Amtszeit von Gerhard Thiedemann beendet – Bisher noch kein neuer deutscher Botschafter bestimmt


Gerade bin ich ein bisschen frustriert, weil die Scheißblogsoftware meinen Scheißartikel aufgegessen hat! Aber naja, bei ein paar hundert Artikeln kommt das vermutlich rein statistisch irgendwann mal vor. Nur hoffe ich, dass sich die WordPress-Firma nicht weiter dem Zeitgeist hingibt, dass alles vorne irgendwie Schick aussehen muss und am Ende ist egal, was dahintersteht. Naja, soviel zu meinem Frust. Fast. Denn der Beitrag war eigentlich schon fertig und weil ich weder Lust noch Zeit habe, das genauso wiederzugeben kriegt ihr heute nur die Kurzversion.

Irgendwie ist es mir fast zwei Wochen durchgegangen, dass die Position des deutschen Botschafters in Pjöngjang vermutlich zum 01.07. vakant geworden ist. Gerhard Thiedemann, der den Job seit 2010 gemacht hat, ist jetzt in Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei tätig. Bevor er das Land verließ, legte er allerdings noch eine ganz passable Abschiedstour hin. Er traf Außenminister Pak Ui-chun, den Parteisekretär der Partei der Arbeit Koreas für internationales Choe Thae-bok, den Vorsitzenden der Obersten Volksversammlung Kim Yong-il und den Präsidenten des Präsidiums der Obersten Volksversammlung und damit das protokollarische Staatsoberhaupt Kim Yong-nam.
Das ist eigentlich eine ganz beachtliche Ausbeute. Ich hab nur mal zum Vergleich geguckt, wie viele Abschiedsbesuche die britischen Kollegen von Herrn Thiedemann absolviert haben und die Vorgängerin des jetzigen britischen  Botschafters hat nur einen gemacht, ihr Vorgänger drei.

Deutsche Botschaft.

Zur Zeit ohne Chef. Der Posten des deutschen Botschafters in Pjöngjang ist aktuell vakant. (Bild: fresh888 unter CC-Lizenz Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert) (CC BY-NC-ND 2.0))

Daraus könnte man einerseits ableiten, dass die DVRK einen gesteigerten Wert auf die Beziehungen zu Deutschland legt und deshalb viel diplomatische Aufmerksamkeit verschenkt, andererseits könnte man aber auch folgern, dass die DVRK gerade in der aktuellen Zeit besonderen Wert auf ihre Außenbeziehungen legt und Herr Thiedemann das Land sozusagen zur rechten Zeit verlassen hat, dann hätte das nicht direkt etwas mit ihm oder Deutschland zu tun, sondern mit der aktuellen Situation.

Wer die NachfolgerIn von Thiedemann werden wird, ist aktuell noch nicht klar. Auf der Seite des Auswärtigen Amtes wird er schon als Botschafter in der Mongolei geführt, während die Position in Pjöngjang vom allseits beliebten N.N. freigehalten wird. Vermutlich wird sich Thiedemann freuen, den relativ unspektakulären und wohl auch wenig inspirierenden Job in Pjöngjang los zu sein. Dort haben die Mitarbeiter der deutschen Botschaft vermutlich so viele Einschränkungen wie in kaum einem anderen Land der Erde. Gleichzeitig kam Thiedemann in einer sehr schwierigen Phase, kurz nach dem Untergang/der Versenkung (who knows…) der Cheonan und kurz vor dem Beschuss der südkoreanischen Insel Yonpyong durch nordkoreanische Artillerie ins Land. Weiter gab es in seiner Amtszeit eine nukleare Enthüllung (Uran), einen Nuklear- und zwei Raketentest, den Tod eines großen und den Start einen kräftigen Führers. Das meiste davon ist zwar für Diplomaten vermutlich nicht uninteressant, aber eigentlich nichts ist angetan die deutsch-nordkoreanischen Beziehungen zu verbessern und damit hat der Botschafter in einem entscheidenden Teil seines Stellenprofil einen schwierigen Job und nicht wirklich Perspektiven.

Ich hab mal geschaut, ob ich irgendwo Aussagen Thiedemanns zu seinen Aufgaben und seiner Sicht der Dinge finde und bin einerseits auf dieses nicht uninteressante Interview gestoßen, aber vor allem habe ich dashier gefunden, was sich wirklich lohnt. Dafür kann man mal ne Stunde investieren. Es ist ein kompletter Audio-Mitschnitt eines GIGA-Forums zu Nordkorea aus dem vergangenen Jahr (ich hatte auf die Veranstaltung hingewiesen, aber bisher war mir nicht bewusst, dass die komplett als Audio im Netz steht), auf dem Herr Thiedemann sehr ausführlich seine Erfahrungen als Diplomat in Nordkorea und seine persönlichen bzw. fachlichen Einschätzungen schildert. Absolut hörenswert. Allein seine Aussage, Kim Jong Un habe, als er ihn auf Deutsch ansprach nicht das geringste Anzeichen des Erkennens gezeigt (er und sein britischer Kollege haben das vor Kim Jong Ils Sarg, wo sie dem Jungen die Hand schüttelten getan um seine Sprachkenntnisse zu checken (ganz schön pfiffig!)), finde ich schon superspannend. Noch lieber wüsste ich aber, warum er dann bitte noch die Annahme aufrechterhält, Kim Jong Un sei ein paar Jahre in der Schweiz ausgebildet worden. Das ist doch totaler Blödsinn… Außer er weiß mehr (glaub ich aber nicht. Ich fürchte er glaubt der Presse.).

Naja, aber das nur am Rande. Ich bin jedenfalls gespannt, wer sein Nachfolger wird und wann der entsandt wird. Eigentlich muss ich zugeben, wäre ich garnicht so traurig, wenn kein relativ kompetenzarmer FDP-Außenminister oder einer seiner direkten Untergebenen diese Entscheidung träfe und es ist ja nicht mehr so lange bis zur Bundestagswahl und ich bin immernoch guter Hoffnung, dass die Wirtschaftsliberalen dann mal ein paar Jahre in der außerparlamentarischen Opposition über ihre politische Linie nachdenken können. Aber vermutlich ist es nicht so wichtig, wer den Boschafter einsetzt, denn die sind ja Profis die politische Linien  umsetzen, sondern es ist wichtig, welche Linien vorgegeben werde, aber vielleicht kommt da ja auch was im September.

Ein Strauß voll Buntes (X): Leichtes Sommersträußlein um Langeweile vorzubeugen


Es ist Sommer und heiß, da trifft es sich ja gut, dass ich morgen das Land verlassen werde…
Allerdings nur für eine Woche. Aber wenn ich die Wettermeldungen richtig deute, wird dann wieder alles beim Alten sein: Also eher „Sommer und kühl“.
Naja, dafür ist es da wo ich hinfliege (hm, ist nicht so groß…) ja auch irgendwie eher Sommer und kühl. Aber nun gut. Wir wollen ja nicht klagen. Jedenfalls habe ich es mir ja zur Gewohnheit gemacht, euch, wenn ich mich abmelde (nicht für lange. In einer guten Woche bin ich schon wieder da), ein bisschen Beschäftigung dazulassen. Und weil es Sommer und heiß ist, und ihr bestimmt besseres zu tun habt, als vor dem PC rumzuhängen, wird es auch nicht so viel sein. Ein kleines Sommersträußchen also, bei dem ich darauf geachtet, habe, dass es sehr leicht zu verdauen ist, also nur deutschsprachiges Zeug  heute mal…

Zu den anderen bunten Sträußen hier klicken...

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Gute Analysen von der SWP

Passenderweise hat die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) gerade was Gutes produziert, das nicht superviel, aber doch spannend genug ist, um es mal anzugucken. Gleich zwei Papers zur aktuellen Situation auf der Koreanischen  Halbinsel wurden geschrieben und beide möchte ich euch ans Herz legen.
Nadine Godehardt hat sich in „Pekings zweigleisige Politik gegenüber Pjöngjang“ mit Chinas aktueller Nordkorea-Politik, Chinas Interessen gegenüber Nordkorea und der öffentlichen und akademischen Diskussion in China beschäftigt und ist der Frage nachgegangen, ob sich Chinas Politik gegenüber Nordkorea aktuell grundlegend wandelt, oder ob eigentlich alles beim Alten geblieben ist. Sie kommt  letztendlich zu letzterer Erkenntnis, allerdings finde ich, dass man einige ihrer Interpretationen auch anders betrachten kann, bzw. dass sie aufgrund knapper Informationen relativ weit gehen. Trotzdem ein spannendes Paper und eine gute Analyse.
Hans Günther Hilpert und Oliver Meier gehen in ihrem Papier „Kurskorrektur im Umgang mit Nordkoreas Atomprogramm?“ auf die künftige Strategie der westlichen Staaten gegenüber Nordkorea ein. Dabei sehen sie einen Gegensatz zwischen dem Ziel der Denuklearisierung und einem möglichen Erfolg bei Verhandlungen. Gleichzeitig sehen sie aber auch eine konsequente Haltung gegenüber dem Nuklearprogramm als essentiell an, da anderweitig der Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen schweren Schaden nähme. Zur Lösung dieses offensichtlichen Dilemmas schlagen sie das vor, was man bei Dilemmata für gewöhnlich immer sucht. Den goldenen Mittelweg, eine pragmatische und trotzdem konsequente Politik. Ich muss sagen, der Artikel gefällt mir sehr gut und ich habe kaum ein Haar in der Suppe gefunden.

Natürlich werden die beiden Berichte auch auf der Seite mit deutschsprachiger Literatur verlinkt.

