„quick & dirty #1“ Nordkoreas SWZ-Pläne — Tut sich was in NKs Wirtschaft oder nicht?


So meine Lieben, da ich irgendwie trotz allen Bemühungen nicht in der Lage scheine, meine Zeitbudgetrestriktionen in den Griff zu bekommen, muss ich vielleicht meine Art der Beitragsproduktion darauf anpassen. Heute ist ein guter Zeitpunkt das mal auszuprobieren, denn insgesamt habe ich nur ne dreiviertel Stunde und das soll reichen, was zu finden und zu produzieren, das sich für euch lohnt und meinen Ansprüchen entspricht. Dementsprechend werde ich es heute mal, wie es ein Kollege kürzlich in herrlich blödem Werbeagenturdeutsch formulierte, „quick and dirty“ versuchen…

Das heißt es gibt nicht superviele Links und auch kaum wörtliche Zitat, keine supergeschliffene Gedanken, sondern eine zentrale Info und dazu ein paar grob formulierte Ideen bzw. Gedanken. Werde versuchen ob ich das hinkriege und würde mich über Feedback freuen. So, also freut euch auf „quick & dirty #1“.

Info: Nordkoreas SWZ-Pläne

Und da hab ich direkt mal eine Info, die ich ziemlich heiß, aber auch irgendwie ziemlich fragwürdig finde:
Und zwar will Nordkorea seine wirtschaftliche Entwicklung über Sonderwirtschaftszonen ähnlich denen in Rason und Kaesong weiter vorantreiben (eine dritte, wird bisher wenig erfolgreich auf Flussinseln zwischen China und Nordkorea nahe Sinujiu entwickelt). Dazu wurde eine Konferenz abgehalten und eine Behörde (die jetzt als „Nichtregierungsorganisation bezeichnet wird) umbenannt. In einem Interview bei KCNA verkündete Ri Chol Sok, der Vize-Chef „Korea Economic Development Association“ unter anderem, dass Nordkorea verstärkte Bemühungen in die Entwicklung lokaler SWZs ähnlich der in Rason lege.

Meine Gedanken

Die Tatsache, dass Nordkorea verstärkte Hoffnung und auch mehr Engagement in die wirtschaftliche Entwicklung legt, ist nicht neu. Neu ist aber, dass man scheinbar SWZ offensiv vorantreiben will, was für mich nach einem Entwicklungsmodell nach chinesischem Vorbild aussieht.

Allerdings ist es wie so oft im Falle Nordkoreas. Das klingt erstmal gut, aber im Endeffekt kommt es auf die Substanz an, die hinter den Worten steht und auch auf den politischen Willen.

Weiterhin ist zu bedenken, dass das Beispiel Kaesong auf internationale Investoren eher abschreckend wirken könnte.

Den Terminus „Nichtregierungsorganisation“ finde ich sehr witzig. In Nordkorea ist momentan (noch) alles politisch und alles politische ist Sache der Führung. Es kann also keine Nichtregierungsorganisationen geben.

Ein positives Momentum für ein wirtschaftsorientierteres Entwicklungsmodell könnte sich aus den nicht ganz schlechten Rahmenbedingungen ergeben. Nordkorea hat sich aktiv um die Freundschaft anderer Staaten bemüht, beispielsweise kommen positive Signale aus der Mongolei. Außerdem ist die neue Präsidentin Südkoreas solchen Initiativen scheinbar deutlich weniger abgeneigt als ihr Vorgänger. Das sieht man beispielsweise daran, dass sie selbst gerade eine „verlängerte Seidenstraße“ vorgeschlagen hat, die von Europa aus durch Russland und Nordkorea nach Südkorea reichen soll. Das Projekt ist nicht neu, aber dass Park darüber spricht kann man als Chance sehen.

Ausblick

Wir werden sehen, was aus den Bemühungen Nordkoreas wird, aber ich glaube es ist dort eine Entscheidung zu Gunsten wirtschaftlicher Entwicklung gefallen, die man bald nicht mehr rückgängig machen kann, selbst wenn man will. Und dann ist das Land in einem Prozess drin, der auch zu politischen Veränderungen führen wird. Wie die allerdings aussehen, dass muss die Zukunft zeigen.

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Weitere gute Analysen dazu von Voice of America und NKNews.

Ein Strauß voll Buntes (XI): Chinesische Sanktionsliste, Kubanisches Waffenschiff, Pjöngjanger Metro etc. pp.


Lange keinen bunten Strauß für euch mehr gebunden. Das mag damit zu tun haben, dass ich in den letzten Monaten nicht ganz so gut im Auge hatte, was neues zu Nordkorea geschrieben wurde. Ein Glück, dass ich heute mal wieder schlecht geschlafen habe und euch deshalb nächtens ein schönes Sträußchen binden konnte. Und tatsächlich gibt es ein paar Dinge, auf die ich euch mit Freuden aufmerksam mache.

Bitte auf das Bild klicken, um zu den anderen bunten Sträußen zu kommen...

Bitte auf das Bild klicken, um zu den anderen bunten Sträußen zu kommen…

Rüdiger Frank: Deutsche und englische Aufsätze

Anfangen möchte ich mit Rüdiger Frank. Der hat löblicherweise mal zur Abwechslung was auf Deutsch geschrieben, das ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Für den Asia Policy Brief der Bertelsmann Stiftung hat er in „Zwischen atomarer
Aufrüstung und Wirtschaftspragmatismus: Nordkorea im Wandel?“
die Entwicklung Nordkoreas unter Kim Jong Un zusammengefasst und analysiert. Wie meistens bei Frank bilden wirtschaftliche Aspekte einen großen Teil des Aufsatzes aber auch die Nachfolgemethoden Kim Jong Uns und ideologische Veränderungen werden betrachtet. Abschließend plädiert er, wie immer (und wie immer mit meiner vollen Zustimmung), für einen kooperativeren Umgang mit Nordkorea, der die Kräfte der wirtschaftlichen Freiheit im Land fördert und so Wandel induziert.
Daneben hat er auch mal wieder (leider nur in Englisch) seine neuesten Eindrücke von Besuchen in Nordkorea geschildert und zeichnet weiterhin das  Bild eines Wirtschaftssystems im Wandel. So sieht er beispielsweile mittlerweile neben der anhaltenden Entstehung von Verkaufsständen in Pjöngjang auch Veränderungen in anderen großen Städten des Landes. Unternehmen werben mit Marken für sich, Kreditkarten werden häufiger und neue Produkte werden eingeführt. Laut Frank sieht man eine entstehende Mittelschicht. Wie immer sind die beiden Berichte interessant zu lesen, weil sie mit unmittelbaren Beobachtungen angereichert sind und trotzdem zu theoretisch fundierten Aussagen führen.

Den deutschsprachigen Aufsatz werde ich wie immer zu der Seite Deutschsprachige Quellen und jüngere akademische Literatur hinzufügen.

Chinas Sanktionsliste

Vor einigen Tagen wurde in den Medien viel über die Liste Chinas geschrieben, die die Güter beinhaltet, die wegen der Sanktionen der Vereinten Nationen gegen Nordkorea nichtmehr dorthin exportiert werden dürfen. Den Sachverhalt fand ich durchaus spannend (eindeutiges Signal an Nordkorea! Politikänderung?) aber erstens hatte ich keine Zeit und zweitens zu wenig Ahnung das zu bewerten. Deshalb finde ich es Prima, dass es vom Nautilus Institute jetzt eine Analyse dazu gibt, die sowohl den Inhalt der Liste, als auch die Tatsache, dass diese Liste erstellt wurde (und wie, denn das muss auf oberster politischer Ebene passiert sein) bewertet. Das ist prima, denn die Leute von Nautilus haben Ahnung. Also lest hier nach, wenn euch der Sachverhalt interessiert oder ihr euch die komplette Liste mal anschauen wollt.

Das Waffenschiff aus Kuba. Ein paar neue Infos

Ein weiteres Thema, das wirklich spannend ist, ist die Geschichte um das nordkoreanische Schiff, das mit kubanischen Waffen an Bord im Panamakanal aufgebracht worden ist. Dazu gab es vor ein paar Tagen ein Hearing vor einem Ausschuss des US-Kongresses. Es waren drei Sprecher geladen. Davon hat einer ein sehr spannendes Statement abgegeben und zwei, naja, solala. Solala war einerseits Mary Beth Nikitin, die sich zwar mit der Materie Nordkorea und Proliferation prima auskennt, die aber irgendwie nicht viel zu sagen hatte. Andererseits fand ich auch Maria C. Werlaus Stellungnahme eher so mittelmäßig. Das mag mit ihrem Hintergrund zusammenhängen, denn die Dame arbeitet für so einen Free-Cuba-Verein und dementsprechend geht es ihr hauptsächlich darum, zu beweisen wie bösartig und was für ein fieser Wolf im Schafspelz Kuba doch ist, um Nordkorea geht es ihr nicht so wirklich.
Wirklich spannend dagegen fand ich die Aussage Hugh Griffiths vom Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI). Er analysiert er nochmal eingehend die auf dem Schiff gefundenen Güter und kommt zu dem Schluss, dass die Behauptung Kubas, der Kram sei zur Reparatur nach Nordkorea geschickt worden, totaler Nonsens sei. Weiterhin mutmaßt er u.a. auf Basis der Frachtdokumente, dass die Waren unter Anwesenheit einer hochrangigen nordkoreanischen Militärdelegation verschifft worden seien. Ein weiterer Anhaltspukt dafür sei die Anwesenheit des nordkoreanischen Luftwaffenchefs, Ri Pyong-chol, des Hauptaufgabe im Einkaufen von Ersatzteilen zu bestehen scheint. Am spannendsten finde ich aber die Schlussfolgerungen über die nordkoreanisch-kubanische Proliferationsbeziehung. Denn der Modus des Schmuggels lege die Vermutung nahe, dass es sich hier um ein lange eingeübtes System handle, so Griffith.

