Irgendwie mysteriös: US-Bürger seit November in nordkoreanischer Gefangenschaft…und keiner hats gemerkt


Meldungen zufolg befindet sich erneut ein US-Bürger in nordkoreanischer Gefangenschaft. Genauere Details sind bisher kaum bekannt, bzw. sehr schwammig. CNN berichtet unter Berufung auf ungenannte diplomatische Quellen, es handle sich um einen amerikanischen Geschäftsmann koreanischer Herkunft, der bereits im November verhaftet worden und mit einem regulären Visum nach Nordkorea eingereist sei. Der Mann werde (wie in solchen Fällen üblich) konsularisch von der schwedischen Botschaft in Pjöngjang betreut. Mitarbeiter der Botschaft hätten kürzlich Zugang zu dem Mann gehabt und arbeiteten daran, regelmäßig mit ihm sprechen zu können.

Marc C. Toner, dem Sprecher des US-Außenministeriums zufolge dürften keine Informationen über die Person veröffentlicht werden, da keine Freigabe für die persönlichen Daten des Individuums vorlägen. Das geht so weit, dass sogar das Geschlecht im Dunkeln bleiben sollte, allerdings hat sich Toner zweimal verhaspelt, so dass es sehr wahrscheinlich ist, dass es sich um einen Mann handelt. Ansonsten gab er sich die beste Mühe, nur die Informationen, dass es sich um einen US-Bürger handle, dass der von der schwedischen Botschaft betreut werde und dass die USA Nordkorea aufforderten, das Individuum aus humanitären Gründen freizulassen. Toner behauptete man wisse nicht, warum die Person festgehalten werde und wollte auch nicht annäherungsweise Andeutungen machen, seit wann. Ein Reporter fragte nach, ob die alleinige Berufung auf humanitäre Ursachen darauf hindeute, dass der Mann nicht ohne Grund in Gefangenschaft sei, aber Toner behauptete er wüsste nichts (was ich nicht wirklich glauben kann. Am besten ihr lest euch das Pressebriefing selbst durch, hat echten Unterhaltungswert). Auf eine mögliche Rolle Jimmy Carters bei der bevorstehenden Reise nach Pjöngjang angesprochen konnte Toner ebenfalls nicht viel sagen, allerdings bestätigte er, dass Carter ja gut bei solchen Dingen sei und das er mal bei seinen Bossen nachfragen werde.

Diese erneute Festnahme eines US-Bürgers erinnert natürlich auf den ersten Blick an die Fälle Lee/Ling, Park und Gomes. Allerdings auch nur auf den ersten Blick, denn auf den zweiten gibt es keinen Gemeinsamkeiten, außer dass es sich um US-Bürger handelte. In den drei vorhergehenden Fällen wurde die Gefangennahme immer fast unmittelbar bekanntgemacht und es gab Aktivisten auf dem Umfeld der Gefangenen, die auf die Situation aufmerksam machten. Außerdem standen alle vier vorherigen Gefangennahmen im Zusammenhang mit illegalen Grenzübertritten, die Gerüchte deuten hier in eine andere Richtung.

Das Ganze macht den Fall recht mysteriös und wirf weit mehr Fragen auf, als die enge Datenlage Antworten zu bieten hat:

  • Wenn der Mann tatsächlich seit November in Gefangenschaft ist, warum hört die Öffentlichkeit erst jetzt davon? Wussten die US-Behörden selbst auch nichts, oder haben sie es aus irgendeinem Grund geheim gehalten? Und wenn ja, aus welchem?
  • Warum wurde der Mann überhaupt festgesetzt und warum geben die Behörden das nicht bekannt? Ist das auch durch seine Persönlichkeitsrechte geschützt?
  • Was für ein Geschäft kann ein Mann treiben, der fast ein halbes Jahr von seinem Unternehmen fernbleiben kann, ohne dass das einem auffällt?
  • Und eine Familie scheint er auch nicht zu haben. Oder die ist sehr diszipliniert und wartet ein halbes Jahr lang ab, ob die US Behörden ihren Verwandten aus der Gefangenschaft holen. Was für ein Umfeld vermisst jemanden nicht, der nach Nordkorea reist und dann nicht zurückkommt und nichts von sich hören lässt?

Ich muss sagen, das ist alles reichlich geheimnisvoll. Allerdings müssen wir wohl noch abwarten, ob Toner heute bei seinem täglichen Pressebriefing mehr zu sagen hat. Wenn nicht, dann dürfte ich nicht der Einzige sein, der sich diese Fragen stellt und vermutlich werden einige Leute mit besseren Netzwerken auch ein paar Antworten bekommen. Bisher reicht die Spannweite von einemVerwirrten oder Touristen, der sich nicht an die Regeln halten wollte (und keine Freunde und Bekannte hat) über einen Menschen aus der Schattenwelt, dessen Geschäfte schlecht gelaufen sind bis zu einem Spion. Ziemlich sicher kann man sich dagegen sein, dass es sich nicht um einen erleuchteten Aktivisten oder sowas handelt. Ich bin gespannt in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt. Bevor man darüber nicht mehr weiß, braucht man eigentlich auch nicht weiterzuspekulieren.

Robert Park auf dem Weg der Besserung: Er redet wieder — Sehr viel!


Lange Zeit war es still um Robert Park, dem US-amerikanischen Missionar mit koreanischen Wurzeln, der Ende letzten Jahres nach Nordkorea einreiste, um ein Zeichen der Liebe zu setzen (oder sowas). Nachdem er etwa einen Monat später in die Freiheit entlassen worden war, gab es außer einem, offensichtlich auf etwas seltsamen Wegen zustande gekommenen (und noch in Gefangenschaft entstandenem) Interview mit der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA, eigentlich keine ernstzunehmenden Informationen von Park.