Der neue Verfassungsschutzbericht

Wer jetzt Gefallen am Lesen deutscher Texte gefunden hat, den interessiert vielleicht auch noch, was der Verfassungsschutz aktuell zu nordkoreanischen Aktivitäten in Deutschland sagt. Letzte Woche wurde nämlich der Verfassungsschutzbericht 2012 veröffentlicht und da gibt es wie gewöhnlich auch ein paar Seiten zu Nordkorea. Wer den Verfassungsschutzbericht 2011 kennt, der wird nicht viel Neues zu Nordkorea finden, aber viellicht haben ja ein paar von euch das noch nicht gelesen. Ansonsten stehen da ja auch sehr viele andere bedenkliche Sachen drin, die man aber gerne auch kritisch hinterfragen kann…

Für Flugzeugnerds und andere Reisefreunde

Wo ich eben schonmal das Thema „fliegen“ hatte, passt es doch ganz gut, dass es auch dazu was gibt. Hatte zwar schonmal einen englischsprachigen Reisebericht über die Flugzeugenthusiastentour verlinkt, aber vielleicht habt ihr ja eher Lust, einen auf Deutsch zu lesen und dazu noch ein bisschen was an Videoschnipseln etc. geliefert zu bekommen. Ich finde der Bericht ist nicht nur für Flugzeugnerds eine spannende Bereicherung.

Fotoalben

Und passend zum Thema Urlaub (und meinem gestrigen Beitrag) gibt es jetzt auch noch ein paar Bilder. Stephanie Kleine-Ahlbrandt, die für die International Crisis Group arbeitet und eine ausgewiesene Ostasien Expertin ist, hat nämlich jede Menge Bilder von ihren Besuchen in Nordkorea online stehen und über die bin ich kürzlich gestolpert. Wer also ein paar nette, aber nicht weltbewegende Fotoalben sehen will, der kann hier und hier gucken.

Bitte um Input: Positionen deutscher Politiker — Wen fragen und was?

Zu guter Letzt habe  ich mir gedacht, wenn das Wetter doch schlecht werden sollte und ihr doch Lust habt vor dem PC rumzuhängen, dann hätte ich eine kleine Frage nach Input für euch. Zu den letzten  Bundestagswahlen hatte ich was über die Positionen deutscher Politiker/Parteien zu Nordkorea geschrieben. Das würde ich dieses Mal auch gerne wieder machen, aber weil es bis dahin ja noch ein bisschen hin ist, kann ich mir dieses Mal etwas mehr Arbeit antun. Ich hatte gedacht, einfach ein paar Leute zu fragen. Dazu gibt es ja zum Beispiel dieses hervorragende Instrument, das ich dazu gerne nutzen würde (einfach weil ich es gut finde).

Die Fragen sind jetzt: Wen frage ich und was frage ich?

Naja und dazu hätte ich gerne Input von euch, wenn ihr mögt. Meine Vorschläge wären z.B. die außenpolitischen Sprecher aller Fraktionen, dann vielleicht noch die oder einige Mitglieder der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe und vielleicht diejenigen, die im letzten Jahr das Land besucht haben. Was meint ihr? Noch wer?

Die zweite Frage ist ein bisschen komplizierter. Da muss man erstmal überlegen, ob man alle das Gleiche fragen will, oder individuell auf die jeweiligen Leute eingeht. Ersteres ist weniger Arbeit und liefert vergleichbare Ergebnisse, letzteres könnte dafür spannendere Antworten bringen. Was meint ihr?
Und wenn man sich für eine Variante entschieden hat, dann muss man noch überlegen, was der konkrete Inhalt der Fragen ist. Ich habe ein paar Ideen, bin aber eigentlich offen. Wenn ihr mögt, könnt ihr eure Vorschläge per Mail oder Kommentar einreichen, ich werde dann sehen, wie ich das weiter diskutieren werde. Wenn ihr nicht mögt: Schade, aber auch kein Beinbruch.

Na gut, ich werde sehen, was in einer Woche so in meinem Postfach und der Kommentarspalte liegt. Bis dahin einen schönen Sommer euch…

Deutsche Parlamentarier in Nordkorea: Was wir aus den Besuchen der letzten Monate lernen können


In den letzten Monaten besuchten mit Manfred Grund (CDU) und Jürgen Klimke (CDU) zwei deutsche Parlamentarier Nordkorea und führten dort neben den Standard-Besuchstouren auch politische Gespräche. Da ich darauf bisher noch nicht wirklich eingegangen bin, obwohl die Reise von Manfred Grund bereits Ende März stattfand, will ich das heute kurz nachholen, vor allem, weil beide Besucher interessantes zu berichten hatten.

Grunds Nordkoreabesuch: Bewegte Zeiten

Grunds Besuch fand — wenn ihr euch zurückerinnert — unter sehr schwierigen Vorzeichen statt, denn er bereiste das Land nahezu auf dem Höhepunkt der rhetorischen Drohgebärden Nordkoreas. Eigentlich hatte er gemeinsam mit Vertretern der Konrad Adenauer Stiftung fahren sollen, doch die sagten den Besuch wegen der schwierigen Lage ab. Diese angespannte Situation sorgte auch dafür, dass Grunds Reise von den deutschen Medien einige Aufmerksamkeit bekam (von den nordkoreanischen übrigens auch, aber außer, dass er den Status „VIP“ verliehen bekam, sind diese Berichte ja eh immer gleich) und er häufiger befragt wurde. Was ich da las, fand ich irgendwie seltsam, aber war vermutlich etwas von der medialen Berichterstattung und den Wahrnehmungen vor dem damaligen Kontext gefärbt. Denn verdienstvollerweise hat der Bloggerkollege von Petty News ein recht ausführliches Interview mit Grund geführt, als die allgemeine Medienpanik wieder abgeklungen war und die Gemüter sich beruhigt hatten. Dieses Interview ist absolut hörenswert. Die Einschätzungen die Grund dort zum Besten gibt sind differenziert und ich kann sie eigentlich fast komplett unterstützen. Daraus wird auch deutlich, dass er sich sehr gut auf seine Reise vorbereitet und ordentlich Hintergrundwissen angelesen hat. Schön finde ich auch, dass er offensichtlich mit konkreten Ideen einer deutschen Politik gegenüber Nordkorea dorthin fuhr und von dort wieder zurückkehrte.

Klimkes Besuch: Ruhig und Sachorientiert

Klimke dagegen war vor knapp zwei Wochen vor Ort (hier die KCNA Berichterstattung dazu), also zu einem Zeitpunkt, wo die Spannungen und noch mehr der mediale Hype darum, wieder absolut abgekühlt sind. Dementsprechend findet sich der einzige Bericht (aber immerhin ist der recht ausführlich) zu seiner Reise in seiner Heimatzeitung, dem Hamburger Abendblatt. Auch dieser Bericht legt interessante Details über den Besuch offen (vor allem würde mich brennend interessieren, ob der Bezug zu Myanmar von seinen Gesprächspartnern wirklich so hergestellt wurde, das fände ich nämlich sehr bemerkenswert), da ihr das aber selbst nachlesen könnt, finde ich es besonders spannend, wenn man ihn mit dem vergleicht, das Grund zu erzählen hatte.

Der Vergleich: So groß ist der Unterschied nicht

Denn dann wird offensichtlich, so unterschiedlich waren die Inhalte ihrer Gespräche garnicht, auch wenn die Situationen in denen sie das Land besuchten, sehr verschieden waren.
Der größte Unterschied lag wohl in der Schwerpunktsetzung der Gespräche, denn Grund musste sich, bevor er inhaltliche Sachthemen der deutsch-nordkoreanischen Beziehungen angehen konnte offensichtlich erstmal ellenlage Tiraden und Stellungnahmen zur damals aktuellen Lage anhören. Das waren nicht die Positionen seiner Gegenüber, sondern „Sprechzettel“, die sie von ihren Chefs mitbekommen hatten und abarbeiten mussten. Naja und wer sich an die damalige Rhetorik erinnert, der weiß dass sich das recht brutal angehört hat. Klimke dagegen wurde auf dieser Reise (er kennt es wohl auch anders) nicht im Geringsten mit diesen „Talking-Points“ konfrontiert, sondern konnte direkt mit seinen Partnern in die thematische Diskussion einsteigen. Das allein macht für die jeweilige Wahrnehmung des Besuchs vermutlich schonmal einen sehr großen Unterschied.
Aber inhaltlich klingen die Aussagen beider Politiker sehr ähnlich. Die nordkoreanischen Gesprächspartner haben bei Klimke offensichtlich großes Interesse an Zusammenarbeit in verschiedenen Bereich wie Tourismus, ökologischem Landbau und dem Aufbau der Wirtschaft mit Hilfe von (noch mehr) Sonderwirtschaftszonen. Auch bei Grund klangen fast die gleichen Themen an.

