Wird Nordkorea eine Atombombe Testen? Einflussfaktoren und Implikationen


Spätestens seit die nordkoreanische Rakete, die einen Wetterbeobachtungssatelliten ins All transportieren sollte, kurze Zeit nach dem Start auseinanderbrach und ins Meer stürzte, begannen man in Wissenschaft und kurz darauf auch Politik darüber nachzudenken, ob nun bald ein Nukleartest Nordkoreas zu erwarten sei. Daher dachte ich mir, dass ich mal ein bisschen beleuchte, welche Faktoren aktuell in Nordkoreas Kalkulation für oder gegen einen Test eingehen könnten.

Was auf einen Test hindeutet

Diese Überlegung ist bei einer näheren Betrachtung der Historie des nordkoreanischen Nuklearwaffenprogramms, aber auch der aktuellen Rahmenbedingungen nicht besonders abwegig.

Historisches Muster

Erstmal würde ein solcher Test einem bisher zweimal gesehenen Muster folgen. Danach gibt es einige Monate nach dem Test einer Langstreckenrakete (bzw. „Satellitenstart“ 2009) einen Nukleartest. Das war 2006 so und 2009 auch. Wieso das genau so war, darüber kann man nur spekulieren. Vielleicht denkt man in Pjöngjang nach dem Motto „Ist der Ruf erst ruiniert…“ denn unabhängig davon, ob man „nur“ eine Rakete startet oder auch noch gleich eine Atombombe dazu testet; Die außenpolitische ist so oder so sehr angespannt und wenn man die „Paketlösung“ wählt, muss man nur einmal die Mühen auf sich nehmen, die die Reparatur des zerschlagenen Porzellans nach sich zieht. Da dieses Mal besonders viel Porzellan zu Bruch ging, gibt es jetzt nicht mehr so viel zu zerdebbern, so könnte man in Pjöngjang  denken.

Innenpolitische Erwägungen

Aber auch mit internen Bedürfnissen könnte ein solcher Test erklärt werden. Kim Jong Un ist neu im Amt und egal wie gut er reden kann und wie schnell er die Schlüsselpositionen im Staat besetzt, er wird irgendwann auch mal beweisen müssen, dass er eine Führungsperson ist. Und wie könnte er diesen Beweis besser antreten, als durch einen kräftigen Bums.

Gerade vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der jüngste Satellitenstart in die Hose ging und man dies auch noch öffentlich vor der Bevölkerung eingestanden hat, könnte man in der Führungsspitze in Pjöngjang das Bedürfnis verspüren, Stärke zu beweisen. Ein ordentlicher Rums würde wohl auch helfen, mögliche Zweifel, die nach dem Raketenabsturz dem Einen oder Anderem gekommen sein könnten, zu zerstreuen.

Jedoch kann Kim Jong Un auf diesem Wege auch den Worten, die er an Opas Geburtstag sprach, nun auch Taten folgen lassen. Seine Ansage war unter Anderem, dass die Songun-Politik seines Vaters (dem Militär kommt eine Sonderstellung im Staat zu) weiterhin Leitlinie der nordkoreanischen Politik sei. Und das kann man zum Beispiel bestens demonstrieren, indem man dem Militärischen offensichtlich vor allem Anderen — vor allem aber vor dem Außenpolitischen — Priorität einräumt.

Damit eng verbunden wäre auch die Demonstration von Unabhängigkeit gegenüber allen äußeren Mächten, was einem Anspruch der Juche-Ideologie nachkäme, die einen starken Fokus auf diese Unabhängigkeit (manche sagen Autarkie) des Landes legt. Denn ein Nukleartest würde nicht nur die Gegner verärgern, sondern auch die Freunde. China hat schon geäußert, dass man keinen Nukleartest wünsche und vermutlich hat man das auch bei den hochrangigen Treffen der letzten Wochen so kommuniziert. Ein Nukleartest würde also zum wiederholten Male demonstrieren: „Niemand kann unsere Politik beeinflussen. Auch China nicht. Wenn wir einen Nukleartest für nötig halten, dann kann uns keiner davon abhalten.“