Nun scheint sich sein Zustand soweit gebessert zu haben, dass er über das Erlebte mit den Medien sprechen kann. Die Betonung liegt auf den. Ich bin gestern zufällig über ein Interview mit ihm gestolpert (interessanterweise bei der Falun-Gong Zeitung Epoch Times, aber Park wird sich wohl sagen: „Hauptsache religiös“) und hab dann ein bisschen weitergeguckt. Ohne viel Suchen habe ich vier verschiedene Interviews gefunden, die vor etwa einer Woche innerhalb recht kurzer Zeit entstanden sind. Das mit der Epoch Times (ins Deutsche übersetzt) und der Chosun Ilbo sogar an einem Tag in denselben Räumen. Gerade habe ich gemerkt, dass das Interview mit AP auch in denselben Räumlichkeiten stattfand, nur an einem anderen Tag (andere Klamotten). Außerdem hat er dem Christian Broadcasting Network (mehr muss ich dazu wohl nicht sagen), noch ein Telefoninterview gegeben (ca. 10 Min.), dass man hier nachhören kann.

Und, was hatte Park zu sagen? Eigentlich nicht so viel. Über das Erlebte könne und wolle er nicht sprechen, da die Folter und der Missbrauch zu traumatisch seien (ähnliche Kommunikationsstrategie wie Lee und Ling, nur dass die nichts von Folter und Missbrauch zu berichten hatten). Als er ins Land gekommen sei habe er den Nordkoreanern erzählt, die Amerikaner, die Südkoreaner und Jesus würden sie lieben, um dann ein Kirchenlied anzustimmen. Das Interview bei KCNA sei ihm mit Gewalt abgezwungen worden und man müsse die Bemühungen verstärken, Kim Jong Ils Regime zu stürzen, wofür auch er alles tun werde. Außerdem hatte er bei allen Interviews einen Ordner mit Bildern von hungernden Kindern und so dabei.

Was mir auffiel: Seine Lethargie scheint er abgelegt zu haben, seine Auftritte waren ganzschön energiegeladen und er kann wirklich gut reden. Außerdem scheint er sich im Vorfeld recht genau überlegt zu haben, was er wohl sagen würde. Wie sonst hätte er es wohl geschafft, dass in allen Interviews die fast wortgleiche Aussage:

As a result of what happened to me in North Korea, I’ve thrown away any kind of personal desire. I will never, you know, be able to have a marriage or any kind of relationship

zitiert wird. Naja, wird sich wohl überlegt haben, was am besten passt und das schön auswendig gelernt zu haben. Auf jeden Fall scheint Park die nordkoreanischen Behörden ganz besonders extrem geärgert zu haben mit seinem Liebesgerede. Denn wie man bei dem AP-Interview nachlesen kann, wurden weder Ling und Lee, noch der kürzlich freigelassene Aijalon Mahli Gomes misshandelt, gefoltert oder gar missbraucht. Letzterem wurde von einem Arzt in den USA sogar attestiert, er sei „superbly“ behandelt worden. Aber wie gesagt. Wahrscheinlich sind die Nordkoreaner bei dem ganzen Kirchenlied-Gesinge von Park einfach ausgeflippt…

Welchen Zweck er mit seiner Interview-Offensive verfolgt ist mir noch nicht ganz klar. Anders als Laura Ling scheint Park noch kein Buch geschrieben zu haben, dass neben der Bewältigung des Erlebten sicherlich auch ein nettes Nebeneinkommen bieten würde. Aber mir scheint er auch tatsächlich ein Überzeugungstäter zu sein. Er glaubt an das was er macht, versucht sich jetzt zu einem Märtyrer zu stilisieren und an die Spitze einer „Wir-beten-Nordkorea-kaputt-Kampagne“ zu stellen. Meiner Meinung nach ist das nicht besonders erfolgversprechend (Einen weiß ich schonmal, der sich davon nicht überzeugen lässt. Der Autor von Monster Island scheint Park das ganze Buhei, das er verursacht hat, sowie sein Interview mit KCNA noch nicht so recht verziehen zu haben. (Allerdings hätte er sich die Spekulationen um Parks sexuelle Orientierung gerne sparen können, die sind unnötig und nicht besonders zielführend.)), aber solange Herr Park nicht nochmal über den Tumen rennt, ist ja alles gut…

„We want Carter for Vermittler“: Jimmy Carter zu den Hintergründen seiner Reise nach Pjöngjang


Seit Jimmy Carter erfolgreich von seiner Mission zur Befreiung von Aijalon Mahli Gomes zurückgekehrt ist, hat er sich ja erstaunlich bedeckt gehalten. Es gab kaum mehr Infos über die Reise als diejenigen, die KCNA über den Besuch veröffentlicht hat. Nun hat Carter sein Schweigen endlich gebrochen und zwar, wie es sich für einen demokratischen ex-Präsidenten geziemt, in Form eines Op-Eds in der New York Times. Die wichtigste Erkenntnis seiner Reise:

I received clear, strong signals that Pyongyang wants to restart negotiations on a comprehensive peace treaty with the United States and South Korea and on the denuclearization of the Korean Peninsula.

An sich ist das ja nicht überraschend. Eher überraschend finde ich das Timing und natürlich die Tatsache, dass das Regime in Pjöngjang ganz gezielt „gebeten“ hat, Jimmy Carter möge doch zur Befreiung von Gomes nach Pjöngjang kommen. Nach Carter:

In July, North Korean officials invited me to come to Pyongyang to meet with Kim Jong-il, the North Korean leader, and other officials to secure the release of Mr. Gomes. Those who invited me said that no one else’s request for the prisoner’s release would be honored. They wanted me to come in the hope that I might help resurrect the agreements on denuclearization and peace that were the last official acts of Kim Il-sung before his death in 1994.

