Schönen Gruß und auf Wiedersehn – Projekt Nordkorea-Info ist (vorerst) beendet


So: Nachdem ich mir das Elend mit mir mehrere Monate lang angeschaut habe und eben echt schlecht geschlafen habe, habe ich den Entschluss gefasst, konsequent zu sein und dieses Projekt vorerst, aber vermutlich für immer zu beenden. Ich werde in den Folgen ein bisschen was zu meinen Beweggründen sagen und versuchen einen Ausblick für Nordkorea zu geben, aber die wichtigste Info gab es schon oben und wer nicht mehr weiterlesen mag, dem sei das nachgesehen.

Wie alles begann

Ich habe vor fast sechs Jahren, am 29.08.2009 angefangen, das aufzubauen, was zwischenzeitlich das beste deutschsprachige Nordkorea-Blog wurde (was nicht so schwer ist, weil es auch das einzige deutschsprachige Nordkorea-Blog geblieben ist). Aber es war wohl auch eine der wenigen seriösen deutschsprachigen Informationsquellen zu Nordkorea (was etwas schwieriger ist, aber immernoch recht einfach, weil es nur ganz wenige Medien in Deutschland gibt, die sich die Mühe machen seriös zu Nordkorea zu informieren) und darauf bin ich stolz. Ich bin auch stolz darauf, dass dies mein 939er Artikel auf diesem Blog wird, dass 91 Leute jedesmal eine Nachricht bekommen, wenn ich einen neuen Beitrag veröffentliche bzw. veröffentlicht habe dass die Seite insgesamt fast 400.000 mal angeklickt wurde. Zu dem Blog gibt es eine Facebookseite mit fast 550 Fans und einen Twitter-Account, dem etwa 160 Leute folgen. Ich hatte ein gutes Netzwerk aus Interessierten und Leuten, die sich auf die eine oder andere Weise professionell mit dem Thema befassen, in Deutschland und international. Ich habe tatsächlich einige sehr nette Leute kennengelernt, mit denen ich regelmäßigen Kontakt habe. All das freut mich, macht mich stolz und ein bisschen wehmütig.

Aber warum will ich das alles aufgeben?
Kurz gesagt: Mein Leben hat sich geändert! Als ich das Blog angefangen habe, war ich gerade mit dem Studium fertig und froher Hoffnung, dass ich irgendwann demnächst einen Job haben und Geld verdienen würde. Die Zeit bis dahin wollte ich u.a. überbrücken, indem ich mir im Rahmen des Blogs Nützliches aneigne (das ist passiert: Ich habe sehr viel gelernt, das mir auch heute beruflich weiterhilft). Das alles hat so nicht geklappt. Tatsächlich habe ich eine gefühlte Ewigkeit keinen Job gefunden, so lange, dass ich es zwischenzeitlich aufgegeben und wieder zu studieren angefangen habe, eh ich letztes Jahr dann doch etwas gefunden habe, was meinen Vorstellungen von einem guten und sinnvollen Job sehr nahe kommt. In der Zwischenzeit war das Blog mir eine Art Stütze und Selbstvergewisserung. Wenn man dauern Absagen kriegt und man keine Idee hat, was man noch machen kann, um potentielle Arbeitgeber von sich zu überzeugen, tut es sehr gut, von irgendwoher das Feedback zu bekommen, dass man etwas kann und etwas gutmachen kann. Das Blog war in dieser Zeit sehr wichtig für mich und hat mir wirklich geholfen. Aber ich habe ihm auch sehr viel Zeit gewidmet. Wenn man sich dauernd nach Arbeit umguckt, hat man mehr Zeit als einem lieb ist und es ist mitunter gut, die irgendwie sinnvoll zu nutzen. Ich glaube das habe ich getan.

…und warum es jetzt endet

Was hat sich seitdem geändert?
Wie eben schon gesagt, habe ich einen Job bekommen. Der macht Spaß, nimmt aber normalerweise mindestens 30 Stunden meiner wöchentlichen Wachzeit in Anspruch (normalerweise, wenn ich nicht in Elternzeit bzw. Elternteilzeit bin).
Und damit kommt schon der zweite Punkt. Ich habe seit Ende Februar diesen Jahres eine Tochter. Das verändert mein Zeitbudget und verschiebt meine Präferenzen. Ich habe selten wirklich Zeit, mich ein paar Stunden hinzusetzen und am Blog zu schreiben, weil das Kind viel Aufmerksamkeit verdient.
Auch und vor allem verdient das Kind aber auch, dass ich ihm, wenn er heranwächst, eine guten Stadt und eine gute Welt hinterlasse. Ich bin dafür zwar nicht allein zuständig, ich kann aber dazu beitragen und deshalb bin ich schon seit einigen Jahren bei den GRÜNEN aktiv. Das ist sehr gut so, fordert aber ebenfalls einen ordentlichen Teil meiner Energie und Zeit.
Nebenbei habe ich noch viele Freunde und Familie, die weiter weg wohnen, um die ich mich aber kümmern will.

All das führt dazu, dass ich das Blog nicht mehr so betreiben kann, wie es das eigentlich mein Anspruch ist. Ich kann nicht mehr regelmäßig den Nachrichten aus und über Nordkorea folgen, was das Schreiben von Beiträgen immer mehr zur Kraftanstrengung macht. Früher hatte ich einfach auf dem Schirm, was die Analysen zu bestimmten Vorgängen waren und wo gute Artikel erschienen sind. Heute muss ich das erstmal nachlesen, raussuchen und mich auf den Stand bringen. Das geht auf Dauer nicht. Es geht aber auch nicht, der Nachrichtenlage regelmäßig zu folgen und deshalb kann ich hier leider nicht mehr weiterbloggen. Für die, die hier schon seit Jahren mitlesen tut mir das sehr leid, aber es hilft ja nichts. Naja, heute Nacht habe ich dann bei meiner schlechten Schlaferei beschlossen, dass ich dem jetzt einfach mal ein offizielles Ende setze, damit alle wissen, woran sie sind.
Ich will nicht kategorisch ausschließen, dass ich hier je nochmal was schreibe. Vielleicht gibt es irgendwann Ereignisse in Nordkorea, von denen ich denke, dass ich sie analytisch mindestens so gut verstehe, wie die Holzschnittanalysten der meisten Medien. Wenn es wichtig genug ist, ich Zeit habe und ich noch nah genug am Thema bin, könnte das passieren, aber naja, um mit mir selbst und Euch ehrlich zu sein: Die Chance steht vielleicht bei zwanzig Prozent.

Wie man dem Verstehen näher kommt

Aber mal ganz im Ernst: Ihr könnt das auch selbst. Ihr könnt auch selbst sehr vieles über Nordkorea verstehen, wenn Ihr nur ein paar einfache Punkte beachtet:

  • Für ein tieferes Verständnis ist es gut, selbst nicht allzusehr emotional verstrickt zu sein. Wer sich einen Gegenstand betrachtet und dabei in Wut, Trauer oder Verzückung (im Falle Nordkorea gibt es glaube ich (was mich durchaus erstaunt) alles davon) gerät, der sieht nicht klar und kann nicht rational analysieren.
  • Glaubt nichts, was…
    • …in Deutschland über Nordkorea gesagt wird
    • …in den USA über Nordkorea gesagt wird
    • …in China über Nordkorea gesagt wird
    • …in Südkorea über Nordkorea gesagt wird
    • …in Nordkorea über Nordkorea gesagt wird
    • Die Wahrheit liegt immer irgendwo dazwischen. Deshalb muss man sich ein möglichst breites Bild über Wahrnehmungen und Aussagen machen und dann schauen, was Gemeinsamkeiten sind, was Unterschiede und was bei wem fehlt.
  • Um ein Ereignis verstehen zu können, sollte man immer versuchen herauszufinden, wer die Akteure sind und was ihre Interessen sind, oder sein könnten. Eine Analyse, die beinhaltet: „Nordkorea macht das aus diesem und jenem Grund, weil es dieses und jenes Interesse hat.“ ist für die Tonne. Das, was Nordkorea tut, ergibt sich aus dem Handeln vieler und wenn man das ausblendet, kann man nicht verstehen.
  • Wissen kann man über Nordkorea sehr wenig. Daher ist misstrauen bei denen, die es ganz genau wissen (bis auf die Nachkommastelle, bis ins letzte grausame Detail etc. sehr angebracht. Diejenigen, die kennzeichnen, dass sie es nicht wissen können und dann das was sie zu wissen glauben auf Basis von Fakten und Erkenntnissen herleiten, denen kann man trauen.

Naja, wer jedenfalls prüft, sich selbst und seine Informationen, sich eine möglichst breite Informationsbasis schafft, nicht glaubt die Wahrheit zu kennen, aber trotzdem nach Erkenntnissen strebt, der ist auf nem ganz guten Weg und macht nichts anderes, als ich es immer getan habe.

Kurz und knapp: Was wird in Nordkorea weiter passieren

Wie geht es weiter in Nordkorea?
Aktuell deutet meines Erachtens nichts darauf hin, dass sich in Nordkorea schnell etwas ändert. Die neue Führung unter Kim Jong Un hat sich noch immer nicht vollständig konstituiert, weshalb es momentan noch immer nicht so wichtig ist, sich Gesichter und Namen von Ministern etc. zu merken. Die können ganz schnell wieder von der Bühne verschwunden sein. Vielleicht würde ich mir den Namen Choe Ryong-hae mal im Hinterkopf behalten, der kann vielleicht auch auf Dauer wichtig bleiben. Aktuell wichtig, aber nicht mehr lange da, ist Kim Yong-nam. Der Mann erfüllt vor allem Außenpolitisch eine Rolle im Regime, für die ich bisher keinen Nachfolger sehe. Aber er geht stramm auf die 90 zu und ich wundere mich eh, dass er sich so lange in den Dienst des Regimes stellt.
Die aktuelle außenpolitische Lage erlaubt es dem Regime weiterzuwurschteln, ohne dass es sich sorgen zu machen, dass einer der großen Akteure China oder USA ihm allzuviel Aufmerksamkeit schenken. Mit dem aktuellen Regime in Pjöngjang wird es keine koreanische Vereinigung geben und eine Annäherung mit Südkorea und den USA wird, wenn sie stattfindet, extrem langsam und voller Rückschläge verlaufen.
Das Regime weiß, dass zuviel Offenheit, zu viele Kontakte, zu viele wirtschaftliche Möglichkeiten ganz schnell dazu führen können, dass die eiserne Kontrolle über das Volk verloren geht. Es wird daher weiterhin Änderungen nur ganz langsam zulassen, um die Effekte dieser Änderungen messen zu können und sie eventuell wieder rückgängig zu machen. Von innen ist daher bis auf weiteres kein großer Wandel zu erwarten. China und die USA, die aktuell die einzigen Akteure wären, die Änderungen von außen herbeiführen könnten, sind beide mit sich selbst bzw. der volatilen globalen politischen Situation beschäftigt und können daher keine großen Energien auf Pjöngjang richten, das heißt aber auch, dass beide keine unkontrollierten Änderungen dort wollen. Der Status quo dürfte beiden lieber sein, als ein neuer heißer Krisenherd in einer aktuell relativ berechenbaren Region (auch Nordkoreas Provokationen sind berechenbar, lasst Euch da nicht von irgendwelchen blöden Medienhypes kirre machen).
Die eingefrorene politische Situation in Korea wird sich erst ändern, wenn das Regime in Pjöngjang fällt, zumindest wenn man die Perspektive maximal zehn Jahre im Auge hat. Darüber hinaus kann eh kein Mensch gucken (oder glaubt ihr, dass 2005 irgendwer die schwierige Situation, die wir heute mit Russland haben vorhergesagt hätte, oder das, was ISIS gerade macht oder was in Syrien los ist?). Ob das Regime fällt, weiß man aber nicht, man wird das daran erkennen, dass sich plötzlich schnell viel ändert, die Kontrolle nach innen verloren zu gehen scheint (viele Menschen fliehen, es gibt echte interne Konflikte, Militär handelt eigenmächtig). Wenn dieser Moment kommt, kann es sein, dass ich hier wieder einsteige, weil die Geschichte dann eine neue, spannende und wichtige Seite aufschlägt.

