Interessante Veranstaltungen zu Nordkorea im Februar in Berlin, Hamburg, Kiel und Stuttgart


Auch auf die Gefahr hin ein bisschen redundant zu sein, möchte ich heute Aufgrund der Vielzahl wirklich spannender Veranstaltungen in den nächsten Wochen doch nochmal einen kleinen Ankündigungsblock einschieben, damit keiner der Zeit und Lust hat einen der durchweg besuchenswerten Termine verpasst.
Wenn das alles für mich nicht so superweit weg wäre (Hamburg und Berlin), würde ich ganz sicher auf ein oder zwei der Veranstaltungen auftauchen, aber für einen Abend zehn Stunden oder so mit dem Zug unterwegs sein, da habe ich keinen Bock drauf. Naja was ich nur sagen will: Jede der Veranstaltungen lohnt sich und um nicht noch redundanter zu wirken werde ich das jetzt nicht mehr extra jedes Mal sagen.

12.02. Hamburg

Ich gehe einfach mal chronologisch vor: Schon übermorgen dem 12.02. um 19h wird es in  Hamburg (Neuer Jungfernstieg 21, 20354 Hamburg) ein GIGA-Forum geben, das von Patrick Köllner (der sich prima in der Region auskennt) moderiert wird. Auf dem Podium sitzen zwei echte Hochkaräter. Zum einen Rüdiger Frank, den die FAZ nicht zu Unrecht vor allem auf Grund seiner relativ einmaligen Nordkorea-Expertise zu einem der 50 einflussreichsten deutschen Ökonomen gekürt hat und dessen Arbeit auch ich einfach prima finde. Zum anderen der ehemalige britische Botschafter in Pjöngjang James Hoare.  Organisiert wird das Ganze vom GIGA in Kooperation mit der Deutsch-Koreanische Gesellschaft Hamburg (DKGH) und dem Ostasiatischer Verein (OAV).

Hier könnt ihr euch schonmal einen kleinen Eindruck von ihm machen.

17.02. Hamburg

Nächste Woche, am 17.02. um 19h gibt es schon wieder in Hamburg (KörberForum – Kehrwieder 12, 20457 Hamburg, Hamburg) was feines. Da gibt es von der Körber-Stiftung eine Diskussionsveranstaltung mit Jang Jin-sung. Für diejenigen, denen es nach Hamburg zu weit ist (also z.B. mich) gibt es coolerweise einen Livestream, den ihr auf der oben verlinkten Seite findet. Wie ich gerade gesehen habe, steht auf der Seite, dass alle Plätze belegt sind, aber ich glaube wenn ich in Hamburg wäre würde ich da einfach mal anrufen. Jang ist einer der führenden Köpfe hinter News Focus International. Er war vor seiner Flucht aus Nordkorea im Jahr 2004 Teil des Regimes und arbeitete für das United Front Department. Ich denke, dass er über einen ganz anderen Blick auf Nordkorea verfügt als wir und einige Aspekte des Systems, die uns unverständlich erscheinen, gut und einfach erklären kann.

19.02. Berlin

Und weil es sich für Jang wohl nicht lohnt, für einen Termin nach Deutschland zu kommen, tritt er am 19.02. um 19h nochmal in Berlin in der Gedenkstätte Hohenschönhausen (Genslerstraße 66, 13055 Berlin) auf. Organisiert hat das Ganze die Europäische Allianz für Menschenrechte in Nordkorea, eine ganz interessante Organisation, die sich vor allem dafür einsetzt, die Aufmerksamkeit für die Menschenrechtssituation in Nordkorea zu steigern, die Informationsbasis zu verbessern und seriöse Forschung zu dem Thema zu fördern.

17.-22.02. Berlin und 20.-25.02. Kiel

Ebenfalls in Berlin gibt es vom 17. bis 22.02. die 2. DVR Korea-Filmwoche im Babylon Kino (Rosa-Luxemburg-Str. 30, 10178  Berlin) zu erleben. Vielleicht erinnert sich der Eine oder Andere von euch: Vor gut zwei Jahren gab es schonmal sowas Ähnliches, damals war es nur ne Art Tournee, bei der nordkoreanische Filme in verschiedenen Städten Deutschlands gespielt wurden. Scheinbar hat man in diesem Jahr (ich bin auch gerade überrascht, das war mir nämlich bisher entgangen) wieder die gleichen Kinos im Programm wie 2011.
Das heißt für die Nordlichter gibt es vom 20. bis 25.02. in der Pumpe in Kiel (Haßstraße 22, 24103 Kiel) ebenfalls die DVRK Nordkorea Filmwoche. Ob es auch in Köln wie 2011 Veranstaltungen gibt, konnte ich bis jetzt nicht rausfinden, aber das war auch schon damals ein bisschen undurchsichtig. Ich werde mal die Augen offen halten.
Das Programm ist ziemlich umfangreich, deshalb werde ich das hier nicht im Detail auswalzen (könnt ihr ja selber nachlesen), aber wenn ihr euch für nordkoreanisches Kino interessiert oder, was ich sehr spannend fände, für Dokus aus Nordkorea, dann solltet ihr euch das mal angucken. Außerdem dürfte es an beiden Standorten zumindest einen Termin mit nordkoreanischen Filmschaffenden und vermutlich auch Botschaftsleuten geben. Den könnt ihr euch ja mal gesondert vormerken.

17.02. Stuttgart

Zuletzt noch eine Veranstaltung, die vielleicht nicht ganz so hoch hängt, wie die vorgenannten, die ich mir aber auch anschauen würde, wenn ich da wäre. Am 17.02. 19h wird die Friedrich-Naumann-Stiftung in Stuttgart (Hotel Sautter, Johannesstr. 28, 70176 Stuttgart) eine Vortragsveranstaltung mit Lars-André Richter durchführen. Der ist Chef des Regionalbüros der Stiftung in Seoul (damit Nachfolger von Walter Klitz, an den ihr euch vielleicht durch das Interview auf diesem Blog erinnert) und damit auch für die vielfältigen und interessanten Aktivitäten in und zu Nordkorea zuständig. Er dürfte interessantes aus der Praxis zu erzählen haben, auch wenn ich mit ihm in seinen Bewertungen nicht immer auf einer Linie liege.

Viel Spaß

Naja, ihr seht, es gibt einiges interessantes in den nächsten Tagen und Wochen und für fast alle Regionen in Deutschland ist was dabei, außer wenn man eher im Westen wohnt ist blöd. Aber das wird bestimmt auch bald besser und bis dahin wünsche ich euch interessante Veranstaltungen und so.