Technische Notwendigkeit

Weiterhin darf man natürlich nicht vergessen, dass die Tests nicht aus reinem Spaß aus der Freude bzw. nur aus politischer Motivation durchgeführt werden.  Nordkoreas „Bombe“ ist noch nicht wirklich fertiggebaut. Um das zu tun braucht man weitere Daten und um die zu bekommen brauch man Tests. Immerhin verbläst man mit jedem Test über 10 Prozent der Menge an Plutonium, die zur Verfügung stehen. Nach Expertenschätzungen verfügt Pjöngjang zurzeit über Plutonium für 8 Bomben. Das ist nicht wirklich viel. Daher wird man die Tests nicht allein am politischen, sondern auch am technischen Bedarf ausrichten (denn was würde es Pjöngjang bringen, wenn man irgendwann das perfekte Know How zum Bau einer Bombe hat, aber kein Material mehr, um das umzusetzen).

Ihr seht, es gibt gute Gründe einen Nukleartest zu erwarten und dementsprechend tun das auch viele. Am witzigsten haben Noland und Haggard diese Erwartung kommuniziert. Sie hatten scheinbar keine Lust viel darüber zu schreiben und starteten stattdessen den „We begin bombing in five minutes”-contest. Gewinner in dem Wettbewerb ist derjenige, der am besten tippt, wann Nordkorea seinen nächsten Nukleartest durchführt. Ein bisschen ernsthafter sind naturgemäß die Aussagen aus der Politik, die sich unter den Sammelbegriff „Warnung“ fassen lassen und die eigentlich allenthalben, auch zum Beispiel von Ban Ki-moon, zu hören sind.

Satellitenbilder

Dass alldas keine Spekuliererei im luftleeren Raum ist, zeigte sich spätestens am vergangenen Freitag, als die Fernaufklärer von 38 North mal wieder ein paar Ergebnisse ihrer Arbeit vorlegten. Danach konnte man auf dem Nukleartestgelände in Punggye-ri zwischen dem 08.März und dem 18. April auf rege Aktivitäten schließen und es gibt eindeutige Zeichen für die Lieferung von Material und Aushubarbeiten. Nach Aussage der Analysten von 38 North deutet dies darauf hin, dass die Vorbereitungen für einen Nukleartest so vorangetrieben würden, als sei der Test schon beschlossene Sache.

Was gegen einen Test spricht

Ich bin zwar immer wieder beeindruckt, was man alles so aus Satellitenbildern rauslesen kann, aber ich glaube man kann heutzutage noch nicht in die Köpfe der Akteure gucken. Dementsprechend kann man auch noch nicht wissen, ob der Test beschlossene Sache ist oder nicht, denn immerhin hat so ein Test auch einige Nachteile.

Außenpolitische Erwägungen, v.a. China

Neben einer zu erwartenden neuen Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, die neue schärfere Sanktionen erhalten würde, die aber wohl zu verschmerzen wäre, würden vor allem die Beziehungen zu China ein weiteres Mal schwer belastet werden. China hält einige Lebensfäden Pjöngjangs in der Hand und weiß das auch, traut sich aber nicht so recht, sich mit der Schere an dem Einen oder Anderem dieser Fäden zu schaffen zu machen. Dafür muss es international viel Druck aushalten und diese Rücksichtnahme auf Pjöngjang stellt wiederum eine Belastung der Beziehungen zu anderen Schlüsselakteuren der Region dar. Die Andeutung einer Änderung der Flüchtlingspolitik hinsichtlich nordkoreanischer Flüchtlinge, stellte meiner Meinung nach eine erste Botschaft dar, dass man Pjöngjang nicht alles durchgehen lassen wird. Dem könnten weitere Botschaften folgen, die irgendwann auch wirklich schmerzhaft für Pjöngjang werden könnten.

Strategische Erwägungen: Die Abschreckungskraft des Nichtwissens

Ein weiterer Faktor der nicht zu vernachlässigen ist, ist die strategische Abschreckungskraft der Bombe. Denn die Abschreckungswirkung über die das Gerät zurzeit verfügt, dürfte nicht nur daraus erwachsen, was man über Nordkoreas Fähigkeiten weiß, sondern zu einem genauso großen Teil daraus, was man nicht weiß. Mit jedem Test gibt man zumindest ein Stück weit diesen strategischen Vorteil auf. Mit jedem Test sammeln nicht nur nordkoreanische Techniker weiteres Wissen, sondern auch amerikanische und südkoreanische Militärs. Man kann auch davon ausgehen, dass neben den wissenschaftlichen Fernaufklärern eine Menge militärischer Kollegen Matrial über die Vorbereitungen auswertet und wer weiß, was die daraus so alles erfahren können. Ein fehlgeschlagener Test kann daher aus strategischer Perspektive mehr Vor- als Nachteile mit sich bringen.