Das Fazit: Talking Points nicht überbewerten – Chancen für Wandel durch Annäherung ergreifen

Insgesamt lassen sich aus den  Berichten beider Politiker natürlich keine großartigen Schlüsse ziehen, aber es gibt doch interessante Hinweise.
Einerseits zeigt sich, wie stark die jeweilige politische Großwetterlage auf die Arbeit einzelner politischer Akteure Einfluss hat, denn wenn man während eines Gesprächs dauernd Stellungnahmen verlesen muss, dann kommt man eben nicht vernünftig dazu, über konkrete Fragen zu sprechen. Jedoch sollten sich Besucher aus Deutschland und anderen Ländern hüten, das überzubewerten, genauso wie sie sich hüten sollte es überzubewerten, wenn keine Stellungnahmen verlesen werden. Sowas ändert sich sehr schnell, abhängig von den großen politischen Entscheidungen die getroffen werden.
Andererseits wird aber auch deutlich, dass für Deutschland die Tür für ein niederschwelliges Engagement und eine sanfte Annäherung durch Kooperationen durchaus machbar ist. Herr Grund hat ganz zurecht darauf hingewiesen, dass durch eine solche Annäherung möglicherweise ein Wandel entstehen kann, ohne das Regime großartig zu stützen. Wir sollten also unsere Politik gegenüber Nordkorea nicht von dem abhängig machen, was die USA tun und lassen und vor allem nicht von deren wenig hilfreicher Prioritätensetzung, die nur auf das Thema Denuklearisierung fokussiert, sondern eine eigenständige Politik im Rahmen des Machbaren betreiben. Deutsche politische Stiftungen und andere NGOs leisten ausgezeichnete Arbeit in Nordkorea und wenn man darauf aufbaut, dann kann man sicherlich mehr bewirken, als dadurch, dass der Außenminister zu allen möglichen Anlässen, Stellungnahmen der USA und dem auswärtigen Dienst der EU beipflichtet, aber sonst eigentlich kaum was passiert.
Vielleicht wäre es an der Zeit, mal einen strategischen Rahmen für eine Außenpolitik gegenüber Nordkorea zu setzen, das wär doch mal ein kleines außenpolitisches Projekt für die nächste Bundesregierung.

Nordkorea-Info-Forum wieder da und zwei kleine Veranstaltungshinweise für Hamburg


Wie ich heute erfahren habe (danke für den Hinweis, Peter) ist das Nordkorea-Info-Forum wieder für Interessierte zugänglich, nachdem im Februar sein Ende verkündet worde war. Aktuell kann man wieder mitlesen, aber wenn man keinen Nutzeraccount hat, auch keinen solchen bekommen und wenn man einen hat, aber nicht zu einer ausgewählten Nutzergruppe gehört (das ist bei mir der Fall) kann man nichts schreiben (waren wohl nicht qualitativ genug, meine Beiträge…). Das ist aber trotzdem eine deutliche Verbesserung (von „nichts“ zu „etwas“) und freut mich wirklich.

Vor allen Dingen, weil die Nutzer, die aktuell schreiben dürfen sachliche und interessante Diskussionen führen und sich nicht, wie das in der Vergangenheit  häufiger der Fall war, über Vorzüge und Nachteile (wobei die eher selten diskutiert wurden) Stalins streiten oder in sonstige Schwachsinnsideolgiediskurse abdriften. So wie es aussah lief das Forum fast die gesamte Zeit der Abschaltung verdeckt für diese exklusive Gruppe weiter, es hat sich also einiges angesammelt an spannendem Lesestoff. Ich stehe zwar nach wie vor ambivalent zu dieser Einrichtung, es nervt mich einfach, dass alle Links auf mein Blog immer sofort gelöscht wurden (obwohl ich doch garkeine Nordkoreareisen anbiete), bin aber grundsätzlich froh, dass sich das deutsche Netz nicht zu einer totalen Nordkoreainformationswüste abseits des Mainstream entwickelt hat.
Warum das Forum jetzt doch nicht abgeschaltet ist, hat der Admin leider nicht gesagt. Kann sein, dass es langweilig wurde, ohne moderieren und lesen. Oder es wurde eine andere Eigenschaft des Forums vermisst: Denn für diejenigen unter euch, die sich mit Suchmaschinenoptimierung nicht so gut auskennen: Foren sind dafür prima Instrumente: Google nimmt u.a. diejenigen Seiten nach oben, die möglichst regelmäßig möglichst einmalige Inhalte produzieren. In einem Forum, in dem viel diskutiert wird ist beides gegeben, in der Folge rutscht die beherbergende Seite bei Google nach oben und so konnte man Nordkorea-Info in den letzten Jahren eigentlich immer irgendwo auf der ersten Google Seite für die Suche „Nordkorea“ finden (und wer eine Internetseite betreibt, der weiß wie unglaublich stark sich sowas auswirkt). Eben hab ich mal „Nordkorea“ gegoogelt und Nordkorea-Info war nurnoch auf der 5ten Seite oder so. Sowas ist echt schlecht fürs Geschäft. Und wenn man weiter in selbigem bleiben und mit Reisegruppen nach Nordkorea fahren will, dann überlegt man sich vielleicht, dass man lieber wieder auf die erste Google-Seite will. Naja, wer weiß das schon. Ich jedenfalls nicht und eigentlich interessiert es mich auch nicht. Schön jedenfalls, dass man, warum auch immer, wieder ein paar Geschätzte Meinungen mehr zu Nordkorea lesen kann.

Hätte ich in dem Forum was schreiben können, dann hätte ich dort auch gerne auf diese sicherlich interessante Veranstaltung hingewiesen. Jürgen Klimke, ein CDU MdB aus Hamburg, der vor zwei Jahren bereits Nordkorea besucht hatte und aktuell wieder dort weilt, wird am 11. Juli einen Vortrag zu Nordkorea halten und anschließend wird es eine Diskussion geben. Da er mit ziemlich aktuellen Eindrücken berichten kann, dürfte das durchaus spannend sein. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt und man muss sich anmelden (der Eintrag zur Veranstaltung ist auf Seite 8 unten). Vielleicht hat ja einer der Hanseaten unter euch Lust?

Und weil ich gerade beim Hinweisen und bei Hamburg bin, noch eine zweite Veranstaltung in der Hansestadt, die ich nicht unspannend finde. Die emeritierte und ziemlich sehr weit links (im marxistischen Sinne) stehende  Professorin Margaret Wirth wird am 30 Mai in Hamburg einen Vortrag mit Diskussion zum Thema „Worin besteht die Konfrontation zwischen Nordkorea und den USA?“ halten. Das kann ich mir deshalb spannend vorstellen, weil die Linken ja selbst so gewisse Probleme im Umgang mit Nordkorea haben. Die Diskussion könnte also interessant werden. Allerdings besteht die Gefahr, dass es wieder das übliche Imperialismus-/Kapitalismuskritische Gerede wird und Nordkorea sozusagen nur den Aufhänger stellt. Aber wenn das bei mir um die Ecke stattfäned würde ich hingehen und dafür sorgen, dass das nicht passiert und man auch ein bisschen über Nordkorea als sozialistischen Staat oder so spricht.

Schönes Kontrastprogramm oder? Wie sich das wohl anfühlt: Zuerst zu den Marxisten und dann zum CDU-Ortsverband…danach sperrt man sich wahrscheinlich in seiner Wohnung ein und will nie wieder rauskommen…

Deutsch-nordkoreanische Geschichte(n): Wie kommt ein sächsischer Raddampfer nach Pjöngjang?


Im Alltagsgeschäft meiner Bloggerei verliere ich mich ja allermeistens im Hier und Jetzt und werfe nur ganz selten mal einen Blick in die Vergangenheit. Und wenn ich einen solchen Blick werfe, dann meistens sehr selektiv und im Endeffekt mit dem Ziel einen Rückbezug zur Gegenwart herzustellen. Dabei hält auch die Geschichte manchmal Episoden bereit die für sich genommen schon interessant und erzählenswert genug sind, ohne sie immer gleich im Sinne einer analytischen Auswertung ausschlachten zu müssen. Nur stehen diese Episoden meist ein bisschen im Verborgenen und sind auch eher schwierig zu recherchieren.
Naja,  jedenfalls war ich froh und interessiert, als ich kürzlich auf eine kleine aber durchaus spannende Episode dieser Art gestoßen wurde, als ich ein paar Leute traf, die auf unterschiedliche Art damit verbunden waren. Die Geschichte handelt davon, wie es dazu kommt, dass ein Nachbau des Schaufelraddampfers „Dresden“, der noch heute im Betrieb ist, in Pjöngjang zu finden ist und stellt damit einen der wenigen Bezugspunkte der Freundschaft zwischen der DDR und Nordkorea dar.

1984 besuchte Kim Il Sung im Rahmen einer großen Europareise vom 30. Mai bis zum 3. Juni die DDR (sein zweiter und letzter Besuch dort) und traf dort unter anderem mit dem Generalsekretär der SED, Erich Honecker zusammen. Es wurde viel besprochen und diskutiert (für nähere Informationen dazu lest ihr am besten in den Protokollen der Treffen) aber natürlich gab es auch, wie zu solchen Anlässen üblich, ein umfangreiches Unterhaltungs-/Informationsprogramm, bei dem den ausländischen Gästen die Errungenschaften des realexistierenden Sozialismus auf deutschem Boden präsentiert wurden. Eine der Stationen Kim Il Sungs war eine Schiffstour Tour gemeinsam mit Honecker auf dem Raddampfer „Dresden“ durch die schöne Sächsische Schweiz (danke für die Zeitungsausschnitte an Matthias).

Bild via Politiek en Cultuur

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Naja und diese Tour scheint bei Kim Il Sung einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen zu haben. Jedenfalls interessierte er sich sehr ausgiebig für das Schiff. Ich hatte kürzlich die Gelegenheit mit Frau Prof. Dr. Picht zu sprechen, die damals, wie auch zu vielen anderen Anlässen, für Honecker und andere Funktionäre gedolmetscht hat und sie erinnerte sich tatsächlich noch recht lebhaft an diese Episode. Kim Il Sung wollte viele Details über das Schiff wissen und als sie auf seine Frage nach dem Tiefgang die Antwort des Kapitäns „90 cm“ übersetzte, konnte Kim das zuerst garnicht so recht glauben und versicherte sich nochmal, dass sie das richtig übersetzt und er das richtig verstanden habe. Danach schickte er seinen Premierminister mit ihr auf die Brücke, um Informationen über den konkreten Aufbau des Schiffes einzuholen. Das Ergebnis dieser Begeisterung des großen Führers war, dass man sich die Pläne für das Schiff von der DDR besorgte und das Ganze dann in Nordkorea nachbauen ließ.