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Die Erfindung des „patient Containment“ — Reflektion zu Südkoreas Reaktion auf den Beschuss der Insel Yonpyong durch Nordkorea


Vor ein paar Tagen erschienen die Memoiren des ehemaligen US-Verteidigungsministers (2006 – 2011) Robert Gates, die bei uns unter anderem deshalb ein bisschen Aufmerksamkeit erzeugten, weil sie Barack Obamas Afghanistanstrategie mit sehr eindeutigen Worten als Fehlerhaft brandmarken. Aber das interessiert in diesem Kontext hier natürlich relativ wenig. Spannender ist da schon, was Gates über Korea schreibt. Das ist nämlich ein Stück weit dazu angetan, eine der einschneidenden Episoden der letzten Jahre auf der Koreanischen Halbinsel neu zu bewerten: Den Artilleriebeschuss der südkoreanischen Insel Yonpyong durch nordkoreanische Einheiten im Jahr 2010, durch den zwei südkoreanische Zivilisten und zwei Soldaten ums Leben kamen, bzw. die südkoreanische Reaktion auf diesen Angriff.

Der Angriff auf Yonpyong und die Folgen

Eigentlich hatte ich mich ja wirklich gefreut, den Namen Lee Myung-bak aus meinem Gedächtnis streichen zu können, aber das was Gates über die Zeit nach dem Beschuss der Insel zu berichten hat, finde ich dann doch so erwähnenswert, dass ich nochmal einen Blick auf die unselige Lee-Zeit werfen will:
Auf den Beschuss aus Nordkorea reagierte das südkoreanische Militär damals ja relativ moderat, indem es nur die nordkoreanischen Stellungen unter Feuer nahm, von denen der Beschuss erfolgt war. Auf weitere Vergeltungsaktionen wurde vollständig verzichtet und damit auch eine potentielle Ausweitung zu einem massiveren bewaffneten Konflikt verhindert. So wurden zwar die internationalen Ängste vor einem möglichen Kriegsausbruch gemindert, aber gleichzeitig sah Südkorea ein Stück weit wie der Verlierer des Zwischenfalls aus, vor allem weil es nicht gelang, zusammen mit den USA konsistente Antworten auf dem diplomatischen Parkett zu geben. Der Süden hatte durch seine Zurückhaltung zwar den Frieden gesichert (zumindest in dem Maß in dem er auch vorher auf der Insel zu finden war), aber sein Gesicht und seine Glaubwürdigkeit ein Stück weit verspielt. Der häufig polternde Lee sah aus wie ein zahnloser Tiger. Seine Strategie, die eigentlich auf Abschreckung und Eindämmung Nordkoreas abzielte, zeigte sich als vollkommen inkonsistent, denn eine Abschreckungsstrategie, die nicht glaubwürdig ist, weil sie auf Provokationen nicht wirklich reagiert, wirkt vermutlich fataler als garkeine Strategie.

Eine neue Perspektive auf die südkoreanische Reaktion

Wie das Buch von Robert Gates nun zeigt, war Lee Myung-baks Zurückhaltung jedoch nicht Resultat seiner Angst vor einem Krieg auf der Koreanischen Halbinsel oder irgendwelchen weitergehender Überlegungen, die auf diplomatische Lösungen des Konflikts abzielten, sondern allein auf Druck der USA zurückzuführen. Lees erster Ansatz der nordkoreanischen Aggression entgegenzutreten entspricht in ihrer Beschreibung durch Gates ziemlich genau dem, was ich von Lee erwartet hätte. Er beschreibt Lees ursprüngliche Pläne als „unangemessen aggressiv“. Eigentlich hätte er einen kombinierten Vergeltungsschlag aus Luftwaffe und Artillerie geplant gehabt, der über eine gleichstarke Antwort deutlich hinausgegangen wäre. Nach intensiver mehrtägiger Telefondiplomatie zwischen Washington und Seoul habe er aber davon abgesehen und sich mit dem unmittelbaren Gegenschlag gegen die nordkoreanischen Artilleriebatterien, die den Angriff geführt hatten, zufrieden gegeben. Gleichzeitig hätte auch die chinesische Führung aktiv darauf hingewirkt, dass die nordkoreanische Seite nicht für weitere Eskalation sorgte.

Lee Myung-bak: Einfach gestrickt, aber mit klarem Kompass

Die Informationen, die Gates Memoiren so indirekt über die Hintergründe der Krise liefern sind vielfältig. Einerseits bestätigen sie das Bild, das man später von Lee Myung-bak hatte. Nämlich, dass seine Ideen vom Umgang mit Nordkorea relativ einfach gestrickt und relativ aggressiv waren, dass er aber an ihre Richtigkeit wohl glaubte. Ohne die USA wäre seine Politik gegenüber Pjöngjang vermutlich noch eine Nummer härter gewesen. So wäre wohl die Abschreckungsstrategie Südkoreas intakter geblieben, als sie das durch das Wirken der USA nun ist. Über die Konsequenzen eines solchen Vorgehens zu spekulieren ist Blödsinn, aber die Spannweite dessen, was daraus hätte resultieren können, ist denkbar groß.

Die Erfindung von „patient Containment“: Wie aus zwei konsistenten Strategien eine kontraproduktive Wurde

Andererseits zeigt sich jedoch auch vieles über die Rolle der USA in diesem Konflikt. Ich hatte die Position der US-Regierung unter Obama ja häufig als schwach und eher von Südkorea gesteuert charakterisiert. Das lässt sich so wohl jetzt nicht mehr halten. Vielmehr resultiert die gefühlte Schwäche der USA gegenüber der Lee Administration wohl eher daraus, dass Washington viele Mittel darauf verwenden zu müssen glaubte, zumindest die radikalsten Vorhaben Lees zu abzufedern.
Gleichzeitig zeigt sich aber damit mal wieder ein Problem, an dem die Politik Südkoreas und der USA gegenüber Nordkorea schon seit Jahrzehnten krankt: Man zog anders als ich das wahrgenommen habe wohl doch nicht so ganz an einem Strang, verfolgte also, obwohl man diesen Anschein erwecken wollte, keine abgestimmte Strategie. Während die USA eigentlich gerne „strategic Patience“ gemacht hätten, hat Lee wohl eher auf „aggressive Containment“ gesetzt. Da man aber anders als in früheren Jahren nicht mehr zwei Strategien unabhängig voneinander fahren wollte, mischte man beides eher.
Das Ergebnis war denkbar schlecht: Man könnte es als „patient Containment“ charakterisieren: Man verhielt sich so, als wolle man den Norden aggressiv eindämmen und richtete auch seine Politik danach aus, aber immer wenn man diese Eindämmungsdrohung dann hätte einlösen müssen, schaltete man in den „patient-Modus“ und reagierte auf aggressives Verhalten Nordkoreas mit „besonnenem Nichtstun“. Dass die Folgen dieser Politik im Endeffekt so bescheiden geblieben sind, wie sie eben geblieben sind ist kein Wunder. Vermutlich hätte jeder der beiden Ansätze für sich genommen zu besseren Ergebnissen geführt und sogar ein Nebeneinanderher der beiden Strategien hätte nicht so fatal geendet, wie diese zahnlose Eindämmungspolitik.