Rodmans Nordkorea-trip. Doch nicht nur Boulevard

Eigentlich garnicht spannend fand ich die Reise von Dennis Rodman nach Nordkorea. Dass sich das ein kleines Stück weit geändert hat, dafür hat Daniel Pinkston von der International Crisis Group gesorgt. In seinem Blogbeitrag geht er nämlich darauf ein, dass Rodmans reisen durchaus den Startpunkt für zivilgesellschaftliche Kontakte in Nordkorea bilden könnten und damit langfristig zu einer mentalen Öffnung der Bevölkerung beitragen könnten. Stimmt schon, aber ob man dafür unbedingt so ein TamTam machen muss?

Internetseite zur Metro von Pjöngjang

Nicht eben neu, aber trotzdem spannend finde ich eine Internetseite, die ich irgendwie bisher immer übersehen habe. Kann sein, dass einige von euch sie schon kennen, aber ein paar vielleicht nicht und die finden das möglicherweise spannend. Worum sich die Seite „The Pyongyang Metro“ dreht, das könnt ihr euch wohl selbst denken. Aber die Infos, die der Autor da zusammengetragen hat sind so vielfältig und interessant, dass ich dachte, ich weise mal darauf hin. Immerhin gibt es beispielsweise auch jede Menge schöne Fotos von der Verladung der Berliner U-Bahn-Züge und so.

Den Link zu dieser Seite werde ich wie immer der Seite Links zur Selbstrecherche hinzufügen.

Seminar am 11./12.10

Und zum guten Schluss nochmal der Hinweis auf die Veranstaltung „Die deutsche Wiedervereinigung – ein Modell für Korea?“ in der Point Alpha Stiftung Geisa (nähe Fulda). Das relativ günstige zweitägige Seminar bietet ein paar durchaus interessante Referenten und das Thema finde ich auch höchst spannend. Der Preis ist mit 80 Euro (wenn man übernachtet, sonst 60) im Rahmen. Ich hab mein Anmeldeformular auf jeden Fall am Freitag eingeworfen, vielleicht hat ja auch einer von euch Lust zu kommen.

Nordkorea braucht das Ausland nicht mehr für sein Nuklearprogramm — Hintergrund und strategische Konsequenzen


So, nachdem die Bundestags- und Landtagswahlen zumindest teilweise zu meiner Zufriedenheit abgelaufen ist (es war wirklich einer meiner größten Träume, dass die extremsten Verfechter des Marktes auch mal nach diesen Maßstäben beurteilt werden und als Anbieter eines nicht marktfähigen Produkts, dementsprechend behandelt werden (da bin ich ganz bei Gernot Hassknecht…)), kann ich wieder zum Alltagsgeschäft zurückkehren. Ich kam in der letzten Woche wirklich wenig dazu, die Nachrichten im Auge zu behalten, aber gestern gab es etwas, das ich höchst interessant fand.

Nordkorea ist autark – Zumindest mit Blick auf Nukleare Produktionskapazitäten

Da wurde berichtet, dass Nordkorea nach Einschätzung von Experten dazu in der Lage ist, die Komponenten für die Produktion von auf Uran basierenden Atombomben im eigenen Land zu produzieren. Dabei geht es wohl vor allem um die recht komplexen Gaszentrifugen. Laut Joshua Pollack (den ich als Autor von Arms Control Wonk sehr schätze schon zuvor sehr schätzte) und Scott Kemp verfügt Pjöngjang bereits seit spätestens 2009 über diese Fähigkeit. Die Erkenntnisse haben die beiden Autoren aus Fotografien nordkoreanischer Medien, aus Publikationen in nordkoreanischen Fachzeitschriften und nordkoreanischen Patentanmeldungen gewonnen.
Wirklich interessant ist dabei nicht unbedingt die Tatsache, dass Nordkorea ganz beachtliche technologische Fähigkeiten besitzt und die Gerätschaften zur Anreicherung von Uran selbst bauen kann, sondern vielmehr, was daraus folgt. Denn mal ganz ehrlich, ob die Führung aus Pjöngjang die Geräte nun auf irgendwelchen verworrenen Wegen aus dem Ausland herbeischaffen kann oder ob die Zentrifugen im eigenen Land gebaut werden, das ist jetzt mehr eine Detailfrage, jedoch ergeben sich wie gesagt aus dieser inländischen Produktion einige strategische Konsequenzen.

Nordkoreas zweigleisiges Nuklearprogramm

Um die näher zu erläutern muss ich nochmal kurz auf Nordkoreas Nuklearprogramm im Allgemeinen eingehen. Denn wie einige, aber vielleicht nicht alle von euch wissen, verfolgt Pjöngjang  sozusagen ein zweigleisiges Programm. Das ältere und bekanntere ist das auf Plutonium basierende Programm, für das der Reaktor und die Anreicherungsanlagen in Yongbyon eine große Rolle spielen. Dass dieses keineswegs beendet ist, zeigt nicht zuletzt die Tatsache, dass man den zwischenzeitlich nach einer Vereinbarung im Rahmen der Sechs-Parteien-Gespräche um die Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel stillgelegten 5 MW Reaktor in Yongbyon wieder fit gemacht und vermutlich am wieder anfahren ist. Dass wir so viel über diesen Strang des Nuklearprogramms wissen, hat vor allen Dingen damit zu tun, dass man Reaktoren und Anreicherungsanlagen so schlecht vor Satelliten verstecken kann. Das heißt, über dieses Programm ist sehr viel bekannt und man kann sich relativ gut ausrechnen, was da an waffenfähigem Material maximal und minimal produziert worden sein könnte. Ganz anders sieht das mit dem Uran-basierten Strang des nordkoreanischen Nuklearprogramms aus. Über diesen Strang wissen wir im Endeffekt fast nichts. Ein bisschen was aus den Anfangsjahren des Jahrtausends, als Importe von Zentrifugen bekannt wurden und ein bisschen was aus den letzten Jahren, als Nordkorea das Programm, bzw. den Teil, den es eben zeigen wollte, ausländischen Experten vorführte. Anders als im Fall des Plutonium-basierten Programms können die Zentrifugen zur Anreicherung von Uran sehr gut versteckt werden. Beispielsweise kann man einfach einen sehr tiefen und großen Bunker bauen und die da reinstellen, oder man packt sie in einen oder mehreren bestehende Bunker (es gibt nur gewisse Mindestmengen an Zentrifugen, die zusammengeschaltet sein sollte und den Bedarf an sicherer Stromversorgung). Naja und in Anbetracht der Tatsache, dass das nordkoreanische Militär im Bunkerbauen und sich eingraben ganz groß ist, sollte man sich keine Illusionen darüber machen, dass nicht genug Platz für die Anlage da sein könnte. Wir haben also nur gesehen, was wir sehen sollten, der Rest sind mehr oder weniger begründete Spekulationen (wobei die bestbegründeten Spekulationen vermutlich von David Albright kommen).

Strategische Folgen aus eigenständigen Produktionskapazitäten

Und hier kommt dann die Fähigkeit zur selbstständigen Produktion der Zentrifugen ins Spiel. Denn wenn wir schon nicht sehen bzw. kontrollieren können, was mit den Zentrifugen im Land passiert, so haben wir doch immernoch die Möglichkeit, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit rauszubekommen, was ins Land hereinkommt. Das sich immer weiter verschärfende Sanktionsregime gegen Nordkorea stellt hierfür das ideale Werkzeug dar. Einerseits kann man so ungefähr hochrechnen, was so ins Land reingeschafft wird, andererseits kann man so das Programm verlangsamen, indem man kritische Komponenten nicht ins Land reinlässt.
Theoretisch jedenfalls, denn wenn Pjöngjang in der Lage ist, alle Komponenten selber zu produzieren, dann kann man weder was aufhalten, noch kann man was abschätzen. Man ist vollkommen hilflos und hat keinerlei (nicht kriegerische) Mittel in der Hand, das Regime an der Produktion nuklearwaffenfähigen Urans zu hindern und gleichzeitig hat man auch kaum sinnvolle Möglichkeiten, abzuschätzen wieviel Uran welchen Anreicherungsgrades jetzt schon produziert wurde.
Wenn man also das Ziel verfolgt, Nordkorea an der Produktion nuklearwaffenfähigen Materials oder von Nuklearwaffen zu hindern, dann ist man in einer strategisch sehr ungünstigen Lage, denn eigentlich kann man das nur schaffen, indem man entweder Krieg führt, oder einen Verzicht Pjöngjangs aushandelt. Da man aber so wenig Vertrauen in die Führung dort hat (vollkommen zurecht, ich würde einem  Verhandlungsergebnis mit Nordkorea auch sehr vorsichtig gegenüberstehen, wenn man auf all das zurückblickt, was in den letzten 20 Jahren schon vereinbart wurde (das soll aber nicht heißen, das die Führung in Pjöngjang dafür die Alleinschuld trägt)), ist im Endeffekt verhandeln wohl kaum ein gangbarer Weg. Gleichzeitig ist Kriegführen aber aktuell wohl auch keine Option.

Das Sanktionsregime gegen Nordkorea: Neu überdenken?