Mit alledem hätte ich mich allerdings so vermutlich nie beschäftigt und auch nicht mit Frau Picht darüber gesprochen, wäre nicht Matthias bei seiner Nordkoreareise im letzten Jahr aufgefallen, dass das Schiff, dass da in Pjöngjang lag, der Dresden zum Verwechseln ähnlich sah und hätte er mir nicht ein Bild von dem Schiff zukommen lassen, dessen nordkoreanische Version sinnigerweise „Pjöngjang“ heißt.

Raddampfer Pjöngjang

Um zum Vergleich den Dampfer „Dresden“ anzugucken einfach auf das Bild klicken. (Bild: M.E.)

Wie gesagt: Nur eine kleine Episode, aber irgendwie doch sinnbildlich. Einerseits, mit Blick auf die ostdeutsch-nordkoreanische Geschichte, die nach dem Ende der DDR und ihrem Anschluss an die BRD nur noch am Rande steht und kaum mehr wahrgenommen wird (wie so manch anderer Aspekt der DDR-Geschichte auch, so ist das eben, die Sieger schreiben die Geschichte (ist es nicht irgendwie bezeichnend, dass ich auf digitalisierte Teile der DDR-Archive am besten über ein US-amerikanisches Projekt zugreifen kann?)), was schade ist, weil es dort sicherlich einiges spannendes zu  finden gäbe. Andererseits sieht man hieran auch, wie viele Leute es gibt, die spannende Geschichte zu erzählen haben, weil sie in der Vergangenheit auf die eine oder andere Art einen Bezug zu Nordkorea bekamen.

Evil Empire 2.0


Vor einigen Tagen haben ein paar Jungs aus Badem-Württemberg mir eine Mail geschickt, in der sie mich auf ihr Filmprojekt aufmerksam machten, das ich auf Anhieb interessant fand.
Vor allem aber fand ich die Frage spannend, was ein Filmemacher sich genau überlegt, wenn er etwas mit einem Nordkorea-Hintergrund produzieren will. Eine andere Perspektive auf das gleiche Thema kann häufig sehr bereichernd sein und deshalb bat ich die Jungs, mal ihren Blick auf Nordkorea als Thema bzw. Background eines Films in ein paar Zeilen aufzuschreiben. Naja und deshalb bin ich heute in der äußerst angenehmen Situation, euch mal einen etwas anderen Blick auf Nordkorea und Kim Jong Un präsentieren und gleichzeitig ein spannendes Filmprojekt vorstellen zu können. Also Bühne/Blog Frei für Alex, Dimitri und Joe, denen ich herzlich für den Einblick in ihre eigene Sicht auf Nordkorea danken möchte.
(Achso und wenn ihr gerade ein paar Euronen (im wahrsten Sinne des Wortes) überhaben solltet, dann schaut euch doch mal die Fundraisingkampagne dazu (das Filmchen finde ich echt witzig) näher an und überlegt, ob das nicht genau das Richtige ist, euer überschüssiges Geld unters Volk zu bringen…):

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Ein guter Film kann nicht ohne einen guten Bösewicht existieren. Ein guter Film – ist ein Konflikt, Good Guy vs. Bad Guy(s). James Bond wäre ohne seine charismatischen Gegner nie so interessant geworden. Manchmal ist der Bad Guy eine ganze Nation und ich bin mir sicher – ohne den Kalten Krieg wäre James Bond niemals so gut bei den Zuschauern angekommen.

Der Zusammenbruch von Sowjetunion hat den Job von Drehbuchautoren komplizierter gemacht. Das Sowjetische Reich hat den zitternden Finger vom roten Knopf entfernt und die Spione sind  Rentner geworden.  Wenn man heute an einen Russen denkt, hat man höchstwahrscheinlich einen Oligarchen im Kopf der mit Fußballclubs jongliert und Gas an den Westen verkauft.

Nach der Liquidierung Bins Laden ist auch die terroristische Bedrohung aus den Nahen Osten uninteressant geworden. Deswegen dreht Hollywood zur Zeit vor allem Filme über Transformers, Aliens und Zombieinvasionen. Das ist ein sicheres Geschäft, doch früher oder später werden auch diese Filme, die man eigentlich nur noch als Recycling alter Ideen, bezeichen kann, an Anziehungskraft verlieren. Denn weder ein Alien, das die Erde versklaven möchte, noch der Zombie, der Menschenfleisch will, werden den Charme eines klassischen James Bond Gegners wie Goldfinger oder Octopussy haben.

Und wenn alle interessanten Bösewichte verschwunden sind, kommt die neue Hoffnung von der Koreanischen Halbinsel.  Sie heißt Kim Jong-un und ist zumindest fürs Kino eine Bereicherung. Der junge Diktator hat sofort deutlich gemacht, dass er nicht von Amerika geführt werden will. Heute schickt er seine Raketen in den Weltraum, morgen droht er mit einem Atomschlag. Er ist der perfekte Antagonist. Er hat alle  Attribute des klassischen Bad Guys – Roter Knopf, interessantes Aussehen,  eine große Portion Selbstüberschätzung und eine geschmacklose Frisur. Während die Bevölkerung seines Landes hungert, hat er Nordkorea zum neuen Trend verholfen.  Merkwürdig ist, dass Hollywood, das dafür bekannt ist jeden neuen Trend aufzugreifen, seine Chance noch immer nicht genutzt hat. Ausnahme bildet dabei nur der letzte Film mit Gerard Butler „Der Fall des Olymp“, in dem nordkoreanische Terroristen das Weiße Haus zerstören.  Wahrscheinlich ist der Grund für Hollywoods Scheue gegen Nordkorea, die simple Tatsache, dass niemand es wirklich fürchtet. Kim Jong-un ist zum Spott des ganzen Internets geworden. Amerika lacht bloß über seine Drohungen. Nordkorea ist einfach viel zu weit weg, um eine ernsthafte Bedrohung darzustellen. Über Langstreckenraketen, die nötig wären, um eine Atomrakete auf den westlichen Feind zu schicken, sind in dem kleinen Land nicht existent. Doch auch Hitler wurde lange Zeit verspottet, bis plötzlich halb Europa unter seiner Führung stand. Und wie wir wissen, Humor ist immer eine Form von Selbstschutz. Wir nutzen es um unsere Angst, egal wie groß oder klein sie sein mag, unter Kontrolle zu bringen. Und da wo Karikaturen von Kim Jong-un zu sehen sind gibt es immer auch eine Portion davon. Es klingt vielleicht unlogisch, aber Angst hält uns am Leben. Die Menschen langweilen sich ohne einen Feind.

Als wir, Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg, angefangen haben das Drehbuch zu unserem neuen Film zu schreiben, ging es nicht um Nordkorea.  Wir wollten einen Film über Angst machen. Am Anfang hatten wir uns einen Hauptprotagonist ausgedacht, der unter Paranoia leidet und zwar einen  amerikanischen Ex-Geheimagenten. Erst dann suchten wir einen passenden Bösewicht. Und da wir beide, der Regisseur Dimitri Tsvetkow und der Drehbuchautor Alex Tsukernyk beide aus der ehemaligen Sowjetunion kommen, waren uns Themen wie Kommunismus und Personenkult sehr nah. So kamen wir auf Nordkorea, das Land, welches diese zwei Begriffe so extrem verkörpert, wie man es nur aus bösen Erzählungen der Großeltern kennt. Die Idee zu das „Das Meer im Fernseher“ war geboren. Der Kurzspielfilm mit einer Länge von etwa 20 Minuten handelt von einem amerikanischen Geheimagenten, der den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-Il umgebracht hat und nun befürchtet, dass die zwei koreanischen Barbesitzerinnen Dollores und Doloress Rache an ihm ausüben wollen.

Jetzt sind wir natürlich angenehm überrascht, dass unser Thema so „trendy“ geworden ist. In knapp zwei Monaten drehen wir und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Falls euch das Thema Nordkorea im Kino genauso interessiert wie uns würden wir uns über Unterstützung auf  http://www.startnext.de/das-meer-im-fernseher freuen. Dann schaffen wir es bestimmt einen nicht nur anspruchsvollen, sondern auch unterhaltsamen Film für euch zu machen.

Rot-Braun ist die taube Nuss: Die besten Nordkoreanazis und andere seltsame Erscheinungen


In der Vergangenheit habe ich mich ja immer mal wieder mit den Nordkorea-„Fanclubs“ in Deutschland beschäftigt und bin da eigentlich fast immer bei der KPD-Ost gelandet, die die Verehrung der nordkoreanischen Führung ja weiterhin mit viel Verve betreibt und erst gerade unter Regie von Torsten Schöwitz den Tag der Sonne mit allerlei Aktionen (von denen ich aber nur bei KCNA lesen konnte) begangen hat.
Bei der Seite Nordkorea-Info kam es in der Vergangenheit immer bei KCNA ja schonmal zu Verwirrungen, als die Seite als die Seite der Korean Friendship Association (KFA) bezeichnet wurde. Das hat sich mittlerweile geklärt: Früher war das wohl so, jedenfalls gab es damals eine Kategorie „KFA Germany“ auf der Seite, von der aus man jede Menge weiterführende Infos zur KFA finden konnte… (nachzugucken hier).