Korea als Relikt des Kalten Krieges: Es wird wieder riskanter

Mit einer letzten kleinen Beobachtung möchte ich diese Reflektion schließen: Wenn man sieht, wie sehr die USA die Politik Südkoreas in so einem entscheidenden Moment beeinflussen konnten, zeigt dies doch erstaunlich deutlich, wie abhängig Südkorea nach wie vor von den USA ist und wie stark sich Südkoreas konservativer Präsident Lee in das Gefolge des großen Verbündeten gestellt hat (Gates erwähnt unter anderem auch Lees Vorgänger Roh, den er nicht mochte, weil der anders als Lee die Präsenz der USA als Sicherheitsrisiko wahrnahm und das auch offen sagte). Mitunter könnte man sagen, dass die nordkoreanischen Vorwürfe an die Führung in Seoul, man sei ein Vasallenstaat von Gnaden der USA nicht vollkommen aus der Luft gegriffen sind. Wenn es den USA wichtig genug ist und sie diplomatisch intervenieren wollen, dann sind die durchaus in der Lage, Südkoreas politische Richtung zu steuern.
Gleichzeitig zeigt sich hier auch, dass Korea tatsächlich ein Relikt des Kalten Krieges ist, denn ihren Interessen entsprechend intervenieren hüben wie drüben mächtige Verbündete, um das politische Wirken der kleinen Brüder den eigenen Interessen entsprechend zu lenken. Bisher zielten zum Glück die Interessen der USA und Chinas tendentiell eher auf friedliches Miteinander ab. Sollte sich das allerdings irgendwann ändern, dann wird das auch negative Folgen für beide Koreas haben. Daher wäre es wohl im Interesse beider Koreas, ein Stück weit politische Unabhängigkeit von den großen Brüdern zu gewinnen, um nicht im Fall von massiveren Spannungen als Stellvertreter herhalten zu müssen.

Reminder: Noch bis Ende des Jahres kostenlose Fachaufsätze zu Nordkorea runterladen


Heute will ich euch jenseits von allem Jang Song-thaek Hype (merkt ihr es? Unsere Medien sind mal wieder auf den Hype aufgehupst und berichten jetzt jeden Mist, den es gerade zu Nordkorea gibt, obwohl die ganze Geschichte eigentlich schon gelaufen ist) auf was anderes aufmerksam machen, bzw. euch erinnern.

Im Mai habe ich euch ja schonmal auf die über 150 frei zugänglichen Fachaufsätze zu Nordkorea aufmerksam gemacht, die Taylor and Francis bereitgestellt hat. Da dieses Jahr und damit dieses Angebot jetzt bald zuende geht und die Aufsätze dann wieder kosten, wollte ich nur nochmal einen kleinen Reminder raushauen (und wenn gerade was spektakuläres passiert (zum Beispiel der irre Kim seinen ReformOnkel hinrichten lässt) sind ja eh immer alle doppelt so wissebgierig und scharf auf jegliche Art von Infos…). Aber auch wenn ihr den Kram jetzt nicht braucht oder lesen könnt, vielleicht ist das irgendwann mal anders. Naja und was ihr habt habt ihr. Also einfach runterladen und in nen Ordner legen, dann habt ihr eine nette kleine Artikeldatenbank zu Nordkorea. Ist doch nicht das Schlechteste.

Wenn ihr wollt, lest euch durch, was ich im Mai dazu geschrieben habe oder schaut direkt bei Taylor and Francis vorbei. Jedenfalls könnt ihr nicht klagen, euch hätte keiner bescheidgesagt…

Ein Bild von Nordkorea (IV): Total monumental


Wie mir kürzlich aufgefallen ist, habe ich die Serie mit den Bildern von Marc ein bisschen schleifen lassen. Das hatte nichts damit zu tun, dass ich die Fotos nicht supergut fände, sondern eher damit, dass ich immer wenn ich Zeit bekam auch gleich ein Thema hatte, das ich nicht übergehen wollte. Heute ist aber ein guter Tag, die Serie fortzusetzen (Hier lang zu den bisher erschienenen drei Teilen der Serie).
Und weil ich ja irgendwie ein Bild von Nordkorea präsentieren will, dass die verschiedenen Facetten des Systems und der Menschen darstellt, kann ich auch ein Thema nicht übergehen, dass sehr häufig unsere Idee des Landes mitprägt: Die brachiale und monumentale Symbolik, die sich im Land in überdimensionierten Bauprojekten ausdrückt und damit natürlich für jeden Fotografen ausgezeichnete Motive hergibt, die wir aus der einen oder anderen Perspektive alle schonmal gesehen haben. Aber manchmal gibt es in diesen großen Bildern doch nochmal kleines zu entdecken und wenn ihr da keinen Bock drauf habt, dann könnt ihr euch auch gerne an der irgendwie verstörenden Faszination der totalitären Symbolbaukultur des Regimes weiden.

Alle Rechte an allen folgenden Bildern liegen bei Marc Ucker.

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"Ja wo sind wir denn hier?" Naja, die Frage ist eigentlich schnell beantworte: "In Korea!" Nicht Nord nicht Süd, einfach nur Korea. Irgendwie sticht das hervor. Zumindest auf dieser Karte. Aber, schaut euch das Bild mal genauer an. Von dieser wichtigen Idee, die Nord und Süd grundsätzlich eint, nämlich dass die Koreas zusammenghören, ist zumindest hier so ein bisschen der Lack ab.

„Ja wo sind wir denn hier?“ Naja, die Frage ist eigentlich schnell beantworte: „In Korea!“ Nicht Nord nicht Süd, einfach nur Korea. Irgendwie sticht das hervor. Zumindest auf dieser Karte. Aber, schaut euch das Bild mal genauer an. Von dieser wichtigen Idee, die Nord und Süd grundsätzlich eint, nämlich dass die Koreas zusammengehören, ist zumindest hier so ein bisschen der Lack ab.

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Galerie

Die Bilder kennt man. Trotzdem irgendwie spannend, dieser Flur voller Propagandakunst.

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LongWayDownkl

Es ist ein weiter Weg nach unten; Nach oben aber genauso. Gut dass es eine Rolltreppe gibt. Ansonsten würde man sich glaube ich ganzschön müde laufen. Was ist eigentlich immer mit der Treppe in der Mitte? Für Special-Guest oder Rettungsleute reserviert? Oder ne Geschichte für ganz sportliche? Auch diese Treppe könnte man als Sinnbild für das Land nehmen. Nur weiß ich nicht, ob man auf der Abwärts- oder Aufwärtstreppe steht. Und anders als auf Rolltreppen geht selten was von alleine.