Hm, schwierig das alles. Vielleicht müssten sich da einige Parteien mal Gedanken darüber machen, ob ihre Zielsetzungen noch realistisch sind. Gleichzeitig wird hierdurch aber auch das Sanktionsregime in Frage gestellt. Denn 1. hat es offensichtlich nichts dazu beigetragen, Nordkorea daran zu hindern, das Nuklearprogramm voranzutreiben, 2. ist es jetzt nur noch bedingt ein adäquates Werkzeug, Nordkorea künftig daran zu hindern.
Nordkorea muss keine Materialien mehr für das Uran-basierte Programm einführen, also können Sanktionen den Fortschritt des Programms maximal indirekt verhindern. Und das zu hohen Kosten, denn wenn man die Sanktionen als Methode einsetzt, dem nordkoreanischen Regime durch die Schwächung der Wirtschaft Mittel für das Nuklearprogramm zu entziehen, dann ist das ein sehr schwieriger Weg. Denn man entzieht dem Land gleichzeitig auch Mittel zur Umsetzung anderer Ziele. Zum Beispiel der Ernährung der Bevölkerung. Klar, wenn Pjöngjang nichts in das Nuklearprogramm investieren, sondern die Menschen ernähren würde, gäbe es hier kein Problem. Nur sind Diktaturen nicht unbedingt für ihre Menschenliebe bekannt und die in Pjöngjang besonders wenig. Also ist dieser Weg, das Nuklearprogramm zu bremsen gleichzeitig ein Weg, der die Bevölkerung aushungert. Natürlich kann man die moralische Verantwortung an die Führung in Pjöngjang abschieben, nichtsdestotrotz trägt man, wenn man diesen Weg weiter verfolgt, eine reale Mitverantwortung für jeden Menschen der in Nordkorea hungert.

Aber versteht das jetzt nicht falsch, ich plädiere nicht dafür, alle Sanktionen gegen Nordkorea aufzuheben oder sowas. Natürlich soll die Führung in Pjöngjang sich nicht auf dem Weltmarkt mit den neuesten Maschinen zur Produktion von Nuklearanlagen oder so eindecken können. Aber man muss wohl oder übel jedes Produkt, das sanktioniert ist und auch die Sanktionen, die auf die Finanzströme zielen, einer genauen Prüfung unterziehen, inwiefern sie direkt auf die nordkoreanischen Waffenprogramme zielen und inwiefern sie auch „Kollateralschäden“ in anderen wirtschaftlichen Bereichen nach sich ziehen. Und wenn man das schon tut, dann  muss man wohl oder übel auch fragen, inwiefern die gegenwärtige Strategie gegenüber Nordkorea vollkommen in der Sackgasse steckt. Denn aktuell fällt den westlichen Staaten ja eigentlich nichts mehr ein, als Sanktionen zu verschärfen, wenn sich Nordkorea „missverhält“ und auf eine Politikänderung Pjöngjangs zu  warten, wenn alles in „normalen Bahnen“ läuft. Da aber eigentlich keine Sanktionen mehr denkbar sind, die nicht auch große wirtschaftliche und menschliche Kollateralschäden erwarten lassen, ist diese Strategie eigentlich am Ende.

Neue Strategie ist nötig: Vertrauen muss wieder hergestellt werden

Es ist an der Zeit das verloren Vertrauen wieder herzustellen. Das ist ein unangenehmer, anstrengender und vor allem langwieriger Prozess, aber solange man das aktuelle Vorgehen weiter treibt, wird Nordkorea sein Uranprogramm weitertreiben und das hilft im Endeffekt weder den westlichen Staaten noch Pjöngjang. Man muss sich so bald wie möglich auf den Weg zum Ausgleich und in einem ersten Schritt zum direkten Austausch machen, denn Vertrauen entsteht nicht durch Bedrohung und Erpressung. Ich würde mir wünschen, dass Barack Obama sich eingestehen würde, dass seine Strategie der letzten Jahre ine vollständiger Fehlschlag war und dass er jetzt umkehren muss. In Präsidentin Park hat er hierfür eine Partnerin, die dem wohl offen gegenüberstehen würde (zumindest offener als ihr verbohrter Vorgänger) und auch die meisten anderen Involvierten Staaten wären vermutlich erleichtert, denn der Weg, den die Dinge auf der Koreanischen Halbinsel aktuell gehen, kann eigentlich in niemands Interesse sein.

Durchbruch in den Kaesong-Verhandlungen – Die Sonderwirtschaftszone wird wiedereröffnet…nur wann?


Heute haben sich Vertreter Nord- und Südkoreas darauf geeinigt, den Industriepark in Kaesong wieder zu öffnen und damit den fast fünfmonatigen Stillstand des Vorzeigeprojekts zu beenden. Nach langen und zähen Verhandlungen (hier eine Chronologie der Schließung und der Verhandlungen um Kaesong, bereitgestellt von Yonhap) einigte man sich auf ein fünf-Punkte-Plan (den Text des Plans findet ihr hier), das eine künftige Beeinträchtigung des Betriebs des Parks ausschließen, den Park weiter für internationale Investoren öffnen und eine gemeinsame Institution zur Behebung und Verhinderung von Unstimmigkeiten verhindern soll. Worauf man sich allerdings nicht einigen konnte, ist ein Termin für die Wiedereröffnung.

Südkorea änderte seine Position

Die Verhandlungen sollen in einer sehr positiven und gelösten Atmosphäre stattgefunden haben, wohl auch, weil klar war, dass Südkorea seine Position geändert hatte und eine Einigung damit in greifbarer Nähe war. Zuletzt war ein Zustandekommen einer Vereinbarung vor allen Dingen daran gescheitert, dass der Norden verlangte, der Süden möge ebenfalls garantieren, den Industriepark nicht unilateral zu schließen, während der Süden das nicht für nötig befand (und sich wohl auch nicht dermaßen strategische Optionen für künftige Konflikte nehmen lassen wollte) und auf einer einseitigen Garantie durch den Norden beharrte. Im jetzigen Text beinhalten alle fünf Punkte, auf die man sich geeinigt die gleichen Verpflichtungen für Süd- und Nordkorea, so dass auf dem Papier beide Parteien gleichberechtigt sind.

Chancen auf Verbesserung der innerkoreanischen Beziehungen

Die Praxis sieht natürlich ganz anders aus. Es ist nicht wegzudiskutieren, dass der Süden das Geld, die Unternehmen und die Maschinen bringt und der Norden die (zurzeit 53.000 Arbeiter) und das Gelände beisteuert. Daher sind die Rollen nicht gleich. Der Norden erhält einerseits Geld aus dem Projekt, hält andererseits aber auch alle Fäden in der Hand, dem Betrieb jederzeit ein Ende zu setzen. Daran ändert auch ein Abkommen wie das jetzt getroffene nichts, denn dass der Norden im Zweifel auch gerne mal ankündigt, ein Abkommen sei ungültig, oder man trete davon zurück, ist ja nicht neu. Daher würde ich die Einigung nicht zu hoch feiern. Allerdings stellt sie durchaus einen wichtigen Schritt bei einer äußerst vorsichtigen Annäherung (was eigentlich schon viel zu viel gesagt ist, eher sowas wie „Normalisierung der Beziehungen auf ein feindliches Niveau“ oder sowas) beider Koreas an und könnte den Weg ebnen für die durchaus ambitioniert und vielversprechend scheinende (mir jedenfalls) „Trust-Politik“, die Südkoreas relativ neue Präsidentin Park Geun-hye gegenüber dem Norden zu fahren plant. Bisher konnte Park wegen der permanent hohen Spannungen mit dem Norden kaum etwas als Krisenpolitik betreiben, das könnte sich jetzt ändern.

Lackmustests für die Intentionen Pjöngjangs

Ein Lackmustest erwartet uns schon in den nächsten Wochen, wenn die USA und Südkorea mal wieder eines ihrer x jährlichen Manöver durchführt. Der Grad der Hysterie, mit der der Norden reagiert, dürfte durchaus etwas Aufschluss über die Intentionen der Führung in Pjöngjang bieten. Auch die Geschwindigkeit, mit der der Park jetzt tatsächlich widereröffnet wird und die Schwierigkeiten, die die nordkoreanische Seite dabei macht, oder auch nicht, können als Belege dafür gesehen werden, ob das Regime eine positivere Entwicklung anstrebt oder nicht.

Möglichkeitsfenster

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass für den Süden nun ein Möglichkeitsfenster aufgeht, in dem eine wirklich positive Entwicklung in Reichweite kommt. Nordkoreas Führung hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten neue Führungskräfte in wichtigen Adressatenstaaten (v.a. den USA und Südkorea) immer wieder mit aggressivem Verhalten im Amt „begrüßt“. Möglich, dass die ganze Schose der letzten Monate nicht zuletzt gedacht war, um Präsidentin Park ein bisschen weichzukochen. Bei ihrem Vorgänger genau wie bei Barack Obama waren zwar ähnliche Versuche eher kontraproduktiv, aber so schnell weicht Pjöngjang nicht von geübten Verhaltensmustern ab.