Wild Cards

Pjöngjang dürfte aus den dargestellten Gründen sehr vorsichtig sein und Vor- und Nachteile sehr genau gegeneinander abwägen. Natürlich kann ich das strategische Kalkül nicht wirklich nachvollziehen, weil die Datenbasis dafür viel zu dünn ist, aber die Kalkulation dürfte nicht super eindeutig sein. Vor allem weil noch einige weitere, nicht berechenbare Dinge zu bedenken bleiben.

Verhandlungsmasse?

Einerseits weiß Pjöngjang, dass die ganze Welt genau bei den aktuellen Erdarbeiten zusieht. Ich halte es nach wie vor nicht für unmöglich, dass der Test noch nicht beschlossen ist, sondern dass sich darüber verhandeln ließe. Es gab noch keine Ankündigung und wenn sich die anderen Parteien dazu durchringen würden, außer Warnungen auch Angebote auszusprechen, zum Beispiel für Verhandlungen, dann wäre der Test möglicherweise Teil der Verhandlungsmasse. Vielleicht sind die Vorbereitungen von Pjöngjang sogar so gedacht. Also quasi ein Lockmittel, der die anderen Parteien verhandlungsbereiter machen soll. Allerdings sieht es zurzeit nicht so aus, als habe jemand Lust zu verhandeln und daher werden wir das vermutlich nicht erfahren.

Besonderer Test?

Andererseits könnte es sein, dass Pjöngjang besondere Hoffnungen in diesen Test setzt, weil es ein besonderer Test werden soll. Wenn es einen Test gäbe, bei dem eine auf Uran basierende Bombe zur Explosion käme, dürfte dies das strategische Kalkül der Gegner durcheinanderwürfeln, denn damit wäre klar, dass Pjöngjang einen zweiten Weg zur Bombe kennt und momentan täglich neues Material für neue Bomben dazukommt, damit wäre die Materialbegrenzung Pjöngjangs aufgehoben, es gäbe keine auch nur annähernd zuverlässigen Schätzungen mehr, über wieviel Bombenfähiges Material Pjöngjang verfügt und die strategische Ungewissheit der Gegner würde sich damit wieder deutlich erhöhen (vor allem, weil Uran scheinbar für den Bau und die Miniaturisierung von Bomben wesentlich besser zu handhaben ist). Außerdem wäre ein solcher Test aber eine große Überraschung für westliche Beobachter und Geheimdienste, denn die vermuten, dass Pjöngjang noch einige Zeit brauchen wird, bis das Uranprogramm einen Anreicherungsgrad erreicht, der für den Bau einer Bombe ausreicht und würde dem Selbstbewusstsein der Schlapphüte wohl wieder einen empfindlichen Schlag versetzen. Aber dass Nordkorea in diesem Feld immer wieder für Überraschungen gut ist, wurde ja schon öfter bewiesen.

Blankoscheck

Weiterhin kann es natürlich noch sein, dass der China-Faktor garnicht eine so große Rolle spielt wie das gemeinhin angenommen wird (so glaubt Jonathan Pollack vom Brookings Institute zum Beispiel, dass sich Pjöngjang wegen China gegen einen Nukleartest entscheiden würde). Man spricht ja viel und auch hochrangig zwischen Pjöngjang und Peking und vermutlich wird da auch die Möglichkeit eines Tests eine Rolle spielen. Für das Kalkül Pjöngjangs dürfte es nicht zuletzt wichtig sein, welche Signale zu diesen Anlässen (beispielsweise dem Treffen zwischen Kim Yong-nam und Hu Jintao sowie anderen hochrangigen Vertretern Pekings vor ein paar Tagen) aus China kamen. Man kann sich da ja allerhand vorstellen (Die Spanne reicht von „Wenns notwenig ist, dann gut.“ über „Es gefällt uns nicht, aber wenns garnicht anders geht! Macht was ihr nicht lassen könnt aber ihr müsst euch auf einige kleinere Reaktionen gefasst machen“ bis zu „Das ist inakzeptabel und wir werden euch danach so richtig Ärger machen“) und was genau China von der Möglichkeit eines Nukleartests hält, werden wir wenn überhaupt erst im Nachgang an den Reaktionen Chinas oder deren Ausbleiben ablesen können.

