Politik vs Wirtschaft: Aminex zieht sich aus Ölexploration in Nordkorea zurück


Knapp zwei Jahre ist es her, da berichtete ich über einen Öl-Explorationsdeal, den das irische Unternehmen Aminex mit den nordkoreanischen Behörden geschlossen hat. Danach durfte eine Tochterfirma von Aminex, die Korex Ltd. die zur Hälfte im Besitz von Chosun Energy Pte Ltd. (zu den beiden letzteren Unternehmen konnte ich keine vernünftigen Infos finde) ist und auch von dort aus gemangt wird, in einem Gebiet von 50.000 Quadratkilometern vor der nordkoreanischen Ostküste nach Öllagerstätten suchen. Seit der Deal geschlossen worden war, hörte man allerdings nicht mehr wirklich viel davon.

Aminex: Von Optimismus mit frustriertem Unterton zu…

Mitte letzten Jahres klangen die Aussagen des Unternehmens zur Unternehmung in Nordkorea noch recht optimistisch, wenn auch mit kritischen Untertönen:

evaluation has so far only reached the desk-top stage. This is a long-term project which is likely to come fully to fruition in a more favourable political climate. Whereas politics have improved and then deteriorated several times during the long period that Korex has been evaluating the DPRK’s potential and negotiating with its officials, the geology remains a constant and gives cause for great optimism.

[die Bewertung hat bisher nur das „Desktop-Stadium“ [meint Auswertung existierender Daten „am Schreibtisch“] erreicht. Dies ist ein langfristiges Projekt, das vermutlich bei einem politisch positiveren Klima Früchte tragen. Während sich die politische Situation während der langen Zeit, in der Korex das Potential der DVRK evaluiert und mit den Offiziellen vor Ort verhandelt hat, mehrfach verbessert und dann wieder verschlechtert hat, bleibt die Geologie unverändert und gibt großen Anlass für Optimismus.]

Ein kleines bisschen Frustration klang da aber auch schon mit, denn die Geologie wird vermutlich in ein paar hundert Jahren immernoch ungefähr gleich sein, aber ob diese Aussicht den Aktionären von Aminex reichen würde, das musste sich die Konzernführung wohl überlegen.

…Frustration ohne Optimismus

Hat sie gemacht und die Konsequenzen gezogen. Vielleicht war es der jüngste Raketentest, der die Unternehmensführung davon überzeugte, dass man auch in den nächsten Jahren nicht vom Schreibtisch auf die hohe See kommen würde und der dazu geführt hat, dass man sich für einen klaren Schnitt entschied. Jedenfalls gab Aminex anlässlich der Stellungnahme zum ersten Quartal 2012 bekannt:

Due to the volatile and unpredictable politics of the area Aminex has concluded that it is in the best interests of shareholders for the Company to withdraw from the Korean exploration programme and not participate in seismic acquisition.

[Aufgrund der volatilen und unvorhersagbaren politischen Bedingungen in diesem Gebiet, hat Aminex beschlossen, dass es im besten Interesse der Aktionäre des Unternehmens ist, sich aus dem Koreanischen Explorationsprogramm zurückzuziehen und nicht an seismischen Erkundungen teilzunehmen.]

Klingt also, als sei ein Ölboom in Nordkorea bis auf weiteres nicht zu erwarten. Aber wer braucht schon Öl, wenn er seine Fahrzeugflotte ebensogut mit hocheffizienten Holzvergasern betreiben kann…

Nordkoreanischer LKW mit Holzvergaser

Funktionieren doch blenden die Holzvergaser. Man braucht halt nur immer ein paar Leute auf der Ladefläche, die permanent nachfeuern. (Foto: Joseph A. Ferris III unter CC Lizenz Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0))

Zielkonflikt: (Innen-)politik vs wirtschaftliche Entwicklung

Auch hier zeigt sich wieder der altbekannte Zielkonflikt zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und anderen politischen Zielen, vor allem wohl interner Stabilisierung. Bei staatlichen Akteuren kann die Führung in Pjöngjang ja möglicherweise noch auf Verständnis für politische Argumente hoffen. Aber wenn man nach privatwirtschaftlichen Investoren sucht, dann muss man damit rechnen, dass sie sich rein an den Marktchancen orientieren. Und die werden in Nordkorea immer wieder durch das außenpolitische Agieren des Landes verhagelt, bzw. unberechenbar. Wenn sich sogar Unternehmen aus dem Land zurückziehen, die mit relativ geringen Investitionen im Geschäft sind, dann wirft das meiner Meinung nach einen sehr dunklen Schatten auf die Bemühungen, internationale Investoren (jenseits von China) vor allem für die Sonderwirtschaftszonen im Norden zu gewinnen. Denn diese potentiellen Investoren haben im Gegensatz zu Aminex bisher ja noch garkein Geld investiert und daher dürfte die Bewertung mitunter noch negativer ausfallen, vor allem wenn die Investition größer ausfallen würde.

Wo ein Wille ist, ist eben nicht immer ein Weg

Es ist zwar nur ein kleines Beispiel, aber auch hier zeigt sich wieder, dass es für Nordkorea ein sehr schwerer und steiniger Weg werden wird, die internationalen Investitionen in seine Wirtschaft breiter zu streuen und damit die immer ausgeprägter werdende Abhängigkeit von China zu mindern, wenn die Führung in Pjöngjang gleichzeitig nicht bereit ist, eine gemäßigtere außenpolitische Linie einzuschlagen. Man steht sich beim Thema wirtschaftlicher Entwicklung also weiter selbst im Weg. Und in diesem Fall würde ich dem alten Sprichwort wiedersprechen, nach dem man einen solchen findet, wenn nur der Wille da ist.