Es wird wohl besser — Vorerst

Möglich auch, dass Nordkorea mit der Entwicklung des Kaesong-Parks unzufrieden war. Immerhin hatte sich der Park unter Lee Myung-bak (sagte ich schon, dass ich echt froh bin, dass der weg ist? Ich glaube schon…) nicht annähernd wie geplant entwickelt und erste Stimmen im Süden begannen das Projekt in Frage zu stellen. Daher ist einerseits das Beharren des Nordens auf einer Garantie des Südens verständlich, den Park nicht anzutasten (zwar sind dort private Unternehmen aktiv, aber wenn die südkoreanische Regierung mit den effektiven Subventionen dort Schluss machen würde, würde es vermutlich düster aussehen). Andererseits bietet die angestrebte Förderung und Internationalisierung eine echte Perspektive. Bleibt nur noch die Frage, wer da investieren soll. Ich würde es jedenfalls nicht tun, weil ich nicht glaube, dass die heute getroffene Vereinbarung ein effektives Hindernis darstellt, den Park stillzulegen. Meine Zweifel dazu habe ich schon im Vorhinein dargelegt und sie bestehen bisher fort. Aber wir werden sehen und ich bin positiv gestimmt, dass sich die Lage zumindest kurz- bis mittelfristig deutlich bessert.

Nordkorea wirbt um die Gunst der neuen iranischen Regierung: Kim Yong-nam trifft Hassan Rohani


Das Sommerloch ist offensichtlich immernoch nicht weg. Ich war vielbeschäftigt in der letzten Woche und habe den Computer glaube ich heute zum ersten Mal seit vergangenem Wochenende wieder eingeschaltet und trotzdem gab  es in den Medien nicht wirklich großartig was Neues.
Die Feierlichkeiten zum Jahrestages des Sieges im Koreakrieg (die Bewertung des Kriegsausgangs liegt stark im Ausgang des Betrachters, aber wenn sie meinen…) gingen ohne Überraschung und Spektakel zuende (eine sehr schöne Zusammenfassung von Yonhap zu den Feierlichkeiten gibt es hier) und nur bei sehr genauem Hinsehen und nicht so genauem Nachdenken fand die deutsche Presse dabei was spektakuläres zum schreiben.
Nicht zuendegegangen aber auch nicht weitergekommen sind dagegen die Verhandlungen um die SWZ in Kaesong. Der Süden hat jetzt ein angeblich „ultimatives Gesprächsangebot“ gemacht (Interessant: Was ist das für ein „Angebot“, wenn es mit einem Ultimatum verbunden ist?) und der Norden reagiert nicht. Vermutlich such man nach einer Möglichkeit, die  Gespräche weiter in die Länge zu ziehen, ohne zu konkreten Ergebnissen zu kommen.
Aber darüber schreibt man in der deutschen Qualitätspresse natürlich nicht. Da beschäftigt man sich lieber mit dem Naheliegenden: Wetter, Katastrophen und Glamour, aber was soll man denn sonst auch im Sommerloch tun.

Mal wieder der Iran: Kim Yong-nam trifft den neuen Präsidenten

Naja, ich weiß jedenfalls, was ich tun will. Ich will nicht über diesen Schwachsinn schreiben und deshalb habe ich mir ein anderes Thema ausgesucht, nicht weniger spektakulär und aktuell, aber etwas weniger Schwachsinnig (wobei ich mir durchaus vorstellen kann, dass die Liebhaber einer schwarz-weißen-WELT da auch was Blödes drüber schreiben können…
Heute hat Nordkoreas protokollarisches Staatsoberhaupt Kim Yong-nam nämlich gute Gespräche mit Irans neuem Präsidenten Rohani geführt. Und während die Welt noch darüber nachdenkt, ob der neue starke Mann in Teheran eine Chance verdient hat oder nicht, gibt es in Pjöngjang weniger Nachdenklichkeit. Dort hat man offenbar vor, auf die guten Beziehungen der letzten Jahre aufzubauen, bzw. sie auch unter dem als moderat geltenden Rohani weiter aufrechtzuerhalten. Zeitgleich befindet sich auch eine Delegation des iranischen Parlaments zu einer Visite in Pjöngjang, was allerdings von der Bedeutung her nicht zu vergleichen ist, mit der Reise Kim Yong-nams.

Sichtbare Vertiefung der bilateralen Beziehungen

In den vergangenen Jahren hatten sich die Beziehungen, die vor allem wegen der Vermutungen (die teilweise ziemlich sicher sind) über Kooperationen im militärischen Bereich, vor allem bei Raketen und evtl. auch Nukleartechnologie unter scharfer internationaler Beobachtung stehen, auch nach außen hin deutlich vertieft.
Im letzten Jahr traf Kim Yong-nam anlässlich des Blockfreien-Gipfels in Teheran quasi die gesamte Staatsspitze des Irans und es wurden einige Abkommen unterzeichnet (vor allem eines über technologische Kooperation sorgte für Aufhorchen unter den westlichen Gegenspielern der Restachse) und im Frühjahr diesen Jahres erregten Aussagen des iranischen Ölministers für Interesse, nach denen beide Staaten über eine Zusammenarbeit im Ölsektor in Verhandlungen stünden.

Beziehungspflege zu kritischem Zeitpunkt

Ob das Treffen Kim Yong-nams konkrete Ergebnisse erbracht hat, wird man vermutlich erst zu einem späteren Zeitpunkt erfahren, aber die Beziehungspflege, die Nordkorea da betreibt ist nicht zu übersehen. Offensichtlich nimmt man die Verbindung mit dem Iran sehr ernst und stellt einen der wichtigsten Politiker und den wohl wichtigsten Außenpolitiker des Landes ab, um sich der Verbundenheit der neuen Regierung im Iran zu versichern. Wie gut das gelingt muss die Zukunft zeigen, jedoch wird man in Pjöngjang gewarnt sein, dass ein größerer außenpolitischer Schwenk Irans unter der neuen Führung eventuell auch direkte Auswirkungen für die nordkoreanisch-iranischen Beziehungen haben könnten. Ähnliches hat man ja gerade erst im Fall Myanmars erlebt, von dem die USA für eine Normalisierung der Beziehungen u.a. eine deutliche Abkühlung der Verbindung mit Nordkorea forderten. Die Angst ist also nicht ganz unbegründet, dass sich Rohani als moderater als sein Vorgänger erweisen und für eine Befriedung der Beziehungen mit den USA und Europa die Bindung zu Pjöngjang opfern könnte. Scheinbar sind die westlichen Beobachter nicht die Einzigen, die bisher noch nicht so genau wissen, was sie von Hassan Rohani zu halten haben.

Ungleichgewicht in den Beziehungen?

Neben dieser strategisch außenpolitischen Überlegung fällt aber in den Beziehungen Irans zu Nordkorea auch ein weiterer Punkt auf. Bei näherem Hinsehen scheint hier nämlich eine Art Ungleichgewicht zu bestehen. Während sich hochrangige Delegationen aus Pjöngjang in letzter Zeit häufiger im Iran zeigten, habe ich von adäquaten Gegenbesuchen nichts gehört oder sie wurden kurzfristig wieder abgesagt, wie der geplante Besuch des iranischen Parlamentssprechers Laridschani im Jahr 2011.
Nun sind aber die Beziehungen zwischen zwei Staaten ein Geben und Nehmen und wenn ein Staat — in diesem Fall symbolisch, bzw. in Form außenpolitischer Bemühungen — mehr gibt, als der Andere, dann kann gemutmaßt werden, dass dem einen Staat die Beziehungen wichtiger sind als dem Anderen. Nach den beiden Besuchen Kim Yong-nams wäre eigentlich ein wirklich hochrangiger Besuch aus dem Iran in Nordkorea angebracht. Ich bin gespannt, ob wir so etwas innerhalb des nächsten Jahres sehen werden. Das wäre jedenfalls ein starkes Signal Rohanis an Pjöngjang und an die internationale Bobachterschaft dieses Verhältnisses.

Soviel von mir für heute. Ich hoffe in der nächsten Woche etwas mehr Zeit zu kriegen um andere Themen und Projekte auch adäquat behandeln zu können. Bis dahin wünsche ich euch weiter viel Vergnügen im Sommer…

Wohl dem, der Bärengedärme und Diplomatenpässe hat: Nordkoreanische Diplomaten beim Schmuggeln erwischt.


Eben habe ich einen kleinen Artikel bei KBS gelesen, der berichtet, dass zwei nordkoreanische Diplomaten vom mongolischen Zoll bei dem Versuch erwischt wurden, unterschiedliche medizinische Produkte außer Landes zu schmuggeln (darunter mehr als 1.000 Packungen injizierbarer Medikamente und 12 Packungen verarbeiteter Bärenorgane (jeder wie es ihm gefällt…)).

Diplomaten und Beziehungen: Zwei spannende Themen

Nun ist das Ganze keine große Sensation, denn auch Diplomaten anderer Länder nehmen mal dies und das aus über Grenzen mit, das sie besser dalassen würden (nur die ganz schlauen beauftragen dafür Geheimdienste…) und irgendwie habe ich auch keine Lust auf permanentes Nordkorea-Bashing frei nach dem Motto: „Die Schmuggeln alles und jedes das ihnen in die Finger kommt. Ob Migs, Raketen oder Bärengedärme, Hauptsache geschmuggelt…“.
Jedoch fand ich die Geschichte aus zwei Gründen trotzdem interessant. Einerseits vertiefen sich die Beziehungen zwischen Nordkorea und der Mongolei in letzter Zeit sehr deutlich und ich finde dieses Thema ohnehin verfolgenswert, andererseits hat gerade vor ein paar Wochen ein UN-Bericht den Mitgliedsstaaten ans Herz gelegt, die Diplomaten Nordkoreas sehr genau im Auge zu halten, da sie oft als Brückenköpfe für illegale Aktivitäten dienten.