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NeueHäuserkl

Kaum ein zeitgenössisches Projekt steht so sinnbildlich für Nordkorea heute wie die Mansudae Apartments. Nur für was sie genau stehen, das kann ich leider nicht sagen. Stehen sie für eine wirtschaftlich erfolgreich aufstrebende Nation? Für Modernität? Für zumindest fragwürdige weiße Elefanten? Oder einfach dafür, dass Nordkorea aus der Zeit gefallen ist und bleibt (denn irgendwie sehen die Gebäude doch nicht mehr modern, sondern wie der Traum eines Architekten der Siebziger aus)? Naja, ich weiß es nicht. Vielleicht ist auch dass das Sinnbild, denn man weiß mit Blick auf Nordkorea eben sehr selten, was man davon halten soll…

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OtherSideofTheRiverkl

Die andere Seite des Flusses erinnert mich an diesen unglaublich guten Song. Schöne Perspektive auf die Stadt. Dass nicht nur Ausländer diese Aussicht (von dem Platz vor dem Juche-Turm aus (oder?)) schätzen, zeigen die vielen anderen Betrachter.

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SonneDesJahrhundertsErhebtSichkl

Achja, Monumentalbauten sind glaub ich einfach deshalb bei autoritären Regimen so unglaublich beliebt, weil sie ihren Untertanen die Interpretation einfacher machen. Hier sagt zum Beispiel die Sonne (des Jahrhunderts? Vermutlich!) dem Volk, das wohl noch fleißig in der großen Studienhalle am Sieg der Revolution büffelt, gute Nacht. Schön wenn der große Führer über sein Volk wacht.
Detailverliebte können den Blick aber auch mal ein Stück senken und sich eines der Geheimnisse der reibungslosen Massenchoreographien auf dem Kim Il Sung Platz näher anschauen. Die Leute machen das nicht von selbst, sie haben nur ganz klare Markierungen, wo wer zu stehen hat. Das macht es einfacher den Schwarm zu kontrollieren. Was wohl passiert wäre, wenn hier der Fotograf ein Stück Kreide und viel Mut dabei gehabt hätte? You never know…

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BurningFlamekl

Und wenn man sich dann von da aus, wo das vorherige Foto geknipst ist, einfach umdreht, dann sollte man ungefähr dieses hier bekommen. Auch nicht schlecht symmetrisch, oder? Und die Flamme von Juche leuchtet dem Volk durch die Nacht, das ist doch mal was. Flammen sind auch herrlich symbolisch, gell. Da muss man nur mal in die Bibel (Pfingsten) oder in eine katholische Kirche (das ewige Licht) reinschauen. Auch hier musste ich an Musik denken, warum auch immer.

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ImGleichschrittMarschkl

Eines der beiden flankierenden Monumente am Mansudae-Hügel, wo die Bronze-Kims wohnen. Die oben wie die unten marschieren im Gleichschritt in ein neues Zeitalter. Blöd nur, wenn der Schuh auf ist. Dann ist der ganze schöne Effekt dahin.

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Andachtkl

Schließlich kann jeder seinen Verkehrskreisel gestalten wie er lustig ist, oder hat damit jemand ein Problem.
Aber mal Spaß beiseite: Wenn gleich zwei große und geliebte Führer wohlwollend auf einen niederschauen (das „Niederschauen“ ist ein Motiv, dass sich definitiv durchzieht), was will da noch schlimmes passieren.

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AlteSymbolikkl

Die ganze Gesellschaft gemeinsam für Juche. Da sind Industriearbeiter, Soldaten, Bauern, Akademiker, die gemeinsam die Juche-Flamme hoch. Nur was der Kerl links hinten für einen seltsamen Hut auf hat, das erschließt sich mir noch nicht so richtig, Dabei sollte es grundsätzlich schlichte und einfach zu verstehende Symbolik sein.
Naja. Hat auch alles sein Gutes, denn wenn man sich ein Detail anguckt, dann fällt einem manchmal was ganz anderes auf. Daher gleich noch zwei Bildausschnitte.

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Auf jeden Fall ist mir bei der Betrachtung des Kopfes links aufgefallen, dass auf dem Buch oben drauf irgendwie Stroh oder sowas zu  liegen scheint. Das fand ich seltsam.

Auf jeden Fall ist mir bei der Betrachtung des Kopfes links aufgefallen, dass auf dem Buch (was steht da eigentlich genau drauf?) oben drauf irgendwie Stroh oder sowas zu liegen scheint. Das fand ich seltsam.

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Dann ist mir aber engefallen, dass ich auf dem anderen Bild was gesehen hatte: Vielleicht ha tja jemand das Monument tatsächlich einem praktischen Nutzen zugeführt und sich darauf häuslich gemacht...

Dann ist mir aber eingefallen, dass ich auf dem anderen Bild was gesehen hatte: Vielleicht hat ja jemand das Monument tatsächlich einem praktischen Nutzen zugeführt und sich darauf häuslich gemacht…

Schöne Studie des KINU zu Nordkoreas Machteliten


Bei der Betrachtung des Handelns der nordkoreanischen Führung, durch mich und andere, z.B. Qualitätsmedien, dürfte vielen von euch schonmal aufgefallen sein, wie wenig man eigentlich über die Gründe des Handelns, die Ziele und sogar über maßgebliche Akteure dort weiß. Mitunter führt das dazu, dass Nordkoreas Führung als „Black Box“ gesehen wird, deren Handlungen kaum zu  analysieren, zu bewerten oder gar vorherzusagen sind. Oder aber es werden teils abstruse (oder abstrus klingende) Theorien über die Entscheidungsfindung entwickelt und als gegeben gesetzt, die dann als Basis für Analysen dienen, die erstaunlicherweise am Ende teils abstrus erscheinende Ergebnisse haben.
Die einfachste ist beispielsweise die vom irren Diktator. Hier schwingt implizit die Annahme mit, der Führer Nordkoreas habe absolute Autorität und Entscheidungskompetenz und sei daneben „irre“ handle also irrational und damit nicht  vorhersehbar. Das gute an dieser Theorie: Man kann damit nahezu alles Vergangene erklären. Das Schlechte: Man kann damit keinerlei Vorhersagen über die Zukunft treffen. Der Pferdefuß: Warum sollte ein Regierungsapparat einen offensichtlich Irren an seiner Spitze dulden, wo Irrsinn doch ein großes Risiko von fatalen Fehlern mit sich bringt.
Naja, das war jetzt ein bisschen überspitzt, aber es gibt durchaus die eine oder andere Theorie oder Annahme über die Struktur, die Motivationen und die Mitglieder der nordkoreanischen Führung, aber viele davon haben irgendwo ihre Schwächen und Pferdefüße. Daher geht es nicht nur mir so, dass es irgendwie sehr komplex und kaum fassbar scheint, die Führung Nordkoreas in einem ersten Schritt zu beschreiben und dann mit geeigneten Hilfsmitteln zu analysieren. Ich versuche es trotzdem hin und wieder, aber im  Endeffekt bin ich mir bewusst, dass es nicht mehr als unsystematische Versuche  sind, nicht validierbares zu erklären. Im Bewusstsein dieser Problematik finde ich es immer mal schön, wissenschaftlich ausgearbeitete Texte zu Funktionsweisen und Strukturen der Führung in Pjöngjang zu lesen.