So, das war es vorerst von mir. Ich werde das Schreiben hier und Euch vermissen und hoffe, dass ich einigen von Euch irgendetwas mitgeben konnte. Machts gut!

Buchbesprechung und Verlosung — Rüdiger Frank: „Nordkorea – Innenansichten eines totalen Staates“


Als ich vor einer guten Woche aus dem Urlaub zurückkam lag ein Paket in meinem Briefkasten, über das ich mich echt gefreut hatte. Drin war nämlich das neue Buch von Rüdiger Frank, das ab dem 22. September im Handel sein wird und den Titel „Nordkorea – Innenansichten eines totalen Staates“ trägt. Ich hatte also die Gelegenheit, mir vorab einen Eindruck zu machen und das Buch genau anzuschauen und das habe ich auch unverzüglich getan. Zum Schreiben komme ich zwar erst heute, aber das ist ja irgendwie immer noch früh genug. 

Warum ich mich über das Buch gefreut habe

Gefreut habe ich mich nicht nur, weil das Streicheleinheiten für meine Eitelkeit darstellt, wenn ich ein Buch vorab geschickt bekomme, sondern auch, weil das Buch erstens von Rüdiger Frank geschrieben wurde und zweitens auf Deutsch erscheint. Um dies ein bisschen näher zu erklären, möchte ich vorab ein paar Worte zum Autor schreiben:
Rüdiger Frank ist Professor für Wirtschaft und Gesellschaft Asiens an der Universität Wiens und meiner Meinung nach einer der ganz wenigen herausragenden deutschsprachigen Nordkoreaexperten (was ihm 2013 immerhin eine Platzierung unter den — laut FAZ — 50 einflussreichsten Ökonomen Deutschlands einbrachte), der sich auch vor seinen internationalen Kollegen nicht verstecken muss. Frank ist in Leipzig geboren und studierte kurz nach dem Mauerfall in Ostberlin Koreanistik bei Helga Picht, eine weitere ausgewiesene Kennerin der Materie, die Nordkorea häufiger besucht und als Übersetzerin bei höchstrangigen Treffen (z.B. Erich Honecker und Kim Il Sung) fungiert hatte. Dieser gute Kontakt seiner Mentorin brachte ihm 1991/92 auch einen Auslandsaufenthalt bei der Kim Il Sung Uni in Pjöngjang ein, weil getroffene Vereinbarungen zum Studierendenaustausch zwischen der DDR und Nordkorea bestand hatten, obwohl sich mit der DDR eigentlich ein Vertragspartner von der Weltbühne verabschiedet hatte. Der Aufenthalt (und die, die noch folgen sollten) sowie seine DDR-Biographie erlauben es ihm heute, Prozesse und Strukturen Nordkoreas zu analysieren ohne einerseits in die Falle des „ideologischen Moralisierens“ (hab ich gerade erfunden, aber ich denke ihr wisst, was ich meine) zu tappen oder sich andererseits dem Regime und seiner Weltsicht zu sehr zu nähern. Wenn es Menschen gibt, die im Fall Nordkoreas dem unerfüllbaren Anspruch von „Objektivität“ nahekommen, dann gehört Rüdiger Frank dazu. Kurz, ich schätze ihn und seine Arbeit sehr und freue mich daher, wenn aus seiner Feder ein Buch über Nordkorea erscheint.
Besonders freue ich mich, wenn ein Buch von Frank auf Deutsch erscheint. Das Allermeiste von ihm erscheint in englischer Sprache und irgendwie kann ich es auch nachvollziehen. Wissenschaftsökonomisch macht es wenig Sinn, für eine extrem kleine Community in Deutschland Sachen zu schreiben, die die anglophonen Kollegen, von denen eigentlich fast keiner Deutsch kann, dann nicht lesen können (während gleichzeitig die deutschen Kollegen vermutlich durchweg englisch können). Das heißt, wenn wir hier was in deutscher Sprache bekommen, dann sind es meistens Interviews oder so, ganz selten mal ein Artikel.
Aber ein Sachbuch in deutscher Sprache, das macht schon mehr Sinn, denn wenn es auch kein Millionenpublikum ist, so gibt es doch durchaus eine Gruppe von Menschen, die sich aus unterschiedlichsten Gründen für Nordkorea interessieren. Und für diese Gruppe ist ein Sachbuch, in das das sehr weitgehenden Wissen und die vielfältigen Erfahrungen von Rüdiger Frank einfließen von wirklich großem Wert, aber auch jeder Student, der sich etwas näher mit der Materie auseinandersetzen möchte und eine gute Annäherung sucht, kann von Franks Kenntnissen nur profitieren. 

Besprechung von „Nordkorea – Innenansichten eines totalen Staates“

Jetzt habe ich Euch aber lange genug auf die Folter gespannt und will mich dem Buch an sich widmen. Die 431 Seiten, zu denen nochmal sechzehn farbige Bilderseiten dazukommen, die in die Mitte gebunden sind, gliedern sich in neun Kapitel, ein Vorwort, 30 Seiten Anmerkungen (die Ihr Euch anschauen solltet, weil da u.a. oft auf qualitative weiterführende Literatur verwiesen wird), ein Register und eine Karte Koreas. Die einzelnen Kapitel sind außerdem in Unterkapitel untergliedert, die sich allerdings nicht im Inhaltsverzeichnis wiederfinden. Inhaltlich teilen sich die Kapitel auf in zwei Kapitel zu Traditionen und Ursprüngen, sowie der Ideologie, die gefolgt sind von einem Kapitel zur Struktur des Systems. In der Folge wird es, wohl auch der Profession Franks geschuldet, ökonomisch. Dem Kapitel zur Wirtschaft folgt eines zu Reformen und darauf eines zu Sonderwirtschaftszonen. Dasjenige zu Kim Jong Un stellt eher eine aktuelle Zustandsbeschreibung des Landes dar, jedoch auch mit Fokus auf der Wirtschaft. Das achte Kapitel zu Arirang ist eine Art Ablaufbeschreibung des Massenspektakels und zum Abschluss gibt Frank seine Ansichten zu Chancen, Optionen und Herausforderungen einer Wiedervereinigung an. 

Alles in Allem, um das schonmal vorweg zu sagen, kann ich das Buch jedem empfehlen, der sich dem Thema Nordkorea annähern möchte, aber auch jedem, der schon etwas oder viel darüber weiß und noch mehr lernen möchte. Für beide Gruppen lohnt sich die Investition, zumal das Buch mit 19,99 € für das Hardcover auch noch zu einem wirklich fairen Preis zu haben ist. Aber ein paar Kritikpunkte gibt es trotzdem, wie Ihr später sehen werdet. Anfangen will ich trotzdem mit einigen Dingen, die mir sehr gut gefallen haben:

Eine Sache, die ich bisher nie wirklich verstanden habe, die ich aber sehr ärgerlich fand, ist der Umstand, dass deutsche Autoren bzw. Verlage bisher nur sehr sporadisch den Wert eines gut geführten Registers erkannt haben. Ich kann das nicht so recht nachvollziehen, weil es eigentlich reicht, einmal in einem Buch nach einem bestimmten Sachverhalt zu suchen, um zu wissen, dass dabei nichts hilfreicher ist als ein ordentlich sortiertes Register. Und genau das findet sich in diesem Buch und macht es deshalb nicht nur gut nutzbar zum Durchlesen und danach wissen, was drinsteht und im besten Fall auch noch wo, sondern auch zum schnell mal Nachgucken und Recherchieren. 

Dass die Ausführungen zu Ideologie, Ikonographie und Struktur des Staates sehr kenntnisreich sein würden hatte ich erwartet, aber dass ich so viele Details und Aspekte finden würde, derer ich mir vorher nicht bewusst war, damit hatte ich so nicht gerechnet. Sehr wertvoll und spannend fand ich den Überblick über die aktuellste Verfassung des Landes, die gegeben wird, denn die aktuelle Version liegt eben nur in koreanischer Sprache vor und das Buch gibt einen schönen Überblick über enthaltene Aspekte über Änderungen und Entwicklungen. Besonders gewinnbringend habe ich die Kapitel zur Ideologie gelesen, denn viele der Aspekte in der Genese, Geschichte und Anwendung der Ideologie sind zumindest mir sehr fern, weil ich einerseits Probleme mit dem Konzept Ideologie habe, andererseits, weil mir in vielen Bereichen die Kenntnisse fehlen.
Angenehm finde ich auch, dass der Autor mit seinem Buch nicht versucht mehr darzustellen, als er weiß. Er markiert klar, wenn etwas ein Mysterium ist bzw. sich dem Blick der Außenwelt enthält, wenn etwas ein Gerücht ist oder wenn er seine Meinung oder Einschätzung äußert, ohne etwas mit Sicherheit zu wissen.

Das Buch wirkt, obwohl von einem Akademiker geschrieben, selten akademisch, was mich wirklich gefreut hat (ich muss zugeben, dass es mich wahnsinnig macht, wenn jemand nur deshalb perverse grammatische Konstrukte mit einem überfordernden Wortschatz und unverschämten Satzlängen kombiniert, damit auch der blödeste Leser merkt, dass hier ein echter Akademiker am Werk war). Komplizierte oder komplexe Sachverhalte werden häufig anhand von Anekdoten illustriert, die der Autor im Laufe seiner über zwanzigjährigen Nordkorea-Erfahrung angesammelt hat. Das macht das Buch lesbar und verständlich, ohne dass mit sinnlosen Geschichtchen um sich geworfen würde. Gleichzeitig erkennt man jedoch, wenn man sich mit politik-, gesellschafts- oder wirtschaftswissenschaftlichen Theorien auseinandergesetzt hat, dass der Autor ein umfangreiches theoretisches Instrumentarium nutzt und nicht nur eine lapidare Sachbeschreibung abliefert. Aber auch die Nutzung dieses theoretischen Überbaus macht das Buch nicht akademisch, denn Frank versteht es sehr gut, Theorien an die Praxis zurückzubinden und so zu nutzen, dass jemandem, der die Theorie nicht kennt, der Inhalt durchaus verständlich wird, ihm aber eher nicht auffällt, dass hier überhaupt ein theoretischer Rahmen genutzt wurde.
Nett fand ich es auch, dass der Autor uns an seinen zahlreichen Reisen ins Land teilhaben lässt, indem er einige aussagekräftige Bilder, die er dort gemacht hat, abdruckt und erläutert. Die Tatsache, dass sie zusammengebunden in der Mitte zu finden sind hat sicherlich ökonomische Ursachen und dafür ist das Buch eben auch günstig.
Seine Einschätzungen zu einer Vereinigung des Landes finde ich mutig und interessant. Während er sich zurecht ziert, konkrete Zeiten und Szenarien zu benennen (damit haben sich schon viele gute Wissenschaftler in die Nesseln gesetzt), steht für ihn das „ob“ außer Frage. Es werde eines Tages eine Vereinigung geben, nur wie und wann sei offen. Wertvoll sind auch seine Analysen zu Variablen verschiedenster Art, die auf eine solche Vereinigung einwirken und ihre Chancen befördern oder hemmen können. Wer sich für diese Fragen interessiert, sollte sich das letzte Kapitel sehr genau anschauen.