Eine interessante Fangruppe

Allerdings war mir eine Fangruppe bisher so vollkommen durch die Lappen gegangen. Vielleicht weil ich nicht genau genug geguckt habe, vielleicht aber auch, weil die Geschichte so schön abwegig ist, dass ich garnicht daran gedacht habe. Darauf aufmerksam wurde ich erst, als ich diesen schöne Artikel in der taz (in der Zeitung steht doch nicht immer nur das Selbe, das man eh schon kennt…) über die unterschiedlichen Anhänger Nordkoreas in Deutschland las. Als ich dann auch noch der Tatsache gewahr wurde, dass das Ganze scheinbar auch über die deutschen Sprachgrenzen hinweg bekannt ist, weil Brian Myers in seiner sehr schönen Analyse/Rundumschlag beiläufig erwähnte, dass „It is frank enough in the espousal of race thinking to have won the admiration of German neo-Nazis“ war mein Interesse so weit geweckt, dass ich mehr über diese Rot-Braune Freundschaft lernen wollte.

Die alte Geschichte mit der NPD und Nordkorea

Ein Großteil der Geschichte sind zwar alte Kamellen (sehr schön recherchiert und aufgeschrieben in diesem Blog), aber nicht alles, was die ganze Sache ein bisschen interessanter macht. Offenbar gab es Ende der 1990er Jahre einen heißen, jedoch kurzen Flirt zwischen dem offiziellen Nordkorea und einigen ostdeutschen Landesverbänden der NPD, namentlich denen aus Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Die NPD in Mecklenburg-Vorpommern hat diese Verehrung sogar förmlich zerrissen, als 1999 ein beachtlicher Teil der Mitglieder die Partei verließen um eine an China und Nordkorea orientierte „Sozialistische Volkspartei“ zu gründen, die jedoch schnell wieder von der Bildfläche verschwand. Die Verbindung der NPD-Sachsen zu Nordkorea (hier ins Bild gesetzt bei einem Besuch von NPD-Funktionären bei der nordkoreanischen Botschaft in Berlin 1998) lässt sich vor allem an einem Namen festmachen: Michael Koth (wenn man mag, kann man auch noch den Begriff Nationalbolschewismus dazunehmen, aber ich finde das ist zuviel Hirnschmalz für ein paar Nazis). Allerdings fand auch die Annäherung der Sachsen-NPD ein schnelles Ende, als die Bundespartei den Verband zur Ordnung rief. Seit dieser Zeit ist die Nordkoreaverehrung zwar weitgehend aus den Reihen der NPD verbannt, in der rechten Ecke geisterte sie aber weiter.

Nordkorea hat für alle Radikalen was: Ideal zum Quefronten

Eigentlich geisterte, soweit sich das retrospektiv sagen lässt wohl vor allem Michael Koth weiter. Die schillernde Figur versuchte nach dem Ende seiner kurzen NPD-Karriere eine „Querfront“ zwischen rechten und linken Extremisten aufzubauen und sah Nordkorea dabei scheinbar als guten Identifikationspunkt, der sowohl Nationalismus, als auch Antiimperialismus verkörpert und damit für beide Seiten Potential hatte. Auch das völkische und die Bedeutung der Rasse mögen eine Rolle spielen, sind aber eher dem nationalistischen untergeordnet.
Als Vehikel zum Aufbau dieser Querfront gründete er mit einigen Gleichgesinnten den „Kampfbund Deutscher Sozialisten“ (KDS), der aber über ein sektiererisches Nischendasein nie hinaus kam (ist halt schwierig, rechte und linke Extremisten unter einen Hut zu bringen) und sich Mitte 2008 aufgrund einer „dürftigen Bilanz“ als bundesweite Bewegung auflöste. Ein Überzeugter blieb allerdings übrig und hielt eine Zeitlang in Berlin die Fahne des KDS hoch: Michael Koth, der auch die Nordkorea Komponente im KDS am aktivsten vertreten hatte. Er hat seinen Kampf wohl nie ganz aufgegeben und wer sich etwas näher mit seiner Denkwelt auseinandersetze will, dem empfehle ich der kann sich — wenn er wirklich viel Lebenszeit zu verschenken hat — die Podcasts in seinem „Rot-Braunen-Kanal“ (kein Scherz, heißt echt so) angucken (aber nicht nachher alle Querfrontler werden, dann mag ich euch nämlich nicht mehr…).

Antiimperialismus verpflichtet

Aber das ist noch nicht das Ende der Geschichte, denn mittlerweile scheint Koth die Sache mit dem KDS ebenfalls ad acta gelegt zu haben und widmet sich nun einem neuen Projekt. Mit der Antiimperialistischen Plattform scheint er sich nun wieder öffentlichkeitswirksamer der Solidarität zu Nordkorea widmen zu wollen. Aber nicht ausschließlich. Daneben macht er sich auch noch für das Grüne Libyen, für Assads Syrien, Weißrussland und den Iran stark und trauert um Chavez. Was diese Staaten gemeinsam haben? Ihr könnt es ja mal zu ergründen versuchen. Aber wenigstens alle antiimperialistisch. Ist das jetzt rechts oder links?  Keine Ahnung, also ganz im Sinne der Querfront.
Für die Plattform hat Herr Koth im vergangenen Jahr bereits in der nordkoreanischen Botschaft Kim Il Sungs 100. mitgefeiert (Es gibt sogar Bilder. Meine Erkenntnisse daraus: Die nordkoreanische Botschaft scheint von innen so auszusehen, wie es der äußere Anschein erwarten lässt (Hauptsache die Kims hängen an der Wand) und der Nordkoreanazi von heute trägt Bauch). Und diverse Grußadressen an die nordkoreanische Botschaft geschickt, die auch immer mal brav beantwortet wurden. Sogar in die Berichterstattung von KCNA scheint er es jüngst mit der Antiimperialistischen Plattform geschafft zu haben, jedenfalls, wenn es neben der Plattform nicht auch noch ein Antiimperialistisches Forum mit Nordkoreafans gibt.
(Was ich mich gerade frage: Wieviele Grußadressen muss man wohl schreiben, um eine Nennung von KCNA zu bekommen? Wenn einer von euch Lust hat die Probe aufs Exempel zu machen, bitte melden…).

Die Saat geht auf

Aber zurück zum Thema: Zwar ist Herr Koth sicherlich der schillerndste Rechtsradikale mit einer positiven Haltung zu Nordkorea, aber nicht der Einzige. Auch im Kreis der freien Kameradschaften (oder was auch immer, bin kein Naziexperte) scheint man dem Land seine falsche Gesinnung nachzusehen, solange (ACHTUNG! Wer keine Lust auf solchen Mist hat, kann mir auch einfach glauben, dass hinter den Links entsprechende Homepages mit entsprechenden Inhalten stecken und muss es sich nicht anschauen) es nur gegen die imperialistischen Kriegstreiber aus den USA geht. Dementsprechend fordert man dort, Finger weg von den letzten Freien Völkern der Welt. Was mich ein bisschen überrascht: Anders als Myers behauptet, scheinen die meisten deutschen Neonazis die nordkoreanische Juche-Ideologie garnicht für sich entdeckt zu haben, obwohl die tatsächlich eine Fundgrube für echte Ideologen wäre. Die Sympathien folgen viel einfacheren Reflexen, was auch damit zusammenhängen könnte, dass der Nazi von heute nicht mehr unbedingt Ideologe ist, sondern eher ganz einfachen Reflexen folgt.
Eine Ausnahme stellt dashier dar. Hier gibt man sich ein bisschen intellektueller und bemerkt deswegen den Führer in Nordkorea und die kulturelle Unabhängigkeit und den Dienst am Kollektiv.
Aber keiner dieser Vertreter hat es bisher wohl fertig gebracht, auf Botschaftsempfängen der nordkoreanischen Botschaft aufzulaufen oder zu allen möglichen Anlässen Grußadressen zu verschicken. Michael Koth ist eben der beste Nordkoreanazi, den es in Deutschland zurzeit gibt.

Den Bogen schlagen: Links, Rechts, Quer? Kinder eines Geistes.

Was Tolles ist es, wenn man zum Abschluss eines Beitrages einen schönen Bogen zum Anfang des Artikels schlagen kann. Und man sollte es nicht glauben, aber hier bietet sich das geradezu an, denn meine Erläuterung der Vergangenheit des Obernordkoreanazis in Deutschland reicht ja nur bis zum Ende der 1990er Jahre zurück. Schaut man aber noch ein paar Jahre weiter in die Vergangenheit, dann kommt man aber da an, wo ich heute begonnen habe. Bei der KPD-Ost. Da war Herr Koth nämlich mal Vorsitzender, bevor er dann zu den Nazis wechselte um später die Querfront voranzutreiben (recht, links, scheißegal, Hauptsache radikal! (Ich sollte Querfront-Werbetexter werden…)). Ob er sich dann bei Besuchen der nordkoreanischen Botschaft mit seinen heutigen Nachfolgern austauscht und weiter an der Querfront bastelt ist leider nicht überliefert.
Ich spare mir jetzt jedenfalls den ganzen Kram vonwegen Linken, die irgendwann Nazis wurden und solchem Zeug, könnt ihr ja z.B. hier nachlesen und lasse stattdessen jemanden das Schlusswort sprechen, den ich ungefähr so sehr schätze, wie den durchschnittlichen oder auch den besten Nordkoreanazi…

Naja, nicht ganz das Schlusswort, denn es gibt ja noch einen größeren Bogen zu schlagen, zurück zur Überschrift (ich glaube das ist jetzt echt das Fieseste, das ich heute verlinkt habe).

