Bosworths Pjöngjang-Reise, oder: Wie die Medien einen langweiligen Besuch aufwerten


Hab mir eben mal kurz angeschaut wie die Medien den Besuch von Stephen Bosworth so bewerten und fand das Ergebnis so interessant, dass ich spontan entschieden hab, dass ich dazu was kurzes schreiben muss. Warum das einen Beitrag wert ist? Weil die armen Medienvertreter so gar nicht wissen, wie sie den Ertrag von Bosworths Reise zu bewerten haben. Die Schlagzeilen zu dem Thema reichen von: „Ein Amerikaner bewegt Nordkorea zu Atomgesprächen„, oder „Nordkorea will zurück an den Verhandlungstisch„, „Pjöngjang will Atomgespräche wieder aufnehmen„, über „Nordkorea zu Verhandlungen bereit„, „Nordkorea grundsätzlich für Wiederaufnahme der Atomgespräche„, bis zu „Zeitpunkt für Atomgespräche mit Nordkorea ungewiss„, „US-Gesandter ohne Zusagen aus Nordkorea abgereist„, oder „Nordkorea verweigert Zugeständnisse„.

Ein Strauß voll Buntes sozusagen. Für jeden was dabei. Wenn man grundsätzlich positiv drauf ist und immer ans Gute im Menschen glaubt, dann kann man sich ja für eine der ersten Schlagzeilen entscheiden. Rechnet man permanent mit dem Ende der Welt und ist die einzige Frage, wie das kommen wird, dann ist man wohl eher am Ende der Liste gut aufgehoben. Herrlich! Ist ja auch langweilig wenn immer das Gleiche in allen Zeitungen steht. Ich meine, klar, in den Kommentaren und auf den Meinungsseiten gibt’s öftermal deutliche Unterschiede. Aber wenn man einfach nur aufgrund von Fakten über ein Ereignis berichtet, find ichs schon erstaunlich, dass es sich in der einen Schlagzeile so anhört, als würde Nordkorea morgen sein komplettes Nuklearprogramm einschrotten und übermorgen der Weltfrieden ausbrechen, während die andere so klingt, als sei man in Pjöngjang weiterhin voll auf stress gebürstet und würde weiterhin einen Konfrontationskurs fahren. Aber ist ja auch nicht einfach für die, die die Artikel verfassen müssen.Und wie kommt das Ganze im Endeffekt zu Stande? Ich habe ja gestern bereits gesagt, dass es nicht viel ist, was Bosworth aus Pjöngjang mitgebracht hat. Da man aber nicht aus Nordkorea heimkehren und dann überhaupt nichts sagen kann, hat er n paar Allgemeinplätze und diplomatische Plattitüden zum Besten gegeben. Das Problem der Medien ist  nun, dass das Thema Nordkorea zwar einen gewissen Nachrichtenwert hat, man also berichten muss. Dass man aber schlecht berichten kann, dass es nichts zu berichten gibt. Was also tun? Genau! Man interpretiert die Aussagen die man hat möglichst so, dass es nach ner interessanten Nachricht klingt und Leser findet. Am besten sind dazu natürlich eindeutig negative oder eindeutig positive Nachrichten. Der Leser interessiert sich schließlich nicht für „mittelmäßige“ Schlagzeilen. Dementsprechend sind es mit dem dradio und der Deutschen Welle auch zwei öffentlich rechtliche Medien, die sich mit mittelmäßigen Schlagzeilen begnügen, die sind schließlich nicht so sehr wie die privaten auf Leser angewiesen (Meiner Meinung ein (kleiner) Beleg für den Wert öffentlich rechtlicher Medien!). Unsere Leitmedien (Natürlich vor allen Dingen der Spiegel, aber ich nehm auch mal den Focus dazu) sehen die Sache eher positiv, ohne jedoch (sicherlich, um nicht am Ende falsch zu liegen) überschwänglich zu werden. Ein Großteil der (Gesamt-)Nachrichten ist weiterhin eher dem positiven Lager zuzuordnen (Ich stütze mich dabei auf die nichtwissenschaftliche Methode einer Google-Analyse). Vermutlich weil es für ne richtige Weltuntergangsnachricht nicht reicht und man von Seiten Nordkoreas sonst besser verwertbare Weltunteragangsnachrichtenvorlagen (herrliches Wort) kennt (Nicht einmal ne klitzekleine Drohung gab es!).Ich frag mich ob irgendwer die Verzweiflung der Berichterstatter hinsichtlich der „richtigen“ Interpretation der Ergebnisse von Bosworths Reise genauso witzig/kurios findet wie ich, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass es nicht so ist. Seis drum..