Wo ein Wille ist, da ist ein gemeinsamer Weg

Zuerst möchte ich aber kurz auf die bilateralen Beziehungen zwischen der Mongolei und Nordkorea eingehen. Die scheinen auf legaler wie auf illegaler, auf wirtschaftlicher wie auf politischer Ebene zu florieren und das sie so gut sind wie lange nicht, deutet nicht zuletzt der Besuch des mongolischen Präsidentenberaters Lundeg Purevsuren in Nordkorea an. Dieser wirklich lesenswerte Hintergrundartikel zu den wirtschaftlichen Beziehungen der Mongolei zu Nordkorea (es ist der fünfte, ihr müsst also ein bisschen runterscrollen) zeigt dabei einige der Initiativen auf, über die gesprochen wurde, bzw. die schon vorher bestanden.
Da passt es irgendwie nicht so recht ins Bild, wenn mongolische Zöllner nordkoreanische schmuggelnde Diplomaten ins Visier nehmen. Was der genaue Hintergrund ist, ist natürlich kaum festzustellen, aber möglich, dass die Zöllner die Diplomaten nur zufällig überprüften und es keine größeren politischen Hintergründe gab. Auch möglich, dass die Mongolei einen Tipp von außen bekam und vor dem Hintergrund ihrer pragmatischen Außenpolitik da nicht so einfach drüber weg gehen wollte. Oder aber die Diplomaten wollten am Schmiergeld sparen und sind damit auf die Nase gefallen. Who knows…
Jedenfalls ist nicht davon auszugehen, dass dieser Vorfall auf die größeren politischen Beziehungen Einfluss hat, denn nicht nur die Mongolen sind recht pragmatisch veranlagt, sondern auch die Nordkoreaner. Und die haben in der Mongolei einen zunehmend wichtiger werdenden Partner gefunden, der bei der Entwicklung der nordkoreanischen Wirtschaft eine große Rolle spielen könnte, der aufgrund des Kohlebooms momentan recht gut bestellt ist und der vor allem wesentlich weniger „erdrückend“ ist, als alle anderen Partner in der Gegend. Daher wird man es sich mit den Mongolen ungern verderben wollen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg und ich glaube die beiden wollen ein Stück weit zusammen gehen.

Sich selbst versorgen (vielleicht auch noch das Regime) und repräsentieren: Ein wahrhaft harter Job

Der andere interessante Part bei der Geschichte betrifft die beiden verwickelten nordkoreanischen Diplomaten. In dem Artikel steht, es sei nicht sicher, ob die beiden wirklich Diplomaten seien, aber naja, wenn man Diplomatenpapiere hat, dann ist man doch irgendwie auch Diplomat, unabhängig davon, ob man eigentlich hauptsächlich andere Geschäfte treibt.
Der Hinweis im oben angesprochenen UN-Bericht betrifft zwar sicherlich nicht den Schmuggel von Bärengedärmen, aber es geht schon irgendwie um kriminelle Aktivitäten. Nichtsdestotrotz möchte ich bezweifeln, dass die aktuelle Aktion das ist, was der UN-Bericht meint, denn da geht es ja eher um Informations- und Hardwarebeschaffung durch Diplomaten. Und Bäreneingeweide sind weder hart noch informativ.
Aber es gibt auch eine lange Geschichte anderer krimineller Aktionen nordkoreanischer Diplomaten. Da wurde mal Elfenbein, mal dies mal jenes mal Drogen mal Zigaretten geschmuggelt und im Endeffekt war das selten wirklich so viel, dass man hätte annehmen können, dass diejenigen da große Beträge für das Regime in Pjöngjang einnehmen (ein paar dieser Aktionen sind hier und hier gelistet.). Vielmehr wurde schon öfter mal berichtet, dass die nordkoreanischen Auslandsvertretungen ein Stück weit Selbstversorger sind. Sie müssen eigene Einnahmen garantieren und in Kombination mit diplomatischer Immunität kommt man da vermutlich schnell mal auf komische Gedanken. Vielleicht haben die beiden in diesem Fall auch komplett in die eigene Tasche wirtschaften wollen, who knows…

Das Sommerloch

Naja, ich werde jedenfalls weiterhin beides im Auge behalten: Die nordkoreanisch-mongolischen-Beziehungen und die nordkoreanischen Diplomaten. Beide Themen versprechen in Zukunft schöne Storys.
Und damit verabschiede ich mich auch schon wieder ins Sommerloch. Wundert euch nicht, wenn ich in den nächsten Wochen ein bisschen weniger Zeit zum Schreiben habe. Muss gucken, dass ein bisschen Geld reinkommt und weil ich keinen Diplomatenpass und keine Bäreninnereien besitze, tue ich das auf konventionellere Weise als die beiden Nordkoreaner, von denen hier die Rede war…

Wenn BER in Pjöngjang stände — Kurze Reflektion zu einer never-ending-Story


Kürzlich habe ich in der ZEIT (in der aktuellen Ausgabe gibt es übrigens ein weitgehend schönes Dossier zu Nordkorea) diesen Artikel zu den Sanierungsbemühungen Hartmut Mehdorns auf dem Berliner Flughafen (BER) gelesen. Ich muss zwar zugeben, ich bin kein Fan von Mehdorn und froh, dass er seine „Vision“ für die Deutsche Bahn nicht umsetzen konnte, aber nichtsdestotrotz habe ich den Artikel eigentlich recht unvoreingenommen gelesen und war daher überrascht, was da alles stand.

Noch überraschender fand ich aber, dass ich mich bei der Lektüre ständig an Nordkorea erinnert fühlte. Warum das so war? Ich versuche es kurz zu erklären:
Der Artikel befasst sich in erster Linie mit den Maßnahmen, die Mehdorn ergriffen hat, um den Flughafen so früh wie möglich in Betrieb zu nehmen. Dazu zählen:

  • Die Einrichtung eines Beschleunigungsbüros
  • Das Projekt „Sprint“ zur schnelleren Fertigstellung des Baus
  • Die ökonomisch ineffiziente geplante Inbetriebnahme eines Teils des Flughafens im Jahr 2013, um Fortschritt zu demonstrieren
  • Das Umorganisieren von Bauanlagen (Container und Zäune) um den äußeren Anschein der Baustelle zu verbessern, ohne das damit Verbesserungen in Abläufen verbunden wären (schon aber Kosten in Millionenhöhe)
  • Das Drängen auf Tempo bei der Umsetzung von Baumaßnahmen ohne Rücksicht auf direkte oder Folgekosten

Nungut, könnte man sagen. Da treffen eben viele ungünstige Faktoren zusammen, politischer Wille, ein  mittelmäßiges Management und öffentliches Interesse. Das kommt vor. Klar kommt das vor.
Allerdings habe ich mir bei der Lektüre des Artikels vorgestellt, der Flughafen würde nicht in Berlin, sondern in Pjöngjang gebaut. Dann wären all die Aspekte was ich eben aufgeführt habe als unwiderlegbare Belege für die Ineffizienz und Unterlegenheit sozialistischer Wirtschaftsmodelle herbeigezogen worden.

  • Wir hätten da die einem sozialistischen Wirtschaftssystem inhärente Fuscherei, die erst zu dem ganzen Schlamassel geführt hat.
  • Als Lösung wäre der Bürokratiewut der Betonköpfe entsprechend eine neue Institution (Das Beschleunigungsbüro) ins Leben gerufen worden, die trotz allem Aktionismus höchstens noch mehr Verwirrung stiftet
  • Es wäre ein Kampagne im Sinne einer 100-Tage-Arbeitsschlacht gestartet worden, auch noch mit der schönen Losung „Sprint“
  • Man hätte die ökonomische Vernunft und Effizienz ganz den Ideen eines Individuums untergeordnet: Der Flughafen wird 2013 teileröffnet, ob es Sinn mach oder nicht.
  • Man hätte Zeit und Energie auf die schöne Fassade verwendet, also quasi Potemkinsche Dörfer gebaut, statt die Arbeit substantiell voranzutreiben
  • Die fristgerechte Umsetzung der Pläne hätte Priorität vor Sicherheit und Kosten gehabt.
  • Insgesamt wäre mal wieder die große Unterlegenheit planwirtschaftlich organisierter Wirtschaftssysteme offensichtlich geworden. Was starren Plänen und individueller Selbstherrlichkeit unterworfen ist, das kann am Ende nicht zu effizienten Ergebnissen führen.

Was ich damit sagen will? Eigentlich nicht wirklich was, ich fand die Assoziation nur ganz witzig.

Und vielleicht könnte man mal darüber nachdenken, ob Fehler und Fehlentwicklungen in politischen oder wirtschaftlichen Systemen immer so absolut an diesen Systemen festzumachen sind, oder ob nicht auch in Teilen Individuen und gesellschaftliche Wertorientierungen diese Fehlentwicklungen treiben.
Ich würde mir nämlich mitunter wünschen, dass manche Menschen ihre eigene Systemgläubigkeit ein bisschen hinterfragen und auch mal darüber nachdenken würden, ob nicht das, was das System füllt ein Risiko darstellen könnte. Ein absoluter Glaube an ein System ist nämlich unabhängig von seiner Ausformung immer gefährlich, weil man die Idee über die Realität stellt.