Nach dem ersten Kapitel liefert Frank ein sehr schönes Bild, mit dessen Hilfe er die Essenz dieses Kapitels wiedergibt. Ich persönlich finde so etwas immer sehr hilfreich und deshalb fand ich es auch schade, dass es in den folgenden Kapiteln solche kurzen Rekapitulationen nicht mehr gab. 

Bei meinem ersten Blick ins Inhaltsverzeichnis war ich ein bisschen irritiert, weil ich das Arirang-Kapitel irgendwie fehl am Platz fand. Auf den ersten Blick passte es nicht so recht in die Binnenstruktur des Buchs. Und ganz ehrlich, auch nachdem ich das Kapitel gelesen habe, verstehe ich nicht so ganz, warum es Teil dieses Buchs ist (auch wenn ich eine Vermutung habe). Auch wenn Arirang die „offizielle Form dessen, wie Nordkoreas Führung ihr Land sieht und zeigen möchte“ ist und damit hilft das Land aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, so ist es trotzdem kein konstitutives Element des heutigen Nordkoreas, wie sie in den anderen Kapiteln behandelt werden. Versteht mich bitte nicht falsch: Das Kapitel für sich habe ich mit großem Interesse gelesen und es macht sowohl für Leute, die Arirang gesehen haben, als auch für solche, die es nicht kennen, Sinn das Kapitel zu lesen. Frank gibt sehr detailliert den Verlauf des Spektakels mit einer Beschreibung der einzelnen Szenen, sowie häufig mit Analysen der Bedeutung und des Sinns der jeweiligen Szene. Auch der „Über-die-Schulter-Blick“, in dem das alles präsentiert wird, ist interessant. 
Nur…es passt eben nicht und deshalb hätte man es vielleicht besser anderswo untergebracht. Außerdem hätten gerade hier Bilder wirklich sehr viel Sinn gemacht. Entweder in der Mitte des Buchs oder gegen Aufpreis eben an Ort und Stelle der Beschreibung. Zwar werden die Szenen sehr gut beschrieben, aber eine Stütze für die Vorstellung, gerade derjenigen (die bis auf das Bild auf dem Einband) vielleicht noch nie bewusst Bilder von Arirang gesehen haben, dürften Probleme haben sich das vorzustellen. Ich weiß es nicht genau, aber ich kann mir vorstellen, dass dieses Kapitel ein Zugeständnis an die ökonomischen Bedürfnisse des Verlags sind, denn wie gesagt: Wenn jemand nach Nordkorea fährt um sich Arirang anzuschauen, dann würde ich ihm empfehlen, dieses Kapitel vorher zu lesen.

Ein bisschen grundsätzlichere Kritik möchte ich an der inhaltlichen Fokussierung des Buches üben. Während Geschichte, Ideologie und Struktur des Staates in etwa gleichgewichtig mit dem Thema Wirtschaft behandelt werden, fehlt mir fast vollständig die Annäherung daran, wie die nordkoreanische Gesellschaft konstituiert ist, wie das Leben der Menschen im Land aussieht. Natürlich kennt der Autor all das und natürlich wird das hier und da auch mal eingeflochten, aber das wirkt mitunter dann ein bisschen unmotiviert und auch kurz. So war ich beispielsweise überrascht, über die imniban, die administrativen Nachbarschaftsgruppen, über die sehr vieles organisiert wird unter dem Unterkapitel „Exekutive“ zu lesen. Die zugehörigen Anekdoten sind schön und vielsagend, aber irgendwie hatte ich hier, wie an mancher anderen Stelle auch das Gefühl, dass da irgendwie die Zuordnung ein bisschen seltsam ist.
Meines Erachtens hat das mit dem fehlenden Kapitel „Gesellschaft“ zu tun. Diese Leerstelle erkennt man, wenn man nach relativ zentralen Aspekten von Gesellschaften sucht, beispielsweise dem Bildungssystem, da wird man nicht viel zu finden. Andere Dinge, wie beispielsweise der Wehrdienst, werden quasi über Eck abgeleitet, aber naja, die Entscheidung auf ein solches Kapitel zu verzichten überzeugt mich nicht und scheint dem Autoren auch mitunter das Leben schwer gemacht zu haben, weil er viele seiner Erfahrungen oder wichtige Aspekte irgendwo noch unterbringen musste.
Aber natürlich könnte dies damit zusammenhängen, dass der Autor aus der wirtschaftswissenschaftlichen Ecke kommt und daher seinen Fokus auch entsprechend setzt. Nichtsdestotrotz empfinde ich das Wirtschaftsthema mit dreieinhalb Kapiteln übergewichtet. Mir hätte es besser gefallen, wenn die Sonderwirtschaftszonen ihren Platz in den anderen beiden Kapiteln gefunden hätten und stattdessen die Gesellschaft stärker zum Zuge gekommen wäre. Das generell die Außenpolitik bzw. die internationalen Beziehungen relativ kurz kommen, kann man als Mangel sehen, muss man aber nicht. Diese an den entsprechenden Stellen einzuflechten, ist in einem Buch, dass die „Innenansichten“ des Systems liefern will, wie der Untertitel ja sagt, eher statthaft und gelingt dem Autor auch besser, als das bei der Beschreibung der gesellschaftlichen Verhältnisse der Fall ist. Allerdings habe ich bei den im Einzelnen immer interessanten Exkursen (die Sonnenscheinpolitik wird beispielsweise im Kapitel Kumgangsan abgehandelt) häufiger das Gefühl gehabt, dass hier eine Einordnung als Exkurs oder eine layouttechnisch hervorgehobene Infobox vielleicht sinnig gewesen wäre.

Die unsichtbare Hand siegt über kurz oder lang

Die zentrale These, die Frank in seinem Buch verfolgt ist, dass sich das nordkoreanische System über kurz oder lang verändern wird. Dies führt er auf den Umstand zurück, dass das System den Menschen in Nordkorea eine Ideologie, eine Art Regelbuch zur guten Lebensführung überstülpt, das nicht der Natur der Menschen entspricht. Die Natur des Menschen sieht er verwirklicht in den westlichen Gesellschaften, wo sich aus dem „als natürlich angesehenen Eigennutz der Individuen“ in ihrer Masse die von Adam Smith formulierte „Unsichtbare Hand“ formiert, die unsere Wirtschaftsordnung lenkt. So gesehen braucht der Mensch in der westlichen Gesellschaft nichts zu tun, als seinem Eigennutz — also seiner Natur — zu folgen, um das System in dem er lebt zu tragen, während der Mensch im System Nordkoreas Regeln folgen muss, die dem Eigennutz widersprechen, also quasi widernatürlich sind.
Franks These auf einen Satz gebracht ist, dass die Natur des Menschen auch in Nordkorea systemverändernd wirken wird. Wie das geschehen wird, sagt er schlauerweise nicht vorher, aber dass es geschehen werde, sieht er auch schon anhand gesellschaftlicher Prozesse, die in den letzten Jahrzehnten in Gang kamen, als sicher. 

Ende der Besprechung: Besorgt Euch das Buch

Warum ich so auf diesem Aspekt herumgeritten bin? Nun, das geht ein Stück weit über meine Buchbewertung hinaus und betrifft eher einen Nachdenkprozess, der bei mir durch die Gegenüberstellung des quasi naturgesetzlichen menschlichen Eigennutzes gegen die widernatürlichen Regeln der Ideologie, angestoßen wurde. Ich werde dem gleich noch ein bisschen folgen, aber meine Buchbesprechung hiermit abschließen mit der Empfehlung, sich das Buch zu besorgen, zumindest für diejenigen, die sich für Ideologie, politische Struktur, Wirtschaft und die Möglichkeiten einer Wiedervereinigung interessieren. Diejenigen, die mehr über gesellschaftliche Verhältnisse und das Alltagsleben in Nordkorea erfahren möchten, können auch von dem Buch profitieren, dürfen aber nicht enttäuscht sein, wenn darüber nicht so viel drinsteht, wie der Untertitel vermuten lassen könnte. 

Ein paar Gedanken zur Ideologie der unsichtbaren Hand

Jetzt aber zurück zu meinen Gedanken, dessen Ausgangspunkt man unter „Ideologie vs unsichtbare Hand“ zusammenfassen könnte. Die Basis von Ideologien war m.E. immer, dass ihre Schöpfer glaubten oder behaupteten, Gesetzmäßigkeiten in unserer sozialen Umwelt gefunden zu haben, denen der Lauf der Welt ihrer Ansicht nach folgen würde. Das war bei allen großen „*ismen“ unserer Zeit so und wir fühlen uns heute gut, weil wir erkannt haben, dass es all die Gesetzmäßigkeiten nicht gab, die wir da vermutet haben. 
Wir lehnen uns zurück und folgen dem einzigen Gesetz, das es noch gibt. Unserer menschlichen Natur. 
Wir sind eben nun mal eigennützig, das ist ja quasi ein Naturgesetz und daraus folgt unweigerlich, dass wir alle eine unsichtbare Hand konstituieren, die unsere Welt immer weiter auf den Abgrund zusteuern lässt, denn die Addition all dieser kleinen EigenNutzen führt, anders als Adam Smith sich das gedacht hat, nicht zu einem größeren Nutzen (das „eigen“ ist ja dann weg, wenn man alle zusammennimmt) für alle, sondern leider zur Irrationalität, wenn man die lange Frist betrachtet. Jeder von uns weiß, auch wenn er darüber nicht so gerne nachdenkt, dass er jeden Tag mehr Natur, Luft, Atmosphäre, Nahrung etc. aufbraucht, als 1. ihm zusteht und 2. unsere Erde auf die lange Sicht verkraften kann. Ich sehe darin eigentlich nur großen UnNutzen, (wobei Eigennutz im Sinne von: „Ich bin jetzt 40 Jahre alt, in 45 Jahren bin ich tot, was dann kommt ist mir egal“ nicht in Abrede gestellt werden darf), denn Smiths unsichtbare Hand scheint zum Ziel zu haben, die Erde und alles was darauf ist zu zerquetschen.
Nun kamen mir dazu ein Gedanke: Ist der menschliche Eigennutz denn jetzt ein Naturgesetz? Ich weiß es nicht, aber erstmal sehe ich nur einen marginalen Unterschied zwischen dem Glauben an eine Ideologie, die eine naturgesetzlich festgelegte zielgerichtete gesellschaftliche Entwicklung hin zu einer anderen Staats- und Gesellschaftsform und dem Glauben an eine unsichtbare Hand, die eine naturgesetzlich (durch den natürlichen menschlichen Eigennutz) festgelegte zielgerichtete gesellschaftliche Entwicklung hin zu einer für alle besseren Zukunft (weil es da mehr von allem gibt). Naja, vielleicht folgen wir blind einer Ideologie, merken das nur nicht, weil die anderen Ideologien ein bisschen früher offenbart haben, dass sie nicht funktionieren. Vielleicht sollte man mal versuchen, sich von dieser Ideologie des „der Mensch ist eben so, deswegen müssen wir alle mitmachen“ zu entfremden. Aber vielleicht haben wir auch einfach das einzig geltende gesellschaftliche Naturgesetz gefunden, der Mensch ist eben eigennützig, er kann deshalb nichts für das, das er anrichtet und wir sollten uns gefälligst nicht der Natur widersetzen. Aber wäre ja ärgerlich, wenn dass das Ergebnis von ein paar Tausend Jahren Menschheitsgeschichte ist, dass das Beste, was wir auf Basis unserer naturgesetzlichen Eigennützlichkeit rausholen konnten, die Zerstörung unserer Welt war…