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Bosworths Pjöngjang Besuch: Erste Nachlese


Er ist scheinbar mit recht leeren Händen hingefahren und kam heute dann wohl genauso wieder zurück. Stephen Bosworth hatte sich aufgemacht, die störrische nordkoreanische Seite an den Verhandlungstisch der Sechs-Parteien-Gespräche zurückzuführen. Im Gepäck hatte er scheinbar nicht viel mehr, als die Forderung Präsident Obamas nach der Fortsetzung der Gespräche und einer vagen Perspektive einer „anderen Zukunft“ Nordkoreas, sollte das Nuklearprogramm unwiederbringlich beendet werden.

 Nicht besonders viel, jedenfalls nicht genug, um einen konkreten Termin für die Wideraufnahme der Gespräche von der nordkoreanischen Seite zu bekommen. Auch ansonsten scheinen die Gespräche keine handfesten Ergebnisse gebracht zu haben. Der Geliebte Führer Himself besichtigte lieber einen Viehzuchtbetrieb und eine Traktorenfabrik und aus den beiden Gesprächspartner mit denen Bosworth seine „nützlichen“ Konsultationen hatte, Vizeaußenminister Kang Sok-ju und der nordkoreanische Chefunterhändler bei den Sechs-Parteien-Gesprächen Kim Kye-gwan, war scheinbar auch nicht viel mehr herauszubekommen als die Tatsache, dass es „common understandings on the need for and a role of six-party talks and the importance of implementation of the 2005 joint statement” gäbe. Ansonsten nannte Bosworth den Trip „exploratory“. Bezüglich eines Termins gab es nur zu hören: „It remains to be seen when and how the DPRK (North Korea) will return to the six-party talks“.

Ok, eine explorative Reise die zeigte, dass es immerhin ein Einverständnis darüber gibt, dass die Sechs-Parteien-Gespräche eine Rolle spielen sollen und dass das Joint Statement von 2005 umgesetzt werden soll. Ansonsten nur die Erkenntnis dass sich später zeigen wird, wann und wie Nordkorea zu den Gesprächen zurückkehrt. Für mich klingt das nach einem relativ schwachen Ergebnis (noch nicht einmal ein Foto mit Kim Jong Il vor seiner tollen naturalistischen Wand. Aber dazu brauch es wohl wichtigere Gäste…) in Anbetracht der Tatsache, dass sich die USA überwunden und ihren Sondergesandten geschickt haben (Da hab ich mich wohl auch verschätzt, als ich davon ausging, dass die Reise Bosworths ausreichen würde, Nordkorea an den Verhandlungstisch zurückzuholen). Aber vermutlich wurde in den drei Tagen schon etwas mehr gesprochen, als das, was in den mageren Kommentaren bis jetzt verlautete. Wahrscheinlich hat Bosworth nämlich doch noch was mehr im Gepäck. Konkrete Forderungen zum Beispiel. Bis wir das allerdings erfahren wird wohl noch n bisschen dauern, denn Bosworth muss sich ja erstmal mit seinen Kollegen aus Südkorea, China, Japan und Russland austauschen. Vielleicht einigt man sich da ja dann auf ein weiteres Vorgehen und dann gibts später mehr zu hören.

Immerhin, man spricht wieder: US Sondergesandter Bosworth reist nach Nordkorea


In der Vergangenheit habe ich mich ja schon wiederholt mit den delikaten Beziehungen zwischen den USA und Nordkorea beschäftigt, die für beide Seiten voller Fallstricke waren und sind. Nun machen die USA einen neuen Anlauf Kim Jong Il und sein Regime zu besänftigen und vor allen Dingen zur Rückkehr an den multilateralen Verhandlungstisch zu  bringen. Zu diesem Zweck ist Stephen W. Bosworth, der Sondergesandte der US-Regierung für Nordkorea am vergangenen Samstag in die Region gereist und wird heute nach einem Austausch mit südkoreanischen Politikern nach Pjöngjang weiterreisen. Dort ist ein Aufenthalt bis zum kommenden Donnerstag geplant.