Scheinbar hat Nordkorea also schon mindestens einen Monat vor Carters Reise versucht, die Situation auf der Koreanischen Halbinsel wieder zu verbessern und Carter auch ein Treffen mit Kim Jong Il in Aussicht gestellt. In die mögliche Zeitspanne von der Anfrage bis zur Genehmigung fallen verschiedene Ereignisse, die direkt oder indirekt mit der Reise in Verbindung stehen könnten. Natürlich fällt mir da sofort die KCNA Meldung vom 09. Juli, in der berichtet wurde, Gomes habe einen Selbstmordversuch begangen, unter anderem wegen seiner Unzufriedenheit, dass die US-Regierung keine Maßnahmen zu seiner Befreiung ergriffen hätte. Also wenn das mal nicht mit der „Einladung“ an Carter in Verbindung steht. Am selben Tag einigte sich der UN-Sicherheitsrat auch auf ein Presidential Statement wegen der Versenkung der Cheonan. Damit konnte Nordkorea wohl die diplomatischen Folgen des Untergangs er Cheonan (wer auch immer dafür verantwortlich ist) absehen und das weitere Vorgehen planen. In der darauf folgenden Zeit war es bis auf die Festsetzung eines südkoreanischen Fischerbootes und seiner Besatzung relativ ruhig um Nordkorea. Grollende Töne und eine nicht besonders versöhnliche Haltung waren eher aus Seoul und Washington zu vernehmen, die an ihren Manöver-Plänen festhielten und auf dem ASEAN Regional Forum kein Interesse an Gesprächen mit der nordkoreanischen Seite zeigten. Carter informierte die Regierung zwar über die „Einladung“, allerdings scheint man in dieser Zeit in Washington nicht wirklich gewusst zu haben was zu tun ist und daher hat man wohl nichts getan.

Bewegung kam erst in die Geschichte, als Nordkorea scheinbar ungeduldig wurde und man Carter darüber informierte, dass Gomes wieder ins Gefängnis (wohl aus dem Krankenhaus) verlegen würde. Darauf gab die US-Regierung ihre Zustimmung, allerdings erklärte das Regime in Pjöngjang, dass Kim Jong Il nun nicht mehr für Gespräche zur Verfügung stände. Die Verantwortung dafür, dass ein Treffen mit Kim Jong Il nicht zu Stande kam liegt also auch in großen Teilen bei der US-Regierung, die etwas zu lange gezögert hatte (und welcher Staatschef lässt sich schon von einer anderen Regierung auf „standby“ halten? Hätte Kim das getan, wäre das wohl einem Gesichtsverlust gleichgekommen). Ansonsten erklärte die nordkoreanische Seite – im vollen Bewusstsein der Tatsache, dass Carter keine Entscheidungsbefugnisse hatte – ihre Position, beklagte sich über das Verhalten der USA und erklärte, dass ein Abkommen zur Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel weiterhin Ziel der nordkoreanischen Politik sei (was Carter seinen Gesprächspartnern scheinbar auch abgekauft hat). Carter zitiert seine Gesprächspartner mit dieser (herrlich „nordkoreanischen“) Aussage:

They referred to the six-party talks as being “sentenced to death but not yet executed.”

Auf einer Reise nach China in der darauf folgenden Woche habe er Erfahren, dass Kim Jong Il auf seinem Besuch dort die gleichen Botschaften überbracht habe.

Durchaus spannend finde ich die Informationen die Carter in seinem Bericht gibt. Was ich auch noch interessant finde ist die Tatsache, dass Carter zwar kurz die Situation auf der Koreanischen Halbinsel in den letzten Monaten beschreibt, aber einen Punkt völlig ausklammert: Das Sinken der Cheonan, das definitiv in den Artikel gehören würde, die aber keinerlei Erwähnung findet. Warum? Keine Ahnung. Vielleicht nimmt er Rücksicht auf Nordkorea und will das Regime nicht reizen. Vielleicht ist er sich über die Hintergründe des Vorfalls auch einfach nicht sicher und lässt ihn daher lieber weg. Vielleicht ist es auch was ganz anderes. Ich weiß es nicht, wüsste es aber gern…

„We only have a handful of former Presidents“ — Wie die USA ihre Bürger warnen, es Gomes und Co. gleichzutun


Eben habe ich in der Straits Times einen interessanten Artikel gelesen, der auf einen (durchaus humorigen) Twitter-Tweet von Philip J. Crowley, einem Sprecher des US-Außenministeriums, hingewiesen hat. Kurz nachdem Jimmy Carter mit dem frisch befreiten Aijalon Mahli Gomes im Schlepptau in Boston gelandet war, ermahnte Crowley die US-Bürger nämlich auf diesem Wege, das Einreisen (besonders das Illegale) nach Nordkorea künftig zu unterlassen:

Americans should heed our #travel warning and avoid North Korea. We only have a handful of former Presidents. http://go.usa.gov/cAO #DPRK

Da hat er allerdings recht! Bezieht man dann noch die Tatsache mit ein, dass George W. Bush (der Jüngere) als Vermittler wohl eher ausfällt (wer will schon jemanden als Vermittler einsetzen, der den Ansprechpartner einst (gleich in mehrerlei Hinsicht nicht politisch korrekt) als Pygmäen beschimpfte) und sein Vater George H. W. (zum Glück hat er sich bei seinem Sohn wenigstens das „Herbert“ verkniffen, sonst wäre es noch kniffliger) vermutlich auch auf der Kippe steht, bleiben nur noch Clinton und Carter und die waren ja schon beide da. Außerdem ist Carter ja auch nicht mehr der Jüngste…

Generell kann man aber zwischen den Zeilen (hier sagt man wohl besser „zwischen den Zeichen“ sind ja nur 137) lesen, was es für eine unangenehme Angelegenheit für die US-Regierung ist, ihre Ex-Präsidenten zu solchen Missionen nach Pjöngjang zu schicken. Man könnte es sogar als Drohung a la „Die Ex-Präsidenten sind jetzt aufgebraucht, wenn ihr nach Nordkorea gehen wollt müsst ihr dann wohl warten, bis Obama einer ist“ sehen.