Abwarten und nach Signalen Ausschau halten

Ob Nordkorea tatsächlich eine Bombe testen wird, werden wir wahrscheinlich in den nächsten Wochen erfahren. Im Moment ist es vor allem spannend zu beobachten, ob es von irgendeiner Seite Signale gibt, die eine ernsthafte Initiative hin zur Vermeidung eines solchen Tests andeuten könnte. Jedoch stehen die Zeichen im Moment eher auf Test.

Achja. Das Thema ist ja ein höchst komplexes und gleichzeitig liegt vieles im Dunkeln. Daher meine Fragen an euch: Was denkt ihr. Wird es in den nächsten Monaten einen Test geben und wenn ja, wann? Habe ich vielleicht irgendwelche Faktoren vergessen oder falsch bewertet? Was denkt ihr zu dem Themenkomplex?

Meine allgemeine Ansicht habe ich ja schon oben kundgetan und weil es ja gemein ist, von euch einen Termin zu erfragen, ohne selbst einen zu nennen, gehe ich einfach mal vorweg. Ich glaube, dass es einen Test geben wird und ich glaube es wird noch so zwei Wochen dauern (wenn alle möglichen Politiker warnen, dann gibt es bestimmt Erkenntnisse, die auf ein unmittelbares Bevorstehen hindeuten). Ich glaube es wird montags sein (Tradition und aus Medienökonomischen Gründen). 7. Mai. Würde mich übrigens freuen, wenn ich total danebenläge und Pjöngjang den „dagegens“ ein größeres Gewicht einräumen würde, als den „dafürs“.

Achja, da ich hier so viel vom Testen etc. geschrieben habe, möchte ich euch noch dieses eindrucksvolle Filmchen zeigen. Man sieht: Nordkorea folgt mit den Tests einer „guten alten Tradition…“

UPDATE II (30.03.2012) Öfter mal was Neues: Nordkoreas Satellit mit neuer Startrichtung — Japan, die Philippinen und Indonesien werden überflogen


Update II (30.03.2012): 38 North hat neue exklusive Satellitenbilder die zeigen, dass die Vorbereitungen für den Start nach Plan voranschreiten. Ich sehe auf den Bildern immer nur Punkte, aber die SAIS dürfte ein paar Leute haben, die sich mit Fernaufklärung auskennen und nen Tankwagen von der Kuh (oder so) unterscheiden können. Na dann steht dem Satellitenstartspektakel wohl nichts mehr im Weg (außer das Wetter vielleicht).

Update I (27.03.2012): Zwar hat man sich sich in Jakarta etwas Zeit gelassen mit der Verurteilung des Satellitenstarts, aber jetzt ist das Statement da, wenn das Ganze auch etwas halbherzig klingen mag.

Ursprünglicher Beitrag (23.03.2012): Viel geschrieben über Nordkoreas Satellitenstart in letzter Zeit, aber ist ja auch ne wichtige Sache und deshalb wird das noch ein Weilchen so bleiben. Naja, jedenfalls hat Nordkorea vorgestern und gestern zwei relevante internationale Organisationen (Luftfahrt und Meeresorganisation) darüber informiert, wo planmäßig die beiden ersten Stufen der Trägerrakete auf die Erde fallen sollen (detaillierte Informationen und Kartenmaterial dazu findet ihr bei North Korea Tech). Dadurch wird deutlich, dass für den Start im April nicht nur eine neue Abschussbasis genutzt wird, sondern dass die Rakete auch eine andere Route nehmen soll. Während die vorherigen Starts immer Richtung Osten gingen und über Japans Hauptinsel Honshu hinwegflogen (oder fliegen sollten), wird die Rakete diesmal in Richtung Süden starten. Dementsprechend soll die erste Stufe der Rakete vor der südkoreanischen Küste ins Ostchinesische Meer fallen. Die zweite wird dann nach der Überquerung einiger kleiner japanischen Inseln nach dem Plan im Meer östlich der philippinischen Hauptinsel Luzon einschlagen. Die Rakete soll/wird ihren Weg dann in Richtung Süden fortsetzen, was dann wohl auch einen Überflug Indonesiens und Australiens bedeuten würde.