Eigennutz ausgenutzt: Buchverlosung mit…

Und weil wir gerade schon so schön beim Thema sind und ich so ein perfekter Gläubiger unserer unangefochtenen Eigennutzideologie bin, möchte ich auch gleich ein Appell an Euren Eigennutz starten. Ich hab das Buch ja jetzt schon durch und wenn ich es nochmal bräuchte, könnte ich es in einer Bibliothek meines Vertrauens entleihen. Das wirft die Frage auf: Was mach ich damit? Ich weiß nicht, ob es meinem Eigennutz entspräche, es in meinem Regal einstauben zu lassen (vermutlich nicht, weil ich es dann ja hin und wieder abstauben müsste). Vielleicht wäre es ja besser, es loszuwerden (obwohl ich es ja wirklich gut finde!)? Ich denke schon. Ihr habt es ja bisher noch nicht lesen können und deshalb wird der Eine oder Andere Lust bekommen haben. Vielleicht würde aber auch mancheiner gerne die 20 Euro Einkaufspreis sparen und das Buch ganz eigennützig zeitnah zum Erscheinungsdatum (ich werde es vermutlich nicht genau pünktlich schaffen, weil ich die Tage davor kaum Zeit haben werde) am 22. September im Briefkasten haben?

…Haken

Naja, lange Rede kurzer Sinn: Ich verlose das Buch. Aber weil ich ja ganz naturgesetzgemäß ein eigennütziger Typ bin, versuche ich mal wieder was rauszuschlagen: Und zwar dachte ich mir, dass vermutlich sehr viele von Euch auch einige Bücher zu Nordkorea gelesen haben. Und vielleicht fandet ihr die auch gut oder schlecht oder bemerkenswert, habt jedenfalls was dazu zu sagen. Jedenfalls werde ich das Buch unter denjenigen verlosen, die mir bis zum kommenden Freitag eine Buchbesprechung zu einem Buch ihrer Wahl mit Bezug zu Nordkorea eingereicht haben. Die muss nicht so ellenlang sein wie das hier (ein paar Zeilen sind auch vollkommen ok) und sie muss auch ansonsten keinerlei formalen Kriterien entsprechen. Es wäre nur schön zu wissen, um welches Buch es geht, ob ihr es empfehlt und was Ihr gut und schlecht fandet (natürlich sollte es nicht den Autor oder so beleidigen). Ich werde die Besprechungen (gern anonym, gern aber auch unter Namensnennung) zusammengefasst irgendwann in der nächsten Zeit veröffentlichen.
Für die unter Euch, deren Eigennutz nicht so weit reicht, dass sie 20 Euro sparen wollen, bzw. deren Eigennutz so groß ist, dass sie keine Lust haben der Allgemeinheit für unsichere Gewinnchancen eine Buchbesprechung zur Verfügung zu stellen: Hier entlang geht es zur Seite des Verlags, wo Ihr schonmal bestellen könnt. Da könnt Ihr unter „Termine“ dann auch sehen, dass es am 10.10. in Dresden und am 04.12. in Duisburg Autorenlesungen geben wird. Das wird sich lohnen. Wenn Ihr ein bisschen uneigennützig sein wollt, ohne dass das was kostet, bestellt das Buch doch einfach in der Buchhandlung bei Euch im Ort (wenn es die gibt), geht genauso schnell wie bei der elektronischen Konkurrenz und es hilft eine Infrastruktur zu erhalten, die wir andernfalls irgendwann bitter vermissen werden.

Alle die gewinnen wollen schicken mir ihre Besprechungen per Mail bis zum 19.09. an tobid001(at)yahoo(punkt)de.

Bin gespannt, freue mich und hoffe auf zahlreiche Teilnahme…

Wahlaufruf: Am Sonntag dem 25. für ein besseres Europa zur Wahl gehen


War (mal wieder) ziemlich beschäftigt die letzten Wochen.
Womit?
Leute dran erinnern, am Sonntag zu wählen (am besten die richtige Partei, aber eigentlich Hauptsache demokratisch)! Also keine Sorge, ich bin nicht wieder ewig weg. Aber es gibt eben Sachen die sind mir wichtig. Noch wichtiger, als das was mit Nordkorea oder meinem Blog passiert.

Zum Beispiel brauche ich manches sauf keinen Fall!

Ich bin auch überzeugt, dass wir besser dran sind ohne so ein verkacktes Freihandelsabkommen mit den USA.

Ich finde auch, dass ich mir hier nicht groß Gedanken um Menschenrechte und Humanität machen muss, solange an den Grenzen der EU Menschen absaufen und viele noch so tun, als sei das vernünftig.

Ich weiß, die EU ist nicht perfekt, aber ohne sie wäre es nicht besser, im Gegenteil. Deshalb müssen wir uns dafür einsetzen, dass sie besser wird. Und das tun wir nicht, indem wir irgendwelchen Rechten im (professoralen) Bürgerpelz und anderem Gesocks das Feld überlassen. Naja und was die Niederländer können, das sollte wir ja auch hinkriegen, also investiert die paar Minuten und dann wird das schon…

also sucht euch einen von mir genannte oder einen der vielen anderen Gründe aus, geht am Sonntag (eine demokratische Partei) wählen und erinnert eure Freunde dran, das auch zu machen! Ihr würdet mir damit einen persönlichen Gefallen tun.

 

P.S. In der nächsten Woche plane ich dann ein paar Gedanken dazu, warum die Führung in Pjöngjang mit der Hauseinsturzkatatstrophe letztes Wochenende so – auf den ersten Blick – offen umging. Dabei werde ich mir auch mal die Berichterstattung zur Zugkatastrophe von Ryongchong vor gut 10 Jahren genauer anschauen. Aber wie gesagt: Erstmal wählen!

Out of office… Warum ihr gerade nichts von mir hört und wann ich wieder da bin


Hallo ihr lieben, vielleicht hat sich der Eine oder Andere von Euch gewundert, in den letzten Wochen so garnichts von mir gehört zu haben. Das hat zumindest drei Gründe:

1. Ich bin letzte Woche umgezogen und sitze gerade ziemlich sprichwörtlich auf Kisten. In der letzten Woche hatte ich außerdem kein Internet. Das erschwerte es ungemein, irgendwas netzbasiertes zu machen.

2. Ich mache noch bis Ende des Monats ein Schulpraktikum, das mir einiges an Vor- und Nachbereitungszeit abverlangt und darüber hinaus auch noch durchaus anstrengend ist.

3. Ich habe seit Anfang des Monats einen recht guten Job, der mich 30 Stunden in der Woche beschäftigt.

Wenn ich nur eine der oben genannten Sachen zu tun hätte, dann würde ich es locker schaffen, regelmäßig ein bisschen was zu bloggen. Aber Die Kombination verlangt mir echt einiges ab und ich bin gerade ziemlich am Limit.
Ich kann jetzt nachvollziehen, wie sich der Liebe Führer gefühlt haben muss, wenn er sich nach einem 36 Stunden Tag von Vor-Ort-Anleitungen und strategischer Planung zuhause hingesetzt hat, um eine Oper zu schreiben oder eine Abhandlung über die Kunst des Kinos.

Naja, ich wollte mich nur mal kurz melden und euch informieren, dass ich nicht einfach so verschwunden bin, nur eben gerade anderweitig beschäftigt. Soweit ich das überschaue, wird dieser Zustand auch wohl noch bis zum 05.04. anhalten, aber dann sollte sich alles entspannen und dann werdet ihr auch wieder öfter von mir hören.

Von 120 hungrigen Hunden und 146 Zuchtmeerschweinen: Warum man viel über Nordkorea schreiben kann, aber nur weniges beweisen muss.


Die meisten von euch werden die Story mit Jang Song-thaeks Hinrichtung mit Hilfe von 120 Hunden zumindest am Rande wahrgenommen und sich vielleicht auch eine Meinung dazu gebildet haben. Eigentlich wollte ich nichts dazu schreiben, denn wenn ich anfangen würde mich über jedes dumme Gerücht über Nordkorea aufzuregen, das von unseren Medien ohne seriöse Quellenprüfung oder Anwendung sonstiger journalistischer Standards zu einer skandalösen Geschichte breitgewalzt und mit tollen Schlagzeilen versehen wird, dann würde ich ja sonst nichts mehr machen (und das ist leider nicht wirklich überspitzt).
Dann hätte ich es mir fast anders überlegt, als ich diese ausgezeichnet verschwörungstheoretisch fundierte aber absolut gehaltlose Analyse meines lieblings-Kommunistenflüsterers, Stalinverstehers und Chefkommentators gelesen habe. Ich habe mich aber dagegen entschieden, weil es mir einerseits um die Zeit zu schade war, andererseits möchte ich nicht den Anschein machen, unter irgendeiner Art von persönlichen Manie zu leiden, so oft wie ich über den Quatsch schreibe, den der Mann von der WELT verzapft (der Grund für meine häufige Beschäftigung mit dem Werk des WELT-Chefkommentators ist schlicht, das niemand in Deutschland so ausdauern und so unterirdisch zu Nordkorea schreibt).
Dass ich aber jetzt doch hier sitze und was zu dem Thema tippe, liegt nicht an irgendeinem Mist, den ich gelesen habe sondern ist Folge eines positiven Impulses:

Schön zu wissen: Deutsche Journalisten sind zur Selbstkritik fähig

Denn tatsächlich gibt es nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland (bzw. zumindest in deutscher Sprache schreibend) Journalisten, die ihrer Arbeit offensichtlich etwas reflektierter nachgehen, als viele ihrer Kollegen und die auch bereit sind, in diesem Rahmen so etwas wie Medienkritik zu üben (unsere Medien sind ja grundsätzlich nicht unkritisch und verstehen es oft gesellschaftliche Phänomene etc. mit scharfer Feder bzw. Worten anzuprangern; Nur wenn es um sie selbst geht, tun sie sich mitunter schwer mit sowas). Naja, lange Rede kurzer Sinn, lest euch auf jeden Fall mal diesen Artikel von Stephan Scheuer durch, alles was er schreibt kann ich auch so unterschreiben.
Das Schöne an seinem Beitrag: Er suggeriert nichts in die eine oder andere Richtung, sondern macht das, was journalistische Texte eigentlich tun sollten: Er ordnet Informationen ein und bietet Hintergründe. Er lässt der Geschichte ihren Raum, macht nicht mehr daraus, als es ist und versucht nicht irgendwelche hochtrabenden Analysen daraus abzuleiten.
Das mag zwar weniger „sexy“ sein, als eine Story mit einem grausamen mordenden Diktator mit 120 hungrigen Hunde, aber da ich der Ansicht bin, dass „sexieness“ bei Inhalten und Überschriften nicht das oberste Kriterium journalistischer Arbeit sein sollte und gehöre daher zu denen, die solche Artikel wohltuend finden.
Ich hoffe auch einfach mal, dass ihr nicht zu den Leuten gehört, die das anders sehen, denn dann wärt ihr auf diesem Blog vermutlich leider falsch und solltet hier, hier oder hier weiterlesen (allerdings könnt ihr euch dafür dann vielleicht merken, dass die spektakulären, obskuren und „irren“ Storys meistens nicht unbedingt wahr sind).

Warum ich unkritische Berichterstattung zu Nordkorea verwerflich finde

Ich will jetzt nicht lange mit irgendeiner Art von moralischem Zeigefinger rumwinken, denn ich habe ja schon oft genug darauf hingewiesen, wie vorsichtig man mit Medienberichten zu Nordkorea umgehen muss. Denn leider machen sich es Medienvertreter allzuoft allzuleicht, übernehmen irgendwelche Gerüchte und halbseidenen Informationen, drehen sie dann so lange vorwärts, rückwärts, kreuz und quer durch die Medienmaschinerie, bis sie selbst glauben, das Gerücht sei wahr.
Natürlich gibt Nordkorea für ein solches Verhalten das ideale „Opfer“ ab, denn die informative Abschottung, die teils tatsächlich obskure Propaganda und das damit verbundene vergleichsweise lückenhafte gesicherte Faktenwissen über das Land laden dazu ein, einfach irgendetwas zu schreiben, Wiederspruch kommt ja eh nicht und da man ja weiß, dass das Regime böse ist, trifft es immer den Richtigen, selbst wenn das was man da über Nordkorea geschrieben oder gesagt hat, nicht so ganz der Wahrheit entspricht.
Nur dumm, dass damit eigentlich niemandem geholfen ist, außer vielleicht ein paar Journalisten, die mit wenig Aufwand viele Klicks erzeugt oder Zeilen gefüllt haben. Denn was wir als Leser  bekommen haben ist nur das Gefühl informiert worden zu sein, nicht aber echte Information oder Wissen. Noch schlimmer ist dabei, dass nicht nur wir kleinen Lichter Zeitung lesen, sondern auch diejenigen, die entscheiden dürfen. Auch die richten sich mitunter nach dem, von dem sie glauben, dass es sich um echte Informationen handelt. Wenn aber Politik auf Basis falscher Informationen gemacht wird, nur weil irgendwelche Medienschaffenden denken, dass es schon nicht so schlimm sein wird, wenn man ungeprüfte Gerüchte über Nordkorea (oder irgendein anderes Thema) publiziert, dann bin als Bürger damit nicht einverstanden und würde mir ein bisschen mehr Verantwortungsbewusstsein der Betreffenden wünschen.

Ist die Hundegeschichte wahr?

Und was ist jetzt mit der Hundegeschichte? Kann die nicht doch wahr sein? Klar kann sie wahr sein! Ich glaube das nicht und verweise euch einfach an den oben verlinkten Artikel, aber auch hierher, hierher und hierher und möchte euch darauf aufmerksam machen, dass ziemlich vieles wahr sein kann, weil man ziemlich weniges selbst nachprüfen kann (das betrifft übrigens nicht nur Nordkorea. So funktionieren Verschwörungstheorien). Es könnte auch gut sein, dass Kim Jong Un ein rosa-Meerschweinchen-Fetischist ist und zu diesem Zweck ein Expertenteam syrischer Meerschweinezüchter mitsamt 146 hochgezüchteten Meerschweinen hat einfliegen lassen (hierdurch erklärt sich übrigens die Präsenz nordkoreanischer Militärangehöriger im syrischen Bürgerkrieg: Sie schützen essentielle Meerschweinezuchteinrichtungen und sichern die Evakuierung der Experten ab). Klingt unwahrscheinlich? Klar! Aber beweist mir doch mal das Gegenteil! Könnt ihr nicht! Seht ihr: Und ich würde euch gerne die Belege für die Meerschweinegeschichte liefern, aber weil das Regime so intransparent, irre und böse ist kann ich das leider nicht.
Naja, und das ist das Motto nach dem ein beachtlicher Teil der Nordkorea-Storys funktioniert. Aber weil ihr ja hier regelmäßig mitlest wisst ihr natürlich Bescheid und geht deshalb gerade mit den Geschichten, die am spektakulärsten klingen auch am vorsichtigsten um und das ist auch gut so…

Guten Rutsch und frohes neues Jahr…


Ach immer diese stressige Freizeit. Ich dachte ja, ich komme noch dazu, heute nen kleinen Rückblick auf die ersten beiden Jahre mit Kim Jong Un zu werfen. Werde ich wohl auf nächstes Jahr verschieben müssen. Bis dahin euch allen nen guten Rutsch und ein erfolgreiches (gesundes, gutes und was man sich sonst noch so wünschen kann…) neues Jahr. Aber Vorsicht mit den Raketen… Kann ins Auge gehen…

Kim Jong Un Böller

Und solltet ihr noch Neujahrsgrüße zu entbieten haben: Versucht’s doch mal hiermit.

Ansonsten habt ihr ja vielleicht Freude an dieser scheußlichen Propaganda aus dem Reich des Bösen. Hier ein kleines Best-Of.

Nagut, wir sehen/hören/lesen uns nächstes Jahr wieder.

Reminder: Noch bis Ende des Jahres kostenlose Fachaufsätze zu Nordkorea runterladen


Heute will ich euch jenseits von allem Jang Song-thaek Hype (merkt ihr es? Unsere Medien sind mal wieder auf den Hype aufgehupst und berichten jetzt jeden Mist, den es gerade zu Nordkorea gibt, obwohl die ganze Geschichte eigentlich schon gelaufen ist) auf was anderes aufmerksam machen, bzw. euch erinnern.

Im Mai habe ich euch ja schonmal auf die über 150 frei zugänglichen Fachaufsätze zu Nordkorea aufmerksam gemacht, die Taylor and Francis bereitgestellt hat. Da dieses Jahr und damit dieses Angebot jetzt bald zuende geht und die Aufsätze dann wieder kosten, wollte ich nur nochmal einen kleinen Reminder raushauen (und wenn gerade was spektakuläres passiert (zum Beispiel der irre Kim seinen ReformOnkel hinrichten lässt) sind ja eh immer alle doppelt so wissebgierig und scharf auf jegliche Art von Infos…). Aber auch wenn ihr den Kram jetzt nicht braucht oder lesen könnt, vielleicht ist das irgendwann mal anders. Naja und was ihr habt habt ihr. Also einfach runterladen und in nen Ordner legen, dann habt ihr eine nette kleine Artikeldatenbank zu Nordkorea. Ist doch nicht das Schlechteste.

Wenn ihr wollt, lest euch durch, was ich im Mai dazu geschrieben habe oder schaut direkt bei Taylor and Francis vorbei. Jedenfalls könnt ihr nicht klagen, euch hätte keiner bescheidgesagt…

Ein Geburtstagsbeitrag: Rückblick auf vier Jahre Nordkorea-Info-Blog


Vor ein paar Tagen hat mich meine Blogsoftware darauf aufmerksam gemacht, dass das Blog mal wieder Geburtstag hat. Weil ich in diesem Jahr leider nichts Dolles bei der Hand habe, das ich unter das interessierte Volk bringen kann, weil ich es mir aber angewöhnt habe, irgendwas zum Bloggeburtstag zu schreiben, habe ich mir heute mal was anderes einfallen lassen. Oder vielmehr, ich habe mich inspirieren lassen. Die Bloggerkollegen vom Bretterblog haben nämlich kürzlich zum ersten Bloggeburtstag eine Rückschau auf ihr erstes Jahr gegeben und dabei sowohl qualitativ als auch quantitativ ein paar Facts zum Blog unters Volk gebracht. Ich fand es superinteressant den Artikel zu lesen und daher dachte ich, dass ich das eigentlich auch machen könnte. Und nachdem das Blog immerhin sozusagen seine erste Legislaturperiode überstanden hat (irgendwie denke ich zurzeit immer nur an Wahlen…) denke ich, es ist mal eine gute Idee,  Rückschau zu halten und zu gucken, was das Blog, ich und natürlich auch ihr in den letzten Jahren geschafft haben.

Interessante Zeiten

Die letzten vier Jahre waren dabei mit Blick auf das Thema des Blogs sicherlich nicht die uninteressantesten. Schon im ersten Jahr gab es mit dem Untergang der Cheonan im März 2010 und dem Beschuss der Insel Yonpyong im November zwei Zwischenfälle, die das Augenmerk der Welt auf die Koreanische Halbinsel lenkte. Permanent und bis heute begleitete uns die Bemühung des Regimes, Kim Jong Ils Nachfolger zu installieren. Dabei war zu Beginn des Blogs noch nichtmal klar, dass Kim Jong Un wirklich der Nachfolger sein würde. Ich konnte den jungen Kim also quasi von Beginn an über seine gesamte politische Karriere (zumindest den öffentlichen Teil) hinweg beobachten. Die Nachfolgebemühungen kulminierten natürlich mit dem Tod Kim Jong Ils im Dezember 2011. Seitdem müht sich der junge Kim seine Stellung zu festigen und sein Regime so zu sortieren, dass es ihn einerseits loyal stützt, ihm andererseits niemand gefährlich werden kann und dass es weiterhin seiner Hauptaufgabe, dem Machterhalt nachkommen kann. Auch zwei Langstrecken-Raketentests/Satellitenstarts, davon einen erfolgreichen sowie einen Atomtest gab es und natürlich jede Menge Nichtereignisse, die in unseren Medien und der Öffentlichkeit große Resonanz fanden. Am stärksten hat wohl die angespannte Situation im März und April Eindruck gemacht, als eigentlich nichts passiert war, aber allein aufgrund von verbalem Säbelrasseln und  einem bisschen rumfahren von Raketen etc. die ganze Welt vor einem Krieg zitterte. Dazwischen gab es allerlei kleinere und größere Storys, skurriles, ernstes und schwer erträgliches.