Nordkoreas Wirtschaft wächst…Vieleicht…egal! — Hauptsache wir haben eine Zahl…


Habe den Text gerade nochmal gelesen und mir überlegt, am besten einen Disclaimer davor zu setzen: Jeder der sich nicht dafür interessiert, was ich über die Richtung der Entwicklung unserer Gesellschaft denke, der sollte nach dem zweiten Absatz aufhören zu lesen. Ab da geht es nur noch am Rande um Nordkorea. Bis dahin sind alle harten Fakten genannt worden, der Rest ist dann blabla…

 

Wie jedes Jahr, so hat die Bank of Korea (BOK) auch in diesem Jahr wieder eine auf die Nachkommastelle genaue Aussage über die Entwicklung der nordkoreanischen Wirtschaft gegeben. Dieses Jahr sei die Wirtschaft der DVRK, so die BOK, im zweiten Jahr in Folge gewachsen. Um 1,3 %. Die Angabe im Vergangenen Jahr war 0,8 %, in den beiden Vorjahren war die Wirtschaft laut BOK zurückgegangen (0,9 % in 2009 und 0,5 % in 2010). Die Angaben der BOK setzen sich wiederum zusammen aus nachkommastellen genau berechneten Zahlen zu unterschiedlichen Sektoren der nordkoreanischen Wirtschaft (z.B. wuchs Landwirtschaft und Fischerei um 3,9 %).

Eine Nicht-Beschäftigung mit der Schwachsinnigkeit von Kommagenauen Wirtschaftszahlen

Nun ist das natürlich alles schön und gut und es ist eine super Sache, wenn unter dem Strich eine (+ 1,3 %) oder zwei (BIP: 29,7 Milliarden US-Dollar) Zahlen stehen hat, aber so wie jedes Jahr, frage ich mich auch in diesem Jahr, was das alles denn genau soll. Ich will jetzt garnicht wieder damit anfangen, dass es kompletter Schwachsinn ist, irgendwelche aufs Nachkomma genaue Wirtschaftszahlen zu errechnen, für ein Land, das so verschlossen ist, dass man  einen Raketentest erst dann bemerkt, wenn die Rakete schon fliegt und den Tod des Führers erst dann, wenn es ein paar Tage später in den dortigen Nachrichten läuft. Natürlich hat die BOK Anlass sich mit der nordkoreanischen Wirtschaft zu beschäftigen und Einschätzungen darüber zu produzieren, aber warum tut man das nicht auf eine seriöse Weise, auf Basis dessen, was man wissen kann und nicht auf Basis dessen, was man sich so zusammenspekuliert?

Nichtwissen gibt es nicht!

Ehrlich gesagt weiß ich es nicht so genau, denn eine seriöse Schätzung wäre sicherlich auch eher im Interesse des Auftraggebers und zu Seriosität gehört es eben auch, dass man zugibt etwas nicht zu wissen, wenn man etwas nicht weiß. Aber ich glaube genau da liegt einer der Gründe für dieses seltsame Gebaren. Es ist für uns internetverwöhnte und wissensvergesellschaftete Informationsjongleure einfach unvorstellbar, dass es zu einem so Grundlegenden Thema wie der Wirtschaftskraft eines Staates keine tragfähigen Informationen geben soll. Es ist also sozusagen eine Nachfrage nach dieser Information da. Und wie das auf einem guten Markt so üblich ist, springt dann halt jemand ein, der diese Nachfrage befriedigt. In unserer heutigen Informationsgesellschaft sind uns graue Flecken in unserem  so schön dicht gewebten Wissensteppich ein unglaublicher Graus, denn die zeigen uns ja Grenzen auf und eigentlich haben wir zumindest mental doch durch die Informationsvernetzung jegliche Grenze eingerissen, nur das Fleisch ist noch ein bisschen schwach. Also müssen wir wissen, wieviel die nordkoreanische Wirtschaft produziert.

Der Zeitgeist…

Aber so ganz erklärt das immernoch nicht, warum da unbedingt ein „+ 1,3 %“ stehen muss. Ich meine man könnte sich doch auch vorstellen, dass da einfach irgendwas von „schwachem Wachstum“ oder so gestanden hätte, das wäre wahrscheinlich mindestens so genau dran gewesen, wie die + 1,3 % und es hätte vermutlich auch ausgereicht, um den südkoreanischen und anderen Staatenlenkern Anhaltspunkte über die Entwicklung der nordkoreanischen Wirtschaft zu geben. Wie kommt es also, dass am Ende unbedingt eine Zahl stehen muss? Auch das ist, so sagt mir mein Gefühl, Ergebnis unseres Zeitgeistes.
Dieser Zeitgeist versucht die Welt immer weiter zu rationalisieren und objektivieren. Alles muss irgendwie in objektive und vergleichbare Kategorien gebracht werden. Und das Rationalste, Objektivste und Vergleichbarste überhaupt sind Zahlen. Wir glauben heute an nichts mehr als an Zahlen. Gleichzeitig sind die Zahlen fast schon zum Fetisch geworden. Ohne Zahle ist alles nichts wert. In der Wirtschaft ist das irgendwie ja noch fast logisch, obwohl es da ja irgendwann auch mal noch was anderes gab, Verantwortung oder so, aber diese Sucht nach Zahlen dringt immer mehr in alle Bereiche des Lebens vor. Alles muss messbar werden. Ob es das Bildungs- oder das Gesundheitssystem ist, die Kundenzufriedenheit oder das Konsumklima, das Wetter (wir können es zwar nur sehr begrenzt vorhersagen, aber am Ende jeden Monats wertet jeder Trottel aus, wieviel zu warm der Monat, wie es mit dem Regen war und wer genug Sonnenstunden gekriegt hat. Hat zwar für niemanden von uns irgendeinen Wert, aber wir haben Fakten, super) oder sogar Glück oder Demokratie.

Effizienz: Die große Schwester des Zahlenfetischismus

Jedoch ist, glaube ich, diese Sucht nach Zahlen auch nur das Ergebnis eines anderen Phänomens. Denn wir glauben ja heutzutage allen Ernstes, dass es kein höheres Ziel geben könne als Effizienz. Und ob etwas jetzt effizient ist oder nicht, das kann man eben nur mit Zahlen belegen. Deswegen sind auch sehr viele Aspekte des menschlichen Lebens, die sich nicht in Zahlen ausdrücken lassen, entweder in ihrer Existenzberechtigung einer ständigen Bedrohung ausgesetzt (Kultur ist das perfekte Sparschwein (ist nur nicht mehr so viel dran), denn das einzige Kriterium, das an Kulturproduktion angelegt wird, ist die Jahresbilanz der kulturschaffenden Institution) oder sie werden so umgedeutet, dass sie doch wieder unter Effizienzaspekten messbar werden (einen Teil der Kulturproduktion in das bescheuerte Modewort Kreativwirtschaft auszulagern, unterwirft diesen Bereich nur objektiv den Bedingungen der Effizienz. Als Teil der „Wirtschaft“ muss sich der kreativwirtschaftlich Aktive immer an den Maßstäben der Wirtschaft messen lassen. Da kann es dann schnell zu dem Punkt kommen an dem es heißt: Tja, die Zahlen stimmen nicht! Und damit hat er dann keine Daseinsberechtigung mehr, während sich der Kulturschaffende immernoch auf den übermateriellen Wert der Kultur berufen kann).

Der Übergriff der Zahlen und Effizienz auf fremde Domänen

Nun könnte man natürlich fragen, was das Problem damit sei, irgendetwas anhand von Zahlen vergleichbar zu machen und das gut zu beantworten ist garnicht so einfach. Aber ich will es trotzdem mal versuchen. Die Tatsache, dass Zahlen rational, objektiv und vergleichbar sind, macht Zahlen nämlich nur auf den ersten Blick zu einer großartigen Allzweckwaffe bei der Bewertung, dem Verstehen und dem Planen der Welt. Auf den zweiten Blick legen nämlich gerade die Qualitäten von Zahlen ihre großen Mängel offen. Zahlen ebnen die Realität ein und verstellen den Blick auf das meiste menschliche auf der Welt. Wenn man die Bilanz eines Krankenhauses oder Altenheimes anschaut, dann sind die Zahlen darin scheinbar vollkommen objektiv, aber wenn man dann die Notwendigkeit sieht, die Zahlen zu ändern, dann hat das Auswirkungen, die nicht unbedingt in Zahlen zu fassen sind, weil sie die Menschlichkeit als nicht quantifizierbare Größe direkt betreffen.

Das goldene Kalb

Ich will mich jetzt nicht als hippiemäßiger Feind von Zahlen und Effizienz aufführen, allerdings erschreckt es mich manchmal, wie bedenkenlos wir es immer wieder akzeptieren, dass Zahlen- und Effizienzzwänge in Domänen  Auswirkungen haben, die nicht in Zahlen- und Effizienzmaßstäben messbar sind. Ich glaube wir sollten uns nochmal dessen besinnen, was Zahlen eigentlich tun und was die Idee der Effizienz eigentlich meint. Effizienz ist keine religiöse Zielvorstellung, deren Erreichung wir absolut setzen können, es ist auch kein Muss, um die Weiterentwicklung der Menschheit sicherzustellen. Effizienz und die Zahlen, die helfen sollen Effizienz zu erreichen, sind nur Hilfsmittel die zur Steigerung des allgemeinen Wohlstands beitragen sollen. Allerdings — und hier beißt sich die Katze in den Schwanz — wird als Teil der Wohlstandsrechung nur das begriffen, das man auch in Zahlen fassen kann. Alles andere fällt aus der Rechnung heraus. Dabei (und damit komme ich irgendwie nochmal an meinem Ausgangspunkt vorbei) ist es immer öfter vollkommen irrelevant, ob die Zahlen stimmen oder nicht und ob Effizienz wirklich erreicht wird oder nicht, es geht nur darum, dass Zahlen da sind und das es effizienter aussieht. Wir haben uns eine Art Selbstvergewisserungsfalle gebaut. Wir schauen jeden Monat auf den Konsumklimaindex, die Arbeitslosenzahlen, die Inflation und das Wirtschaftswachstum und wenn die Gesamtmenge der Zahlen eine Zeit lang schlecht ausschaut, dann werden wir depressiv. Wir werden nicht arm oder so, uns geht es wahrscheinlich nicht wirklich schlechter, aber die Zahlen stimmen nicht mehr. Und was macht man dann? Man steigert die Effizienz. Man erfindet Hartz IV oder so nen Kram und ein paar Jahre später stimmen die Zahlen und alles ist irgendwie in Ordnung. Verrückt.