Der Link in Crowleys Tweet verweist übrigens auf eine Reisewarnung, die scheinbar extra für den Tag der Rückkehr von Gomes aufgesetzt wurde (auf jeden Fall ist sie auf Gestern datiert). Da wird nochmal recht ausführlich und bedrohlich (was im Falle Nordkoreas nicht besonders schwierig ist) geschildert, wie unangenehm die Situationen sein können, in die man dort geraten kann und wie schnell man sich in einem nordkoreanischen Gefängnis wiederfinden kann.

Was ich dort auch noch interessant fand: Der Absatz:

Travel by U.S. citizens to North Korea is not routine, and U.S. citizens crossing into North Korea without proper documentation, even accidently, have been subject to arrest and long-term detention. Since January 2009, four U.S. citizens have been arrested for entering North Korea without the necessary documents.

impliziert ja irgendwie, dass Euna Lee und Laura Ling doch irgendwie in Nordkorea waren, wenn auch „accidently“. Eine Sache die die Beiden ja ganz anders sehen.

Naja, hoffen wir, dass in den nächsten Jahren kein Schlaumeier aus den USA mehr auf die Idee kommt, ein Zeichen zu setzen und sich in frei gewählte Geiselhaft zu begeben, dann haben die Ex-Präsidenten ihre Ruhe und die amerikanische Regierung muss sich nicht von fehlgeleiteten Individuen in ihre Nordkorea-Strategie funken lassen (wobei letzteres sich ja möglicherweise noch als hilfreich erweisen könnte).

Aijalon Mahli Gomes ist frei. Was sonst noch war…


Anfangen möchte ich heute mal mit der (ungeteilt) guten Nachricht, die auch nicht vielmehr Kommentierung bedarf. Aijalon Mahli Gomes ist frei und in Begleitung von Jimmy Carter auf dem Weg in die USA. Die beiden werden heute Mittag gegen 14:00 Uhr Ortszeit in Boston, der Heimatstadt Gome’s eintreffen, wie auf der Website des Carter Center (einer von Jimmy Carter und seiner Frau gegründeten Non-Profit-Organisation) zu lesen ist. Damit dürfte für Gomes der schlimmste Teil der Nordkorea-Episode abgeschlossen sein und er wird sich nun mit den Medien herumschlagen müssen. Ob er dabei eine ähnliche Strategie (sich quasi entmaterialisieren) wählen wird wie Robert Park bleibt offen, aber ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn Gomes etwas mehr zu sagen hätte (als nichts).

KCNA hat den Besuch Carters recht schnell medial aufbereitet und für wichtig genug befunden, um ihm einen herausgehobenen Platz auf der Website einzuräumen. Dabei unterscheidet sich die Auslegung KCNAs zum Besuch Carters in entscheidenden Teilen von der des Carter Centers (und damit wohl auch Carters. Während auf der Homepage des Centers zu lesen ist:

At the request of President Carter, and for humanitarian purposes, Mr. Gomes was granted amnesty by the Chairman of the National Defense Commission, Kim Jong-Il. […] This was a private mission of The Carter Center, and was neither requested nor sponsored by the U.S. Government.

Schrieb KCNA:

Jimmy Carter made an apology to Kim Yong Nam for American Gomes‘ illegal entry into the DPRK and gave him the assurance that such case will never happen again on behalf of the government and the ex-president of the U.S. […] After receiving a report on the request made by the U.S. government and Carter, Kim Jong Il issued an order of the chairman of the DPRK National Defence Commission on granting amnesty to Gomes, an illegal entrant, pursuant to Article 103 of the Socialist Constitution of the DPRK.

Zwei entscheidende Unterschiede: Das Carter Center schreibt von „request“ und KCNA von „apology“. Außerdem – und das ist ungleich wichtiger – weist das Carter Center explizit darauf hin, dass die Vermittlungsreise rein privat war und nichts (aber auch garnichts) mit der US Regierung zu tun hatte (ein Standpunkt den natürlich auch die Regierung in Person des Sprechers Philip Crowley für sich reklamierte). Dies sieht man in Nordkorea offensichtlich anders, denn KCNA weist zweimal darauf hin, dass Carter für sich und die US-Regierung sprach. Aber naja, dieser Gegensatz wird wohl nie aufgelöst werden.

Neben der Befreiung des Gefangenen ging es jedoch – wie vorher vermutet – noch um mehr als um Gomes und die Bewertung von Carters Besuch. Auch wenn Kim Jong Il Carter die kalte Schulter gezeigt hat, gab es für ihn einige hochrangige Gesprächspartner. Kim Yong-nam, der Vorsitzende des Präsidiums der Obersten Volkskammer Nordkoreas, der Kim Il Sung in der Ausübung seiner Amtspflichten vertritt, Außenminister Pak Ui-chun sowie Vizeaußenminister Kim Kye-gwan, der Nordkorea bei den Sechs-Parteien-Gesprächen vertritt, kamen nach KCNA mit dem Ex-Präsidenten zu Gesprächen zusammen. Dabei hat Kim Yong-nam Nordkoreas Willen zur Denuklearisierung und zur Rückkehr zu den Sechs-Parteien-Gesprächen bekundet. Über diesen Themenkomplex dürfte es auch mit den anderen beiden Vertretern des Regimes gegangen sein. Da KCNA diese Informationen veröffentlicht hat und sie von anderen Medien aufgenommen wurde, wird Carter dazu nach seiner Heimkehr wohl kaum schweigen können. Die US-Regierung wird die Botschaft hören, ob sie will oder nicht. Wichtig ist hier allerdings, ob Nordkorea wiederum nur seine Standardposition bekräftigt, oder Bereitschaft für weitergehende Zugeständnisse im Vorfeld der Gespräche signalisiert hat. Sollte letzteres der Fall sein, könnte tatsächlich eine neue Chance für die Diplomatie bestehen.