In den betroffenen Staaten regt sich bereits einige Besorgnis. Die Philippinen wollen ihren Verbündeten USA um Hilfe bitten, die Route der Rakete zu verfolgen, da hierzu keine eigenen Kapazitäten vorhanden sind. In Japan spricht man gern und viel davon, die nordkoreanische Rakete bei Bedarf vom Himmel zu holen, wobei japanisches Territorium ja eigentlich nur marginal berührt wird.

Australiens Außenminister Carr sprach mit Kurt Campbell, einem hochrangigen Mitarbeiter des US-State Department und der warnte davor, dass die Rakete grob gesagt irgendwo zwischen den Philippinen, Indonesien und Australien einschlagen könnte. Interessant fand ich dabei, dass in dem Artikel angemerkt wird, dass die USA den drei genannten Staaten nahegelgt hätten, gegenüber Pjöngjang deutlich zu machen, dass die Pläne eine Provokation darstellten und das Nordkorea davon abrücken solle. Von Australien und den Philippinen gab es auch entsprechende Äußerungen. Aus Indonesien habe ich allerdings nichts dergleichen gelesen. Entweder man drückte in Jakarta seinen Unmut dezenter aus oder es gab keine dementsprechende Äußerung. Jedenfalls sieht man daran recht deutlich, wer eng mit den USA verbunden ist und wo die Sachlage weniger eindeutig ist.

Insgesamt finde ich die Richtung des Raketenstarts jedoch vor allem hinsichtlich des Risikos eines Fehlschlages bemerkenswert. Denn anders als auf der östliche Route (auf der hinter (oder geographisch korrekt: „östlich von“) Japan lange nichts mehr kommt) überfliegt die Rakete relativ viel Land. Und wenn eine außer Kontrolle geratene Rakete da irgendwo draufstürzen würde, dann gäbe es sicherlich große Schwierigkeiten. Da ich mich mit den technischen Details nicht wirklich auskenne, habe ich keine Ahnung, ob und warum diese Richtung für die Rakete besser ist als die östliche, jedoch wird es schon gute Gründe geben, weshalb das Geschoss dieses Mal in eine andere Richtung abgefeuert wird.

Die Berichterstattung zu Nordkorea und ihre Fallstricke: „Chaos in North Korea coverage“


Eben habe ich auf 38 North einen interessanten Aufsatz gelesen, den ich euch ans Herz legen möchte. Er dreht sich um ein Thema, das auch mich schon seit längerem beschäftigt (ich hoffe mal, nicht zu eurem Missfallen), es geht um die Medienberichterstattung zu Nordkorea. „Chaos in North Korea coverage“ beleuchtet die Vorgehensweise der Journalisten bei ihrer Berichterstattung zu Nordkorea kritisch und beschreibt treffend, wie aus einer Aussage (wenn überhaupt) eine Nachricht wird, aus der Nachricht eine Schlagzeile und aus der Schlagzeile ein Thema. Die Autoren des Berichts beleuchten das Vorgehen der Medien anhand von Beispielen wie den Artikeln zur Währungsreform (eigentlich alles was sie als Beispiele heranziehen habe ich auch hier besprochen und bei einigem werde ich meine eigenen Berichte nochmal kritisch anschauen müssen).

Der zwölfseitige Aufsatz kann einem fast als eine Art Leitfaden zur kritischen Überprüfung von Meldungen zu Nordkorea dienen und meiner Meinung nach ist er ein must-read für diejenigen, die sich öfter mal Zeitungsartikel zu Nordkorea durchlesen.

Lesenswerte neue Seiten zu Nordkorea


Wenn man Informationen zu Nordkorea sucht ist es ja immer was feines, wenn sich die Basis auf der man diese Infos einziehen kann verbreitert. Daher freue ich mich (für ich selbst aber natürlich auch für euch), dass ich in den letzten Tagen gleich auf zwei ziemlich neue Seiten gestoßen bin, die (wenn sie halten was sie versprechen, bzw. was sie als ihren eigenen Anspruch formulieren) ein tolle Bereicherung für jeden Nordkorea-Interessierten darstellen werden. Tja und selbstlos wie ich bin, werde ich euch die Seiten natürlich vorstellen.

