die Partei verließen um eine an China und Nordkorea orientierte „Sozialistische Volkspartei“ zu gründen, die jedoch schnell wieder von der Bildfläche verschwand. Die Verbindung der NPD-Sachsen zu Nordkorea (hier ins Bild gesetzt bei einem Besuch von NPD-Funktionären bei der nordkoreanischen Botschaft in Berlin 1998) lässt sich vor allem an einem Namen festmachen: Michael Koth (wenn man mag, kann man auch noch den Begriff Nationalbolschewismus dazunehmen, aber ich finde das ist zuviel Hirnschmalz für ein paar Nazis). Allerdings fand auch die Annäherung der Sachsen-NPD ein schnelles Ende, als die Bundespartei den Verband zur Ordnung rief. Seit dieser Zeit ist die Nordkoreaverehrung zwar weitgehend aus den Reihen der NPD verbannt, in der rechten Ecke geisterte sie aber weiter.

Nordkorea hat für alle Radikalen was: Ideal zum Quefronten

Eigentlich geisterte, soweit sich das retrospektiv sagen lässt wohl vor allem Michael Koth weiter. Die schillernde Figur versuchte nach dem Ende seiner kurzen NPD-Karriere eine „Querfront“ zwischen rechten und linken Extremisten aufzubauen und sah Nordkorea dabei scheinbar als guten Identifikationspunkt, der sowohl Nationalismus, als auch Antiimperialismus verkörpert und damit für beide Seiten Potential hatte. Auch das völkische und die Bedeutung der Rasse mögen eine Rolle spielen, sind aber eher dem nationalistischen untergeordnet.
Als Vehikel zum Aufbau dieser Querfront gründete er mit einigen Gleichgesinnten den „Kampfbund Deutscher Sozialisten“ (KDS), der aber über ein sektiererisches Nischendasein nie hinaus kam (ist halt schwierig, rechte und linke Extremisten unter einen Hut zu bringen) und sich Mitte 2008 aufgrund einer „dürftigen Bilanz“ als bundesweite Bewegung auflöste. Ein Überzeugter blieb allerdings übrig und hielt eine Zeitlang in Berlin die Fahne des KDS hoch: Michael Koth, der auch die Nordkorea Komponente im KDS am aktivsten vertreten hatte. Er hat seinen Kampf wohl nie ganz aufgegeben und wer sich etwas näher mit seiner Denkwelt auseinandersetze will, dem empfehle ich der kann sich — wenn er wirklich viel Lebenszeit zu verschenken hat — die Podcasts in seinem „Rot-Braunen-Kanal“ (kein Scherz, heißt echt so) angucken (aber nicht nachher alle Querfrontler werden, dann mag ich euch nämlich nicht mehr…).

Antiimperialismus verpflichtet

Aber das ist noch nicht das Ende der Geschichte, denn mittlerweile scheint Koth die Sache mit dem KDS ebenfalls ad acta gelegt zu haben und widmet sich nun einem neuen Projekt. Mit der Antiimperialistischen Plattform scheint er sich nun wieder öffentlichkeitswirksamer der Solidarität zu Nordkorea widmen zu wollen. Aber nicht ausschließlich. Daneben macht er sich auch noch für das Grüne Libyen, für Assads Syrien, Weißrussland und den Iran stark und trauert um Chavez. Was diese Staaten gemeinsam haben? Ihr könnt es ja mal zu ergründen versuchen. Aber wenigstens alle antiimperialistisch. Ist das jetzt rechts oder links?  Keine Ahnung, also ganz im Sinne der Querfront.
Für die Plattform hat Herr Koth im vergangenen Jahr bereits in der nordkoreanischen Botschaft Kim Il Sungs 100. mitgefeiert (Es gibt sogar Bilder. Meine Erkenntnisse daraus: Die nordkoreanische Botschaft scheint von innen so auszusehen, wie es der äußere Anschein erwarten lässt (Hauptsache die Kims hängen an der Wand) und der Nordkoreanazi von heute trägt Bauch). Und diverse Grußadressen an die nordkoreanische Botschaft geschickt, die auch immer mal brav beantwortet wurden. Sogar in die Berichterstattung von KCNA scheint er es jüngst mit der Antiimperialistischen Plattform geschafft zu haben, jedenfalls, wenn es neben der Plattform nicht auch noch ein Antiimperialistisches Forum mit Nordkoreafans gibt.
(Was ich mich gerade frage: Wieviele Grußadressen muss man wohl schreiben, um eine Nennung von KCNA zu bekommen? Wenn einer von euch Lust hat die Probe aufs Exempel zu machen, bitte melden…).