Daher wird es in den nächsten Tagen weiterhin höchst spannend bleiben: Was wird Carter zu seinem Besuch und den Gesprächen gegenüber der Öffentlichkeit verlauten lassen? Werden sich Veränderungen in der US-Politik gegenüber Nordkorea zeigen? Entsteht eventuell sogar öffentlicher Druck auf die US-Regierung, die Politik gegenüber Nordkorea neu zu justieren? Das sind Fragen, auf die es in den nächsten Tagen Antworten geben könnte. Ich jedenfalls bin und bleibe gespannt, ob sich da was tut.

Carter in Pjöngjang – Klappe, die Zweite: Der Ex-Präsident reist nach Nordkorea um Aijalon Mahli Gomes zu befreien


Für eine lange Zeit sah es ja recht düster aus für Aijalon Mahli Gomes. Der 30 jährige Amerikaner war im Januar diesen Jahres aus nicht völlig geklärten Gründe (es wird vermutet, dass seine Motive ähnlich gelagert waren wie die Robert Parks, der auf die Menschenrechtssituation in Nordkorea aufmerksam mach wollte und dabei anfänglich bereit war, im Zweifel einen „Märtyrertod“ zu sterben) nach Nordkorea eingereist und dort wegen illegaler Einreise zu einer hohen Geldstrafe und acht Jahren Arbeitslager verurteilt worden. Im vergangenen Monat gab es Berichte über einen Selbstmordversuch des Mannes aber ansonsten wurden die nicht gerade enthusiastischen Befreiungsbemühungen der USA, von der verschärften Situation rund um den Untergang der Cheonan überschattet. Nun ist recht plötzlich, aber dafür mit Wucht ein neuer Hoffnungsschimmer am Horizont erschienen.

Carters Pjöngjangreise

Der Ex-Präsident der USA, Jimmy Carter will nach einem Bericht von Foreign Policy, der mittlerweile von nicht genannten US-Offiziellen bestätigt wurde, noch heute nach Pjöngjang reisen um über eine Freilassung von Gomes zu verhandeln. Ein solches Vorhaben hat keine schlechten Aussichten, denn vor ziemlich genau einem Jahr reiste mit Bill Clinton ein anderer Ex-Präsident nach Nordkorea, ebenfalls mit dem Ziel amerikanische Bürger aus einem nordkoreanischen Gefängnis zu befreien und dieses Ziel erreichte er auch. Darüber hinaus hat auch Carter selbst schon einige Erfahrung mit Vermittlungsreisen nach Pjöngjang. Im Jahr 1994 bereitete er bei einem Treffen mit Kim Il Sung quasi im Alleingang das Genfer Rahmenabkommen vor, das über acht Jahre hinweg als Grundlage für eine Denuklearisierung Nordkoreas dienen sollte und das – wenn auch letztlich erfolglos – den Boden für verbesserte Beziehungen bereitete und darüber hinaus die Entwicklung des nordkoreanischen Nuklearprogramms bremste. Und dieser 85 jährige, den man in Pjöngjang schon kennt und der trotz seines hohen Alters noch oft etwas zu aktuellen politischen Diskussionen zu sagen hat (häufig zum Leidwesen der jeweiligen Präsidenten) hat sich nun entschlossen, Gomes zu erlösen. Dabei wird darauf gepocht, dass es sich bei der Reise um eine rein humanitäre Mission handle, dass er nicht von irgendwelchen Abgesandten der Regierung begleitet werde (dafür aber scheinbar von Frau und Tochter, was das Bild des Privatmannes vermutlich nochmal untermauern soll) und dass er auch keine Botschaft Obamas im Koffer habe (ob da statt dessen das Geld drin ist, das Gomes ja zahlen soll/muss wurde nicht gesagt). An den Beziehungen zwischen Nordkorea und den USA werde diese Reise nichts ändern. Allerdings handelt es sich bei Carter um einen recht freien Geist und als Altvorderer in der Reihe der US-Präsidenten kann es durchaus sein, dass er sich von den Jungspunden in Washington keine Weisungen geben lässt bzw. dass er diese nicht als bindend ansieht. So war es jedenfalls im Jahr 1994 als er bei seiner Reise die ihm gesteckten Grenzen weit überschritt, was der damalige Präsident Bill Clinton jedoch im Nachhinein positiv aufnahm, indem er den Teppich weiterknüpfte, den Carter begonnen hatte (gibt es dieses Sprichwort? Wenn nicht bin ich dringend dafür, dass es erfunden wird!). Viel Zeit bliebe Carter allerdings nach dem bisher genannten Reiseplan nicht, denn sein Rückflug soll bereits am Donnerstag sein (und aus Gründen der Zeitverschiebung kann man den heutigen Tag ja eigentlich abschreiben). Aber vielleicht entscheidet er sich ja spontan zu einer Verlängerung des Besuchs, dann könnte er sich mit seiner Familie auch noch das Arirang Massentanzspektakel anschauen und für ihn hätte sich die Reise auf jeden Fall gelohnt.

Motive und Ziele der Akteure:

Aijalon Mahli Gomes

Soviel zu dem was man weiß, jetzt zum Denksport: Erstmal Aijalon Mahli Gomes: Für ihn sieht es echt gut aus, denn man kann sich kaum vorstellen, dass ein alter Mann (und Ex-Präsident) sich die Mühe macht nach Nordkorea zu reisen, ohne sicher zu sein, dass er erfolgreich nach Hause zurückkehrt. Das alles dürfte im Vorfeld bereits soweit in trockene Tücher gepackt worden sein. Für den Amerikaner und seine Familie eine sehr gute Nachricht.