Ich weiß nicht genau woher das jetzt kommt, aber gerade hab ich das Gefühl, als sei ich heute knietief durch irgendwelche Fäkalien (braun und eklig) gewatet. Erstmal duschen…

Kim Jong Uns Schweizer Zeit revisited: Wo das Konstruieren von Realitäten noch witzig ist und wo es ernst wird


Fast genau vor einem Jahr beschäftigte ich mich mit der Geschichte um Kim Jong Uns Vergangenheit in der Schweiz und der Tatsache, dass es für diese angebliche Vergangenheit eigentlich keine belastbaren Belege gab. Ich stellte die These auf, dass gerade im Falle Nordkorea Medien, Experten und auch die Öffentlichkeit so etwas wie einen Konsens gefunden haben, dass Glauben fast so gut ist wie Wissen, weil man so wenig weiß und sonst so wenig sagen könnte. Seitdem ich mich damals mit dieser Schweizgeschichte beschäftigt habe, sind keine neuen Informationen zu diesem Thema bekannt geworden. Es gibt also weder neue Argumente für noch gegen eine Schweizer Zeit Kim Jong Uns.
Nur ist eben ein Jahr vergangen und man weiß noch immer sehr wenig. Also hat man die angesprochene Realität noch mehr für sich akzeptiert. Kim Jong Un war in der Schweiz und gut ist. So gab es bei n-tv eine ausführliche Geschichte über seine Schweizer Jugend, die BILD hat sogar neue Fotos von den Boulevardkollegen aus Korea und der von mir sonst geschätzte Sender Euronews hatte einen ausgiebigen Bericht, wo die Geschichte immerhin noch als nicht endgültig belegt dargestellt wurde. Auch die ZEIT hat sich umfangreich mit der Schweizer Jugend Kims befasst und nach eingehender Untersuchung für wahr befunden.
Nungut, dass Kim Jong Un in seiner Schweizer Zeit offensichtlich ziemlich gut englisch sprechen konnte, bei dem jüngsten Besuch von Dennis Rodman in Pjöngjang aber kaum noch, das ficht niemanden an, kann es ja schließlich verlernt haben oder auch einfach keine Lust gehabt haben, mit Rodman direkt zu sprechen. Denn wie gesagt. Es ist ja so eine schöne Geschichte, wenn er in der Schweiz war. Da hat dann jeder was zu zu sagen und man kann daraus so schöne Folgerungen ziehen.

Befürchtung bestätigt: Niebel glaubt an Kim Jong Uns schweizer Zeit

Vorgestern zum Beispiel. In der Sendung von Beckmann (die ich aber voll und ganz empfehlen kann, was nicht unbedingt an meiner Verehrung fü Beckmann liegt). Da hat unsere Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit eindrucksvoll unter Beweis gestellt, was ich letztes Jahr als Befürchtung geäußert habe. Er gab eine Einschätzung über die Persönlichkeit Kim Jong Uns ab mit dem Hinweis darauf, der sei ja schließlich auch lange in der Schweiz gewesen (Min. 19:00). Na super; Wenn Herr Niebel das so genau weiß. Vielleicht hat es ihm ja der Ressortchef Politik der SZ geflüstert, der von ziemlich belastbaren Fotos wusste (ab Min 22:50). Nur Rüdiger Frank wollte nicht so ganz mit und meinte, dass man auf den Bildern bestimmt einen Nordkoreaner sehen könne, ob das aber Kim Jong Un sei oder nicht, das wisse man schlicht nicht. Vielleicht ja, vielleicht nein. Das machte Stefan Kornelius von der SZ zwar kurz nachdenklich, aber nur kurz. Dann hatte er wohl beschlossen, dass es nicht sinnvoll sei weiter darüber nachzudenken.
Zwar dürfte die Tragweite der ministeriellen (vielleicht, oder auch nicht, Fehl-) Einschätzung auf Basis nicht vorhandener Informationen nicht besonders groß, aber meine Sorge ist, dass die Vergangenheit Kim Jong Uns nicht das Einzige ist, das auf Basis von unzureichenden Informationen bewertet und eingeschätzt wird und dass Herr Niebel (bei allem Respekt für die Bedeutung seines Amtes) nicht die einflussreichste Person ist, die solche Einschätzungen trifft.

Wo es relevant wird: Realitäten konstruieren im Fall von Raketen

Eine andere Beobachtung, die man seit einigen Tagen machen kann, deutet stark in diese Richtung. Am vergangenen Montag kamen erstmals später bestätigte Gerüchte auf,  dass die nordkoreanische Mittelstreckenrakete Musudan an die Ostküste verlegt würde. Dieser Schritt deutete dem Augenschein nach darauf hin, dass Pjöngjang als nächsten Schritt einen Raketentest plane. Eine Überlegung, die mit Blick auf vergangenes Verhalten Nordkoreas nicht ganz abwegig ist und die auch ganz gut zu der These vom Bedarf nach greifbaren Taten nach der überdrehten Rhetorik Pjöngjangs in den vergangenen Tagen gepasst hätte. Allein wollte und wollte Nordkorea seitdem keine Rakete testen. Vielmehr bewegte es die Raketen, als sie an ihrem Bestimmungsort angekommen war, mehrmals hin und her, ohne letztendliche Vorbereitungen zu unternehmen. Dementsprechend kommen heute erste Meldungen aus Südkorea, dass ein Test nicht unmittelbar bevorstehen würde. Haben also die Warnungen des Westens Nordkorea von diesem Schritt abgehalten?
Auch hier ist die Ungewissheit wieder treibendes Moment einer für uns zuerst konstruierten und dann akzeptierten plausiblen Realität. Wir haben mit Hilfe von Satellitenbildern festgestellt, dass die Raketen an der Ostküste aufgestellt wurden. Wir haben die Entwicklungen der letzten Tage im Kopf. Daher ist es plausibel, dass Nordkorea eine oder mehrere Raketen testen wird. Wir wissen nichts, sondern wir glauben, aber mangels besserer Erklärung, um die wir uns allerdings auch nicht sonderlich bemüht haben, akzeptieren wir.

Alternative Realitäten

Auch das könnte ein Fehler sein, der von seinem Inhalt her schon etwas mehr Tragweite hat, als Kim Jong Uns sprachliche und gesellschaftliche Sozialisation in der Jugend. Es könnte, es muss aber nicht. Kann auch sein, dass in den nächsten Tagen eine Rakete fliegt. Aber zurück zu der kaum verfolgten Überlegung, dass wir hier einem Schnellschluss aufgesessen sind. Dazu habe ich drei Anmerkungen zu machen, die die These stärken könnten:

  1. Bisher gibt es keinen Beweis dafür, dass es sich bei Raketen des Bautyps Musudan, wie sie jetzt an die Ostküste verlegt wurden, um funktionsfähige Waffensysteme handelt. Bisher wurden sie nie getestet und bei ihrem ersten (und bisher einzigen) öffentlichen Auftritt auf einer Parade 2010 hatte es sich der Meinung eines ausgewiesenen Experten zufolge (in diesem Bericht aus 2012 nachzulesen) um eine Attrappe gehandelt. Gut möglich, dass es eine kleine Baureihe gab, aber nicht belegt, also nicht gewusst. Um diese Überlegungen wurden sich in den westlichen Medien aber wenig Gedanken gemacht. Die Raketen wurden an die Küste gebracht, also sollen sie getestet werden. Eine positive Ausnahme stellt hier Spiegel Online dar, wo sich ein Journalist mal ein bisschen näher mit der Rakete beschäftigt hat, die da angeblich getestet werden soll.
    Natürlich ist das alles kein Beweis dafür, dass man in Pjöngjang diese Rakete nicht testen will, aber irgendwie gehört diese Information der Vollständigkeit halber dazu und zweitens zieht sie die Konsistenz der Testgeschichte etwas in Zweifel: Wirklich eine Rakete, die noch nie getestet wurde, in so einer extrem gespannten Lage über Japan hinweg schießen. Ist das nicht ziemlich riskant, wenn man keinen Wert auf Krieg legt?
  2. Daniel Pinkston, Nordkorea-Experte der International Crisis Group, hat eine interessante andere Lesart der jüngsten Raketenbewegungen geliefert, die von ihrer Konsistenz her genausogut funktioniert, wie die Idee, Nordkorea wolle die Raketen testen, zuvor aber noch ein bisschen damit durch die Gegend fahren. Nachzulesen ist das ganze in diesem Tweet:

    Remember KPA & Strategic Rocket Forces have been training. So moving the missiles & TELs around is part of the training.

    Eine Übungen finde ich eigentlich garnicht so schlecht als  Erklärung für die Hin-und-Herfahrei der Raketen. Aber irgendwie scheint sich sonst keiner für die Idee erwärmen zu können. Vielleich auch deshalb, weil die allgemein akzeptierte Realität ja bereits ist, dass Nordkorea eine oder mehrere Raketen Testen will und weil es dann irgendwie blöd zu erklären wäre, dass man sich da eben geirrt hat. Da lassen sich im Nachhinein sicherlich bessere alternative Erklärungen finden.
    Auch dies ist wieder kein Beweis dafür, dass Nordkorea keine Rakete Testen will und das Eine schließt das Andere ja noch nichtmal aus: Man kann ja ein bisschen üben und wenn man meint, dass man damit durchkommt, ohne einen Krieg auszulösen, dann testet man das Ding eben noch. Aber es bietet eben auch eine Lesart, nach der der Zweck der Übung nicht unbedingt ein Raketenstart gewesen sein muss.