Fakten, Fakten, Fakten

Ich habe versucht, mit dem Blog das gesamte Spektrum der Informationen zu Nordkorea abzudecken und eine gesunde Mischung von Information und Unterhaltung, von Reflektion, Kommentar und Berichterstattung zu finden. Das ist mir sicherlich mal besser und mal schlechter gelungen, aber alles in allem bin ich zufrieden. Unter dem Strich stehen eingeschlossen diesen Artikel hier, 886 bisher geschriebene Beiträge, die im Schnitt um die zwei DIN A4 Seiten lang sind. Das ist ein ganz schöner Haufen. Einfach mal ins Blaue geschätzt, denke ich, dass ich im Schnitt anderthalb Stunden pro Artikel aufgewendet hab. Und wenn das so stimmen würde, dann hätte ich mit ungefähr das Äquivalent zu einer 8 Monate dauernden Vollzeit (40-Stunden-Woche) Beschäftigung auf das Blog verwandt. Verrückt, oder? Aber es macht mir eben Spaß und andere Leute verwenden viel mehr Zeit auf viel bescheuertere Hobbys.
Insgesamt wurde das Blog bis jetzt gut 270.000 Mal angeklickt (was nicht gleichbedeutend ist mit Besuchern, weil manche Leute mehrere Seiten angucken und jeder Aufruf einer Seite des Blogs als Klick gezählt wird), was im Schnitt gut 5.5oo Aufrufe im Monat sind. 51 Leute nehmen auf dem Blog die Möglichkeit wahr, sofort über neue Beiträge informiert zu werden, außerdem hat sich die Facebookseite gut entwickelt, der immerhin 373 Leute folgen. Auf Twitter bin ich auch unterwegs, das nutze ich aber eher, um Infos einzuziehen und ein bisschen zu Netzwerken. 124 Leute folgen mir da und ich habe über diesen Kanal ein paar wertvolle Kontakte geknüpft.
Erfreut bin ich auch, dass sich die Leser immer mal wieder an lebhaften Diskussionen über dies und das beteiligt haben. Insgesamt kommen 1520 Kommentare zusammen von denen die Meisten (356) auf der Freien Beitragsseite zu finden sind und etwa ein Drittel von mir stammt.

Ein Spiegel der Realität. Fast.

Schaut man sich die Daten ein bisschen genauer an, dann kann man die anfänglich beschriebenen Ereignisse ganz gut ablesen:

LeserentwicklungDie beiden ersten kleinen Peaks im Jahr 2010 spiegeln das gesteigerte Interesse am Thema nach dem Untergang der Cheonan und dem Beschuss der Insel Yonpyong wieder. Im Dezember 2011 starb Kim Jong Il und in der Folge interessierten sich die Leute natürlich etwas mehr für Nordkorea und die große Spitze im April diesen Jahres hängt tatsächlich nur damit zusammen, dass unsere Medien das Nichtereignis in Korea, das man gerne als drohenden Krieg verkaufte, ganzschön hochjazzten. Ein Peak fällt aus dem Rahmen, weil er eigentlich garnichts mit Ereignissen in Nordkorea zu tun hat (jedenfalls nicht direkt).
Im Juni 2012 wurde erstmals ein Beitrag von diesem Blog in die 6 vor 9 Linkliste des BILDblogs aufgenommen und allein dieser Tatsache verdanke ich diesen Tag mit 4.339 Aufrufen als meine bisher Besucherstärkster. Da erkennt man dann auch die Grenzen dieses Blogs. Es bewegt sich, was die Leserschaft angeht noch immer in einer ziemlichen Nische. Wenn andere Medien dem Blog etwas Sichtbarkeit „leihen“, ist das hinsichtlich der reinen Statistik mindestens so bedeutsam, wie beispielsweise der Tod Kim Jong Ils. Vermutlich gibt es im deutschsprachigen WWW noch mehr Menschen, als die die hier mitlesen, die an hochwertigen Informationen zu Nordkorea interessiert sind (und hier gibt es die besten Infos im deutschen Web dazu, das kann ich glaube ich sagen ohne überheblich zu sein), aber die kennen dieses Blog schlicht nicht. Aber ehrlich gesagt habe ich auch nicht den Ehrgeiz denen hinterherzulaufen. Mein „Job“ ist es zu schreiben und der Job der Leser ist es nach guten Infos zu suchen. Wenn sie das nicht hinkriegen: Pech gehabt. Dass das durchaus möglich ist zeigt ihr, denn ihr lest dashier ja gerade…

Wahrnehmung in anderen Medien

Naja, nichtsdestotrotz bin ich immer sehr dankbar, wenn mir jemand wie die Leute vom BILDblog sekundiert, denn dann kommen die Botschaften, die ich habe auch besser an. In diesem Fall bin ich mir relativ sicher, dass der Autor, der in einem QualitätsSpringerBlatt Schwachsinn verzapft hat, meine Meinung dazu zugetragen bekam. Das ist gut. Deshalb habe ich mich auch über die anderen Erwähnungen im BILDblog gefreut.
Genauso erfreut war ich, dass die Leute von DRadio Wissen mein Blog hin und wieder mal weiterempfohlen haben, denn einerseits schmeichelt sowas natürlich, andererseits kommen über diesen Weg auch neue Leute hierher, die grundsätzlich am Thema interessiert sind.
Besonders gefreut hat es mich auch, dass das Blog nicht nur in der Online-Affinen Medien bemerkt wurde, sondern auch zumindest einen kleinen Sprung in den Print-Bereich geschafft hat. In der Geo Saison hat Christoph Kucklick im Rahmen seiner sehr empfehlenswerten Reisereportage das Blog zur weiteren Lektüre empfohlen.
Zum Thema „Botschaften hörbar machen“ gehört auch mein Gastbeitrag im Blog Deutschlands Agenda, in dem ich mich mit der außenpolitischen Linie der Europäischen Union gegenüber der Koreanischen Halbinsel und den dabei bei weitem nicht ausgeschöpften Potentialen auseinandergesetzt habe. Eine gute Sache, dass die Betreiber des Blogs ein offenes Forum für Außen- und Sicherheitspolitische Fragen im deutschen Web bieten, in denen auch kleine Lichter wie ich mal zu Wort kommen.

Bunte Leserschaft

Neben diesen Medienkontakten habe ich mich aber auch und vor allem immer gewundert, mit wie vielen Leuten, die zum Teil unterschiedlicher nicht sein können, ich über das Blog in Kontakt kam. Manche hatten ein konkretes Anliegen, wollten mir was andrehen oder hatten eine spezielle Frage. Andere haben sich generell für mich oder das Blog interessiert oder einfach so den Austausch gesucht. Von einigen habe ich einmal und dann nie wieder was gehört, von vielen anderen aber erstaunlich regelmäßig und ein paar habe ich auch schon in echt getroffen, was immer eine spannende Erfahrung ist. So ein bisschen hat mir das geholfen, ein besseres Verständnis für meine Leserschaft zu gewinnen, aber im Endeffekt war es nur eine Bestätigung dessen, was ich ohnehin schon vermutet hatte: Dass die Leserschaft des Blogs sehr bunt gemischt ist.
Ein ganz ähnliches Bild ergibt sich auch, wenn man auf die Nationalität der Leser schaut (bzw. den Ort, von dem aus abgerufen wird). An zwölfter Stelle mit immerhin 266 Abrufen rangiert übrigens die Demokratische Volksrepublik Korea. Von dort scheint also der Eine oder Andere öfter mal hier vorbeizuschauen. Viele Grüße auf diesem Wege…

Leserh Herkunft

Vielfältige Interessen

Ein Blick auf die meistgelesenen Artikel bestätigt einige der oben getroffenen Annahmen über die Leserschaft. Zwar ist sie scheinbar generell am Meisten an meiner Person interessiert (was mich ehrt), aber ansonsten sind die Artikel bunt gemischt, die im Interesse der Leserschaft weit vorne sind. Was mich übrigens freut ist die Tatsache, dass die „Freie Beitragsseite“, obwohl sie nicht ganz so funktioniert, wie ich mir das gedacht habe, so doch irgendwie zu funktionieren scheint, schließlich wird sie am zweithäufigsten angelaufen. Auch hier zeigt sich wieder, wie bedeutsam die Aufmerksamkeit externer Seiten wie zum Beispiel vom BILDBlog ist, denn die drei Artikel die dort verlinkt wurden, sind hier unter der Top-10 zu finden.  Ansonsten zeigt sich hier auch, wie wichtig die Suchmaschine ist. Denn der Artikel mit dem Hinweis zum Reisebericht rankt nicht so hoch, weil er so herausragend gut ist, sondern weil er bei der Suchmaschine lange auf der #1 Stand.

Das Blog, Der Autor und Überhaupt (About) 8.138
Freie Beitragsseite 5.865
Die WELT ärgert sich über “Rätselhaftigkeit” Nordkoreas. Ich ärgere mich mit! — oder: Kleines Feedback für großen Blödsinn 4.539
UPDATE: Nordkoreas Staatsfernsehen KCTV im Livestream 4.268
Links zur Selbstrecherche 3.010
Reisebericht zu Nordkorea 2.866
So sieht das neue nordkoreanische Geld aus… 2.531
Wieder Live-Stream von Nordkoreas Staatsfernsehen KCTV im Netz 2.203
Eine deutsche Phantomdebatte: Wie die deutschen Medien sich mit einer Nicht-Geschichte über Nordkorea blamieren 1.974
Kims Skiliftparadies — Von der Überwindung der Moral 1.919

Naja, aber wenn man schon auf die Top-10 schaut, ist vielleicht auch ein Blick auf die letzten-10 nicht so schlecht. Leider werden die allerletzten in der Software nicht angezeigt, weil die nur ein paar Hundert widergibt, aber trotzdem haben zumindest diese ungeliebten Artikel es verdient, nochmal willkürlich ans Licht gezerrt zu werden. Wenn ich sie mir so angucke, muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich nicht wirklich verstehe, warum sie soweit unten stehen. Zum Teil durchaus relevant und fast durchweg interessant, habe ich mal den Verdacht, dass ich mich nicht ausreichend nach den Bedürfnissen der Suchmaschine gerichtet habe. Aber wisst ihr was: Da hab ich auch nur begrenzt Bock drauf und wenn die blöde Maschine gute Artikel nicht findet, dann ist das wohl weniger mein Problem, als das der Maschine. Hier jedenfalls die letzten 10…

„Ideologische Kriegführung“: Hwang Jang-yop beim CSIS über Wege zum Wandel in Nordkorea 63
Von tieffliegenden Friedenstauben und kompromisslosen Polizisten: Warum die jüngsten “Gesprächsangebote” der USA und Nordkoreas keinen Pfifferling wert sind 63
Solide aber nicht brillant: Amnesty, die Medien und die 30 “gesäuberten” Nordkoreaner 63
Kim Jong Il trifft Dimitri Medwedew, oder: Kehrt Russland mit Wucht an den Pazifik zurück? 63
Südkorea untersagt Reise von Gläubigen nach Nordkorea 62
Immer für eine Überraschung gut! Kim Jong Il besucht erneut China 62
„Nina guckt“ — Pjöngjang betrachtet mit den Augen eines Kindes: Sehr schönes neues Blog 62
Die Droherei aus Pjöngjang: Eine gelungene Medienwirkungsstrategie 62
Auswertung der Feedback-Runde 61
Update (27.03.2012): Neues zu Nordkoreas Satellitenstart: Kurze Zusammenfassung 61