Das Ende der Geschichte und der Wettlauf mit uns selbst

Ich weiß es nicht genau, aber irgendwie habe ich manchmal das Gefühl, das alles hat mit dem Ende des Ostblocks zu tun. Früher konnten wir uns an der DDR messen, die USA konnten sich an der Sowjetunion messen und der Vergleich war dann genug. Aber irgendwann gab es keine DDR und keine Sowjetunion mehr. Es gab nur noch uns, weil wir hatten gewonnen. Wir hatten zwar gewonnen, aber wir hatten nicht mehr so recht etwas, an dem wir uns messen konnten. Wir waren am Ende der Geschichte angekommen. Natürlich gab es noch einiges zu tun, zum Beispiel den Weltfrieden schaffen, aber eigentlich konnte es nicht mehr besser werden. Aber weil der Mensch sich eben gerne misst und vergleicht, haben wir eben angefangen uns an uns selbst zu messen. Aber das mit dem sich an sich selbst messen, ist immer so ein Problem. Also man kann zwar meistens noch ne Schippe drauflegen, aber irgendwann hat man einfach seine Möglichkeiten so weit ausgereizt, dass es nicht mehr besser geht. Dann fängt man an die letzten Reste von Effizienz aus sich rauszuquetschen, aber irgendwann geht das auch nicht mehr. Und was dann passiert, darauf bin ich gespannt. Oder wir treiben einfach einen immer größeren Selbstbetrug, reden uns mit geschönten und gefärbten und geänderten und angepassten Zahlen ein, dass wir noch effizienter wurden und unser Wohlstand noch größer ist und freuen uns daran. Naja, wir werden sehen.

Eine Entschuldigung an die Leser

Jetzt hab ich euch aber bestimmt tierisch genervt mit meinem Schwachsinn, aber genauso schwachsinnig wäre es gewesen, nordkoreanische Wirtschaftszahlen auszuwerten. Und für diejenigen, die meine Schreiberei so richtig genervt hat, habe ich ja immerhin noch ein paar harte Fakten am Anfang genannt, die können sie sich ja dann aufschreiben und jedem weitererzählen, der wissen will, wie es um Nordkoreas Wirtschaft steht… Jedenfalls bitte ich euch meine Tirade zu vergeben und vielleicht habt ihr ja mal Lust, in nächster Zeit einfach mal bei den harten Fakten die ihr in Form von Zahlen präsentiert bekommt zu hinterfragen, was sie eigentlich aussagen und ob sie nicht nur scheinobjektivierungen und-rationalisierungen von nicht Objektivierbarem sind. Auch nett ist es mal darüber nachzudenken, was an dem, das ihr für das gute und angenehme Leben haltet, nicht in Zahlen ausdrückbar ist und was sich daher dem vollständig entzieht, dem wir in Form von Wohlstand jeden Tag hinterherlaufen. Ich verspreche, euch in der nächsten Zeit mit meiner Moralisiererei zu verschonen und mich wieder dem Kerngeschäft zu widmen. Allerdings habe ich mir noch eine Sache vorgenommen, die inhaltlich ganz gut zu dem passt, das ich jetzt geschrieben habe. Ich wollte mir nämlich seit langem schonmal so viele Indizes wie möglich vornehmen, in denen Nordkorea erfasst wird und einfach mal prüfen, ob die Indizierung des Landes so passt, oder ob es eigentlich totaler Schwachsinn oder eine Art Scheinobjektivierung ist, wenn Nordkorea dort auf diesem und jenem Platz aufgeführt wird. Da freue ich mich drauf.

Netze eingeholt: China untersagt Fischerei in nordkoreanischen Gewässern


Die Unstimmigkeiten zwischen China und Nordkorea bezüglich der Fischerei in den aneinandergrenzenden Seegebieten gehen weiter und bleiben nach wie vor undurchsichtig. Nachdem im Mai die Entführung eines chinesischen Fischerboots durch bewaffnete Nordkoreaner (höchstwahrscheinlich Militärs) öffentlich wurde, war es zwischen beiden Ländern zu diplomatischen Verwicklungen gekommen. Im Rahmen des Streits hatten die chinesischen Behörden offensichtlich die Informationssperre zu diesem Themenkomplex aufgehoben und dadurch den Blick auf eine Art mafiöses Netzwerk zwischen nordkoreanischen Militärs und chinesischen Schattenleuten freigegeben, die mit Löse- und Schutzgelderpressung (das Standardverfahren nach der relativ häufigen Entführung chinesischer Fischerboote) und dem Handel mit Fischereirechten in nordkoreanischem Territorium ihr Geld verdienen. Außerdem wurde offensichtlich, dass chinesische Fischer sehr häufig legal und illegal in nordkoreanischen Gewässern fischen.
Der Zugrundeliegende Konflikt wurde aber offensichtlich mit der Freilassung des Fischerbootes im Mai nicht behoben. Das machen Meldungen deutlich, nach denen die chinesischen Behörden ihren Fischerbooten die Fischerei in nordkoreanischen Gewässern untersagen.

Gefährliche Untiefen. In den Grenzgewässern zwischen Nordkorea und China sind die Verhältnisse nicht ganz klar. Der Verdacht liegt nahe, dass Angehörige der nordkoreanischen Marinebasen in der Region ihr Einkommen mit kriminellen Aktivitäten aufbessern. (Karte: Google Earth und North Korea Uncovered von North Korean Economy Watch)

Gefährliche Untiefen. In den Grenzgewässern zwischen Nordkorea und China sind die Verhältnisse nicht ganz klar. Der Verdacht liegt nahe, dass Angehörige der nordkoreanischen Marinebasen in der Region ihr Einkommen mit kriminellen Aktivitäten aufbessern. (Karte: Google Earth und North Korea Uncovered von North Korean Economy Watch)

Chinas Agrarministerium verbietet legale und illegale Fischzüge in nordkoreanischen Gewässern

Hiermit sind zwei verschiedene Fischereiaktivitäten gemeint. Einerseits geht es um legale, andererseits um illegale Fischzüge auf der anderen Seite der Grenze.
Für die legale Fischerei bestehen wohl feste Vereinbarungen, die die nordkoreanische Seite aber jetzt verändern wollte. Um genauer zu sein, wollte sie die chinesischen Bootseigner dazu zwingen, ihre Schiffe von nordkoreanischen Lieferanten betanken zu lassen. Vermutlich sah man hierin einen lukrativen Nebenverdienst, bzw. man wollte möglicherweise die Preise für die Fischereisätze, die vermutlich vertraglich festgesetzt sind, auf diesem Umweg erhöhen. Diesem Ansinnen stand die chinesische Seite allerdings ablehnend gegenüber. Das Landwirtschaftsministerium erklärt die Ablehnung und das damit zusammenhängende Verbot der Fischerei in nordkoreanischen Wassern (kann man das schreiben, oder ist nur „Gewässern“ richtig?) mit Sicherheitsbedenken, was zwar mit Blick auf die Geschichte im Mai nicht gelogen sein dürfte. Allerdings fällt es mir schwer, den Zusammenhang zwischen der (wohl teureren) Zwangsbetankung und Sicherheit herzustellen. Aber vielleicht haben die Chinesen einfach den Kapitalismus schon so gut verinnerlicht, dass man dem Begriff Sicherheit auch die Sicherheit der garantierten Gewinne subsummieren kann.
Aber auch die illegale Fischerei wurde von den Behörden nochmal hoch offiziell untersagt und mit Strafverfolgung bedroht. Das ist interessant, denn damit gibt man erstens zu, dass diese illegale Fischerei existiert und dass sie zweitens bisher nicht verfolgt wurde. Das könnte man also als konziliantes Signal an die nordkoreanische Führung sehen. Muss man aber nicht. Ich weiß nämlich nicht genau, ob mit dieser hier genannten illegalen Fischerei auch der Handel mit Fischereirechten durch die oben angesprochenen mafiösen Netzwerke gemeint ist. Wenn das so ist, dann ist das auch ein Schlag gegen diese Strukturen und damit ein Schlag gegen eine Versorgungsquelle der nordkoreanischen Armeeeinheiten im Grenzgebiet, die über diese Aktivitäten Einnahmen zur Selbstversorgung generierten.  Damit wäre die nordkoreanische Führung entweder gezwungen, die Einheiten mit eigenen Mitteln zu finanzieren oder sie noch mehr darben zu lassen.

Weiterhin ungelöster Konflikt mit unterschiedlichen großen und kleinen Interessenlagen

Insgesamt zeigt sich in diesen Meldungen sehr deutlich, dass weiterhin ein deutlicher Konflikt besteht. Die chinesische Führung verlangt von Nordkorea nicht weniger als Sicherheit für die Boote und Rechtssicherheit bei den Fischereigeschäften. Die chinesischen Fischer klagen gleichzeitig, dass sie nichts zu fischen hätten, wenn sie nicht in nordkoreanischen Gebieten ihre Netze auswürfen, während die nordkoreanische Führung sich damit auseinandersetzen muss, dass das eigene Gebaren nicht besonders nachhaltig ist (wenn man die chinesischen Fischer lässt, dann ist das Meer vor Nordkorea irgendwann auch so leer, dass es da nichts mehr zu fischen gibt) und dass man sich wohl oder übel ein neues Finanzierungsmodell für die Militäreinheiten an der Grenze zu China überlegen muss. Schutzgelderpressung und Entführung scheinen die Chinesen nicht mehr zu dulden, was die Führer und Mannschaften der nordkoreanischen Militäreinheiten wiederum unglücklich machen dürfte, denn sie müssen sich auf ein kargeres Leben einstellen.

