Evil Empire 2.0

Vor einigen Tagen haben ein paar Jungs aus Badem-Württemberg mir eine Mail geschickt, in der sie mich auf ihr Filmprojekt aufmerksam machten, das ich auf Anhieb interessant fand.
Vor allem aber fand ich die Frage spannend, was ein Filmemacher sich genau überlegt, wenn er etwas mit einem Nordkorea-Hintergrund produzieren will. Eine andere Perspektive auf das gleiche Thema kann häufig sehr bereichernd sein und deshalb bat ich die Jungs, mal ihren Blick auf Nordkorea als Thema bzw. Background eines Films in ein paar Zeilen aufzuschreiben. Naja und deshalb bin ich heute in der äußerst angenehmen Situation, euch mal einen etwas anderen Blick auf Nordkorea und Kim Jong Un präsentieren und gleichzeitig ein spannendes Filmprojekt vorstellen zu können. Also Bühne/Blog Frei für Alex, Dimitri und Joe, denen ich herzlich für den Einblick in ihre eigene Sicht auf Nordkorea danken möchte.
(Achso und wenn ihr gerade ein paar Euronen (im wahrsten Sinne des Wortes) überhaben solltet, dann schaut euch doch mal die Fundraisingkampagne dazu (das Filmchen finde ich echt witzig) näher an und überlegt, ob das nicht genau das Richtige ist, euer überschüssiges Geld unters Volk zu bringen…):

MeerImFernsehenTitelbild

Ein guter Film kann nicht ohne einen guten Bösewicht existieren. Ein guter Film – ist ein Konflikt, Good Guy vs. Bad Guy(s). James Bond wäre ohne seine charismatischen Gegner nie so interessant geworden. Manchmal ist der Bad Guy eine ganze Nation und ich bin mir sicher – ohne den Kalten Krieg wäre James Bond niemals so gut bei den Zuschauern angekommen.

Der Zusammenbruch von Sowjetunion hat den Job von Drehbuchautoren komplizierter gemacht. Das Sowjetische Reich hat den zitternden Finger vom roten Knopf entfernt und die Spione sind  Rentner geworden.  Wenn man heute an einen Russen denkt, hat man höchstwahrscheinlich einen Oligarchen im Kopf der mit Fußballclubs jongliert und Gas an den Westen verkauft.

Nach der Liquidierung Bins Laden ist auch die terroristische Bedrohung aus den Nahen Osten uninteressant geworden. Deswegen dreht Hollywood zur Zeit vor allem Filme über Transformers, Aliens und Zombieinvasionen. Das ist ein sicheres Geschäft, doch früher oder später werden auch diese Filme, die man eigentlich nur noch als Recycling alter Ideen, bezeichen kann, an Anziehungskraft verlieren. Denn weder ein Alien, das die Erde versklaven möchte, noch der Zombie, der Menschenfleisch will, werden den Charme eines klassischen James Bond Gegners wie Goldfinger oder Octopussy haben.

Und wenn alle interessanten Bösewichte verschwunden sind, kommt die neue Hoffnung von der Koreanischen Halbinsel.  Sie heißt Kim Jong-un und ist zumindest fürs Kino eine Bereicherung. Der junge Diktator hat sofort deutlich gemacht, dass er nicht von Amerika geführt werden will. Heute schickt er seine Raketen in den Weltraum, morgen droht er mit einem Atomschlag. Er ist der perfekte Antagonist. Er hat alle  Attribute des klassischen Bad Guys – Roter Knopf, interessantes Aussehen,  eine große Portion Selbstüberschätzung und eine geschmacklose Frisur. Während die Bevölkerung seines Landes hungert, hat er Nordkorea zum neuen Trend verholfen.  Merkwürdig ist, dass Hollywood, das dafür bekannt ist jeden neuen Trend aufzugreifen, seine Chance noch immer nicht genutzt hat. Ausnahme bildet dabei nur der letzte Film mit Gerard Butler „Der Fall des Olymp“, in dem nordkoreanische Terroristen das Weiße Haus zerstören.  Wahrscheinlich ist der Grund für Hollywoods Scheue gegen Nordkorea, die simple Tatsache, dass niemand es wirklich fürchtet. Kim Jong-un ist zum Spott des ganzen Internets geworden. Amerika lacht bloß über seine Drohungen. Nordkorea ist einfach viel zu weit weg, um eine ernsthafte Bedrohung darzustellen. Über Langstreckenraketen, die nötig wären, um eine Atomrakete auf den westlichen Feind zu schicken, sind in dem kleinen Land nicht existent. Doch auch Hitler wurde lange Zeit verspottet, bis plötzlich halb Europa unter seiner Führung stand. Und wie wir wissen, Humor ist immer eine Form von Selbstschutz. Wir nutzen es um unsere Angst, egal wie groß oder klein sie sein mag, unter Kontrolle zu bringen. Und da wo Karikaturen von Kim Jong-un zu sehen sind gibt es immer auch eine Portion davon. Es klingt vielleicht unlogisch, aber Angst hält uns am Leben. Die Menschen langweilen sich ohne einen Feind.

Als wir, Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg, angefangen haben das Drehbuch zu unserem neuen Film zu schreiben, ging es nicht um Nordkorea.  Wir wollten einen Film über Angst machen. Am Anfang hatten wir uns einen Hauptprotagonist ausgedacht, der unter Paranoia leidet und zwar einen  amerikanischen Ex-Geheimagenten. Erst dann suchten wir einen passenden Bösewicht. Und da wir beide, der Regisseur Dimitri Tsvetkow und der Drehbuchautor Alex Tsukernyk beide aus der ehemaligen Sowjetunion kommen, waren uns Themen wie Kommunismus und Personenkult sehr nah. So kamen wir auf Nordkorea, das Land, welches diese zwei Begriffe so extrem verkörpert, wie man es nur aus bösen Erzählungen der Großeltern kennt. Die Idee zu das „Das Meer im Fernseher“ war geboren. Der Kurzspielfilm mit einer Länge von etwa 20 Minuten handelt von einem amerikanischen Geheimagenten, der den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-Il umgebracht hat und nun befürchtet, dass die zwei koreanischen Barbesitzerinnen Dollores und Doloress Rache an ihm ausüben wollen.

Jetzt sind wir natürlich angenehm überrascht, dass unser Thema so „trendy“ geworden ist. In knapp zwei Monaten drehen wir und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Falls euch das Thema Nordkorea im Kino genauso interessiert wie uns würden wir uns über Unterstützung auf  http://www.startnext.de/das-meer-im-fernseher freuen. Dann schaffen wir es bestimmt einen nicht nur anspruchsvollen, sondern auch unterhaltsamen Film für euch zu machen.

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