Studie zu den Machteliten Nordkoreas

Daher habe  ich mich eben gefreut, als ich auf der Suche nach ganz was Anderem auf der Seite des Korea Institute for National Unification die schöne knapp 70-seitige Analyse: „Study on the Power Elite of the Kim Jong Un Regime“ (hier lang zu Studie, dann einfach auf das PDF-Piktogramm wo „Eng“ drinsteht klicken) gesehen habe. Ich hab sie mir auch gleich durchgelesen, was ich euch auch herzlichst empfehle, will aber in aller Kürze das zusammenfassen, was für mich wichtig bzw. bemerkenswert war:

Einschränkungen

Der methodische Teil der Studie zeigt bereits auf, wo die Schwierigkeiten bei der Analyse der Führung Nordkoreas liegen. Denn einerseits wird angemerkt, dass die meisten Erklärungsmodelle für Nordkoreas Führungssystem nur unter Vorbehalt genutzt werden könne, weil sie nicht zu verifizieren sind. Andererseits wird schnell klar, dass Informationen über Mitglieder der nordkoreanischen Führung nur sehr begrenzt vorliegen. Bei Personen die nicht zur absoluten ersten Reihe des Regimes gehören, ist oft nicht mehr als der Name und daraus abgeleitet das Geschlecht bekannt. Über Alter, Geburtsort oder gar weitere Aspekte der Vita gibt es bei großen Teilen des Führungszirkels keine Informationen. So ist bei etwa einem Drittel der Mitglieder des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas und bei Dreivierteln ihrer Stellvertreter das Alter nicht bekannt. Die Zahlen für Herkunft und Ausbildung sind nochmal höher. Diese Einschränkungen machen nochmal schön deutlich, wie wenig wir wissen und wie eingeschränkt Analysen daher auch nur möglich sind.

Modelle zur Erklärung des Regimehandelns

Nichtsdestotrotz bietet die Studie einige Analyserahmen an, die gut nutzbar sind, um damit die inneren Vorgänge in  Nordkorea zu erklären. Die Studie geht dabei davon aus, dass die Entscheidungen und damit das Handeln in Nordkorea nicht allein von Kim Jong Un bestimmt werden, sondern dass es Konfrontationen und Konflikte innerhalb der Eliten gebe, aus denen im Endeffekt die Ergebnisse der Politik resultierten, die wir beobachten können. Diese Annahme splittert sich dann entlang der Frage, wo die Konfliktlinien innerhalb der Eliten verlaufen in unterschiedliche, aber nicht unbedingt gegensätzliche Erklärungsmodelle auf:

  • Das „policy tendency“ Modell geht davon aus, dass es innerhalb der Führung zwei Gruppen gibt, die im Konflikt um die politische Ausrichtung des Landes stehen. Eine Gruppe steht dabei für eine eher technokratische, effizienzorientierte Herangehensweise, die eine Verbesserung der Lebensverhältnisse zum Ziel hat, die andere steht für ideoligsche Reinheit, beispielsweise durch die Fortsetzung der Militär-zuerst-Politik.
  • Das „bureaucratic politics“ Modell sieht den Wettbewerb zwischen unterschiedlichen funktionalen Einheiten, Institutionen und Organisationen im Vodergrund, die um Macht und die Durchsetzung eigener Interessen kämpfen.
  • Das „factionalism-power“ Modell erklärt die Politik ähnlich wie das vorgenannte Modell als Konfikt um Interessen und Macht, nur dass dieser Konflikt nicht durch formelle bürokratische Strukturen ausgefochten wird, sondern durch unterschiedliche informelle Faktionen innerhalb des Regimes.
  • Das „patron-client“ Modell schließlich zielt ebenfalls auf informelle Beziehungen ab, sieht jedoch nicht so sehr Gruppen im Vordergrund, sondern individuelle Beziehungen zwischen nicht gleichrangigen Akteuren, die sich durch ein gegenseitiges Geben und Nehmen auszeichnen und auf Basis von Familienbeziehungen, gemeinsamen Erfahrungen etc. ergeben. Aus einer Vielzahl solcher Patron-Klient-Verhältnisse können dann komplexe Loyalitätennetzwerke entstehen, die auch Vertikal und über Organisationsgrenzen hinweg wirken.

Wenn ihr hin und wieder einen Artikel über Nordkorea gelesen habt, der sich mit den inneren Vorgängen im Regime befasst, dann dürften euch zumindest einige dieser Erklärungsansätze bekannt vorkommen. Aus diesem Arsenal speist sich je nach zu erklärendem Phänomen, Wissensstand oder persönlicher Vorliebe des Autors ein Großteil der Regimeanalysen und ich bin mir sicher, dass jedes der oben genannten Instrumente eine gewisse Erklärkraft besitzt. Leider weiß ich und auch sonst niemand, wie sich das Anteilig aufteilt. Aber es ist doch immerhin schonmal was, ein paar Werkzeuge zu haben.

Konkrete Analyse

Aber nicht nur die methodische Vorgehensweise, sondern auch die konkrete Analyse des Regimes ist nicht unspannend. So zeigt sich, dass mindestens 61 Prozent der Mitglieder des ZK der PdAK zwischen 60 und 90 Jahren alt sind. Bedenkt man dann aber noch, dass von 33 Prozent der Mitglieder kein Alter bekannt ist, dann ist klar, dass diese Lenkungsinstitution nicht gerade vor Jugend strotzt. Auch die Bedeutung von Blutsverwandtschaften wird hier nochmal klar hervorgehoben. So sind wirklich viele enge Verwandte ehemaliger Spitzenfunktionäre im heutigen ZK zu finden. Allein die Blutsverwandten Kim Il Sungs stellten ab 2010 deutlich über 5 % der Mitglieder des ZK.
Weitere interessante Hinweise beschäftigen sich mit persönlichen Netzwerken, die sich über gemeinesame Tätigkeiten ergeben. Hier geht es zentral um das Netzwerk von Kim Jong Uns Onkel Jang Song-thaek, dem eine Vielzahl der absoluten Spitzenkräfte des Regimes zugerechnet werden (darunter aber auch ein paar, die von den Säuberungswellen der letzten Jahre weggespült wurden).