Ressourcen-Fluch erfolgreich vermieden!

Aber wer weiß, vielleicht hat sich die Führung in Pjöngjang ja auch genauso wie Marcus Noland über den „Ressourcen-Fluch“ Gedanken gemacht und verbucht es nun als Erfolg, dass das systemische Risiko, dass mit der Ausbeutung vieler Ressourcen verbunden ist, zumindest hinsichtlich möglicher Erdölfunde frühzeitig und nachhaltig abgewendet werden konnte. Denn wo nicht gesucht wird, da wird auch nicht gefunden und nichts gefördert…

Nordkorea will seine Wirtschaft schmieren: Öldeal mit irisch-britischem Unternehmen


Nachdem mir alles was mit Schiffen, Torpedos und großer Politik zu tun hat langsam zum Hals raushängt, bin ich froh, dass es nochmal was zu schreiben gibt, das relativ weit ab ist davon (obwohl man auch hier keinen festen Boden unter die Füße bekommt, sondern sich weiterhin auf dem schwankenden Untergrund der Meere rund um Korea bewegt – sozusagen). Nordkorea hat nämlich in der vergangenen Woche mit der irisch-britischen Ölfirma Aminex einen „Product Sharing Contract (PSC)“ mit Nordkorea geschlossen, dass über zehn Jahre laufen soll und ein Gebiet von über 50.000 Kilometern an der Ostküste betrifft. Das Gebiet umfasst sowohl Tiefsee als auch Küstengewässer. Und nimmt man es ganz genau hat nicht Aminex den Kontrakt geschlossen, sondern dessen Tochter Korex Ltd., von der Aminex im Vorfeld des Abkommens außerdem 50 % an die Chosun Energy Pte Ltd., die in Singapur gelistet ist, abgetreten hat. Letztere Firma ist ein recht unbeschriebenes Blatt, gehört aber Angaben von Aminex zur Folge zur Triton Energy group of companies, zu der man ebenfalls eigentlich nichts findet (Es gibt ne kanadische Firma die Triton heißt und im Ölgewerbe ist, aber die scheint nur in Kanada aktiv zu sein und es gab eine amerikanische Firma mit dem Namen, die ging aber scheinbar 2001 in einem anderen Konzern auf), aber seis drum, Aminex wird wohl wissen wo die hingehören (obwohl michs immer irritiert, wenn man so garnichts finden kann). Das PSC sieht eine gemeinsame Suche nach Ölvorkommen mit der staatlichen Korea Oil Exploration Company (KOEC) vor. Sollten Lagerstätten entdeckt werden bestände die Möglichkeiten größere Konzerne für die Förderung ins Boot (oder auf die Bohrinsel) zu holen, ließ Aminex verlauten.

Das Engagement von Aminex ist allerdings nicht ganz neu. Schon im Jahr2004 unterzeichnete man ein Petroleum Co-operation Agreement mit Nordkorea, in dessen Rahmen Aminex Nordkorea technisch und juristisch bei der Suche nach Lagerstätten unterstützte und dafür das Erstzugriffsrecht auf mögliche Explorationsverträge hatte, was in einem sehr lesenswerten Aufsatz zur Geschichte von Nordkoreas Suche nach Öl (die reicht nämlich bis in die 1960er Jahre zurück) als extrem unvorteilhafter Deal für Nordkorea beschrieben wurde. Vielleicht trug dieses Abkommen zwischen Aminex und Nordkorea aus diesem Grund auch keine Früchte. Aminex begründet die geringen Erfolge der bisherigen Zusammenarbeit mit Zeiten des turbulenten Wandels in Nordkorea (naja, wenn man bedenkt in welch turbulenten Zeiten der aktuelle Deal geschlossen wurden, dürften die Perspektiven ja dann nicht gut sein). Das neue Abkommen stände auf einer soliden Basis und das Gebiet habe – obwohl schon oberflächlich untersucht – Potential für große Ölvorkommen. Nordkoreas Ölsektor habe in den letzten Jahren einen starken Wandel vollzogen und sei nun in der Lage schnell und Effekiv Datenmaterial zu liefern, sagte der Chef von Aminex, Brian Hall. Die Aktivität in Nordkorea scheine zwar auf den ersten Blick riskant, nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Spannungen („the torpedo“), aber es sei wesentlich einfacher Leute nach Nordkorea zu entsenden als in den Irak oder in bestimmte Teile von Afrika (Nigeria z.B.?). Man werde aber kein so hohes finanzielles Risiko eingehen wie Beispielsweise bei einem Projekt in Tansania, bei dem Aminex 8,5 Millionen Dollar im Indischen Ozean versenkt hatte.

Kurzfristig hat Nordkorea von dem Deal also keine großen finanziellen Vorteile zu erwarten, allerdings dürfte sich das schnell ändern, sollte man tatsächlich auf Öl stoßen. Während die Chancen dafür zwar schwer einzuschätzen sind, fiel mir der Hinweis auf positive Veränderungen der Strukturen innerhalb der nordkoreanischen (Öl-)bürokratie auf. Dies könnte man als (wenn auch nur kleinen) Hinweis auf eine mögliche Verschiebung der nordkoreanischen Interessen hin zur wirtschaftlichen Entwicklung sehen, über die ich ja gelegentlich gerne spekuliere. Naja, wir dürfen gespannt sein, ob man in Nordkorea tatsächlich Öl finden wird und ob Kims Regime sich noch daran erfreuen kann…

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