Nordkorea

Das Regime in Pjöngjang hingegen dürfte sich natürlich über die schönen Bilder freuen, die man mit Kim Jong Il und Jimmy Carter machen kann und die nicht nur eine schöne Erinnerung für Kim, sondern auch ein großer Propagandaerfolg für das ganze Land sein werden. Die Strategen des Regimes werden sich die Hände reiben und Freude daran haben, dass der Plan Gomes als Verhandlungsmasse zu nutzen mal wieder (damit meine ich nicht, dass man Gomes schon öfter als Verhandlungsmasse genutzt hat, sondern dass das Regime so ziemlich alles und jeden als Spieleinsatz nutzbar macht) voll und ganz aufgegangen ist. Darüber hinaus wird man sich vermutlich aber noch mehr erhoffen. Man kennt Carter und weiß daher, was er für ein Kerl ist und das es vielleicht möglich ist, endlich nochmal etwas Dynamik in die Beziehungen zu bringen. Daher wird man vermutlich versuchen mehr aus dem Treffen rauszuholen als schöne Bilder. Was das sein könnte? Vielleicht eine Initiative für Gespräche, vielleicht versucht man auch ihn zu überzeugen, dass man die Cheonan nicht versenkt hat (und ihn dazu zu bringen, dass er das auch öffentlich sagt), vielleicht gibt man ihm auch eine Botschaft an die Obama Administration mit. Auf jeden Fall kann ich mir gut vorstellen, dass er nach seiner Heimkehr mehr zu sagen hat, als nur das übliche diplomatische blabla.

Carter

Carter selbst könnte die Reise einerseits tatsächlich aus humanitären Gründen antreten. Man stelle sich vor, die US-Regierung würde für den Rest von Obamas Amtszeit in der aktuellen harten Haltung verharren. Dann wäre Gomes vermutlich dazu verurteilt gewesen, wirklich in einem (wie auch immer gearteten) nordkoreanischen Gefängnis zu verrotten. Andererseits könnte Carter aber auch die Erstarrung der amerikanischen Politik gegenüber Nordkorea übel aufgestoßen sein und er möchte tatsächlich irgendetwas in Bewegung setzen. (Oder er will auf seine alten Tage mal tausende Nordkoreaner beim größten Massentanzspektakel der Welt sehen.)

Die US-Regierung

Die US-Regierung muss zu dieser Reise ihre Zustimmung gegeben haben, denn es ist nicht vorstellbar, dass ein Ex-Präsident ohne vorher nachgefragt zu haben nach Pjöngjang reist um dort als reiner Privatmann zu handeln. Auch wenn man immer betont, Carter sei rein privat unterwegs, er habe keine Aufträge der Regierung und es gäbe keine Auswirkungen auf die große Politik, so sendet eine solche Reise doch immer politische Signale aus. Das ist unvermeidlich. Daher ist nur die Frage welche Signale gesendet werden sollen. Das Minimum ist ein (kleines) Versöhnliches, das Maximum Gesprächsbereitschaft. Allem Anschein nach bröckelt auch innerhalb der US-Regierung die Unterstützung für die kompromisslose Haltung gegenüber Nordkorea. So soll Außenministerin Clinton bereits vor einigen Wochen ein Treffen mit ihrer Chef-Politikplanerin Ann Marie Slaughter abgehalten haben, um neue Optionen in der Politik gegenüber Kims Regime zu erörtern. Was Gomes angeht, der ja der Anlass für Carters Reise ist, so wird man in den USA davon ausgehen, dass man ihn lange genug hat schmoren lassen, um ihn als abschreckendes Beispiel für andere Pfiffikusse anzuführen, die vielleicht auf die Idee kommen könnten, es sei ein guter Plan sich in die Hände des Regimes in Pjöngjang zu begeben. Welche Regierung hat schon Lust, ständig einen ihrer Ex-Präsidenten als Emissär in eins der verfeindedsten (ja, stimmt schon, das Wort gibt’s nicht, aber es gibt Länder mit denen die USA mehr und weniger verfeindet sind und mit Nordkorea sind die halt am …) Länder der Welt zu schicken. Daher war es sicherlich auch eine strategische Entscheidung Washingtons, sich nicht allzu schnell um Gomes’s Freilassung zu bemühen.

Was letztendlich bei Carters Reise herauskommt werden wir wohl erst in ein paar Tagen erfahren und im Gegensatz zu vielen anderen ähnlichen Anlässen bin ich in diesem Fall zuversichtlich, dass es wirklich etwas zu erfahren gibt. Gomes dürfte auf jeden Fall als freier Mann in die USA zurückfliegen und der Rest liegt in den Händen der oben genannten Akteure.

Aijalon Mahli Gomes: Schlechte Nachrichten – gute Perspektiven!


Gestern hätte es für mich eigentlich einiges zu schreiben gegeben, aber dummerweise hatte ich absolut überhauptgarkeine Zeit, deshalb versuche ich das Wichtigste heute mal nachzuholen. Seit Langem gab es mal wieder Nachrichten über Aijalon Mahli Gomes und mal wieder hörten sich die nicht besonders gut an. KCNA meldete, dass der amerikanische Staatsbürger, der im Januar nach Nordkorea einreiste, dort von den Behörden aufgegriffen und später zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt wurde, einen Selbstmordversuch begangen hat. KCNA nennt als Gründe für die versuchte Selbsttötung:

his strong guilty conscience, disappointment and despair at the U.S. government that has not taken any measure for his freedom, he attempted to commit suicide.