Und weil es tatsächlich Spaß macht, mal zu gucken, mit welchen Suchbegriffen man alles zu diesem Blog kommt, hier eine kleine Sammlung der letzten drei Monate:

  • „wird im ministerium schneller befördert“ (keine Ahnung. In Nordkorea wird im Ministerium jedenfalls auch schnell gefeuert…)
  • „jobs in nordkorea“ (sehr begrenzt verfügbar und wie man hört auch nicht besonders erstrebenswert)
  • „die verrücktesten diktatoren“ (Ich dachte bei so einer Anfrage würde man direkt zur BILD weitergeleitet…)
  • „nordkorea info seriös?“ (klar, ein Ausbund der Seriosität. Dagegen ist Peter Zwegat ein Windhund!)
  • „durchschnittslänge glied“ (Ebenfalls keine Ahnung. Allerdings habe ich wenig Hoffnung, dass der Suchende je fündig werden wird, wenn ihn seine Suche auf dieses Blog führt.)
  • „synapsen verschmort“ (schlimme Sache. Viel Erfolg für die Zukunft!)
  • „was+will+die+usa“ (Naja, das ist mal eine gute Frage. Hoffentlich hat Google die passende Antwort dafür gefunden….)
  • „Asyl in nordkorea“ (Hat da etwa jemand ein paar Gigabyte Daten von einem BND-Rechner geklaut und denkt über sein weiteres Vorgehen nach? Mein Tipp: Überleg es dir nochmal: Knast in Deutschland ist auch nicht so schlecht…)
  • „hysterische medien“ (Genau richtig hier, in der Heimat der Hysterie und des Irrsinns.)
  • „was sinnvolles“ (Generation Internet: „Mama, mir ist langweilig. Was soll ich machen?“ — „Was Sinnvolles!“ — „Hm…“)

Ein kleiner Hinweis und ein großes Appell.

Nungut, soviel zum diesjährigen Bloggeburtstag und jetzt noch ein kleines Preview: Wer hier seit Anfang an mitliest, der kann sich vielleicht erinnern, dass ich zu den letzten Bundestagswahlen einen kleinen Beitrag über die Positionen der Parteien bzw. Politiker zu Nordkorea gemacht habe. Ich bin mir zwar ziemlich sicher, dass niemand davon seine Wahlentscheidung abhängig machen wird, aber es ist ein schöner Aufhänger. Deshalb könnt ihr euch noch vor der Wahl auf dieses kleine Wahlspecial freuen, auf das ich jedenfalls echt Lust habe.

Ihr müsst dann nur lesen und am 22. September wähl, was ist mir eigentlich Latte, solange ihr demokratischen Boden unter den Füßen behaltet. Das Recht zu wählen und die politische Richtung in einem Land mitzubestimmen ist eines der zentralen Merkmale, das unser Land von Nordkorea unterscheidet, also gebt dieses Recht nicht leichtfertig auf, weil ihr irgendwie unzufrieden seid. Und wenn ihr am 22. keine Zeit habt, dann fordert jetzt schonmal eure Briefwahlunterlagen an und wählt vorher. Das kostet weniger Zeit als den ganzen Kram zu lesen, den ich hier verzapft habe, ist aber ungleich wichtiger. Als los jetzt!

Wenn BER in Pjöngjang stände — Kurze Reflektion zu einer never-ending-Story


Kürzlich habe ich in der ZEIT (in der aktuellen Ausgabe gibt es übrigens ein weitgehend schönes Dossier zu Nordkorea) diesen Artikel zu den Sanierungsbemühungen Hartmut Mehdorns auf dem Berliner Flughafen (BER) gelesen. Ich muss zwar zugeben, ich bin kein Fan von Mehdorn und froh, dass er seine „Vision“ für die Deutsche Bahn nicht umsetzen konnte, aber nichtsdestotrotz habe ich den Artikel eigentlich recht unvoreingenommen gelesen und war daher überrascht, was da alles stand.

Noch überraschender fand ich aber, dass ich mich bei der Lektüre ständig an Nordkorea erinnert fühlte. Warum das so war? Ich versuche es kurz zu erklären:
Der Artikel befasst sich in erster Linie mit den Maßnahmen, die Mehdorn ergriffen hat, um den Flughafen so früh wie möglich in Betrieb zu nehmen. Dazu zählen:

  • Die Einrichtung eines Beschleunigungsbüros
  • Das Projekt „Sprint“ zur schnelleren Fertigstellung des Baus
  • Die ökonomisch ineffiziente geplante Inbetriebnahme eines Teils des Flughafens im Jahr 2013, um Fortschritt zu demonstrieren
  • Das Umorganisieren von Bauanlagen (Container und Zäune) um den äußeren Anschein der Baustelle zu verbessern, ohne das damit Verbesserungen in Abläufen verbunden wären (schon aber Kosten in Millionenhöhe)
  • Das Drängen auf Tempo bei der Umsetzung von Baumaßnahmen ohne Rücksicht auf direkte oder Folgekosten

Nungut, könnte man sagen. Da treffen eben viele ungünstige Faktoren zusammen, politischer Wille, ein  mittelmäßiges Management und öffentliches Interesse. Das kommt vor. Klar kommt das vor.
Allerdings habe ich mir bei der Lektüre des Artikels vorgestellt, der Flughafen würde nicht in Berlin, sondern in Pjöngjang gebaut. Dann wären all die Aspekte was ich eben aufgeführt habe als unwiderlegbare Belege für die Ineffizienz und Unterlegenheit sozialistischer Wirtschaftsmodelle herbeigezogen worden.

  • Wir hätten da die einem sozialistischen Wirtschaftssystem inhärente Fuscherei, die erst zu dem ganzen Schlamassel geführt hat.
  • Als Lösung wäre der Bürokratiewut der Betonköpfe entsprechend eine neue Institution (Das Beschleunigungsbüro) ins Leben gerufen worden, die trotz allem Aktionismus höchstens noch mehr Verwirrung stiftet
  • Es wäre ein Kampagne im Sinne einer 100-Tage-Arbeitsschlacht gestartet worden, auch noch mit der schönen Losung „Sprint“
  • Man hätte die ökonomische Vernunft und Effizienz ganz den Ideen eines Individuums untergeordnet: Der Flughafen wird 2013 teileröffnet, ob es Sinn mach oder nicht.
  • Man hätte Zeit und Energie auf die schöne Fassade verwendet, also quasi Potemkinsche Dörfer gebaut, statt die Arbeit substantiell voranzutreiben
  • Die fristgerechte Umsetzung der Pläne hätte Priorität vor Sicherheit und Kosten gehabt.
  • Insgesamt wäre mal wieder die große Unterlegenheit planwirtschaftlich organisierter Wirtschaftssysteme offensichtlich geworden. Was starren Plänen und individueller Selbstherrlichkeit unterworfen ist, das kann am Ende nicht zu effizienten Ergebnissen führen.

Was ich damit sagen will? Eigentlich nicht wirklich was, ich fand die Assoziation nur ganz witzig.

Und vielleicht könnte man mal darüber nachdenken, ob Fehler und Fehlentwicklungen in politischen oder wirtschaftlichen Systemen immer so absolut an diesen Systemen festzumachen sind, oder ob nicht auch in Teilen Individuen und gesellschaftliche Wertorientierungen diese Fehlentwicklungen treiben.
Ich würde mir nämlich mitunter wünschen, dass manche Menschen ihre eigene Systemgläubigkeit ein bisschen hinterfragen und auch mal darüber nachdenken würden, ob nicht das, was das System füllt ein Risiko darstellen könnte. Ein absoluter Glaube an ein System ist nämlich unabhängig von seiner Ausformung immer gefährlich, weil man die Idee über die Realität stellt.

Nordkoreas Wirtschaft wächst…Vieleicht…egal! — Hauptsache wir haben eine Zahl…


Habe den Text gerade nochmal gelesen und mir überlegt, am besten einen Disclaimer davor zu setzen: Jeder der sich nicht dafür interessiert, was ich über die Richtung der Entwicklung unserer Gesellschaft denke, der sollte nach dem zweiten Absatz aufhören zu lesen. Ab da geht es nur noch am Rande um Nordkorea. Bis dahin sind alle harten Fakten genannt worden, der Rest ist dann blabla…

 

Wie jedes Jahr, so hat die Bank of Korea (BOK) auch in diesem Jahr wieder eine auf die Nachkommastelle genaue Aussage über die Entwicklung der nordkoreanischen Wirtschaft gegeben. Dieses Jahr sei die Wirtschaft der DVRK, so die BOK, im zweiten Jahr in Folge gewachsen. Um 1,3 %. Die Angabe im Vergangenen Jahr war 0,8 %, in den beiden Vorjahren war die Wirtschaft laut BOK zurückgegangen (0,9 % in 2009 und 0,5 % in 2010). Die Angaben der BOK setzen sich wiederum zusammen aus nachkommastellen genau berechneten Zahlen zu unterschiedlichen Sektoren der nordkoreanischen Wirtschaft (z.B. wuchs Landwirtschaft und Fischerei um 3,9 %).

Eine Nicht-Beschäftigung mit der Schwachsinnigkeit von Kommagenauen Wirtschaftszahlen

Nun ist das natürlich alles schön und gut und es ist eine super Sache, wenn unter dem Strich eine (+ 1,3 %) oder zwei (BIP: 29,7 Milliarden US-Dollar) Zahlen stehen hat, aber so wie jedes Jahr, frage ich mich auch in diesem Jahr, was das alles denn genau soll. Ich will jetzt garnicht wieder damit anfangen, dass es kompletter Schwachsinn ist, irgendwelche aufs Nachkomma genaue Wirtschaftszahlen zu errechnen, für ein Land, das so verschlossen ist, dass man  einen Raketentest erst dann bemerkt, wenn die Rakete schon fliegt und den Tod des Führers erst dann, wenn es ein paar Tage später in den dortigen Nachrichten läuft. Natürlich hat die BOK Anlass sich mit der nordkoreanischen Wirtschaft zu beschäftigen und Einschätzungen darüber zu produzieren, aber warum tut man das nicht auf eine seriöse Weise, auf Basis dessen, was man wissen kann und nicht auf Basis dessen, was man sich so zusammenspekuliert?

Nichtwissen gibt es nicht!