Isolierter Konflikt mit Störpotential für die große Politik

Nach wie vor denke ich, dass es sich bei diesem gesamten Komplex um ein isoliertes Problem handelt. Dieser Fischereistreit interferiert so lange nicht mit der großen Politik, so lange kein übermäßiger Druck aus der chinesischen Öffentlichkeit entsteht. Das kann aber schnell passieren, wenn es zu weiteren Bootsentführungen kommt. Wir werden also weiterhin sehen müssen, was sich in diesem Bereich tut aber wir sollten vorsichtig damit sein, Schlüsse hieraus auf andere politische Entwicklungen zu ziehen.

Friends will be Friends — USA sanktionieren myanmarischer General wegen Waffengeschäften mit Nordkorea


Anfang der Woche gab das US-amerikanische Finanzministerium bekannt, dass der myanmarische General Thein Htay mit Sanktionen belegt werde, da er weiterhin Waffengeschäfte mit Nordkorea betreibe. Diese Geschichte wirft ein interessantes Schlaglicht auf die gleichermaßen spannenden wie wechselhaften Beziehungen Myanmars und Nordkoreas. Daher will ich euch kurz über die Hintergründe der Geschichte aufklären.

Nordkorea und Myanmar: Wechselhafte Beziehungen

Die außenpolitische Verbindung zwischen Myanmar und Nordkorea, ist von ihrer wechselhaften Geschichte her durchaus interessant ist (hier habe ich vor Ewigkeiten mal versucht, die Historie etwas näher auszuleuchten). In der letzten Zeit lag der Fokus dabei vor allem auf der Abkühlung dieser Beziehungen, die aktiv und intensiv von den USA vorangetrieben wurde. Dieser Sachverhalt ist mit der geänderten außenpolitischen Haltung Myanmars zu erklären, das seine Existenz als „rogue State“ beenden will, wozu es von den westlichen Staaten — allen voran den USA — mit Zuckerbrot und Peitsche „motiviert“ wurde. Eine der zentralen Forderungen der USA für eine Wiederaufnahme Myanmars auf der Seite der Guten war es, dass Myanmar seine diplomatischen Kanäle nach Nordkorea kappen würde.

Militärkooperation: Da war doch was

Dass es da etwas zu kappen gab steht dabei außer Zweifel, was jedoch genau, dass konnte und kann niemand so genau sagen. Es ist sicher, dass Nordkorea in der Vergangenheit konventionelle Waffen nach Myanmar geliefert hat, außerdem Know-how und Unterstützung beim errichten umfänglicher Bunkeranlagen gewährte und ziemlich sicher wurde auch ein Kontrakt über eine Zusammenarbeit im Bereich ballistischer Raketen (SCUD-?) vereinbart, allerdings weiß man hier wenig über die konkrete Ausformulierung. Die Geschichten über eine nukleare Kooperation sind dagegen alles andere als stichhaltig. Im Jahr 2010 war ein geheimer Besuch hochrangiger myanmarischer Generäle in Nordkorea aus dem Vorjahr publik geworden, die sich die dortigen Fertigungsanlagen für Raketen genauer anschauten und das oben beschriebene Kooperationsabkommen unterzeichneten. Immer mal wieder (Ok, das ist übertrieben. Zweimal.) machten aus Nordkorea kommende Schiffe mit mutmaßlichem Ziel Myanmar auf hoher See kehrt, wenn sie von der amerikanischen Marine entdeckt und um Erlaubnis zur Inspektion gebeten wurden. Jedenfalls deutet einiges, einschließlich der Besorgnis der USA bezüglich dieser Beziehungen, darauf hin, dass eine ziemlich umfangreiche Beziehung bestand.

Thein Htay böse – Myanmars Regierung gut

Diese zu beenden hatten sich die USA zum Ziel gesetzt und es schien auch, als laufe das alles recht gut. Allerdings war schon auffällig, dass Vertreter der USA das Thema immer wieder prominent fallen ließen, was darauf hindeutete, dass wohl noch etwas zu tun war. Das belegt jetzt eindrucksvoll die Sanktionierung von Thein Htay. Dabei ist zu bemerken, dass sich das US-Finanzministerium große Mühe gab, diese Deklarierung als individuelle Geschichte darzustellen und nicht die Regierung Myanmars insgesamt anzuprangern. Dieser wurde vielmehr bescheinigt, dass sie weiterhin „ihre Bemühungen um positive Maßnahmen fortgesetzt hätte, um die Militärbeziehungen zu Nordkorea zu beenden.“ Diese Vorlage nahm die Regierung scheinbar dankbar auf, als sie verkündete, sich einerseits an die Sanktionen der Vereinten Nationen gegen Nordkorea zu halten, andererseits nichts über die Maßnahmen des US-Finanzministeriums zu wissen, dass dies aber alles eh nicht so wichtig sei, schließlich sei Thein Htay nicht Teil der Regierung, sondern des Militärs.

Thein Htay: Der umtriebige Karrierist

Schaut man sich das Sanktionierte Individuum etwas genauer an, dann ist diese Lesart bestenfalls halbwahr. Thein Htay wird als zielstrebiger Karrieremilitär beschrieben, der einen rapiden Aufstieg in der Nomenklatura Myanmars hinter sich gebracht hat. Außerdem schreibt man ihm zu, einer der, wenn nicht der, führenden Köpfe bei der Modernisierung des Militärs Myanmars gewesen zu sein. Diese Modernisierung trieb er mit Rückendeckung von ganz oben von seiner führenden Position im militärisch-wirtschaftlichen Komplex des Landes voran und natürlich war er auch 2009 beim Nordkoreatrip der myanmarischen Generäle mit dabei.
Allerdings gab er seinen Militärjob (aber nicht seine Uniform) 2011 für einen Ministerjob in der Regierung U Thein Sein an, die den aktuellen außenpolitischen Schwenk vollführt hat (guckt mal, wen er 2012 auch treffen musste durfte. Unseren Außenwirtschaftsminister nein, so heißt das nicht. Obereteppichändler, nein das war‘s auch nicht. Achnein, der nennt sich doch allen Ernstes „Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ (egal wer die Wahlen im September gewinnt: Wenn der nicht ausgetauscht wird, dann kann man beim Namen seines Ministeriums in vier Jahren das mit „Zusammenarbeit“ und „Entwicklung“ streichen und die GIZ gleich mit den AHKs fusionieren). Was der in Myanmar gemacht hat? Vielleicht hat er Thein Htay ja vorgeschlagen, dass Deutschland die Exportlücke füllen kann, die Nordkorea hinterlassen hat. Immerhin gehört Myanmar ja jetzt zu den Guten.). Dort arbeitete er als Minister für Grenzangelegenheiten und machte seinen Job, zumindest aus Sicht der Führung auch gut, denn ihm wurde keine Schuld für die Eskalation der ethnischen Unruhen im vergangen Jahr zugeschrieben.
Trotzdem wurde er im Februar dieses Jahres aus seinem Ministerposten entlassen und in sein altes Tätigkeitsfeld zurückversetzt. Gründe dafür wurden  nicht genannt und so wirklich einen Reim konnte sich auch niemand darauf machen. Jedenfalls ist Thein noch nicht besonders lange aus der Regierung ausgeschieden und scheint weiterhin gute Kontakte zu haben. Außerdem wurde richtig angemerkt, dass er Waffengeschäfte mit Nordkorea wohl kaum ohne Billigung zumindest des Verteidigungsministers hätte durchführen können. Naja und mal ganz abgesehen davon stelle ich mir die Frage, inwiefern man in Myanmar heute die Regierung so scharf vom Militär trennen kann.

Myanmar und Nordkorea: Friends will be Friends

Und dieser Mann wurde jetzt von den USA sanktioniert. Erstens könnte man sich da fragen, ob nicht das Ende seiner Ministeriumskarriere schon etwas mit seinen nordkoreanischen Nebengeschäften zu tun hat. Zweitens bleibt aber auch zu bemerken, dass es offensichtlich gar nicht so einfach ist, einmal geschlossene Beziehungen wie die zwischen Nordkorea und Myanmar zu zerschlagen. Ist ja auch kein Wunder. Nur weil man unglaublichen Druck auf ein Land ausübt, bis es einknickt und seine Außenpolitik in die gewünschte Richtung ändert, heißt das noch lange nicht, dass man damit die Überzeugungen der dortigen politischen Akteure geändert hat. Vor allem wenn man wie die USA in der jüngeren Vergangenheit bewiesen hat, was für ein unzuverlässiger neuer Freund man ist. Da kann ich mir durchaus vorstellen, dass einige Militärs der Waffe in der eigenen Hand mehr trauen, als dem Zuckerbrot (und der Peitsch) in Händen der Amerikaner. Sieht jedenfalls so aus, als würden die Beziehungen zwischen Nordkorea und Myanmar auch zukünftig mehr Aufmerksamkeit verdienen, als ich das in der jüngeren Vergangenheit vermutet habe.