  3. Die Führung in Pjöngjang hat eine gewisse Meisterschaft im ‚Tarnen und Täuschen inne.
    1. Die Raketenattrappen, mit denen man schonmal gerne auf Paraden rumfährt und die gephotoshopten Bilder von Manövern sind dabei zwar viel belächelte, aber trotzdem zugehörige Elemente dieser Tarnen und Täuschen Strategie. Denn egal wie stümperhaft gemacht, führen diese Dinge zu zusätzlicher Unklarheit und Ungewissheit über die tatsächlichen Kapazitäten Nordkoreas. Und Ungewissheit ist eine der stärksten Abschreckungsmethoden, die Pjöngjang zur Verfügung hat.
    2. Vor allem weiß das nordkoreanische Militär aber sehr gut um die Begrenzungen der südkoreanischen und US-amerikanischen Aufklärung in Nordkorea. Die kann eigentlich fast nur von oben (was Sichtaufklärung) und von außen, was Abhören von Kommunikation angeht, erfolgen. In beiden Fällen hat Pjöngjang in der Vergangenheit bewiesen, dass es in der Lage ist, die toten Winkel der Überwachung auszunutzen (Ein absolut lesenswertes GIGA-Paper zu Grenzen und Risiken der Darstellung Nordkoreas mit Satellitenbildern habe ich hier verlinkt). So stellte das nordkoreanische Militär vor dem Beschuss der Insel Yonpyong alle Einheiten dort von Funkkommunikation auf klassische Telefonverbindungen um (S. 3, rechte Spalte), die eigens für den Einsatz gelegt wurden. Im Vorfeld des Raketenstarts vom Dezember warf man zuerst durch eine Meldung der Nachrichtenagentur KCNA Nebelkerzen, was den Termin anging, um anschließend nurnoch an der Rakete zu arbeiten, wenn gerade kein Satellit das Land überflog. Beide Male standen die Dienste der USA bzw. Südkoreas düppiert da. Vielleicht wollten die Nordkoreaner ja auch einfach mal testen, welche Methoden zur Aufklärung die USA und Südkorea hinzuziehen, wenn die Lage gespannt ist und wo dabei tote Winkel der Aufklärung zu finden sind.

Auch die Tarnen und Täuschen Überlegung schließt sich mit den zuvor angestellten Ideen nicht aus, aber könnte genausogut ein zentrales Ziel der ganzen Übung gewesen sein: Wie schnell merken die anderen, dass wir Raketen transportieren? Wieviel von dem das sie wissen wird bekannt? Wie lange dauert es, bis sie merken, dass sie vielleicht an der falschen Stelle Aufklärung betreiben? Alles das sind Fragen, auf die die nordkoreanischen Militärs durch ihre Manövrierei Antworten bekommen haben dürfte. Wertvolle Informationen, die man in der Zukunft für weitere Überraschungsmanöver einsetzen kann.

Was ist wahr, was nicht? Man weiß es nicht!

Mit diesen ganzen Ausführungen wollte ich euch nicht beweisen, dass Nordkorea in den nächsten Tagen keine Rakete testen will. Ich wollte nur zeigen, dass wir uns recht schnell auf eine Annahme festgelegt haben und alle Informationen, die wir zu dem ganzen Sachverhalt bekommen, unter der Maxime einordnen, dass diese Annahme zutrifft. Wir haben uns mal wieder eine Realität konstruiert, von der wir keine Ahnung haben ob sie zutrifft oder nicht, an die wir aber glauben, weil es am bequemsten ist.
Nur finde ich es, wenn es nicht mehr um Jugendfreundschaft, Basketball und Filmvorlieben, sondern um Raketen geht, sehr, sehr bedenklich, wenn das Risiko besteht, dass Leute die die Kompetenz zum Entscheiden haben, nicht auf Basis von Informationen, sondern von Glauben handeln. Hoffen wir also, dass die meisten Minister und Präsidenten nicht so leichtsinnig sind, das zu glauben, was sie in der Zeitung lesen (auch wenn es zehnmal drinsteht), sondern einen guten Stab um sich haben, der ihnen den Unterschied zwischen Wissen, Glauben und Nichtwissen klarmacht und ihnen das, was so in der Zeitung steht entsprechend einordnet. Das würde ungemein zu meiner Beruhigung beitragen.

P.S.:

Ich habe während ich das geschrieben habe jede viertel Stunde die Nachrichtenlage gecheckt, weil ich Sorge hatte, dass man in Pjöngjang doch beschließt, heute eine Rakete abzuschießen und alles, was ich hier geschrieben habe damit hinfällig wird…

Eine Sache der Wahrnehmung: Warum die nordkoreanische Führung nicht Gefahr läuft, ohne Krieg ihr Gesicht zu verlieren


In den vergangenen Wochen und auch aktuell, wird bei der Diskussion der Lage auf der Koreanischen Halbinsel immer wieder das Problem angesprochen, dass es der nordkoreanischen Führung nach all den Kriegsdrohungen und dem verbalen Dramatisieren der Situation — auch nach innen — wohl kaum noch möglich sein würde, aus der Situation herauszukommen, ohne dabei konkrete Maßnahmen zu ergreifen, sprich zumindest eine begrenzte militärische Provokation zu begehen.
Die Staatengemeinschaft stellt dabei nicht so sehr das Problem dar, denn ich denke die Meisten könnten es der Führung in Pjöngjang nochmal verzeihen, wenn sie ihre Pläne, die USA und Südkorea in Schutt und Asche zu legen aufschöbe. Die Schwierigkeit stellt vielmehr die Kommunikation nach innen dar, so die Annahme. Die Führung würde ihr Gesicht verlieren, wenn sie ihre Drohung nicht wahrmachte und Bevölkerung wie Militär sei es nicht zu vermitteln, wenn die permanente Situation am Rande eines Krieges sich plötzlich in Nichts auflöste.

Eine Sache der Wahrnehmung

Allerdings, so möchte ich argumentieren, ist dieses Problem bei näherer Betrachtung weniger frappierend und lässt der Führung in Pjöngjang durchaus noch Spielräume. Dazu muss man allerdings etwas in die Vergangenheit schauen.

Hype vs Routine

Einerseits dürfte uns dann auffallen, dass die gegenwärtige Lage nicht unbedingt etwas Einmaliges darstellt, sondern dass solche Drohungen zum ganz gewöhnlichen außen- und innenpolitischen Arsenal Nordkoreas gehören. Es ist ein Wesensmerkmal des nordkoreanischen Systems, dass die Bevölkerung im permanenten Kriegszustand gehalten wird. Die Eskalation ist Normalität. Es geht keines der Frühjahrsmanöver der USA und Südkoreas ab, ohne dass die Führung in Pjöngjang die rhetorische Keule auspackt — und diese Manöver finden jedes Jahr statt. Es wird auch keine Resolution der Vereinten Nationen gegen Nordkorea beschlossen, ohne dass das Land am Rande eines Krieges stehen kann. Das ist Normal und vermutlich würde die Bevölkerung eher besorgt reagieren, wenn diese Rhetorik einmal ausbliebe. Daher dürfte der nordkoreanischen Bevölkerung die ganze Situation nicht so sehr ungewöhnlich vorkommen wie uns. Dazu kommt ja auch noch unsere medial induzierte Überwahrnehmung, denn wie man hört, bleiben auch die Leute in Südkorea im  Verhältnis eher ruhiger, als wir hier. Daher ziehen wir Schlüsse über die Wahrnehmung dort, die so garnicht zulässig sein müssen, denn mal ganz ehrlich, wer von uns hat in den letzten Jahren denn bitte die Drohungen aus Nordkorea und ihre Stärke in Quantität und Qualität bewertet. Vermutlich ziemlich wenige.
Aber trotzdem bleibt natürlich festzuhalten, dass die aktuellen Drohungen stärker sind, als es in der Vergangenheit für gewöhnlich der Fall war. Daher ist es trotz der definitiv vorhandenen Abstumpfung der nordkoreanischen Bevölkerung und des Militärs vorstellbar, dass die Menschen in Folge der besonders scharfen Drohungen denken, dass es eine Kriegsgefahr gibt.

Offensiv vs Defensiv

Allerdings muss man ja nicht nur schauen, ob eine Kriegsgefahr Seitens der nordkoreanischen Bevölkerung wahrgenommen wird, sondern auch, wie sie wahrgenommen wird. Dazu zuerst ein kurzer Rückblick in den Koreakrieg.
Nach nordkoreanischer Geschichtsschreibung wurde der Krieg durch einen Überfall der USA begonnen und kann als Sieg Nordkoreas gewertet werden, weil diese Aggression abgewehrt wurde. Seitdem ist Nordkorea im eigenen (zumindest propagandistischem, in Abgrenzung zur strategischen Einschätzung) Selbstverständnis kein nach außen aggressiver Staat, sondern einer, der von den USA permanent bedroht ist (wie weit man diese Einschätzung teilen will, bleibt jedem selbst überlassen). Die USA halten nach diesem Selbstverständnis auch Südkorea besetzt und haben dort ein Marionettenregime errichtet. Nordkorea verteidigt nur die Unabhängigkeit des koreanischen Volkes gegen diesen Aggressor und bietet sozusagen die Hoffnung auf die Befreiung der südkoreanischen Bevölkerung. Wie sehr die befreit werden will ist ja erstmal egal, denn es geht ja nur um die Botschaft, die die Bevölkerung  Nordkoreas permanent eingetrichtert bekommt.
So sind, zumindest aus Sicht der Bevölkerung, die aktuellen Drohungen auch nicht als nach außen aggressive Akte zu sehen, sondern als defensive Reaktionen auf die gegenwärtige verschärfte Bedrohungslage. Und wenn man die Meldungen von KCNA mal anguckt, dann fehlt nirgends der Hinweis, dass man in Verteidigung der DVRK und ihrer Souveränität und Ehre handle.
Nun ist mit dieser Ausführung noch nicht die Frage geklärt, wie die Führung in Pjöngjang ohne Gesichtsverlust aus dem Drohszenario wieder rauskommen soll. Meiner Meinung nach ist das allerdings recht einfach: Wenn man in einer defensiven Position ist, dann erwartet doch niemand einen Angriff. Es reicht vollkommen aus, wenn man den Angriff des Aggressors verhindert oder abwehrt. Die Führung in Pjöngjang hat in dieser Logik nur ihren Job gemacht, indem sie auf die extreme Bedrohung durch die USA mit einer extremen Abwehrbereitschaft reagiert hat. Und wenn die USA nicht angreifen, dann hat die Regierung in Pjöngjang alles richtig gemacht und diese Situation auf Messers Schneide gemeistert.