Die Saat geht auf

Aber zurück zum Thema: Zwar ist Herr Koth sicherlich der schillerndste Rechtsradikale mit einer positiven Haltung zu Nordkorea, aber nicht der Einzige. Auch im Kreis der freien Kameradschaften (oder was auch immer, bin kein Naziexperte) scheint man dem Land seine falsche Gesinnung nachzusehen, solange (ACHTUNG! Wer keine Lust auf solchen Mist hat, kann mir auch einfach glauben, dass hinter den Links entsprechende Homepages mit entsprechenden Inhalten stecken und muss es sich nicht anschauen) es nur gegen die imperialistischen Kriegstreiber aus den USA geht. Dementsprechend fordert man dort, Finger weg von den letzten Freien Völkern der Welt. Was mich ein bisschen überrascht: Anders als Myers behauptet, scheinen die meisten deutschen Neonazis die nordkoreanische Juche-Ideologie garnicht für sich entdeckt zu haben, obwohl die tatsächlich eine Fundgrube für echte Ideologen wäre. Die Sympathien folgen viel einfacheren Reflexen, was auch damit zusammenhängen könnte, dass der Nazi von heute nicht mehr unbedingt Ideologe ist, sondern eher ganz einfachen Reflexen folgt.
Eine Ausnahme stellt dashier dar. Hier gibt man sich ein bisschen intellektueller und bemerkt deswegen den Führer in Nordkorea und die kulturelle Unabhängigkeit und den Dienst am Kollektiv.
Aber keiner dieser Vertreter hat es bisher wohl fertig gebracht, auf Botschaftsempfängen der nordkoreanischen Botschaft aufzulaufen oder zu allen möglichen Anlässen Grußadressen zu verschicken. Michael Koth ist eben der beste Nordkoreanazi, den es in Deutschland zurzeit gibt.

Den Bogen schlagen: Links, Rechts, Quer? Kinder eines Geistes.

Was Tolles ist es, wenn man zum Abschluss eines Beitrages einen schönen Bogen zum Anfang des Artikels schlagen kann. Und man sollte es nicht glauben, aber hier bietet sich das geradezu an, denn meine Erläuterung der Vergangenheit des Obernordkoreanazis in Deutschland reicht ja nur bis zum Ende der 1990er Jahre zurück. Schaut man aber noch ein paar Jahre weiter in die Vergangenheit, dann kommt man aber da an, wo ich heute begonnen habe. Bei der KPD-Ost. Da war Herr Koth nämlich mal Vorsitzender, bevor er dann zu den Nazis wechselte um später die Querfront voranzutreiben (recht, links, scheißegal, Hauptsache radikal! (Ich sollte Querfront-Werbetexter werden…)). Ob er sich dann bei Besuchen der nordkoreanischen Botschaft mit seinen heutigen Nachfolgern austauscht und weiter an der Querfront bastelt ist leider nicht überliefert.
Ich spare mir jetzt jedenfalls den ganzen Kram vonwegen Linken, die irgendwann Nazis wurden und solchem Zeug, könnt ihr ja z.B. hier nachlesen und lasse stattdessen jemanden das Schlusswort sprechen, den ich ungefähr so sehr schätze, wie den durchschnittlichen oder auch den besten Nordkoreanazi…

Naja, nicht ganz das Schlusswort, denn es gibt ja noch einen größeren Bogen zu schlagen, zurück zur Überschrift (ich glaube das ist jetzt echt das Fieseste, das ich heute verlinkt habe).