Die Nachricht über diesen Selbstmordversuch kommt einige Zeit nachdem Nordkorea indirekt (aber nicht besonders) damit drohte, die Strafe gegen Gomes noch einmal zu verschärfen, offensichtlich um den Amerikaner in der angespannten Situation die zurzeit zwischen Nordkorea und den USA herrscht als Verhandlungsmasse ins Spiel zu bringen. Über Gomes‘s Zustand und seine aktuellen Lebensumstände (schuftet er wirklich im Lager?) kann nur spekuliert werden und auch das wahre Motiv für seinen Selbstmordversuch bleibt im Dunkeln (wenn man mal davon ausgeht (ich tue es), dass nicht seine „strong guilty conscience“ in dazu verleitet hat), allerdings trifft der KCNA-Artikel durchaus einen interessanten Punkt, den ich auch in meinem früheren Artikel über Gomes schonmal angesprochen habe. Nämlich den erstaunlichen Sachverhalt, dass die USA bisher noch nicht ernsthaft versucht haben Gomes aus der nordkoreanischen Haft frei zu bekommen (ganz anders als im Fall der beiden Journalistinnen Lee und Ling, für deren Befreiung ein waschechter Expräsident abgestellt wurde (aber sind halt Journalisten, die machen mehr Ärger als religiöse Verblendete ohne Medienlobby)).

Gleichzeitig hat Nordkorea die Tatsache wohl nochmal verdeutlichen wollen, dass Gomes und sein Wohl verhandelbar sind und es einzig bei den USA liegt, seine Lage zu verbessern. Das schien gestern noch irgendwie abwegig, da Verhandlungen zwischen den USA und Nordkorea nicht zu erwarten waren. Dies hat sich aber rapide geändert, nachdem der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ein sehr schwaches Statement zur Versenkung des südkoreanischen Kriegsschiffs Cheonan abgegeben hat, dass zur vollen Zufriedenheit Nordkoreas ausfiel und Nordkorea angeboten hat, zu den Sechs-Parteien-Gesprächen um die Denuklearisierung des Landes zurückzukehren (zu beidem später mehr (hoffe ich)).

Naja, insgesamt haben sich die Perspektiven des Amerikaners wohl etwas aufgehellt, aber letztendlich liegt es wohl an der großen Politik, ob er tatsächlich bald nach Hause zurückkehren kann. Sollten die USA aber positiv auf das Werben Nordkoreas um neue Gespräche reagieren, dann stände einer Freilassung Gomes’s als Geste des guten Willens (vermutlich unter der Überschrift „aus humanitären Gründen“ versehen) wohl nichts mehr im Wege. Vielleicht müsste neben den im Urteil enthaltenen 700.000 US-Dollar Strafe noch einen „Kaution“ oder „Bearbeitungsgebühr“ entrichtet werden, aber dann sähe es wie gesagt gut aus. Dumm nur für Gomes, dass ihm wohl nichts Anderes übrig bleibt als abzuwarten…

Nordkorea nutzt Aijalon Mahli Gomes als Verhandlungsmasse


Lange hat man nichts mehr gehört von Aijalon Mahli Gomes, dem US-Amerikanischen Mann, der im Januar dieses Jahres von China aus die Grenze nach Nordkorea überquert hatte und im April zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt worden war. Der scheinbar religiös motivierte Gomes war dabei vermutlich dem Vorbild Robert Parks gefolgt, der sich freiwillig in nordkoreanische Gefangenschaft begeben hatte um auf die Menschenrechtssituation dort aufmerksam zu machen, aber nach einigen Wochen Haft wieder freigekommen war und seitdem (zumindest aus der Öffentlichkeit) untergetaucht ist. Da die USA im Fall Gomes scheinbar nicht gewillt waren, sich diplomatisch so weit aus dem Fenster zu lehnen wie das noch bei Laura Ling und Euna Lee der Fall war und Nordkorea Gomes auch nicht einfach so laufen lassen wollte, wie bei Robert Park geschehen, hätte es mich auch nicht überrascht, wenn man für mindestens acht Jahre nichts mehr von Gomes gehört hätte.

Aber besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen. Und da die Situation auf der Koreanischen Halbinsel gerade besonders angespannt ist, erinnerte sich Nordkorea wohl des besonderen „Humankapitals“ das es da in einem Arbeitslager/Gefängniszelle noch hat und brachte diese „Verhandlungsmasse“ gestern durch eine KCNA-Meldung wieder ins Spiel:

Application of Wartime Law to American Prisoner under Examination

Pyongyang, June 24 (KCNA) — The U.S. is escalating the campaign to put international pressure upon the DPRK while persistently antagonizing the DPRK over the „Cheonan“ case. Such moves have gone beyond the tolerance limit.

The DPRK had already solemnly declared that it would consider the prevailing situation as a war phase and handle all relevant issues according to a wartime law.

An institution concerned is now examining the issue of what additional measure it will take against American Gomes in line with a wartime law. He is serving a prison term in the DPRK for the encroachment upon its sovereignty.

The U.S. government is requesting the DPRK to leniently set him free from a humanitarian stand, but such thing can never happen under the prevailing situation and there remains only the issue of what harsher punishment will be meted out to him.

If the U.S. persists in its hostile approach toward the DPRK, the latter will naturally be compelled to consider the issue of applying a wartime law to him.