Die Positionen der USA und Nordkoreas

Seitens der USA wird dabei immer wieder darauf verwiesen, dass die bilateralen Gespräche (die ersten unter Barack Obama und insgesamt eine recht seltene Angelegenheit) einzig dem Zweck dienen sollen, Nordkorea zur Rückkehr zu den nunmehr seit über einem Jahr ruhenden Sechs-Parteien-Gesprächen zu bewegen. In Pjöngjang wünscht man sich dagegen naturgemäß eine etwas andere Agenda. Am liebsten wäre es dem Regime wohl, wenn es zu einem Friedensvertrag zwischen Nordkorea und den USA käme, was unter den gegebenen Umständen allerdings wohl jenseits jeglicher realistischer Einschätzungen liegt (aber das weiß man wohl auch in Pjöngjang. Aber da man dort eine gewisse Meisterschaft im feilschen besitzt, weiß man auch, dass man in Verhandlungen nicht mit niedrigen Anfangsgeboten geht!). Allerdings dürfte zwischen beiden Seiten zumindest eine grundlegende Einigkeit über die Agenda der Gespräche bestehen, da es im Vorfeld der Gespräche bereits vorbereitende Konsultationen über die nordkoreanische Botschaft bei den Vereinten Nationen in New York gegeben haben soll.

Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte

Was jedoch konkret bei den Gesprächen herauskommen wird, dass ist schwer abzuschätzen. Wahrscheinlich wird das Ergebnis wie so oft irgendwo in der Mitte liegen zwischen der minimalistischen Forderung der USA, Nordkorea möge ohne Vorbedingungen zu den Sechs-Parteien-Gesprächen zurückehren und der Maximalforderung Nordkoreas nach Gesprächen über einen Friedensvertrag. Dabei dürfen wir uns allerdings leider nicht erhoffen, dass aller Ergebnisse der Gespräche in naher Zukunft publik werden. Während das Resultat der Minimalforderung, nämlich ob Nordkorea zu den Sechs-Parteien-Gesprächen zurückkehrt oder nicht, klar messbar ist (Ich wäre überrascht, wenn es nicht zu einer Rückkehr Nordkoreas käme), unterliegt alles Andere (also mögliche Zugeständnisse der USA) einer für Beobachter oft unbefriedigenden Geheimniskrämerei. Aber entscheidend ist natürlich, mit welchem Verhandlungsmandat Bosworth ausgestattet ist und was das Minimalziel des Regimes in Pjöngjang ist. Beides werden wir wohl kaum in Erfahrung bringen, sondern höchstens aus den Ergebnissen der Gespräche ablesen können.

Zum Erfolg verdammt?

Allerdings gibt es einige Anhaltspunkte, die über die altbekannten Ziele beider Seiten hinaus auf die Positionen der Akteure schließen lassen. Auf Seiten Nordkoreas währe da die jüngste Währungsreform zu nennen. Diese hat im Volk, oder zumindest in einigen Teilen Unzufriedenheit ausgelöst. Daher dürfte Kim Jong Il unter Druck stehen, durch die Gespräche greifbare Ergebnisse zu erzielen um die Legitimation des Regimes zu stärken. Sicherlich ist allein das Zustandekommen bilateraler Gespräche mit einem Vertreter der USA bereits ein propagandistisch gut nutzbarer Erfolg, allerdings dürfte es dem geliebten Führer nach der Währungsreform und den immer wieder aufkeimenden Gerüchten über sein Ableben und seine Nachfolge wichtig sein, sowohl nach außen wie nach innen zu demonstrieren, dass er die Fäden weiterhin fest in der Hand hält und erfolgreich auf internationalem Parkett agieren kann. Jedoch dürfte die nordkoreanische Seite mit diesem Erfolgsdruck nicht allein dastehen. Nachdem Barack Obamas außenpolitisches Engagement in aller Welt, vor allem aber in den USA, zunehmend kritisch betrachtet wird (hier ist zum Beispiel die Asienreise Obamas zu nennen, die von Beobachtern meist irgendwo zwischen ertraglos und totalem Desaster bewertet wurde, zu nennen), wäre der Konflikt mit Nordkorea eine ideale Möglichkeit zu belegen, dass sein neuer außenpolitischer Stil doch erfolgsträchtig sein kann und auch konkrete Ergebnisse liefert. Würden die Verhandlungen in Pjöngjang eine Perspektive für den Abrüstungs- und Friedensprozess auf der koreanischen Halbinsel aufzeigen, könnte Obama erstmals seit langem (eigentlich seit er den Friedensnobelpreis bekam), Erfolge auf internationaler Ebene verbuchen. Aus diesen Gründen gehe ich davon aus, dass beide Seiten gewillt sind, die Gespräche zu einem erfolgreichen Ergebnis zu führen und wir uns Anfang des kommenden Jahres über eine Wideraufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche freuen können, die den Stillstand (bzw. die Verschlechterung) der Situation im vergangenen Jahr aufbrechen können. Ob diese Gespräche dann jedoch wirklich nachhaltige Ergebnisse liefern werden, dass steht auf einem völlig anderem Blatt.