Ich weiß nicht genau woher das jetzt kommt, aber gerade hab ich das Gefühl, als sei ich heute knietief durch irgendwelche Fäkalien (braun und eklig) gewatet. Erstmal duschen…

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10 Antworten

  1. Die rechtslastige „Antiimperialistische Plattform“ hat sich wieder mal selbst zur Deutschen Stimme der Kims erklärt und verkündet folgendes:
    http://aip-berlin.org/2013/10/31/korea-dvrk-zur-lage-der-nuklearen-bedrohung-durch-die-usa/#more-1470
    Die merkwürdige Truppe war auch wieder mal zu Besuch in der nordkoreanischen Botschaft. Der Bericht darüber liest sich so spannend wie Pressetexte untergegangener Staaten in Europa.
    http://aip-berlin.org/2013/10/20/korea-feierstunde-in-berlin-zum-68-jahrestag-der-pdak-durchgefuhrt/#more-1416
    Und man erfährt auch, dass Kim kürzlich Besuch aus Syrien hatte. Der kam mit „flammenden Kampfesgrüßen“. Na bitte.
    http://aip-berlin.org/2013/10/25/einladung-in-pjongjang/

  2. Es gab schon wieder einen Glückwunsch von der rechten Ecke:
    http://aip-berlin.org/2013/09/10/die-demokratische-volksrepublik-korea-von-heute/

  3. Ich hätte zuerst zu Ende recherchieren und dann posten sollen. Michael Koth scheint ja diesen Sommer ein Dauergast in der Berliner Glinkastraße zu sein.
    http://aip-berlin.org/2013/07/17/aip-besuchte-die-botschaft-der-dvrk/
    http://aip-berlin.org/2013/07/08/grusadresse-zum-todestag-von-kim-il-sung/
    Und auch in Österreich scheint es Rechtspopulisten mit Sympathien für Kims Reich zu geben:
    http://www.ftd.de/politik/international/:oesterreicher-auf-abwegen-nazi-traumland-nordkorea/50026535.html

  4. Michael Koth kann es nicht lassen und hat in der Botschaft in Berlin erneut ein Grußschreiben und ein Geschenk abgegeben. Die müssen ihn dort ja inzwischen recht gut kennen und scheinen mit seiner politischen Heimat offensichtlich kein Problem zu haben.
    http://aip-berlin.org/2013/07/28/korea-feiert-den-60-jahrestag-des-sieges-uber-den-us-imperialismus/#comments

  5. Eine erneute Glorifizierung von Kims Politik durch braune Brüder:
    http://aip-berlin.org/2013/06/17/mitteilung-aus-der-botschaft-der-dvrk/#more-1028

  6. „Der Besuch von KDS und NPD in der KDVR [gemeint ist die Botschaft; C.R.] hing damit zusammen, dass ein ehemaliger stellvertretender Vorsitzender der KPD-Rote Fahne, die sehr eng mit der KDVR zusammenarbeiten, die Seiten gewechselt hat und dies in der KDVR noch nicht bekannt war“, hieß es dazu einmal in einem YouTube-Kommentar

    • Aber anscheinend ist es in (der Botschaft) der KDVR immer noch nicht bekannt, wie die im Artikel verlinkte KCNA-Meldung (vom 12.4.2013) zeigt, wo man sich über die AIP-Glückwünsche freut.

      • Guter Punkt Werner und vielen Dank für den Hinweis, C.R..
        Mittlerweile sollte es doch der Botschaft in Berlin mal aufgefallen sein, wen man da hofiert.
        Desweiteren habe ich gehört (ohne Quelle allerdings), dass der Botschaft sehrwohl zugetragen worden war, wen man sich da 1998 mit der NPD ins Haus holte.
        Ansonsten ist natürlich anzumerken, dass die Vertreter Nordkoreas natürlich nichts dafür können, wenn bestimmte Leute ihnen anhängen. Aber wenn sie darauf positiv reagieren, dann zeigt das einen interessanten Pragmatismus.

    • Der ehemalige KPD-Vorsitzende ist übrigens besagter Michael Koth.

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