Wohl dem, der Bärengedärme und Diplomatenpässe hat: Nordkoreanische Diplomaten beim Schmuggeln erwischt.

Eben habe ich einen kleinen Artikel bei KBS gelesen, der berichtet, dass zwei nordkoreanische Diplomaten vom mongolischen Zoll bei dem Versuch erwischt wurden, unterschiedliche medizinische Produkte außer Landes zu schmuggeln (darunter mehr als 1.000 Packungen injizierbarer Medikamente und 12 Packungen verarbeiteter Bärenorgane (jeder wie es ihm gefällt…)).

Diplomaten und Beziehungen: Zwei spannende Themen

Nun ist das Ganze keine große Sensation, denn auch Diplomaten anderer Länder nehmen mal dies und das aus über Grenzen mit, das sie besser dalassen würden (nur die ganz schlauen beauftragen dafür Geheimdienste…) und irgendwie habe ich auch keine Lust auf permanentes Nordkorea-Bashing frei nach dem Motto: „Die Schmuggeln alles und jedes das ihnen in die Finger kommt. Ob Migs, Raketen oder Bärengedärme, Hauptsache geschmuggelt…“.
Jedoch fand ich die Geschichte aus zwei Gründen trotzdem interessant. Einerseits vertiefen sich die Beziehungen zwischen Nordkorea und der Mongolei in letzter Zeit sehr deutlich und ich finde dieses Thema ohnehin verfolgenswert, andererseits hat gerade vor ein paar Wochen ein UN-Bericht den Mitgliedsstaaten ans Herz gelegt, die Diplomaten Nordkoreas sehr genau im Auge zu halten, da sie oft als Brückenköpfe für illegale Aktivitäten dienten.

Wo ein Wille ist, da ist ein gemeinsamer Weg

Zuerst möchte ich aber kurz auf die bilateralen Beziehungen zwischen der Mongolei und Nordkorea eingehen. Die scheinen auf legaler wie auf illegaler, auf wirtschaftlicher wie auf politischer Ebene zu florieren und das sie so gut sind wie lange nicht, deutet nicht zuletzt der Besuch des mongolischen Präsidentenberaters Lundeg Purevsuren in Nordkorea an. Dieser wirklich lesenswerte Hintergrundartikel zu den wirtschaftlichen Beziehungen der Mongolei zu Nordkorea (es ist der fünfte, ihr müsst also ein bisschen runterscrollen) zeigt dabei einige der Initiativen auf, über die gesprochen wurde, bzw. die schon vorher bestanden.
Da passt es irgendwie nicht so recht ins Bild, wenn mongolische Zöllner nordkoreanische schmuggelnde Diplomaten ins Visier nehmen. Was der genaue Hintergrund ist, ist natürlich kaum festzustellen, aber möglich, dass die Zöllner die Diplomaten nur zufällig überprüften und es keine größeren politischen Hintergründe gab. Auch möglich, dass die Mongolei einen Tipp von außen bekam und vor dem Hintergrund ihrer pragmatischen Außenpolitik da nicht so einfach drüber weg gehen wollte. Oder aber die Diplomaten wollten am Schmiergeld sparen und sind damit auf die Nase gefallen. Who knows…
Jedenfalls ist nicht davon auszugehen, dass dieser Vorfall auf die größeren politischen Beziehungen Einfluss hat, denn nicht nur die Mongolen sind recht pragmatisch veranlagt, sondern auch die Nordkoreaner. Und die haben in der Mongolei einen zunehmend wichtiger werdenden Partner gefunden, der bei der Entwicklung der nordkoreanischen Wirtschaft eine große Rolle spielen könnte, der aufgrund des Kohlebooms momentan recht gut bestellt ist und der vor allem wesentlich weniger „erdrückend“ ist, als alle anderen Partner in der Gegend. Daher wird man es sich mit den Mongolen ungern verderben wollen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg und ich glaube die beiden wollen ein Stück weit zusammen gehen.

Sich selbst versorgen (vielleicht auch noch das Regime) und repräsentieren: Ein wahrhaft harter Job

Der andere interessante Part bei der Geschichte betrifft die beiden verwickelten nordkoreanischen Diplomaten. In dem Artikel steht, es sei nicht sicher, ob die beiden wirklich Diplomaten seien, aber naja, wenn man Diplomatenpapiere hat, dann ist man doch irgendwie auch Diplomat, unabhängig davon, ob man eigentlich hauptsächlich andere Geschäfte treibt.
Der Hinweis im oben angesprochenen UN-Bericht betrifft zwar sicherlich nicht den Schmuggel von Bärengedärmen, aber es geht schon irgendwie um kriminelle Aktivitäten. Nichtsdestotrotz möchte ich bezweifeln, dass die aktuelle Aktion das ist, was der UN-Bericht meint, denn da geht es ja eher um Informations- und Hardwarebeschaffung durch Diplomaten. Und Bäreneingeweide sind weder hart noch informativ.
Aber es gibt auch eine lange Geschichte anderer krimineller Aktionen nordkoreanischer Diplomaten. Da wurde mal Elfenbein, mal dies mal jenes mal Drogen mal Zigaretten geschmuggelt und im Endeffekt war das selten wirklich so viel, dass man hätte annehmen können, dass diejenigen da große Beträge für das Regime in Pjöngjang einnehmen (ein paar dieser Aktionen sind hier und hier gelistet.). Vielmehr wurde schon öfter mal berichtet, dass die nordkoreanischen Auslandsvertretungen ein Stück weit Selbstversorger sind. Sie müssen eigene Einnahmen garantieren und in Kombination mit diplomatischer Immunität kommt man da vermutlich schnell mal auf komische Gedanken. Vielleicht haben die beiden in diesem Fall auch komplett in die eigene Tasche wirtschaften wollen, who knows…

Das Sommerloch

Naja, ich werde jedenfalls weiterhin beides im Auge behalten: Die nordkoreanisch-mongolischen-Beziehungen und die nordkoreanischen Diplomaten. Beide Themen versprechen in Zukunft schöne Storys.
Und damit verabschiede ich mich auch schon wieder ins Sommerloch. Wundert euch nicht, wenn ich in den nächsten Wochen ein bisschen weniger Zeit zum Schreiben habe. Muss gucken, dass ein bisschen Geld reinkommt und weil ich keinen Diplomatenpass und keine Bäreninnereien besitze, tue ich das auf konventionellere Weise als die beiden Nordkoreaner, von denen hier die Rede war…

Meinungen, Anregungen, Kritik? Alles gern gesehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s