Laotischer Präsident traf Kim Jong Il: Militärische Zusammenarbeit?


Choummaly Sayasone, der Präsident von Laos hat seinen dreitägigen Besuch in Nordkorea gestern beendet. Seine offizielle Visite war begleitet von einer Menge hochrangiger Gespräche und natürlich kultureller Termine, zu denen auch (wie vermutet) ein Zusammentreffen mit Kim Jong Il zählte. Worüber beide Seiten konkret sprachen, darüber schwieg man sich leider aus, allerdings gibt es einige Hinweise auf zumindest ein interessantes Thema.

Hinweise auf ein Gesprächsthema aus Sayasones Reden und…

In seinen Ansprachen im Rahmen des Treffens mit Kim Jong Il, sowie bei einem Empfang des Zentralkomites der Arbeiterpartei, erwähnte Sayasone immer zwei Themen, die die engen Beziehungen zwischen Laos und Nordkorea verdeutlichen. Einerseits die historischen Verbindungen, die auf der nordkoreanischen Hilfe im Befreiungskampf des laotischen Volkes beruhten. Andererseits aktuelle Hilfen Nordkoreas im wirtschaftlichen Bereich und bei der Landesverteidigung:

He expressed deep thanks to the fraternal party, government and people of the DPRK for having rendered precious cooperation to the struggle of the Lao people for national salvation in the past and their national defence and construction at present. [Er drückte seine tiefe Dankbarkeit gegenüber der Bruderpartei, der Regierung und der Bevölkerung der DVRK aus, für die wertvolle Zusammenarbeit beim Kampf der laotischen Bevölkerung für nationale Befreiung in der Vergangenheit, sowie der nationalen Verteidigung und dem Aufbau in der Gegenwart.]

…den teilnehmenden Funktionären

Auf das Thema Landesverteidigung deuten auch noch einige andere Aspekte des Treffens. So fand sich mit Chansamone Chanyalath auch ein Vize-Verteidigungsminister im Gefolge des laotischen Präsidenten. Bei dem von Kim Jong Il und Choummaly Sayasone waren darüber hinaus auf nordkoreanischer Seite Ju Kyu-chang, der von der EU als

Erster stellvertretender Leiter der Abteilung Rüstungsindustrie (Programm für ballistische Flugkörper)

seit Ende 2010  mit einem Ein- und Durchreiseverbot belegt ist (hinter dem Link findet ihr übrigens den gesamten Text der aktuell bestehenden Sanktionen der EU gegen Nordkorea, falls  euch das interessiert), sowie Pak To-chun, der in der Partei für die Militärindustrie zuständig ist (außerdem sind beide Mitglieder der Nationalen Verteidigungskommission Nordkoreas) mit von der Partie. Im Paket klingt das Ganze für mich so, als hätten nicht zuletzt mögliche Unterstützungen Nordkoreas zur Landeverteidigung von Laos bei den Gesprächen eine Rolle gespielt. Ob Laos auch auf der Kundenliste für den nordkoreanischen Raketenbasar steht ist nicht klar, aber da dies das Spezialgebiet von Ju ist, ist auch das nicht vollkommen abwegig. Allerdings kann ich mir nicht so richtig vorstellen, wozu Laos Raketen brauch könnte. Ein Grenzkonflikt mit Thailand ist zwar noch nicht vollkommen beigelegt, wird aber wesentlich konstruktiver behandelt, als der Streit zwischen Kambodscha und Thailand.

Ein Thema: Militärische Zusammenarbeit

Naja, ob ballistisch oder anders. Ein Thema dürfte jedenfalls die militärische Kooperation gewesen sein, über die man nun wirklich extrem wenig finden kann. Würde mich ja wirklich mal interessieren, wie Nordkorea dem laotischen Volk bisher im Militärbereich unter die Arme gegriffen hat.

Geschenke gabs auch

Achja, Geschenke gabs natürlich auch. Und wie es sich seit neuestem zu gehören scheint, wurde auch mal wieder der Junior beschenkt. Allerdings interessierte sich Kim Jong Un dafür zumindest in der Fotosekunde wenig dafür. Umso neugieriger Ri Yong-ho, der mir ein bisschen vorwitzig zu  sein scheint (in ähnlichen Posen wird er nämlich öfter mal abgelichtet).

Choummaly Sayasone präsentiert Kim Jong Il und Kim Jong Un seine Geschenke

Choummaly Sayasone präsentiert staatsmännisch die Geschenke. Kim Jong Il interessiert, Ri Yong-ho (l) neugierig, Kim Jong Un macht den Hanns-Guck-in-die-Luft

Hier gibts noch den Schnelldurchlauf des Besuchs aus der Linse des nordkoreanischen Fernsehens:

Laotischer Staatschef will Pjöngjang besuchen: Beziehungen vertiefen sich


Gestern berichtete KCNA, dass der Präsident von Laos, Choummaly Sayasone (in den nordkoreanische Meldungen wird er so geschrieben „Choummaly Saynasone“, aber das scheint ein Unterschied in der Romanisierung zu sein, da die nordkoreanischen Medien diese Schreibweise konsequent durchhalten) „bald“ Nordkorea auf Einladung Kim Jong Ils zu einem „goodwill visit“ besuchen werde. Laotischen Meldungen zufolge soll die Reise noch Ende dieses Monats stattfinden. Sayasone ist gleichzeitig der Generalsekretär der Laotischen Revolutionären Volkspartei (LPRP), der verfassungsmäßig festgeschriebenen Regierungspartei des Einparteienstaates, der offiziell der politischen Ideologie des Marxismus-Leninismus folgt.