NKnews.org – ambitioniertes Blog

Die erste Seite über die ich gestolpert bin ist nknews.org. Das britische Blog ist wenn ich das richtige übersehe erst vor ungefähr einer Woche so richtig an den Start gegangen, stellt aber recht hohe Ansprüche an sich selbst. Der Autor, der sich während seines Studiums intensiv mit Nordkorea beschäftigt zu haben scheint, möchte Neuigkeiten zu Nordkorea aggregieren (dementsprechend verlinkt er täglich die wichtigsten Nachrichten zu Nordkorea), eigene Analysen zu aktuellen Entwicklungen bereitstellen (bis jetzt sind es aber erst zwei, aber wie gesagt, die Seite ist auch erst funkelniegelnagelneu), wichtige Dokumente und Publikationen anbieten und über Events und Konferenzen und Stellenangebote zum Thema informieren. Wie gesagt, ein sehr ambitioniertes Projekt, das eine echte Bereicherung sein kann, wenn der Autor dran bleibt. Also schauts euch alle an, denn gerade in der Anfangsphase ist das glaub ich echt motivierend, wenn man schnell ein paar Erfolge (steigende Leserzahlen) verbuchen kann. Und bei der bestehenden Konkurrenz wirds bestimmt nicht leicht sein, als englischsprachiges Blog Fuß zu fassen. Naja, ich wünsche dem Projekt auf jeden Fall viel Erfolg und werds im Auge behalten.

38 North – vielversprechende akademische Ressource

Auch die zweite Seite hat hohe Ambitionen, allerdings auch gleichzeitig nen ziemlich kräftigen Support im Rücken. Sie wird nämlich vom US-Korea Institut der Johns Hopkins School of Advanced International Studies (SAIS) betrieben. 38 North ist auch erst vor ein paar Tagen gelaunched worden und sieht es als ihr vorrangiges Ziel an „to bring the best possible analysis to all those who work on North Korea for a living and those who are just interested in what happens there“. Dabei beachtet man dass „too often analysis of the North is permeated by inexperience, littered with inaccurate information or grounded in just plain bad deductive reasoning. We believe no one really knows for sure what is going on in North Korea but we can at least try to understand the possibilities. And anyone who professes certainty should be viewed with the greatest skepticism.“ Eine kritische Ausgangsposition gegenüber allen Quellen und Informationen ist meiner Meinung nach eine Grundvoraussetzung um sinnvolle Analysen und Bewertungen zu Nordkorea erstellen zu können, sie wird allerdings in den Medien und mitunter leider auch im akademischen Bereich, vernachlässigt. Dementsprechend finde ich es auch äußerst lobenswert, dass eine Der Kategorien der Seite „Mediabusters“ heißt und sich kritisch mit den Aussagen der Medien zu Nordkorea beschäftigt. Sowas war schon lange überfällig (allerdings müsste man vermutlich zwei bis drei Vollzeitkräfte anstellen, wenn man sich mit jedem Unfug, den die Medien so über Nordkorea von sich geben beschäftigen wollen würde). Natürlich ist es nicht besonders überraschend, dass auf 38 North öfter mal prominente Autoren ihre Meinung zum Besten geben werden, denn Joel S. Wit, der schon einiges zu Nordkorea publiziert hat (ich glaube mit wirtschaftlichem Fokus) ist der Chef des US-Korea Institute an der SAIS und ich habe schon Artikel von Rüdiger Frank und Bradley Babson gesehen. Da dürfte also in Zukunft einiges zu finden sein. Aber (wie immer) am besten ihr überzeugt euch selbst.

Achja, auch wenn das natürlich tolle Seiten sind war das keinesfalls als Aufforderung gemeint, euch nur noch da rumzutreiben! Die besten Infos findet ihr natürlich nach wie vor hier bei mir, und dementsprechend möchte ich mit einem nur bedingt passenden, dafür aber umso schöneren Zitat Simone Thomallas enden: „Nur gucken — nicht anfassen!“ (…ihr wisst ja was ich meine)

Mehr und regelmäßig geupdatete Links zu interessanten Blogs sind unter „Links zur Selbstrecherche“ zu finden.