Sehr spannend finde ich auch die statistischen Netzwerkanalysen, mit denen die Autoren das Elitennetzwerk Nordkoreas beleuchten. Hier zeigt sich mehreres. So ist das Netzwerk um Kim Jong Un zwar dichter, es sind also häufiger die gleichen Personen, die auftreten, aber auch weniger konzentriert. Das bedeutet, dass das Netzwerk nicht so sehr unizentrisch ist, sondern neben der Person Kim Jong Uns weitere kleine Zentren innerhalb des Netzwerkes (z.B. Jang Song-thaek und Choe Ryong-hae) bestehen.
Weiterhin wird gezeigt, dass Kim Jong Un, anders als sein Vater, weniger „Machtvorsprung“ vor anderen Führungsfiguren des Regimes hat. Weiterhin zeigt sich, dass seine Führungstruppe (also mächtige Leute), ein gutes Stück jünger ist, als die seines Vaters. Es scheint also so zu sein, als würde Kim Jong Un seine Macht mehr teilen und das mit jüngeren Leuten.
Was den Einfluss von Institutionen angeht, zeigt sich, dass die Führungsfiguren des Militärs unter Kim Jong Un gegenüber denen der Partei an Einfluss gewonnen haben. Ich weiß nicht genau, wie in diese Analyse eingeht, dass mittlerweile einige wichtigen Anführer des Militärs von der Bildfläche verschwunden sind, aber wenn ich die Ausführungen hier richtig verstehe, ist der Einfluss des Top-Führungspersonals unabhängig von diesen individuellen Veränderungen bestehen geblieben.
Spannend finde ich auch den radikalen Generationswechsel, der zwischen 2009 und 2011 sehr konsequent in den Funktionspositionen der Partei umgesetzt wurde, aber auch beim Militär zu bedeutenden Änderungen führte. Im Rahmen dieser „Erneuerung“ wurde ein bedeutender Teil der Funktionspositionen der Partei mit 20 bis 30 jährigen neu besetzt.

Lesen lohnt

Naja, am besten ihr lest das alles selbst durch, es lohnt sich nämlich auf jeden Fall. Es ist zwar nicht alles belegbar und manchmal könnten auch andere Effekte eine Rolle spielen (z.B. kann man die Netzwerkzentralität ja nur anhand der bekannten Auftritte und dessen, was davon berichtet wird, analysieren. Das heißt aber, wenn sich die Art der Berichterstattung unter Kim Jong Un geändet hat, könnte das auch zu einer Veränderung der Analyseergebnisse führen, ohne dass man daraus wirkliche Schlüsse über Machtverhältnisse ziehen könnte), aber einerseits gibt der Bericht einen schönen Überblick über mögliche Analysemodelle der Führung und damit Werkzeug für künftige Bewertungen an die Hand, andererseits lassen sich auch gewisse Trends und Fakten der Zusammensetzung der Führung ablesen, was durchaus spannend ist.

Ein Bild von Nordkorea (III): Kinder, Kinder!


Zwar habe ich gerade nicht so gut Zeit, Lust habe ich aber trotzdem. Deshalb mache ich jetzt einfach mal etwas, das mir so ziemlich am meisten Spaß macht. Zum Beispiel ein paar Fotos angucken und verlinken. Die Serie, die ich vor ein paar Wochen begonnen habe, geht also in ihre dritte Runde und dieses Mal finde ich das Thema spannend und die Bilder echt toll. Ich denke ihr werdet eure Freude daran haben, ich fand es jedenfalls mal wieder super, die Auswahl zu treffen.

Nach wie vor wünsche ich mir, dass ihr eure Meinungen zu den Bildern zum Besten gebt oder auch einfach nur das schreibt, was euch beim Angucken so durch den Kopf geht. Da gehört eigentlich nicht besonders viel dazu und ehrlich gesagt finde ich es schade, dass sich nicht mehr von euch die Mühe machen. Vielleicht gibt es dieses Mal ein paar mehr Meinungen und Assoziationen. Das würde mich jedenfalls sehr freuen.

Alle Rechte an allen folgenden Bildern liegen bei Marc Ucker, dem ich sehr dankbar dafür bin, dass er für uns seine Alben geöffnet hat.

Hm, zu Kindern was zu schreiben ist garnicht so einfach. Jedenfalls wenn man nicht sentimental und blöd klingen will.  Ich werd's trotzdem versuchen, denn einige der Kinderbilder finde ich einfach hammer. Naja und irgendwie sieht man in Kindern am besten, dass manche Dinge überall gleich sind.

Hm, zu Kindern was zu schreiben ist garnicht so einfach. Jedenfalls wenn man nicht sentimental und blöd klingen will.
Ich werd’s trotzdem versuchen, denn einige der Kinderbilder finde ich einfach hammer.
Naja und irgendwie sieht man in Kindern am besten, dass manche Dinge überall gleich sind.

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Schaukasten

Kinder sind neugierig und offen. Um sie zu einem Wesen zu machen, das in ihrer Gesellschaft funktioniert, müssen ihnen diese Wesenszüge ein Stück weit abtrainiert werden oder sie müssen lernen das zu verbergen.
Das ist in Nordkorea so und bei uns auch. Nur die Richtung und die Konsequenz unterscheiden sich.

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Irgendwie musste ich an die Ärzte denken, als ich das Bild gesehen habe. Friedenspanzer...

Irgendwie musste ich an die Ärzte denken, als ich das Bild gesehen habe. Friedenspanzer…

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Orgelpfeifen

Auch hier hatte ich eine nicht besonders spektakuläre und dieses Mal recht naheliegende Assoziation. Orgelpfeifen. Und damit komme ich auch schon wieder zurück zur Erziehung. Denn offensichtlich wissen schon die Kleenen, dass in ihrem Land alles seine Ordnung hat.

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Früh übt sich 2

Und außer der Ordnung erwerben die Kinder auch eine andere sehr wichtige Fähigkeit:
Sie lernen das Winken. Das werden sie in ihrem Leben noch ganzschön oft machen müssen, wenn das Land bleibt wie es ist…

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Pioniere

Darf man etwas schön finden, dass Ergebnis einer totalitären Politik ist? Naja, diesen Musikverein finde ich jedenfalls fech. Muss ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben? Ich glaube nicht.
Ich saß kürzlich im Kino und hab mir das Schwein von Gaza angeguckt. Ein sehr toller Film. Schweres Thema, schweinelustig verarbeitet. Zum Teil musste ich ziemlich lachen. Ist ja auch ein lustiger Film, auch wenn das Thema ernst ist. Aber vor mir saßen so prinzipientreue (und vermutlich sehr politisch korrekte Leute). Die haben mich angeguckt, als hätte ich gerade ein paar kleine Katzen in den Mixer gesteckt, zu Hamburgern verarbeitet und verspeist, nur weil ich mich in einer schweinelustigen Szene totlachen musste. Die Moral von der Geschicht: Ich bin schlecht im „Aus-Prinzip-Scheiße-Finden“ sondern bewerte mitunter eher das, was ich sehe…

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Und irgendwie ist das Thema Musik hier recht ergiebig.  Zum Beispiel dieses Mädel hier. Das spielt unter den Augen der großen Führer bestimmt super. Naja, ganz ehrlich gesagt, ich weiß es nicht und das Mädel wohl eher auch nicht, denn es wird wohl nie nicht unter den Augen der Führer spielen. Jedenfalls wenn sich das Land nicht ändert…

Und irgendwie ist das Thema Musik hier recht ergiebig.
Zum Beispiel dieses Mädel hier. Das spielt unter den Augen der großen Führer bestimmt super. Naja, ganz ehrlich gesagt, ich weiß es nicht und das Mädel wohl eher auch nicht, denn es wird wohl nie nicht unter den Augen der Führer spielen. Jedenfalls wenn sich das Land nicht ändert…

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Großartiges Bild. Habe ich so ähnlich zwar schon öfter gesehen, aber es macht Eindruck aber auch nachdenklich.