Staatspräsidenten sind in Pjöngjang selten

Ich finde diesen Besuch schon deshalb erwähnenswert, weil sich Staatschefs ja nicht gerade die Klinke in die Hand geben in Pjöngjang (mal abgesehen von ehemaligen US-Präsidenten, die dorthin fahren um irrlichternde Bürger freizubekommen) und allein daher ist dieser Besuch schon erwähnenswert. Vor allen Dingen müsste dem Protokoll nach wohl Kim Jong Il den laotischen Präsidenten empfangen (oder? Von Generalsekretär zu Generalsekretär? Ich glaube da ist Kim Yong-nam nicht genug) und Kim Jong Il (genauso wie Sayasone) werden wohl nicht nur für ein „goodwill-Kaffeekränzchen“ einen solchen Aufwand treiben).

Regionale Diplomatie Nordkoreas nimmt zu

Aber darüber hinaus sind auch einige andere Punkte interessant. Einerseits kann man diesen Besuch als Teil einer stärker werdenden regionalen Diplomatie Nordkoreas verstehen. In den vergangenen Jahren hat Nordkorea sich verstärkt um die Beziehungen zu den Staaten Südostasiens gekümmert und der Besuch Saysones könnte ein Ergebnis dieser kleinen diplomatischen Offensive sein. Allerdings war die Verbindung beider Staaten nie ganz eingeschlafen. In den letzten Jahren (wenn auch in der jüngeren Vergangenheit verstärkt (so nehme ich das jedenfalls wahr, kann aber auch ein subjektives Gefühl sein)), gab es immer wieder Treffen auf Ministerebene. Aber Politiker der absoluten Führungsspitze des Landes blieben aus. Auch hochrangige militärische Kontakte waren bis zu diesem Jahr nicht zu verzeichnen, als eine Delegation des laotischen Generalstabs unter Führung dessen Chefs Sanyahak Phomvihane Nordkorea besuchte und Gespräche mit Nordkoreas Generalstabschef Ri Yong-ho abhielt.

Gruppenfoto mit Generalstabschefs anlässlich des Besuchs der laotischen Militärdelegation in Pjöngjang. Erste Reihe 4. v.l. Sanyahak Phomvihane (Laos), 5. v.l. Ri Yong-ho (Nordkorea)

 Was Nordkorea und Laos verbinden könnte

Die Länder und ihre Führungsspitzen, die beide das Ende des Kalten Krieges überstanden haben, scheinen also näher zusammenzurücken, was auch eigentlich nicht besonders überraschend ist, denn in der ideologischen Verwandtschaft (die sich zudem noch ideologisch recht stark entfremdet hat) ist es einsam geworden. Da ist es vielleicht gut, mal mit jemandem zusammenzutreffen, der auch noch in einem Politbüro sitzt (ich glaube weltweit lassen sich die ernstzunehmenden Politbüros heutzutage an einer Hand abzählen(maximal zwei)). Aber vorgebliche ideologische Nähe wird wohl nicht er einzige Grund für diese Annäherung sein. Vielleicht geht es auch (zumindest den Nordkoreanern) darum, etwas von den laotischen Genossen zu lernen. Immerhin verfolgen die schon seit 25 Jahren einen Kurs der vorsichtigen marktwirtschaftlichen Öffnung, ohne dass dieser die Regierungspartei aus der Macht katapultiert, oder das Land in Chaos gestürzt hätte. Sollte Nordkorea wirtschaftliche Veränderungen anstreben, dann ist ein solch vorsichtiger Prozess wohl auch für Pjöngjang das Mittel der Wahl. Zwar wird man sich auch vom großen Bruder in Peking einiges abschauen können, aber von der Bevölkerungsgröße, Landfläche und Wirtschaftskraft ist Laos Nordkorea vielleicht etwas näher und könnte auch interessantes Wissen parat haben. Was Nordkorea im Gegenzug geben könnte, weiß ich aber nicht so genau. Aber vielleicht hat es ja was mit dem Treffen hochrangiger Militärs zu tun. Immerhin gibt es in Laos mit den Hmong eine Minderheit, die man militärisch bekämpft, wobei neue Ausrüstung den laotischen Generälen immer willkommen sein dürfte. Und dass Nordkorea hier einiges zu bieten hat, dürfte wohl niemandem neu sein.

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