Da ist mal wieder „an institution concerned“ (ich wüsste wirklich zu gern, warum sie nicht einfach schreiben welche das ist, aber vielleicht wissen die Leute von KCNA das selbst nicht…) am Werk die untersucht, welche zusätzlichen Maßnahmen gegen Gomes unter Anwendung des Kriegsrechts ergriffen werden können. Aus Pressemeldungen geht hervor, dass die Anwendung des Kriegsrechts bis zu einer Todesstrafe führen könnte. Aber der Text der KCNA-Nachricht ist natürlich recht vage gehalten und es wird darin kein definitiver Beschluss das Kriegsrecht anzuwenden genannt, aber ein mehr als eindeutiger Hinweis ist es trotzdem: „Wenn ihr uns weiter wegen der Cheonan nervt geht es eurem Gomes bald schlecht!“ Die USA scheinen allerdings vorerst nicht gewillt zu sein sich durch die (nicht besonders) unterschwelligen Drohungen Nordkoreas einschüchtern zu lassen. Mehr als Appelle, Politik vom wohlergehen amerikanischer Privatleute zu trennen, war bisher nicht zu hören. Man scheint seine Linie gegenüber Nordkorea weiter beibehalten zu wollen. Allerdings wird es spannend zu sehen sein, ob diese „strategic patience“ auch dann noch als hilfreich angesehen wird, wenn Gomes tatsächlich vor einem nordkoreanischen Kriegsgericht steht, denn soweit wird Kims Regime auf jeden Fall gehen, ob man Gomes dann aber tatsächlich zum Schafott führen wird, steht auf einem anderen Blatt…

Euna Lee und Laura Ling? Ja sie leben noch…


…und haben sich nach einem Jahr entschieden, ihre Erlebnisse in Nordkorea publik zu machen (was eine recht lange Zeit für Menschen ist, deren Job es ist, Sachen publik zu machen). Nachdem sie im September letzten Jahres ein (inhaltlich) recht mageres Op-ed in der LA Times veröffentlicht haben, in dem sie ein bisschen was darüber erzählten, wie sie in die nordkoreanische Gefangenschaft gerieten und wie es war, wieder frei zu kommen (die Zeit dazwischen sparten sie weitestgehend aus und beriefen sich darauf, dass dies die schrecklichen Erinnerungen an die Zeit wachrufen würde (das sei ihnen zugestanden, denn wer weiß schon was ihnen dort zugestoßen ist)), werden sie ihre Erlebnisse nun bald in einer Sendung des US-amerikanischen Kabelsenders Current schildern. Die Sendung soll am 19. Mai ausgestrahlt werde und etwa zeitgleich wird auch das Buch „Somewhere Inside: One Sister’s Captivity in North Korea and the Other’s Fight to Bring Her Home“ erscheinen, das Laura Ling in Zusammenarbeit mit ihrer Schwester Lisa geschrieben hat.

Da scheinen die Beiden ihr Trauma ja mittlerweile ganz gut verarbeitet zu haben… Aber es ist ja bekannt, dass es manchmal ganz gut ist, ein solch schlimmes Erlebnis offensiv anzugehen. Auch hilfreich zur Traumabewältigung ist vermutlich Geld (je mehr desto besser). Davon dürfte Frau Ling wohl einiges verdienen. Ein weiterer wirklich glücklicher Zufall für sie ist auch die Tatsache, dass die Show und das Buch fast zeitgleich erscheinen und dass es ihr gerade nochmal gelungen ist, ihr Trauma zu bewältigen, während das Thema, auch dank Robert Park (ob er wohl auch an seinen Memoiren schreibt? (Wäre auf jeden Fall nicht hilfreich für Lings Buchprojekt, wenn Park früher dran wäre)) und Aijalon Mahli Gomes, noch heiß ist…

Nordkorea verhängt harte Strafe gegen US-Amerikaner


Lange nichts mehr gehört von Aijalon Mahli Gomes, dem Amerikaner, der aus bisher noch nicht völlig geklärten Motiven (es wird aber vermutet, dass sie denen Robert Parks ähneln könnten) von China aus nach Nordkorea einreisteging. Jetzt gibt es allerdings Neuigkeiten. Und die hören sich nicht gut an. Yonhap berichtet unter Berufung auf KCNA, dass Gomes zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt worden sei. Weiterhin solle er eine Geldstrafe von 70 Millionen Won zahlen (nach offiziellem Wechselkurs 700.000 Dollar). Das sieht erstmal so aus, als wäre Gomes das „vergönnt“ was Robert Park ursprünglich angestrebt hatte. Aber erinnert man sich zurück an die Causa Ling & Lee, dann fällt einem natürlich ein, dass auch diese Beiden zu einem (mit zwölf Jahren noch etwas längeren) Aufenthalt in einem der berüchtigten nordkoreanischen Lager verurteilt wurden. Jedoch schwebte zur Rettung Medienwirksam Ex-US-Präsident Bill Clinton ein und brachte die Beiden in die Heimat zurück.

Nicht unwahrscheinlich, dass Nordkorea auch in diesem Fall darauf hofft, dass die USA versuchen werden ihren Bürger vor der Haft zu bewahren (unwahrscheinlich finde ich es dagegen, dass Nordkorea Gomes tatsächlich in eins der berüchtigten Gulags sperren wird, die bisher noch kein Westler in Augenschein nehmen konnte). Allerdings ist dieser Fall natürlich etwas anders gelagert, als derjenige Lees und Lings. Immerhin ging Gomes wie Park scheinbar freiwillig in nordkoreanische Gefangenschaft. Würden die USA Gomes einfach so freikaufen wäre das ein fatales Signal. Dass es in den USA eine recht große Zahl von Menschen gibt, die im festen Glauben, das Gott es schon richten wird irgendwelche mehr oder weniger sinnvollen Aktionen starten, ist ja nichts Neues. Für einige dieser Leute könnte es wohl das Zeichen sein die Koffer zu packen und sich nach Nordkorea aufzumachen, würde man Gomes freikaufen. Und dass es für die USA nicht eben angenehm wäre, alle paar Wochen als Bittsteller vor das Regime in Pjöngjang zu treten, um einen eigenen Bürger freizubekommen ist ja klar (Wenn man sich die Geldstrafe anschaut, könnte das für Nordkorea ja sogar noch zu einer neuen Einnahmequelle werden). Daher bin ich mal gespannt, wie die Geschichte um Gomes weitergeht…