Ehrlich gesagt weiß ich es nicht so genau, denn eine seriöse Schätzung wäre sicherlich auch eher im Interesse des Auftraggebers und zu Seriosität gehört es eben auch, dass man zugibt etwas nicht zu wissen, wenn man etwas nicht weiß. Aber ich glaube genau da liegt einer der Gründe für dieses seltsame Gebaren. Es ist für uns internetverwöhnte und wissensvergesellschaftete Informationsjongleure einfach unvorstellbar, dass es zu einem so Grundlegenden Thema wie der Wirtschaftskraft eines Staates keine tragfähigen Informationen geben soll. Es ist also sozusagen eine Nachfrage nach dieser Information da. Und wie das auf einem guten Markt so üblich ist, springt dann halt jemand ein, der diese Nachfrage befriedigt. In unserer heutigen Informationsgesellschaft sind uns graue Flecken in unserem  so schön dicht gewebten Wissensteppich ein unglaublicher Graus, denn die zeigen uns ja Grenzen auf und eigentlich haben wir zumindest mental doch durch die Informationsvernetzung jegliche Grenze eingerissen, nur das Fleisch ist noch ein bisschen schwach. Also müssen wir wissen, wieviel die nordkoreanische Wirtschaft produziert.

Der Zeitgeist…

Aber so ganz erklärt das immernoch nicht, warum da unbedingt ein „+ 1,3 %“ stehen muss. Ich meine man könnte sich doch auch vorstellen, dass da einfach irgendwas von „schwachem Wachstum“ oder so gestanden hätte, das wäre wahrscheinlich mindestens so genau dran gewesen, wie die + 1,3 % und es hätte vermutlich auch ausgereicht, um den südkoreanischen und anderen Staatenlenkern Anhaltspunkte über die Entwicklung der nordkoreanischen Wirtschaft zu geben. Wie kommt es also, dass am Ende unbedingt eine Zahl stehen muss? Auch das ist, so sagt mir mein Gefühl, Ergebnis unseres Zeitgeistes.
Dieser Zeitgeist versucht die Welt immer weiter zu rationalisieren und objektivieren. Alles muss irgendwie in objektive und vergleichbare Kategorien gebracht werden. Und das Rationalste, Objektivste und Vergleichbarste überhaupt sind Zahlen. Wir glauben heute an nichts mehr als an Zahlen. Gleichzeitig sind die Zahlen fast schon zum Fetisch geworden. Ohne Zahle ist alles nichts wert. In der Wirtschaft ist das irgendwie ja noch fast logisch, obwohl es da ja irgendwann auch mal noch was anderes gab, Verantwortung oder so, aber diese Sucht nach Zahlen dringt immer mehr in alle Bereiche des Lebens vor. Alles muss messbar werden. Ob es das Bildungs- oder das Gesundheitssystem ist, die Kundenzufriedenheit oder das Konsumklima, das Wetter (wir können es zwar nur sehr begrenzt vorhersagen, aber am Ende jeden Monats wertet jeder Trottel aus, wieviel zu warm der Monat, wie es mit dem Regen war und wer genug Sonnenstunden gekriegt hat. Hat zwar für niemanden von uns irgendeinen Wert, aber wir haben Fakten, super) oder sogar Glück oder Demokratie.

Effizienz: Die große Schwester des Zahlenfetischismus

Jedoch ist, glaube ich, diese Sucht nach Zahlen auch nur das Ergebnis eines anderen Phänomens. Denn wir glauben ja heutzutage allen Ernstes, dass es kein höheres Ziel geben könne als Effizienz. Und ob etwas jetzt effizient ist oder nicht, das kann man eben nur mit Zahlen belegen. Deswegen sind auch sehr viele Aspekte des menschlichen Lebens, die sich nicht in Zahlen ausdrücken lassen, entweder in ihrer Existenzberechtigung einer ständigen Bedrohung ausgesetzt (Kultur ist das perfekte Sparschwein (ist nur nicht mehr so viel dran), denn das einzige Kriterium, das an Kulturproduktion angelegt wird, ist die Jahresbilanz der kulturschaffenden Institution) oder sie werden so umgedeutet, dass sie doch wieder unter Effizienzaspekten messbar werden (einen Teil der Kulturproduktion in das bescheuerte Modewort Kreativwirtschaft auszulagern, unterwirft diesen Bereich nur objektiv den Bedingungen der Effizienz. Als Teil der „Wirtschaft“ muss sich der kreativwirtschaftlich Aktive immer an den Maßstäben der Wirtschaft messen lassen. Da kann es dann schnell zu dem Punkt kommen an dem es heißt: Tja, die Zahlen stimmen nicht! Und damit hat er dann keine Daseinsberechtigung mehr, während sich der Kulturschaffende immernoch auf den übermateriellen Wert der Kultur berufen kann).

Der Übergriff der Zahlen und Effizienz auf fremde Domänen

Nun könnte man natürlich fragen, was das Problem damit sei, irgendetwas anhand von Zahlen vergleichbar zu machen und das gut zu beantworten ist garnicht so einfach. Aber ich will es trotzdem mal versuchen. Die Tatsache, dass Zahlen rational, objektiv und vergleichbar sind, macht Zahlen nämlich nur auf den ersten Blick zu einer großartigen Allzweckwaffe bei der Bewertung, dem Verstehen und dem Planen der Welt. Auf den zweiten Blick legen nämlich gerade die Qualitäten von Zahlen ihre großen Mängel offen. Zahlen ebnen die Realität ein und verstellen den Blick auf das meiste menschliche auf der Welt. Wenn man die Bilanz eines Krankenhauses oder Altenheimes anschaut, dann sind die Zahlen darin scheinbar vollkommen objektiv, aber wenn man dann die Notwendigkeit sieht, die Zahlen zu ändern, dann hat das Auswirkungen, die nicht unbedingt in Zahlen zu fassen sind, weil sie die Menschlichkeit als nicht quantifizierbare Größe direkt betreffen.

Das goldene Kalb

Ich will mich jetzt nicht als hippiemäßiger Feind von Zahlen und Effizienz aufführen, allerdings erschreckt es mich manchmal, wie bedenkenlos wir es immer wieder akzeptieren, dass Zahlen- und Effizienzzwänge in Domänen  Auswirkungen haben, die nicht in Zahlen- und Effizienzmaßstäben messbar sind. Ich glaube wir sollten uns nochmal dessen besinnen, was Zahlen eigentlich tun und was die Idee der Effizienz eigentlich meint. Effizienz ist keine religiöse Zielvorstellung, deren Erreichung wir absolut setzen können, es ist auch kein Muss, um die Weiterentwicklung der Menschheit sicherzustellen. Effizienz und die Zahlen, die helfen sollen Effizienz zu erreichen, sind nur Hilfsmittel die zur Steigerung des allgemeinen Wohlstands beitragen sollen. Allerdings — und hier beißt sich die Katze in den Schwanz — wird als Teil der Wohlstandsrechung nur das begriffen, das man auch in Zahlen fassen kann. Alles andere fällt aus der Rechnung heraus. Dabei (und damit komme ich irgendwie nochmal an meinem Ausgangspunkt vorbei) ist es immer öfter vollkommen irrelevant, ob die Zahlen stimmen oder nicht und ob Effizienz wirklich erreicht wird oder nicht, es geht nur darum, dass Zahlen da sind und das es effizienter aussieht. Wir haben uns eine Art Selbstvergewisserungsfalle gebaut. Wir schauen jeden Monat auf den Konsumklimaindex, die Arbeitslosenzahlen, die Inflation und das Wirtschaftswachstum und wenn die Gesamtmenge der Zahlen eine Zeit lang schlecht ausschaut, dann werden wir depressiv. Wir werden nicht arm oder so, uns geht es wahrscheinlich nicht wirklich schlechter, aber die Zahlen stimmen nicht mehr. Und was macht man dann? Man steigert die Effizienz. Man erfindet Hartz IV oder so nen Kram und ein paar Jahre später stimmen die Zahlen und alles ist irgendwie in Ordnung. Verrückt.

Das Ende der Geschichte und der Wettlauf mit uns selbst

Ich weiß es nicht genau, aber irgendwie habe ich manchmal das Gefühl, das alles hat mit dem Ende des Ostblocks zu tun. Früher konnten wir uns an der DDR messen, die USA konnten sich an der Sowjetunion messen und der Vergleich war dann genug. Aber irgendwann gab es keine DDR und keine Sowjetunion mehr. Es gab nur noch uns, weil wir hatten gewonnen. Wir hatten zwar gewonnen, aber wir hatten nicht mehr so recht etwas, an dem wir uns messen konnten. Wir waren am Ende der Geschichte angekommen. Natürlich gab es noch einiges zu tun, zum Beispiel den Weltfrieden schaffen, aber eigentlich konnte es nicht mehr besser werden. Aber weil der Mensch sich eben gerne misst und vergleicht, haben wir eben angefangen uns an uns selbst zu messen. Aber das mit dem sich an sich selbst messen, ist immer so ein Problem. Also man kann zwar meistens noch ne Schippe drauflegen, aber irgendwann hat man einfach seine Möglichkeiten so weit ausgereizt, dass es nicht mehr besser geht. Dann fängt man an die letzten Reste von Effizienz aus sich rauszuquetschen, aber irgendwann geht das auch nicht mehr. Und was dann passiert, darauf bin ich gespannt. Oder wir treiben einfach einen immer größeren Selbstbetrug, reden uns mit geschönten und gefärbten und geänderten und angepassten Zahlen ein, dass wir noch effizienter wurden und unser Wohlstand noch größer ist und freuen uns daran. Naja, wir werden sehen.

Eine Entschuldigung an die Leser

Jetzt hab ich euch aber bestimmt tierisch genervt mit meinem Schwachsinn, aber genauso schwachsinnig wäre es gewesen, nordkoreanische Wirtschaftszahlen auszuwerten. Und für diejenigen, die meine Schreiberei so richtig genervt hat, habe ich ja immerhin noch ein paar harte Fakten am Anfang genannt, die können sie sich ja dann aufschreiben und jedem weitererzählen, der wissen will, wie es um Nordkoreas Wirtschaft steht… Jedenfalls bitte ich euch meine Tirade zu vergeben und vielleicht habt ihr ja mal Lust, in nächster Zeit einfach mal bei den harten Fakten die ihr in Form von Zahlen präsentiert bekommt zu hinterfragen, was sie eigentlich aussagen und ob sie nicht nur scheinobjektivierungen und-rationalisierungen von nicht Objektivierbarem sind. Auch nett ist es mal darüber nachzudenken, was an dem, das ihr für das gute und angenehme Leben haltet, nicht in Zahlen ausdrückbar ist und was sich daher dem vollständig entzieht, dem wir in Form von Wohlstand jeden Tag hinterherlaufen. Ich verspreche, euch in der nächsten Zeit mit meiner Moralisiererei zu verschonen und mich wieder dem Kerngeschäft zu widmen. Allerdings habe ich mir noch eine Sache vorgenommen, die inhaltlich ganz gut zu dem passt, das ich jetzt geschrieben habe. Ich wollte mir nämlich seit langem schonmal so viele Indizes wie möglich vornehmen, in denen Nordkorea erfasst wird und einfach mal prüfen, ob die Indizierung des Landes so passt, oder ob es eigentlich totaler Schwachsinn oder eine Art Scheinobjektivierung ist, wenn Nordkorea dort auf diesem und jenem Platz aufgeführt wird. Da freue ich mich drauf.