Großartiges Bild. Habe ich so ähnlich zwar schon öfter gesehen (was wohl daran liegt, dass fast alle Besucher diesen Programmpunkt erleben dürfen), nichtsdestotrotz macht es Eindruck — aber auch nachdenklich.

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Lebenswege

Und hier die perfekte Überleitung. Der kleine Wicht interessiert sich wohl irgendwie für zwei Sachen, von denen Kinder weltweit fasziniert sind. Musik und Waffen.

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Früh übt sich

Aber wer später zu jahrelangem Militärdienst verpflichtet ist, der kann wohl nicht früh genug anfangen mit dem Üben. Aber hey: Ich war nicht beim Militärdienst und ich hab trotzdem früher keine Schießbude ausgelassen. Daher sollte ich besser nicht weiter über früh übt sich und solchen Schwachsinn schreiben…

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Und zum Schluss noch etwas, das auch überall gleich ist... Dieses Bild beeindruckt mich.  Sowas hab ich auch schon hundertfach gesehen. Wenn irgendwelche Hollywood-Fritzen versuchen, sowas in ihren Film einzubauen. Sieht immer kitschig aus und motiviert mich zum Umschalten. Aber hey, wie geil ist das, zu sehen, dass es sowas auch in echt gibt. In Nordkorea.

Und zum Schluss noch etwas, das auch überall gleich ist…
Dieses Bild beeindruckt mich.
Sowas hab ich auch schon hundertfach gesehen. Wenn irgendwelche Hollywood-Fritzen versuchen, sowas in ihren Film einzubauen. Sieht immer kitschig aus und motiviert mich zum Umschalten. Aber hey, wie geil ist das, zu sehen, dass es sowas auch in echt gibt. In Nordkorea.

Lords of War: Wie Nordkorea für seine Waffengeschäfte gemeinsame Sache mit Waffenschiebern macht


Vor ein paar Jahren habe ich mit relativ großem Vergnügen den Film „Lord of War“ mit Nicolas Cage in der Hauptrolle geguckt, was nicht nur wegen des Hauptdarstellers (seine schlechten Filme überwiegen deutlich), sondern auch aufgrund des Themas, das ja eigentlich alles andere als vergnüglich ist, erstmal schwer nachvollziehbar scheint. Allerdings beruhigte ich mich damals damit, dass die Machenschaften internationaler Waffenschieber wohl ein  bisschen überspitzt dargestellt wurden, um einerseits gute Unterhaltung zu bieten, andererseits aber auch die angehängte moralische Botschaft (vielleicht auch nur als Rechtfertigung dafür, dass man mit so unappetitlichen Themen gute Unterhaltung produziert) wirkungsvoller an den Mann zu bringen (Frauen mögen solche Filme eher selten, allerdings haben gleichzeitig Männer mitunter Schwierigkeiten mit angehängten moralischen Botschaften).

Nordkorea als globaler Waffenhändler: Interessantes aus einem UN-Bericht

Vielleicht fragt ihr euch jetzt: „Das ist ja alles schön und gut (oder totaler Quatsch), aber was hat das denn mit Nordkorea zu tun?“ Vielleicht habt ihr auch schon so eine Idee, denn der Transfer vom internationalen Waffenhandel zu Nordkorea ist ja nicht unbedingt hochkomplex. Allerdings habe ich mir das bisher so vorgestellt, dass diese Deals vor allem direkt zwischen Staaten, also zum Beispiel Nordkorea und Syrien, oder Nordkorea und Myanmar (nur früher (wobei die Meldungen über einen myanmarischen General, der aktuell auf eine Schwarze Liste gesetzt wurde, weil er Waffendeals mit Nordkorea eingefädelt hat, in eine etwas andere Richtung weisen)) oder Nordkorea und ein paar afrikanischen Staaten, ablaufen.
Die Lektüre des jüngsten Berichts des UN-Expertenpanels zur Umsetzung der Sanktionen gegen Nordkorea (sollte der vorige Link nicht klappen, versucht es hier und klickt auf den obersten Bericht), der dieses Jahr besonders spannend ausfällt und euch unbedingt zur Gesamtlektüre empfohlen ist (ach und es gab dieses Mal auch keinerlei Streit um die Veröffentlichung, aber diesen eindeutigen Hinweis auf eine etwas andere Haltung Chinas gegenüber Nordkorea haben die Medien irgendwie nicht wahrgenommen) und den Abschluss vieler Untersuchungen enthält, einerseits vielleicht, weil mehr Experten mittun, aber möglicherweise auch, weil China sich dieses Mal etwas proaktiver beteiligt hat an der Geschichte, hat mich aber gleich in zweifacher Hinsicht eines Besseren belehrt. Einerseits was meine Annahme über Nordkoreas Gebaren auf dem internationalen Waffenmarkt angeht, denn man macht im Zweifel auch Geschäfte mit Privatleuten, andererseits was meine Einschätzung des Films Lord of War angeht, denn der war vermutlich doch nicht so überspitzt, denn nach der Lektüre kommt es einem vor, als seien einige der Figuren, die in den Bericht Eingang finden, direkt aus diesem Film ausgebrochen. Dementsprechend will ich mich heute nur diesen Aspekten des Berichts widmen, was wie gesagt, die anderen Teile nicht weniger wichtig oder spannend macht. Eine kleine aber sehr feine Zusammenfassung zu den Gesamterkenntnissen bietet Marcus Noland auf seinem Blog.
Dem möchte ich eigentlich nur hinzufügen, dass man diesem Bericht durchaus anmerkt, was für eine mächtige Wirkung der Quasi-Automatismus zur Sanktionierung von Personen, Gütern und Organisationen haben wird, der in der jüngsten Resolution des UN-Sicherheitsrates gegen Nordkorea verankert ist. In diesem Bericht wird schon ein ganzer Haufen von Leuten, Sachen und Firmen etc vorgeschlagen und das wird man in Nordkorea spüren. Gleichzeitig kann in Zukunft die Hinzufügung solcher Sachen nicht mehr als Alibimaßnahme ergriffen werden, wenn man sich zu einer weiteren Verschärfungsrunde der Sanktionen entscheidet.