Wahrnehmungsunterschiede beachten; Eigene Möglichkeiten nutzen

Ich denke, dass es immer Sinn macht zu unterscheiden, zwischen dem das wir wissen und wahrnehmen dem das die nordkoreanische Bevölkerung weiß und wahrnimmt. Beide Wahrnehmungen sind medial verzerrt und gegeneiander verschoben. Die Nordkoreaner haben allerdings im Gegensatz zu uns nicht die Möglichkeit, uns unterschiedlicher Quellen zu bedienen (wir können ihre Nachrichten lesen und ihr Fernsehen gucken, sie aber nicht unsere).
Da wir das können, sollten wir es auch tun und uns es nicht so einfach machen, von unserer Wahrnehmung auf diejenige anderer zu schließen. Allein das würde schon ungemein weiterhelfen, Fehleinschätzungen abzubauen und ein realistisches Bild zu bekommen. Ach by the way: Ist eigentlich schon jemandem aufgefallen, dass sich die nordkoreanische Propaganda etc. seit ein paar Tagen wieder am normalisieren ist? Die Nachrichten der letzten Tage bestanden eigentlich nurnoch aus Stellungnahmen, Einschätzungen und Appellen westlicher Akteure. Aber naja, wie ich geschrieben habe: The Hype must go on

Schwarzes Loch der Außenpolitik — Warum die EU jetzt eine Rolle auf der Koreanischen Halbinsel übernehmen sollte


Vorgestern habe ich mich ja im Rahmen meiner Freude über die endlich anlaufende seriöse Berichterstattung zur Lage auf der Koreanischen Halbinsel (vielleicht ein Wochenendphänomen, wenn man sieht, wie heute schon wieder jedem Gerücht kopflos hinterhergehechelt wird) unter anderem auch auf den Artikel von Karl Grobe in der Frankfurter Rundschau hingewiesen. Die besondere Qualität die ich in diesem Artikel gesehen habe, war die schlichte Erwähnung der Tatsachen, dass die EU erstens keine echte eigene Politik auf der Koreanischen Halbinsel verfolgt, obwohl sie viele echte eigene Interessen dort hat und zweitens durch die Erfahrungen mit dem Helsinki-Prozess viel zu einer dauerhaften Besserung der Situation beizutragen hätte.

Außenpolitisches schwarzes Loch

Eigentlich hätte ich es mit diesem Hinweis gut sein gelassen, denn was soll man schon viel zur EU-Politik mit Blick auf die aktuelle Lage schreiben. Bis auf die wenigen mageren Stellungnahmen von EU-Außenamtschefin Ashton, die mir irgendwie alle bekannt vorkommen — vielleicht, weil sie bei jedem Nuklear- oder Raketentest Nordkoreas wieder aus der Konserve gezaubert werden — gibt es da ja nicht wirklich was zu vermelden. Immerhin haben wenigstens die betroffenen Staaten, deren Botschaften die Räumung ans Herz gelegt wurde, sich scheinbar untereinander abgesprochen. Aber sonst? Ein außenpolitisches schwarzes Loch tut sich da auf und weist so auf ein bedeutendes Versäumnis der EU-Außenpolitik.

Von großen Potentialen und magerer Ausbeute

Nicht zum ersten Mal weise ich darauf hin, dass die EU Potential hat, eine Rolle auf der Koreanischen Halbinsel zu spielen und dass sie dieses Potential fahrlässig wegschenkt. Dass man sich dem Ansinnen der DVRK verschließt, eine Botschaft in Brüssel zu eröffnen, mag ja noch irgendwo nachvollziehbar sein, allerdings kann man es auch als Zeichen der Unreife deuten. Lieber erst garnicht in die Situation kommen, unangenehme Gespräche führen zu müssen, scheint hier die Devise zu sein.
Zwar ist das beharrliche Bohren des dicken Brettes „Menschenrechte“, vor allem durch das Europäische Parlament ein löblicher Ansatz. Allerdings kann man hier auch gleich kritisch anmerken, dass selbst dem naivsten Politiker bewusst sein dürfte, dass die Einwirkungsmöglichkeiten in diesem Bereich solange gegen Null gehen, solange Nordkorea aufgrund ungeklärter Konflikte mit Südkorea und den USA von der Weltgemeinschaft isoliert und mit immer neuen Sanktionen belegt wird. Es bestehen schlicht weder Anreize, noch Sanktionsmöglichkeiten, um eine Änderung herbeizuführen. Und mit Appellen an die Menschlichkeit dürfte den Realpolitkern in Pjöngjang auch nicht beizukommen sein.
Das wahre Potential der Europäischen Union habe ich bereits oben angesprochen. Sie könnte als ehrlicher Makler ohne direkte politische Interessen auf der Koreanischen Halbinsel (anders als es bei allen Teilnehmern der Sechs-Parteien-Gespräche um die Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel (das sind China, die USA, Japan, Russland und beide Koreas) als dem aktuell favorisierten Problemlösungsformat der EU, der Fall ist) als Vermittler tätig werden und den seit Jahren andauernden Stillstand dort auflösen helfen. Sie könnte damit einen Konflikt entschärfen, der immer wieder negativen Einfluss auf diese wirtschaftlich auch für die EU so bedeutende Region zu nehmen droht. Sie könnte damit endlich ein außenpolitisches Profil erwerben, dass ihr bisher abgeht, was sich negativ auf die Wahrnehmung der EU von außen und möglicherweise auch auf ihre Integrationsfähigkeit nach innen auswirkt.

Nicht die EU steht auf, sondern ein kleiner neutraler Nachbar in ihrer Mitte

Der Grund, dass ich anders als geplant dann doch etwas zur Rolle der EU schreibe, liegt in einer kleinen Initiative aus der Schweiz. Die Eidgenossen erklärten gestern, sie seien bereit, in der aktuellen Situation auf der Koreanischen Halbinsel gegebenenfalls zu vermitteln und ein Treffen zwischen den Konfliktparteien zu organisieren. Nun will ich diese Initiative der Schweizer garnicht kritisieren. Ich finde sie sogar höchst löblich und die Schweiz ist sicherlich als Vermittler auf der Koreanischen Halbinsel eine hervorragende Wahl. Nicht nur ist man neutral, sondern man hat auch zu beiden Koreas relativ gute Beziehungen und man tat sich in der Vergangenheit schon einmal als Gastgeber für entscheidende Verhandlungen zwischen den USA und Nordkorea hervor (ratet mal, woher das Genfer Rahmenabkommen von 1994, das damals das Nuklearprogramm Nordkoreas einfror, seinen Namen hat).
Allerdings hat mich das trotzdem aus einem ganz einfachen Grund geärgert: Ich hätte mir schlicht gewünscht, dass die EU aufgestanden wäre und sich als Vermittlerin angeboten hätte. Wann wenn nicht jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, seine alten und sinnlosen Prinzipien über Bord u werfen (ob man „nichtstun“ als „Prinzip“ bezeichnen kann, ist wieder eine andere Frage).

Die Gelegenheit ist passend wie lange nicht.

Nicht nur zeigt die gegenwärtige Situation, wie schnell die Situation gefährlich werden kann und wie schnell damit auch für die EU Felle davonschwimmen könnten, die man nicht so schnell wieder aus dem Pazifik fischen wird. Außerdem sind erstmal seit fünf Jahren auch die politischen Rahmenbedingungen in Südkorea so, dass eine Initiative der EU Erfolgschancen haben könnte. Die neue Präsidentin Park Geun-hye hat als Strategie gegenüber Nordkorea eine „Trustpolitik“ konzipiert, die den Aufbau einer Friedens- und Sicherheitsarchitektur für Ostasien ähnlich dem Helsinki-Prozess zum Ziel hat. Und hier ist die EU wohl Ansprechpartner Nummer eins. Wenn es irgendwo in der Welt Experten für einen Helsinki-Prozess gibt, dann in der EU. Warum also diese Möglichkeit ignorieren? Mir fällt kein vernünftiger Grund ein und ich hoffe, den Verantwortlichen in der EU fällt ebenfalls bald auf, dass eigentlich nichts dagegen spricht, auch mal selbst Profil zu zeigen.
Gut, dass auch aus akademischen Kreisen erste dahingehende Forderungen kommen. So war ich durchaus erfreut, den Ruf nach einem aktiven Engagement der EU als Vermittlerin auf der Koreanischen Halbinsel auch in dieser Analyse von Remco Breuker zu finden, der in Leiden mit seiner hervorragenden Arbeit das Thema Nordkorea immer wieder ideologiefrei auf die Agenda setzt. Ich habe zwar die Befürchtung, dass auch das nicht ausreichen wird, die EU aus ihrer Koreapolitischen Starre herauszubrechen, aber sicherlich wird es eher gehört, als mein Rufen im Walde und steter Tropfen höhlt ja bekanntlich allerlei Gestein.