Der Zwischenfall in Bangkok: Eine moderne Waffenschieber-Räuberpistole

Aber nun zurück zu den Kriegstreibern und Waffenschiebern dieser Welt und ihren staatlichen Kumpels. In dem Bericht sind zwei Fälle beschrieben, in denen es zu einer direkten Kooperation zwischen Nordkorea und Waffenhändlern beim Absatz von konventionellen Waffen im Millionenwert ging. Der erste Fall ist uns dabei bereits aus der Vergangenheit bekannt. Da geht es um die Flugzeugladung Waffen in einem Gesamtwert von ungefähr 16 Millionen US-Dollar, die in Bangkok aus Nordkorea kommend und höchstwahrscheinlich mit dem Zielort Iran, aufgebracht wurde. Damals war zwar bekannt geworden, dass die Besatzung der Iljuschin 76 aus Osteuropa gekommen war, aber das Meiste an dieser Geschichte war ziemlich schwammig bzw. verborgen geblieben.
Wenn man die sehr genaue Dokumentation des Panels dazu liest, sowie diesen echt gut recherchierten Artikel, der kurz nach dem Zwischenfall erschien, dann versteht man auch, warum das so war. Diejenigen, die den Transport der Ware — es handelte sich u.a.  um Panzerfäuste, Ein-Mann-Boden-Luft-Raketen, Sprengköpfe für Raketen und 240 mm Raketen — zuständig waren, sind wohl echte Profis in diesem Geschäft. Zur Vorbereitung gehörte das Aufsetzen diverser Scheinfirmen, die gegenseitig Verträge geschlossen haben, das erstellen falscher und alternativer Flugroutendokumente und natürlich das Flugzeug, das schon an diversen Krisenhotspots u.a. in Liberia, dem Tschad und dem Sudan beim Ausladen von Waffen gesichtet wurde. Damit ist man in diesem Fall schon ziemlich nah dran an den Lords of War. Dem Bericht zufolge scheint Nordkorea Luftfracht vor allem dann zu bevorzugen, wenn die versandte Ware teuer ist. Möglicherweise hat es größere Erfolgschancen, wenn die Ware von Profis geliefert wird, als wenn man sie per Container in den internationalen Warenstrom einschleust und hofft, dass sie wohlbehalten am Bestimmungsort ankommt, vor allem wenn man bedenkt, dass einiges von dem Transportgut explosiv ist und es vermutlich beim Containertransport durchaus mal rumpelt und schaukelt, vielleicht will man solch teures Zeug auch permanent unter Bewachung zuverlässiger Leute wissen. Naja, jedenfalls ist die Luftfracht auch nicht eben billig und deshalb müssen für die abgesetzten Waren auch entsprechend große Margen drin sein. Da wird also von Verkäuferseite nicht gekleckert…

Einige Bilder aus dem Arsenal, das in Bangkok aufgebracht wurde. Quelle: Experten Panel

Einige Bilder aus dem Arsenal, das in Bangkok aufgebracht wurde. Quelle: Experten Panel

Ein richtig fetter Deal: Miiittelsreckenraakeeeten, schöööne billig Miiittelsreckenraakeeeten

Das richtig große Geschäft dürfte allerdings der Brite Michael George Ranger gewittert haben, der mittlerweile in England zu einer Gesamthaftstrafe von sechs Jahren verurteilt wurde. Das Geschäft, dass ihm letztlich das Genick brach war der versuchte Verkauf von 70 bis 100 nordkoreanischen Ein-Mann-Boden-Luft-Raketen, sowie US-amerikanischer Beretta Handfeuerwaffen an Aserbaidschan. Allerdings kann sich Ranger wohl glücklich schätzen, dass die anderen Geschäfte nicht ins Rollen kamen, mit denen ihn seine nordkoreanischen Geschäftspartner zu locken versuchten, die er in Allerherrenländer in Bars, Hotels und Restaurants traf und die ihm nie sagten, für wen sie genau arbeiten (vielleicht wollte er das aber auch nicht sagen, um sich die Kontakte für die Zukunft nicht zu versauen), das hätte vermutlich nämlich noch etwas mehr Gefängnis bedeutet.
Da ging es nämlich nicht zuletzt um Raketen mit einer Reichweite von bis zu 3500 km, die die Nordkoreaner zu 100 Millionen US-Dollar das Stück und zumindest im Dreierpack an den Mann bringen wollten. Das ist natürlich nochmal eine andere Hausnummer und zeigt — wenn wahr — dass man zumindest bei konventionellen Waffen nicht besonders wählerisch ist, was die Kundschaft betrifft. NK News, die hierzu einen guten Artikel geschrieben und ein paar Kenner der Materie (also von Raketen und so) befragt haben (und die ihr dämliches Experiment, das Projekt als (überteuerte) Bezahlseite weiterzubetreiben aufgegeben haben), berichten, dass mit einer solchen Reichweite nur die Musudan in Frage käme, die bisher aber noch nicht getestet wurde. Außerdem wurde darauf hingewiesen, dass Herr Ranger keinerlei Belege zur Bestätigung dieses Angebot zu bieten habe und dass dies möglicherweise nur ein Testballon der Nordkoreaner gewesen sei, um zu sehen, was Herr Ranger dann tun würde. Interessant auch der Hinweis Rangers, er habe seit 2004 Geschäfte mit nordkoreanischen Partnern gemacht. Da dürfte in der Vergangenheit also einiges mehr als die Bode-Luft-Raketen über die Ladentheke gegangen sein.

Nordkorea groß im Geschäft — Aber die ganz großen sitzen sonstwo und verkaufen (nur an die Guten)

Vielleicht muss ich meine kritische Haltung gegenüber Sensationsmeldungen über Nordkoreas globalen dunklen Geschäften nochmal überdenken, denn was dieser Bericht so ans Licht gebracht hat, ist zumindest die Erkenntnis, dass einiges von dem stimmen dürfte, das man so über Nordkoreas Geschäftsgebaren weiß. Außerdem gibt es wohl all die unappetitlichen Zeitgenossen, die mit Waffenhandel gutes Geld verdienen tatsächlich, was ich auf der einen Seite beunruhigend finden, auf der anderen Seite aber auch wenig verwunderlich, denn und damit bin ich wieder bei Nicolas Cage und seinem Film:
Die größten Waffenhändler sitzen noch immer in Washington, Moskau, Peking, London und natürlich in Berlin. Immerhin können wir „stolz“ sein, aktuell als global drittgrößter Waffenexporteur zu gelten (oder hat uns China hier auch schon überholt?). Von 2005 bis 2009 verdoppelten sich die deutschen Exporte von Rüstungsgütern und seitdem wir bereitwillig fast jegliche (nur die Guten!) Despoten und Menschenrechtsverletzer mit Panzern beliefern (naja, auf die Pleitegriechen ist ja keinen Verlass mehr. Haben uns früher in aller Regelmäßigkeit unsere Militaria abgenommen und jetzt können die sich noch nichtmal mehr nen klitzekleinen Leopard leiste…), die danach fragen, dürfte sich die Statistik weiter verbessert haben. Prima! Aber klar, Deutschland ist eben nicht Nordkorea. Wir fangen mit unserem hartverdienten Geld was Sinnvolles an und bauen nicht noch mehr Waffen und drohen so die globale Ordnung zu stören… Oder doch? Ob wir die Waffen jetzt für uns selber bauen, oder für irgendwelche Despoten, die Ordnung wird dadurch nicht unbedingt ordentlicher…